Anhaltisches Infanterie-Regiment Nr. 93

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Anhaltisches Infanterie-Regiment Nr. 93
Aktiv 1807 bis Januar 1919
Land Herzogtum Anhalt
Streitkräfte Preußische Armee
Truppengattung Infanterie
Unterstellung IV. Armee-Korps
Historische Stationierungsorte Dessau und Zerbst
Gedenkstein auf den Ehrenfriedhof in Dessau

Das Anhaltische Infanterie-Regiment Nr. 93 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke Anhaltisches Infanterie Regiment No. 93, 1 Bataillon

Das Regiment führte seine Geschichte auf die Aufstellung eines gemeinsamen anhaltischen Truppenkontingents durch die Herzogtümer Anhalt-Dessau, Anhalt-Bernburg und Anhalt-Köthen zurück, die nach dem Beitritt der drei anhaltischen Staaten zum Rheinbund auf Befehl Napoleons am 22. Mai 1807 vollzogen wurde. Aufgeboten wurden 250 Mann aus Dessau, 240 aus Bernburg und 210 aus Köthen, die in fünf Kompanien gegliedert und der Aufsicht des Herzogs von Anhalt-Dessau unterstellt wurden. Die 1. Kompanie erhielt ihren Standort in Dessau, die 2. Kompanien in Zerbst, die 3. Kompanie in Köthen und die 4. und 5. Kompanie in Bernburg (Saale), wobei sich die 5. Kompanie aus Angehörigen aller drei Herzogtümer zusammensetzte. Befehlshaber wurde Oberst von Chambaud.

1807 kämpfte das Regiment auf französischer Seite gegen Preußen und Russland. Im Sommer 1808 wurde die Einheit auf sechs Kompanien à 140 Mann erhöht. Zum Einsatz kamen sie in Tirol und Spanien. Das in Spanien eingesetzte Kontingent geriet am 14. September 1810 bei La Bisbal fast vollständig in Gefangenschaft und wurde zum Teil in Tarragona, zum Teil von den Engländern auf Mallorca und in Schottland interniert. Die letzten Reste kehrten erst im April 1814 in die Heimat zurück.

Andere Teile des anhaltischen Aufgebots nahmen als Reservekorps der Russlandarmee an Napoleons Feldzug gegen Russland teil, gelangten aber nur bis Wilna und sicherten als Nachhut den Rückzug. Sie dienten 1813 noch als Besatzung für das von den Russen belagerte Danzig, wurden aber nach dem Wechsel der anhaltischen Herzöge auf die Seite der Alliierten zurückbeordert.

Ab 1813 nahmen anhaltische Truppen an den Befreiungskriegen teil und kehrten am 5. Dezember 1815 endgültig in ihre Garnisonen zurück. Nach 1815 wurden die anhaltischen Truppen reduziert und einer preußischen Division zugeteilt.

Im Schleswig-Holsteinischen Krieg nahm das anhaltische Militär mit zwei Bataillonen teil, von denen eines aus Dessau und eines aus Köthen und Bernburg gestellt wurde. Ab 1854 standen in Dessau und Bernburg je ein Bataillon, in Zerbst und Köthen je eine Kompanie, die dem Kommando in Dessau unterstanden.

Nach der Vereinigung der anhaltischen Teilstaaten 1863 wurde auch das Militär zu einem einheitlichen „Regiment Anhalt“ zusammengeführt, das in zwei Füsilierbataillone zu vier Kompanien und eine Scharfschützenabteilung zu zwei Kompanien untergliedert wurde.

Am Krieg gegen Dänemark von 1864 nahmen sie nicht teil. Im Deutschen Krieg von 1866 wurde das Regiment zunächst bei der Besetzung von Torgau und Wittenberg eingesetzt, dann aber der preußischen 8. Infanterie-Division zugeteilt, mit der es im Verband der Mainarmee nach Bayern einrückte. Über Bayreuth drang es bis nach Nürnberg vor und blieb dort bis zum Waffenstillstand am 2. August.

1867 schloss Anhalt eine Militärkonvention mit Preußen, durch die der Verband unter der Bezeichnung Anhaltisches Infanterie-Regiment Nr. 93 in die Preußische Armee eingereiht wurde. Zugleich wurde ein III. Bataillon errichtet, das als Garnisonsort Zerbst zugewiesen bekam. Das I. Bataillon stand in Dessau, das II. Bataillon in Bernburg. Kommandeur des Regiments wurde Oberst von Krosigk. Im Deutsch-Französischen Krieg wurde das Regiment unter anderem bei der Einschließung von Paris eingesetzt.

Während der Friedensjahre 1871 bis 1914 kam es mehrfach zu Umbildungen und Abgabe von Kompanien an neuaufgestellte Infanterieregimenter. Im Herbst 1898 wurde das II. Bataillon von Bernburg nach Zerbst verlegt.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs machte das Regiment als Teil der 15. Infanterie-Brigade der 8. Infanterie-Division am 2. August 1914 mobil und wurde im Kriegsverlauf ausschließlich an der Westfront eingesetzt. Während der Stellungskämpfe in Flandern und Artois war das Regiment vom 29. Oktober bis 4. November 1914 kurzzeitig der 16. Infanterie-Brigade unterstellt und gehörte ihr ab 21. März 1915 bis Kriegsende an. Anfang September 1918 erhielt der Verband eine eigene MW-Kompanie. Während der Abwehrschlacht zwischen Cambrai und St. Quentin wurden die drei Bataillone zu je zwei Kampfkompanien formiert. Nach schweren Verlusten löste man am 2. November 1918 das III. Bataillon auf. Das Regiment formierte sich ab diesem Zeitpunkt zu zwei Bataillonen zu je drei Kompanien und einer MG-Kompanie sowie einer MW-Kompanie.

Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Kriegsende wurde das Regiment ab 22. Dezember 1918 in Dessau, das II. Bataillon ab 9. Januar 1919 in Zerbst zunächst demobilisiert und schließlich aufgelöst. Teile gingen zum Freiwilligen-Detachement Pavel über, das im Grenzschutz Ost eingesetzt wurde. Aus weiteren Teilen bildete sich im März 1919 das Freiwilligen-Bataillon Anhalt und die ehemalige MW-Kompanie trat zum Freiwilligen-Detachement Thümmel. Die beiden letztgenannten Formationen gingen im Juli 1919 im Reichswehr-Schützen-Regiment 49 der Vorläufigen Reichswehr auf.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung, General der Infanterie Hans von Seeckt, vom 24. August 1921 die 2. Kompanie des 12. Infanterie-Regiments in Zerbst. In der Wehrmacht führte das Infanterieregiment 33 die Tradition fort.

Regimentschefs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[1]
Leopold IV. Friedrich 01. Oktober 1867 bis 22. Mai 1871
General der Infanterie Friedrich I. 23. August 1876 bis 24. Januar 1904
General der Kavallerie Friedrich II. 02. April 1904 bis 21. April 1918
Generalmajor Eduard von Anhalt 21. April, bis 13. September 1918

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Datum[2]
Oberst Ernst von Krosigk 25. Juli 1867 bis 16. Juni 1871
Oberstleutnant Alwin von Loos 20. Juni bis 3. November 1871 (mit der Führung beauftragt)
Oberstleutnant/
Oberst
Alwin von Loos 04. November 1871 bis 2. August 1876
Oberst Barthold von Ditfurth 03. August 1876 bis 27. November 1879
Oberst August Brunsig von Brun 28. November 1879 bis 12. März 1884
Oberst Rudolf von Oetinger 13. März 1884 bis 3. August 1888
Oberst Florenz von Heydwolff 04. August 1888 bis 21. August 1891
Oberst Ludwig von Wildenbruch 22. August 1891 bis 28. Juni 1895
Oberst Friedrich von Kracht 29. Juni 1895 bis 21. April 1898
Oberst Hans von Frankenberg und Proschlitz 22. April 1898 bis 29. September 1901
Oberst Kurt von Sanden 30. September 1901 bis 9. April 1906
Oberst Bertrand von Monts 10. April 1906 bis 21. März 1910
Oberst Reinhard von Dalwigk zu Lichtenfels 22. März 1910 bis 21. März 1913
Oberst Hans von der Esch 22. März bis 7. Dezember 1913
Oberst Louis von Arnim 08. Dezember 1913 bis 26. August 1914
Oberstleutnant Gustav Faelligen 04. September 1914 bis 11. Dezember 1917
Oberstleutnant Louis Sichart von Sichartshoff 12. Dezember 1917 bis 24. Januar 1919

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dem Film Merry Christmas aus dem Jahre 2005, er handelt vom Weihnachtsfrieden (1914), agiert auf der deutschen Seite das 93er Regiment. Dessen Soldaten trugen auf ihrer Pickelhaube die 93.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 166.
  • Hans Trützschler von Falkenstein: Das Anhaltische Infanterie-Regiment Nr. 93 im Weltkriege. Oldenburg i. O. Berlin 1929.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 240.
  2. Günter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 241.