Angermuseum

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Das Angermuseum (im März 2007, nach Beginn der Bauarbeiten)

Das städtische Angermuseum befindet sich in der Erfurter Waage, dem ehemaligen kurmainzischen Packhof in der Innenstadt Erfurts am Anger 18. Es wurde 1886 auf Initiative der Bürgerschaft gegründet und baute seine Gemäldesammlung auf dem ihm übertragenen Nachlass von Friedrich Nerly dem Älteren auf.

Das Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude entstand 1706–1711 nach Plänen des kurmainzischen Baumeisters Maximilian von Welsch. Es ist ein fränkisch beeinflusster Barockbau mit Walmdach und reichem plastischem Schmuck, 14achsig mit Mittelrisalit, durch Pilaster gegliedert. Im Giebeldreieck befindet sich St. Martin, der Schutzpatron der Stadt. Die Freiplastiken stammen von G. Gröninger.

Am 19. Februar 1945 kam es durch einen britischen Bombenangriff auf die Erfurter Innenstadt zu schweren Beschädigungen am Dach und an der Fassade des Gebäudes.[1]

Der in der Bahnhofstraße liegende Nebenflügel des früheren Packhofs verlor bei der Rekonstruktion 2006/07 sein Doppelwalmdach mit Gauben, das bis dahin architektonisch gut mit dem Charakter des Hauptgebäudes harmoniert hatte. Das Dach wurde durch einen Stahl-Glas-Aufbau als drittem Geschoss (für Büroräume) ersetzt, mit dunkler Lamellen-Vorverblendung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1912 übernahm der spätere Reichskunstwart Edwin Redslob die Museumsleitung, danach Walter Kaesbach. Seine Blütezeit erlebte das Museum in den Zwanziger Jahren unter dem langjährigen Direktor Herbert Kunze.

1935 zog die Bibliothek aus dem Angermuseum aus, wodurch dieses nun über das gesamte Gebäude verfügen konnte. 1937 wurde „Entartete Kunst“ aus dem Museum entfernt, nachdem vorher eine entsprechende Ausstellung gelaufen war. Ab 1944 ruhte der Museumsbetrieb, die Kunstwerke wurden wegen des Luftkriegs ausgelagert und dadurch vor den Bomben und Artilleriebeschuss gerettet.

1976/77 erfolgte eine umfangreiche Rekonstruktion des Gebäudes.

Am 1. Juni 2010 wurde das Museum nach fünfjährigen Renovierungsarbeiten als Kunstmuseum der Landeshauptstadt mit der Sonderausstellung Natalja Gontscharowa. Zwischen russischer Tradition und europäischer Moderne in Zusammenarbeit mit der Tretjakow-Galerie Moskau wiedereröffnet. Zu einer Kontroverse kam es im Vorfeld der Wiedereröffnung, da sich im Fundus des Museums auch die Kunstsammlung Heinz Dietel befindet, die dem Besitzer 1975 durch DDR-Behörden abgepresst worden war.[2][3]

Bestände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildnis des Kaufmanns Christian Nonne;
Tuschzeichnung von Franz Kotta, 1785, im Besitz des Angermuseums

Heute wird das Museum von der Vereinigung der Erfurter Museumsfreunde e. V. und dem Verein für Kunst und Kunstgewerbe mitgetragen und besitzt neben der Gemäldegalerie ausgedehntes graphisches und kunsthandwerkliches Material.

Weiter besteht eine umfangreiche Sammlung mittelalterlicher Kunst mit Werken aus der Blütezeit der Erfurter Kunst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, darunter vier Altartafeln der Augustinerkirche und Sandsteinskulpturen aus der Werkstatt des Meisters des Severisarkophags. Acht Tafelgemälde, darunter die kleine Tafel Christus als guter Hirte (um 1540/1550) sowie die Gemälde Lasset die Kindlein zu mir kommen (um 1535) und Heilige Nacht (um 1540), und ein Flügelaltar werden Cranach und der Cranach-Werkstatt zugeschrieben.

Im Erdgeschoss des Museums befindet sich der Heckelraum – ein kleiner, gewölbter Raum, den Erich Heckel 1922 bis 1924 auf Einladung des Angermuseums ausmalte. Die Wandmalereien, die nachträglich den Titel Lebensstufen erhielten, gelten als die wichtigsten erhaltenen Wandbilder des deutschen Expressionismus.

Direktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Cornelia Nowak: Der Erfurter Kunstverein: zwischen Avantgarde und Anpassung; eine Dokumentation von 1886 bis 1945. Hrsg.: Ernst Herrbach. Angermuseum, Erfurt 2009, ISBN 978-3-930013-14-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ruth und Eberhard Menzel: Zweckbau ziert barocke Fassade. Häuser und ihre Geschichte: Angermuseum. In: "Thüringische Landeszeitung", 12. Juni 2010
  2. „Upset“ und sehr enttäuscht. Kunstsammlung Dietel: Stadt schweigt. In: Thüringische Landeszeitung, 10. Juni 2010.
  3. Stefan Koldehoff: Ausgeplündert durch die DDR. In: Die Zeit. 21. Januar 2010.

Koordinaten: 50° 58′ 32″ N, 11° 2′ 3″ O