Anita Blum-Paulmichl

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Anita Blum-Paulmichl (* 13. Mai 1911 in Düsseldorf; † 20. Juni 1981 in Ahlen) war eine deutsche Bildhauerin und Medailleurin.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anita Blum war eine entfernte Verwandte des seinerzeit in Bremen tätigen Medailleurs Johann Blum. Geboren 1911 wurde sie durch den Ersten Weltkrieg durch den Tod ihres Vaters früh zu einer Halbwaise. So wuchs sie am Niederrhein in Kleve auf, wo sie, ähnlich wie ihre Zwillingsschwester Herma, eine künstlerische Ausbildung durchlief: 1928 begann sie eine Lehre bei einem Holzbildhauer, die sie aus gesundheitlichen Gründen jedoch vorzeitig abbrechen musste. Stattdessen verlegte sie sich auf das Zeichnen und besuchte zunächst die Klasse „Gebrauchsgrafik“ der Kölner Werkschulen bei Henrich Hussmann, bevor sie 1930 an die Kunstgewerbeschule Berlin wechselte in die Klasse für Holzplastik unter Hans Perathoner.[1]

Ebenfalls in Berlin lernte sie den aus Südtirol stammenden Robert Paulmichl kennen, den sie 1942 heiratete. Zuvor wechselte sie an die Berliner Hochschule der Bildenden Künste, wo sie in den Klassen der Bildhauer Otto Hitzberger und Ludwig Gies arbeitete, bis Gies 1937 aus dem Hochschuldienst entlassen wurde.[1][2][Anm. 1] Daraufhin wurde Anita Blum Meisterschülerin von Wilhelm Gerstel, besuchte ab 1940 aber auch die Medaillenklasse von Eduard Hanisch-Concée. Noch im Krieg entwarf die nunmehrige Anita Blum-Paulmichl 1941 und 1942 ihre ersten Medaillen.[1]

Im Jahr 1945 kam Anita Blum-Paulmichl nach Ahlen, wo sie allein bis 1954 zwanzig Arbeiten schuf. Doch erst durch die Ermunterung, Begleitung und Förderung durch den damaligen Numismatiker am Westfälischen Landesmuseum in Münster, Peter Berghaus, widmete sich Blum-Paulmichel wieder intensiver der Medaillenkunst. So entstanden bis zu ihrem Tode 1981 insgesamt 240 Arbeiten, vornehmlich Architekturmedaillen und Medaillen mit Motiven Christlicher Kunst auf ihren eigenen Wallfahrten in das als ihre Heimat empfundene Westfalen.

In der Summe waren die von Anita Blum-Paulmichl gefertigten Arbeiten breit gefächert: Sie schuf einige Porträts, von denen das auf den Tod des Clemens August Kardinal Graf von Galen von 1946 hervorzuheben sind, sowie das von Peter Berghaus von 1969. Die politische Zeitgeschichte verewigte die Medailleurin mit je einem Werk zum Bau der Berliner Mauer (1961) und zur Sturmflut-Katastrophe von 1962.[1]Stilistisch atmet ihr Werk das Formempfinden der 1950er Jahre mit den gerundeten Umrissen der Figuren, während ihre Architektur-Gestaltungen vielfach der neuen Sachlichkeit verpflichtet sind, wo Bauten auf Grundformen, Linien und Flächen reduziert erscheinen.“[1]

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Blum-Paulmichl, Anita. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 11, Saur, München u. a. 1995, ISBN 3-598-22751-5.
  • Johannes Jaxy (Gestaltung): Anita Blum-Paulmichl. Medaillen und Medaillen-Entwürfe (= Hefte des Focke-Museums, Nr. 9), Katalog zur Ausstellung vom 7. Juli – 10. August 1966 im Focke-Museum Bremen. Focke-Museum, Bremen 1966.
  • Anita Blum-Paulmichl. Medaillen und Medaillen-Entwürfe. Katalog zur Ausstellung vom 14. September – 12. Oktober 1969 im Karl-Ernst-Osthaus-Museum in Hagen. Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen 1969.
  • Robert Paulmichl – Anita Blum Paulmichl – Herma Blum. Plastiken – Medaillen – Entwürfe – Gobelins. Ausstellungskatalog vom Kunstverein Kreis Beckum, 1971.
  • Robert Paulmichl. 27. April 1905 – 1. Juli 1983. Katalog zur Gedächtnisausstellung vom 6. – 27. April 1984, Sparkasse Ahlen und Kulturgesellschaft der Stadt Ahlen in Westfalen, dazu die Beilage Anita Blum-Paulmichl. 13. Mai 1911 – 20. Juni 1981. Kulturgesellschaft, Ahlen 1984.
  • Anita Blum-Paulmichl. Ausstellungskatalog. Westfälisches Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte u. a., Münster 1981. (Werkverzeichnis und Verzeichnis der öffentlichen Sammlungen, die Werke von ihr besitzen).
  • Peter Berghaus: Herma Blum – Gobelins. Anita Blum-Paulmichl – Medaillen. Ausstellungs-Katalog der Kulturgesellschaft Ahlen e.V., Ahlen 1986.
  • Ingrid Szeiklies-Weber: Anita Blum-Paulmichl zum 85. Geburtstag. In: Geldgeschichtliche Nachrichten, Nummer 175, 1996, S. 230–235 online als PDF-Dokument
  • Ferdinand Dahl: Katalog zur Ausstellung Kunstmedaillen – Medaillenkunst, Teil 1 (= Der Steckenreiter. Dem Münzvergnügen gewidmete Nebenstunden. Eine Münzpost der Numismatischen Gesellschaft Bonner Münzfreunde e. V., Folge 84). Numismatische Gesellschaft Bonner Münzfreunde, Bonn 2012, S. 4; PDF (Memento vom 5. April 2015 im Internet Archive)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ergänzend nennt Ferdinand Dahl (siehe Literatur) auch den Besuch Anita Blums bei der Reimannschule

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Gerd Dethlefs: Anita Blum-Paulmichl auf der Seite medaillenkunst.de der Deutschen Gesellschaft für Medaillenkunst
  2. Zur Entlassung Gieses vergleiche auch Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 183.