Anglo American

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Anglo American plc
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Rechtsform Public limited company
ISIN GB00B1XZS820
Gründung 1917
Sitz London, Vereinigtes Königreich
Leitung Mark Cutifani, CEO
John Parker, Vorsitzender
Mitarbeiter 133.900 (2015)[1]
Umsatz 27,07 Mrd. US-Dollar (2014)[2]
Branche Bergbau
Website www.angloamerican.com

Anglo American ist ein weltweit agierender Konzern, der sich im Bergbau und in der Verarbeitung von Rohstoffen engagiert. Der Hauptsitz des Unternehmens, das in London und Johannesburg börsennotiert ist, befindet sich in London. Das Unternehmen beschäftigt rund 133.900 Mitarbeiter und generiert jährlich einen Umsatz von rund 27 Mrd. US-Dollar. Der Bergbausektor ist vor der Metallveredelung das Kerngeschäft von Anglo American.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anglo American Corporation wurde 1917 von Sir Ernest Oppenheimer gegründet, um die Goldvorkommen des südafrikanischen East Rand auszuschöpfen. Das Startkapital von einer Million Pfund stammte zum größten Teil von britischen und US-amerikanischen Investoren. Unter dem Vorsitz von Sir Ernest Oppenheimer baute Anglo American seine Rolle im Abbau von Gold aus und übernahm 1926 die Aktienmehrheit an De Beers, dem führenden Unternehmen des Diamantenabbaus, in welchem Oppenheimer ebenfalls die Position des Vorstandsvorsitzenden einnahm. Anglo American vergrößerte sich in den folgenden Jahren und erweiterte vorhandene Geschäftsfelder. So beteiligte man sich an der Erschließung des sambischen Copperbelts, schöpfte die von Hans Merensky entdeckten Platinvorkommen aus und förderte den Aufbau der African Explosives and Chemical Industries (AECI), eine Geschäftssparte, von deren Anteilsmehrheit man sich 2001 trennte.

In den 1940er und 1950er Jahren fokussierte sich das Unternehmen auf die Ausbeutung der Oranje-Freistaat- und Vaal-Reefs-Goldminen. Damit wurde Anglo American zu einer der weltweit führenden Bergbaugesellschaften. Nach dem Tod Sir Ernest Oppenheimers übernahm sein Sohn Harry Oppenheimer die Position des Vaters. 1961 begann Anglo American, sein Engagement mit der Übernahme der Hudson Bay Mining and Smelting Company in Kanada und der Minerals and Resources Corporation (später Minorco) außerhalb Afrikas zu verstärken. Durch die Gründung der Mondi Group im Jahre 1967 wurde Anglo American zu einem der größten Papier- und Verpackungsmittelhersteller in Europa.

1975 befanden sich acht Kohlebergwerke im Besitz von Anglo American. Diese wurden im Tochterunternehmen Amcoal (später Anglo Coal) zusammengefasst. Zudem war das Unternehmen maßgeblich an der Entstehung des Richards Bay Coal Terminals in Richards Bay beteiligt, das Südafrika rasch zu einem der weltgrößten Kohleexporteure aufstiegen ließ. Nachdem Harry Oppenheimer zwischen 1982 und 1984 aus der Führung von Anglo American und De Beers ausschied, übernahmen Gavin Relly und Julian Ogilvie Thompson die Posten der Vorstandsvorsitzenden der jeweiligen Unternehmen. In den 1990er Jahren folgten weitere Gründungen und Akquisitionen von Bergwerken und Förderunternehmen. In Chile erfolgte die Eröffnung zweier Kupferminen in den Jahren 1993 und 1999, in Mali die der Sadiola Hill Goldmine, 1997 der Kauf von Kohlebergwerken in Lateinamerika und die Eröffnung von Nickel- und Zinkminen in Venezuela und Irland. Infolge weitflächiger Umstrukturierungen wurden die Firmensitze von Anglo American und Minorco, deren Sitz zuvor in Luxemburg gelegen hatte, in London durch die neu entstandene Anglo American plc zusammengelegt. Zugleich erfolgte eine Trennung von Verwaltungs- und technischen Kompetenzen zwischen De Beers und Anglo American.

Im September 2015 verkaufte Anglo American seine Platinbergwerke in Südafrika an Sibanye Gold[3] sowie die Kupferbergwerke Mantoverde und Mantos Blancosin Chile an eine Private Equity-Gesellschaft.[4]

Das Unternehmen heute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anglo American plc ist mit seiner Vielzahl an Tochterunternehmen und Unternehmensbeteiligungen mit dem Abbau von Rohstoffen wie Platin, Diamanten, Kohle, Kupfer, Nickel und Eisenerz beschäftigt. Zudem betreibt der Konzern Anlagen zur Gewinnung von Mangan, Stahl und Niob. Der sich mit der Herstellung von Papier und Verpackungen befassende Mondi-Konzern wurde am 2. Juli 2007 zu einem selbständigen Unternehmen ausgegliedert.

Im Dezember 2015 kündigte das Unternehmen an, wegen der weltweit fallenden Rohstoffpreise etwa 85.000 Mitarbeiter zu entlassen, etwa zwei Drittel aller Mitarbeiter. Ebenfalls werden die Dividenden für die Jahre 2015 und 2016 komplett gestrichen. Aktiva und andere Vermögenswerte werden verkauft und von bisher sechs Divisions genannten Tochterunternehmen verbleiben in Zukunft drei.[5]

Diamanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An dem Diamantenförderer De Beers war Anglo American bis August 2012 mit 45 %, die Familie Oppenheimer mit 40 % und der Staat Botswana mit 15 % beteiligt. Seit August 2012 besitzt Anglo American auch den Oppenheimer-Anteil, insgesamt also 85 % an De Beers. Über Beteiligungen an Unternehmen wie Debswana Diamond Company und Namdeb Diamond Corporation erzielt De Beers rund 40 % der Weltförderung und ist damit der weltgrößte Diamantenförderer. Außerdem hat De Beers durch das hauseigene Vermarktungsunternehmen über 50 % Anteil am weltweiten Diamantenhandel.

Platin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über sein Tochterunternehmen Anglo Platinum betreibt Anglo American den Abbau, die Verfeinerung und den Verkauf von Platin. Dabei ist Anglo American mit 38 % des jährlichen Platinausstoßes der weltweit größte Platinproduzent. Im Besitz des Unternehmens befinden sich fünf Platinminen in Südafrika sowie Platinschmelzen und Anlagen zur Verfeinerung von Platin. Dabei kann es auf die größte bekannte Platinlagerstätte, das Merensky Reef im Bushveld-Komplex in Südafrika, zurückgreifen. Zusätzlich stehen mehrere Platinvorkommen als Reserve zu Verfügung, die es gestatten, für die folgenden Jahre die Platinförderung zu sichern. Weitere Produkte der Tochtergesellschaft sind Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium.

Eisenmetalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Anglo Ferrous Metals and Industries verwirklicht Anglo American den Abbau und den Vertrieb von Eisenerz, Chrom, Mangan, Vanadium und Carbonstahl.

Kohle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über das Tochterunternehmen Anglo Coal, das zu hundert Prozent Anglo American gehört, wird der Geschäftsbereich des Kohleabbaus gesteuert. Bergwerke von Anglo Coal befinden sich in Australien, Kolumbien, Venezuela und in Südafrika.

Buntmetalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anglo Base Metals bedient die Nachfrage nach Buntmetallen wie Kupfer, Zink, Nickel oder mineralhaltigem Sand. Das Unternehmen ist mit verschiedenen Unternehmensbeteiligungen in Südafrika, Irland, Chile, Peru, Brasilien und Namibia vertreten.

Industriemineralien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anglo American baut über ein in Brasilien beheimatetes Unternehmen Nickel ab und gewinnt Niob und Phosphate.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. At a glance, auf www.angloamerican.com, abgerufen am 16. Januar 2016
  2. Anglo American 2014 Annual Report, abgerufen am 9. August 2015
  3. Anglo sells platinum mines in S. Africa to Sibanye for $330m. In: MINING.com. 9. September 2015, abgerufen am 4. Dezember 2015 (englisch).
  4. Anglo American completes sale of Chile copper mines. In: MINING.com. 14. September 2015, abgerufen am 4. Dezember 2015 (englisch).
  5. Anglo American to cut 85,000 mining jobs worldwide as part of restructure, four Australian mines remain for sale. In: abc.net.au. 9. Dezember 2015, abgerufen am 14. April 2016 (englisch).