Anja Utler

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Anja Utler (* 1973 in Schwandorf) ist eine deutsche Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anja Utler studierte Slawistik, Anglistik und Sprecherziehung und promovierte 2003 an der Universität Regensburg mit einer Arbeit über die Bedeutung der Kategorie Geschlecht im Werk von vier russischen Lyrikerinnen (Zinaida Gippius, Elena Guro, Anna Achmatowa und Marina Cvetaeva).

2004 erschien ihr Gedichtband münden – entzüngeln, der mit dem Leonce-und-Lena-Preis ausgezeichnet wurde. Anja Utler arbeitet mit Text als Schrift und Klang, 2006 erschien brinnen als Buch und Sprech-CD mit zwei Routen durch den Text, jana, vermacht erschien 2009 ebenfalls als Buch mit akustischer Textinstallation.

2007 sendete der ORF in der Reihe "Literatur als Radiokunst" ihr Hörstück suchrufen, taub, das mit dem Förderpreis zum Karl-Sczuka-Preis ausgezeichnet wurde.

2011 war Utler Kuratorin der 11. Frauenfelder Lyriktage. 2014 war Utler Fellow am International Writing Program in Iowa, 2015 Writer-in-Residence am Oberlin College, Ohio.

Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Sie lebt in Regensburg und Wien.

Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

münden - entzüngeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Band münden – entzüngeln versammelt sieben Gedichtzyklen und ordnet sie in zwei Teilen an.

Der erste Teil besteht aus zwei analog gebauten Zyklen zu neun Gedichten und einem Abschnitt, der auch mit "zwischenstücke" überschrieben ist. Er führt in den (metaphorischen) Fluss einer Lyrik die an der Stimme und dem Sprechen orientiert ist, auch thematisch, und in der sich Körper und Natur durchdringen. Dabei bleibt Utlers Lyrik stets präzise in Hinblick auf Rhythmus und Klang, wie die Autorin auch ihrem mündlichen Vortrag als Realisation des Geschriebenen große Bedeutung beimisst.

Der zweite Teil des Bands öffnet sich hin auf vier mythologische Themen. Die Mythen von Chronos, Marsyas, Daphne und Sibylle werden in der unverminderten Intensität ihres individuellen lyrischen Tonfalls ausgestaltet. Auch hier arbeitet Anja Utler die (oft schmerzhafte) Verbindung von Natur und Körper heraus, lässt jedoch gleichzeitig ihre Kenntnis der literarischen und literaturtheoretischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts durchscheinen.

Schließlich zeigen gerade die Verarbeitungen der Figuren Daphne und Sybille (mit einem vorangestellten Text Marina Cvetaevas) noch einmal deutlich ein differenziertes Bewusstsein von Weiblichkeit, wie es auch in den wissenschaftlichen Arbeiten Utlers zum Ausdruck kommt.

ausgeübt. Eine Kurskorrektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Prosa ausgeübt. Eine Kurskorrektur greift das in Utlers Lyrik bereits problematisierte Verhältnis zwischen menschlichen und pflanzlich-tierischen Körpern wieder auf. Als Ich-Erzählerin tritt im Text eine ökologisch motivierte Terroristin auf. In einzelnen, im Text auch so genannten "Blättern", versucht sie sich selbst Rechenschaft über ihre Taten, ihre Motivation, ihre eigene Geschichte zu geben. Die Erzählweise folgt dabei weniger einer chronologischen Logik, als den Wegen erinnernder und sich selbst erforschender Gedanken. Der Vielfalt der aufgezeichneten, oft schmerzvoll empathischen Wahrnehmungen und Überlegungen entspricht auf gestalterischer Ebene die Vielfalt der eingesetzten literarischen Formen, die von der erzählenden Prosa über poetische Passagen und Gedichte bis zu dialogisch-dramatischen Szenen reichen.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Essay und Theorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „manchmal sehr mitreißend“. Über die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte. Transcript, Bielefeld 2016. ISBN 978-3-8376-3357-3
  • Von den Knochen der Sanftheit: Behauptungen, Reden, Quergänge. Edition Korrespondenzen, Wien 2016, ISBN 978-3-902951-18-2.

Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftliche Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Märchen und Weiblichkeit, Ljudmila Petrushevskajas Kunstmärchen und das russische Volksmärchen. Regensburger Skripten zur Literaturwissenschaft, Regensburg 2000.
  • ‚Weibliche Antworten‘ auf ‚menschliche Fragen‘? Zur Kategorie Geschlecht in der russischen Lyrik (Z. Gippius, E. Guro, A. Achmatova, M. Cvetaeva) Diss. (siehe Weblinks)

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dokumentation der Textinstallation all present is perfect aus jana, vermacht in six memos for the next... Hg. v. Jörg van den Berg u.a., Verlag für moderne Kunst: Wien, 2016.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Anja Utler: engulf - enkindle, translated from the German by Kurt Beals. Burning Deck Press, Providence, ISBN 978-1-936194-03-2.
  2. Anja Utler erhält den Basler Lyrikpreis In: Tageswoche vom 27. November 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]