Ankerkind

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ankerkind (englisch anchor baby) ist eine (von manchen als abwertend empfundene) Bezeichnung für minderjährige Asylwerber, die von ihren Familien in das Zielland entsandt werden, um die Familie über legale Einreisemöglichkeiten nachzuholen.[1] In den Vereinigten Staaten umfasst der Begriff auch im Land geborene Kinder, deren Mütter illegal eingereist waren. Diese Kinder erhalten dort aufgrund des Geburtsortsprinzips (jus soli) mit ihrer Geburt die amerikanische Staatsbürgerschaft.[2]

In Österreich wurde 2011 in 17 Fällen den Angehörigen von minderjährigen Asylberechtigten der Familiennachzug gestattet. Als Hindernisse gelten dabei die Kosten für DNA-Tests und sonstige Bestätigungen.[3]

Kritiker äußerten, der Begriff delegitimiere (analog dem Begriff „Scheinasylant“) Fluchtgründe.[4][5]

2015 kamen im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa und in Deutschland deutlich mehr unbegleitete Flüchtlingskinder nach Deutschland als in den Jahren zuvor.[6] Im Januar 2016 beschlossen die Spitzen der Regierungskoalition (Kabinett Merkel III), bei subsidiär Schutzberechtigten eine Familienzusammenführung für zwei Jahre auszusetzen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Burkart: Zukunft der Familie: Prognosen und Szenarien. Barbara Budrich, 2009, ISBN 978-3-86649-237-0, S. 101–102.
  2. Traiskirchen: Immer mehr „Ankerkinder“, ORF NÖ, 6. Januar 2012
  3. "Ankerkinder": Nur 17 Fälle im Vorjahr, Der Standard, 13. Jänner 2012
  4. Grant Barrett: Buzzwords: Glossary, New York Times 24. Dezember 2006: „…a derogatory term for a child born in the United States to an immigrant.“
  5. A. Siebenhofer, G. Valchars: „Ankerkinder“ sind die neuen „Scheinasylanten“. Die Presse, 16. Januar 2012
  6. FAZ.net 14. Dezember 2015 / Eckart Lohse: Ankerkinder allein auf der Flucht
  7. FAZ.net 28. Januar 2016: Asylpaket II, Koalition einigt sich auf Kompromiss bei Familiennachzug