Animatronic

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Musikalbum siehe Animatronic (Album).
Ein animatronischer Tyrannosaurus Rex im Combe Martin Wildlife and Dinosaur Park in England.

Als Animatronic (auch eingedeutscht Animatronik genannt) werden mechanisch, pneumatisch und elektronisch gesteuerte Figuren bezeichnet, die tiergestaltig oder anthropomorph sein können und in Vergnügungsparks, auf Jahrmärkten, vor großen Kaufhäusern und in der Filmindustrie für Unterhaltung und Belustigung sorgen sollen.

Etymologie[Bearbeiten]

Der moderne Begriff Animatronic ist ein Kofferwort, das sich aus den englischen Wörtern Animation (zu dt. „Animation“, „Bewegung“) und Electronic (zu dt. „Elektronik“) zusammensetzt und vorrangig auf die Funktionsweise der Figur hindeutet. Sowohl die englische als auch die deutsche Begriffsform stammen aus dem Bereich der Vergnügungsparks, wo die Figuren anfänglich am häufigsten eingesetzt wurden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Mechanisch gesteuerte Spieluhren, Roboter und Puppen sind möglicherweise schon seit frühchristlicher Zeit bekannt. Bereits das chinesische Werk Liezi (chin. 列子; um 30 n.Chr.) beschreibt einen angeblichen „mechanischen Menschen“. Die lebensgroße Figur soll in der Lage gewesen sein, zu posieren, zu gehen und sogar zu singen. Es ist umstritten, ob es sich um einen wirklich rein mechanischen Apparat, oder nicht eher um einen verkleideten Schauspieler handelte.[2] Um 1551 entwickelte und konstruierte der berühmte Erfinder und Maler Leonardo da Vinci den sogenannten Automata Leone, einen mechanischen Löwen, der -zeitgenössischen Augenzeugenberichten zufolge- nicht nur gehen, sondern sogar brüllen konnte. Da Vinci hatte die Figur dem französischen König zum Geschenk gemacht, als Dank für erfolgreiche Allianzen Lyons mit Florenz. Der Automata Leone wäre demnach der erste Animatronic der Welt gewesen.[3]

Aufbau[Bearbeiten]

Für gewöhnlich bestehen Animatronics aus einem mechanischen Endoskelett, einer Ummantelung und einem Kostüm. Das Endoskelett ist so aufgebaut, dass es die Grundform der animatronischen Figur vorgibt und Ummantelung und Kostüm nur noch angepasst werden müssen. Es kann aus Aluminium, Kunststoff und/oder Stahl bestehen. Wie bei einer Marionette, so sind die meisten Körperteile dank elektronisch gesteuerter Kleinmotoren mehr oder weniger frei beweglich.[4] Dabei muss die Beweglichkeit nicht auf die Hauptgliedmaßen (wie Arme, Beine und Kopf) beschränkt sein. Modernste Animatronics verfügen beispielsweise über eine äußerst komplexe und mannigfaltige Gesichtsmechanik, die realitätsnahe Mimiken und Gesten erlaubt.[5] Die Ummantelung umgibt nur bestimmte Teile des Endoskeletts, um diese zu schützen und um Stromschläge zu vermeiden. Sie wird aber auch zur Formgebung genutzt, das heißt, es werden Körperbereiche wie zum Beispiel Oberschenkel, Brust und Gesäß vorgeformt, angepasst und später vom Kostüm überdeckt. Das Kostüm schließlich besteht aus meist zwei oder drei Lagen aus Schaumstoff und anderen, für Kostüme übliche Materialien (zum Beispiel Federn und Kunstfell). Für bestimmte Filmmonster werden Animatronic-Kostüme oft aufwendig geschminkt.[6]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Moderne Animatronics sind computer- und softwaregesteuert. Das Arbeitsprinzip der Animatronik lässt sich in zwei Phasen gliedern: Programmierung und Playback. Während der Programmierungsphase werden die künftigen Bewegungen der Spielfigur, sowie der dazu ausgewählte Soundtrack in die Steuerungssoftware eingegeben. In der Playbackphase werden Bewegung und Soundtrack so synchron wie möglich aufeinander abgestimmt, bis sie ergebnisgerecht zueinander passen. Dabei kann die Playbackphase entweder manuell (über Joystick, Tastatur und diverse Knöpfe) oder via sogenanntem Motion Capture ausgeführt werden. Nach der Programmierung werden Soundtrack- und Bewegungsbefehle an die Mechanik der Spielfigur übertragen, welche die Bewegungen ausführt, während über (meist verborgene) Lautsprecher die Musik abgespielt wird.[7]

Einsatzbereiche[Bearbeiten]

Moderne Animatronics werden vorrangig in Themen- und Vergnügungsparks, auf Jahrmärkten und manchmal auch in wohlhabenden, großen Kaufhäusern aufgestellt.[1] Sie finden jedoch auch Verwendung in der Filmindustrie. So sind viele in neueren Filmen dargestellte Tiere und Monster (zum Beispiel die Figuren T-Rex und Godzilla) Animatronics. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Jurassic Park von 1993, die meisten der im Film präsentierten Dinosaurier sind teils ferngesteuerte Animatronics, teils Darsteller in Kostümen. Der Einsatz von Animatronics in der Filmindustrie hat allerdings aufgrund der Verfügbarkeit von CGI-Grafik und ähnlichen Special Effect-Softwares stark nachgelassen.[8] Dass der Einsatz von Animatronics auch andernorts zeitweise nachlässt, ist auf die Einstellung und Haltung der modernen Jugend zurückzuführen, deren Unterhaltungsansprüche und -erwartungen dank Internet und Smartphones stark gestiegen sind. Animatronics gelten oft als „out“ und „oldschool“.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Matt Bacon: No strings attached: the inside story of Jim Henson's creature shop. Macmillan, 1997, ISBN 0-02862-008-9.
  • John Huntington: Control Systems for Live Entertainment. Elsevier, Amsterdam/Boston 2007, ISBN 0-240-80937-8.
  • Pascal Pinteau: Special Effects: An Oral History. Harry N. Abrams, New York/Virginia 2004, ISBN 0-810-95591-1.
  • Stephen Prince: Digital Visual Effects in Cinema: The Seduction of Reality. Rutgers University Press, New York 2011, ISBN 0-8135-5218-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Animatronics – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Andi Stein, Beth Bingham Evans: An Introduction to the Entertainment Industry. Peter Lang, Orlando 2009, ISBN 1-4331-0340-0, S. 142.
  2. T.H. Barrett: Lieh tzu 列子. In: Michael Loewe: Early Chinese Texts: A Bibliographical Guide. Berkeley: The Society for the Study of Early China, London 1993, ISBN 1-55729-043-1, S. 298–308.
  3. Estelle Shirbon: Da Vinci's lion prowls again after 500 years auf Reuters.com, Artikel vom 14. August 2009 (Englisch)
  4. Pascal Pinteau: Special Effects. S. 317-319, 328.
  5. Paul Ekman; Wallace V Friesen: Unmasking the face: a guide to recognizing emotions from facial clues. Englewood Cliffs/Cambridge, New Jersey 2003 (Neuauflage), ISBN 0-13-938175-9, S. 102-104.
  6. Matt Bacon: No strings attached. S. 131-134, 147-150.
  7. John Huntington: Control Systems for Live Entertainment, S. 101–103.
  8. Stephen Prince: Digital Visual Effects in Cinema. S. 5, 6, 104.