Angoulême

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Dieser Artikel erläutert die französische Stadt Angoulême; zu anderen Bedeutungen siehe Angoulême (Begriffsklärung).
Angoulême
Wappen von Angoulême
Angoulême (Frankreich)
Angoulême
Region Poitou-Charentes
Département Charente (Präfektur)
Arrondissement Angoulême
Kanton Chef-lieu von 3 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d’agglomération du Grand Angoulême
Koordinaten 45° 39′ N, 0° 10′ OKoordinaten: 45° 39′ N, 0° 10′ O
Höhe 25–130 m
Fläche 21,85 km²
Einwohner 41.970 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 1.921 Einw./km²
Postleitzahl 16000
INSEE-Code
Website angouleme.fr

Blick über die Stadt Angoulême

Angoulême (okzitanisch Engoleime oder Engoulaeme) ist die Hauptstadt des westfranzösischen Départements Charente in der Region Poitou-Charentes und zählt 41.970 Einwohner (Stand 1. Januar 2013). Die durchschnittliche Höhenlage beträgt 100 Meter über dem Meeresspiegel.

Angoulême ist durch das Cité internationale de la bande dessinée et de l’image und das Festival international de la bande dessinée als Stadt des Comics bekannt. Die Stadt wurde mit dem staatlichen Prädikat Ville d’art et d’histoire („Stadt der Kunst und der Geschichte“) ausgezeichnet und zieht zahlreiche Touristen an.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angoulême liegt auf einem ca 100m hohen Hügel oberhalb der Charente in einer Höhe von etwa 50 und 130 Metern ü. d. M.; die nächstgrößere Stadt ist das etwa 45 km (Fahrtstrecke) westlich gelegene Cognac.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1800 1851 1901 1954 1999 2013
Einwohner 13.000 21.155 37.650 43.170 43.171 41.970

Der Bevölkerungszuwachs im 19. und 20. Jahrhundert beruht im Wesentlichen auf der Zuwanderung aus den ländlichen Regionen der Umgebung. Nach dem Höchststand in den 1960er Jahren wanderten viele Einwohner wegen der auf dem Lande deutlich niedrigeren Immobilienpreise in die umliegenden Gemeinden ab.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt war schon immer ein Platz für Handel, Handwerk und Dienstleistungen aller Art. Im 15. und 16. Jahrhundert spielte die Stadt eine wichtige Rolle für den Weinexport nach England sowie nach Holland und in die Städte des Nordens. Gleichzeitig entstanden – bedingt durch den Holz- und Wasserreichtum an der Charente und ihren Nebenflüssen – mehrere Papiermühlen und -manufakturen. Auch die vom 17. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts betriebenen Eisengießereien im Vorort Ruelle-sur-Touvre sind zu nennen. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der französischen Comic- und Trickfilmproduktion.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ersten Bewohner bereits um 104 vor Christus waren die Gallier. Die aus der Römersiedlung Ecolisma (oder Iculisma) hervorgegangene Bischofsstadt Angoulesme hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde 507 von dem Merowinger Chlodwig I. den Westgoten entrissen und im 9. Jahrhundert von den Normannen geplündert. Im Mittelalter war sie Hauptstadt der Grafschaft Angoulême und ein Hauptknotenpunkt der Jakobspilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela in Spanien. Angoulême erhielt 1204 die Stadtrechte durch den englischen König Johann Ohneland. Im Vertrag von Brétigny (1360) wurden Stadt und Grafschaft an England abgetreten, doch schon wenige Jahre später (1373) von Karl V. zurückerobert. Die Stadt erlitt während der französischen Religionskriege schwere Zerstörungen, besonders nach ihrer Eroberung durch protestantische Truppen unter Coligny.

Schlagzeilen im Dezember 2014 berichteten von Obdachlosenkäfigen, welche im Stadtzentrum installiert worden waren.[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prähistorische Funde zeigt das Musée archéologique. Zu den mittelalterlichen Überresten zählen die denkmalgeschützten Befestigungsanlagen aus dem 12. und 13. Jahrhundert (im 16. und 17. Jahrhundert verändert); von dem früheren Schloss sind am heutigen Rathaus zwei Türme erhalten, der Tour Lusignan (13. Jahrhundert) und der Tour de Valois (15. Jahrhundert). Der ehemalige Bischofspalast (12., 15. und 18. Jahrhundert) beherbergt heute das städtische Museum.

Unter den Sakralbauten sind die Kathedrale St-Pierre hervorzuheben sowie die Kirche St-André (12.und 16. Jahrhundert) und die ehemalige Kapelle der Cordeliers (13.–15. Jahrhundert) sowie der Schlafsaal der Mönche (16. Jahrhundert). Im 19. Jahrhundert errichtete Paul Abadie der Ältere die Kirche St-Jacques, sein gleichnamiger Sohn, Restaurator der Kathedrale, die neoromanische Kirche St-Martial und die neogotische Kirche St-Ausone.

Sehenswerte Museen sind:

  • Musée d’Angoulême
  • Musée de la Société archéologique et historique de Charente
  • Fonds régional d’Art contemporain (FRAC)
  • Musée de la Résistance et de la Déportation (seit 2009 den Archives départementales de la Charente angegliedert)
  • Musée du papier
  • Centre national de la Bande dessinée et de l’Image

Kathedrale St-Pierre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Saint Pierre - Westfassade
Hauptartikel: Kathedrale von Angoulême

Die spätromanische Kathedrale St-Pierre (1105–1128), Sitz des römisch-katholischen Bistums Angoulême, wurde in sehr kurzer Zeit errichtet. Sie ist ein Beispiel für die in dieser Region verbreiteten aquitanischen Kuppelkirchen. Diese werden nach dem bedeutendsten, in Périgueux entstandenen Bau dieser Gruppe von Sakralbauten der sogenannten „Périgord-Schule“ zugeordnet. Merkmal dieser typischen Bauform ist die Überwölbung des Langhauses mit aufeinanderfolgenden Kuppeln.

Die mehrgeschossige, durch fünffache Bogenstellung aufgeteilte Fassade der Kathedrale ist mit reichem Skulpturenschmuck besetzt und für die Geschichte der romanischen Bauplastik in Südwestfrankreich von Bedeutung; allerdings hat sie durch eine im 19. Jahrhundert von Paul Abadie durchgeführte Restaurierung gelitten.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Angoulême findet jährlich das Festival International de la Bande Dessinée d’Angoulême statt, eines der bekanntesten Comicfestivals Europas.

In Angouleme spielt Balzacs Roman Verlorene Illusionen.

Erwerbsquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angoulême ist Zentrum des örtlichen Weinanbaugebietes. Erwerbsquellen sind Weinanbau und Weinhandel, wie auch Fremdenverkehr, Papierindustrie, Maschinenbau und elektronische Industrie.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt ist per Autobahn gut zu erreichen. Der Flughafen Angoulême-Cognac wird unter anderem von der Billigfluggesellschaft Ryanair angeflogen, allerdings nur ab London-Stansted.

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bahnhofsgebäude

Der Bahnhof der Stadt befindet sich nördlich der Altstadt an der Bahnstrecke Paris–Bordeaux. Der Hochgeschwindigkeitszug Train à grande vitesse verbindet die Stadt mit Paris in 2 Stunden 10 Minuten. Des Weiteren gibt es TER Verbindungen nach Poitiers, Limoges, Bordeaux und Royan.

Von 1900 bis 1933 verkehrte eine Straßenbahn, mit sieben Linien, in der Stadt. Heutzutage tragen Busse der Société d’économie mixte des transports du grand Angoulême (STGA) die Hauptlast des öffentlichen Verkehrs.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Angoulême pflegt Partnerschaften mit folgenden Städten

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mikaël Roparz: La mairie d’Angoulême pose des grillages autour des bancs publics pour déloger des SDF. francebleu.fr, 25. Dezember 2014, abgerufen am 1. Januar 2015 (französisch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Angoulême – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien