Anlage 615

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Die Anlage 615 ist eine Drehstrom-Hochspannungs-Übertragung-Freileitung in Baden-Württemberg. Im Verlauf dieser von TransnetBW (eine 100-%-Tochter des EnBW-Konzerns) betriebenen Leitung befinden sich die beiden längsten Spannfelder aller Freileitungen in Deutschland.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leitung beginnt am 20-/110-kV-Umspannwerk Calmbach (48° 46′ 22,1″ N, 8° 36′ 2,1″ O), das sich östlich des Bad Wildbader Ortsteiles im Tal des gleichnamigen Baches befindet, als Fortsetzung einer von Merklingen her kommenden 110-kV-Leitung. Die ersten ca. zwei Kilometer bis zur Enztalquerung führt sie Richtung Nordwesten und es werden Masten verwendet, die mit zwei Traversen ausgestattet sind. Auf der oberen Traverse werden die beiden Stromkreise Richtung Pforzheim geführt, auf der unteren eine 20-kV-Mittelspannungsleitung, die bei Calmbach abzweigt und zu einer Kläranlage führt.

Etwa 750 Meter nordwestlich der Enztalquerung (48° 47′ 28,6″ N, 8° 34′ 35,1″ O) folgt die Eyachtalquerung (48° 48′ 18,3″ N, 8° 33′ 19,7″ O). Diese verwendet als Kreuzungsmasten umgedrehte Donaumasten, der Rest der Leitung führt auf Einebenenmasten. Sie dreht nach Nordosten, an Neuenbürg vorbei und erreicht kurz vor Birkenfeld den Talboden des Enztales. Hier werden abschnittsweise Stahlrohrmasten mit drei Traversen (Tonnenmasten) verwendet. Im Bereich des Birkenfelder Gewerbegebietes trifft eine zweisystemige 110-kV-Leitung aus Richtung Brötzingen auf die Anlage 615 und Tannenbaummasten für vier Systeme kommen zum Einsatz. Das letzte Teilstück der Leitung führt wieder in nordöstliche Richtung und endet am 20-/110-/220-kV-Umspannwerk Birkenfeld.

Betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Leitungsstrecke wurde 1992 fertiggestellt. Sie dient neben der Versorgung des nördlichen Schwarzwaldes auch als Ersatz einer 110-kV-Leitung zwischen Enzberg und Pforzheim. Letztere wurde im Jahr 1928 als Teilstück einer 110-kV-Leitung zwischen Pforzheim und Hoheneck errichtet und war die erste Verbundleitung zwischen Badenwerk und Württembergischer Landeselektrizitäts AG (WLAG). Das ersetzte Teilstück wurde allerdings erst Anfang der 2000er Jahre abgebaut, auf Luftbildaufnahmen aus dem Jahre 2000 ist die Leitung noch als einsystemige 110-kV-Verbindung zu erkennen.

Obwohl die Anlage 615 durchgängig für eine Betriebsspannung von 110 kV auf beiden Stromkreisen ausgelegt wurde, wird der östliche Stromkreis zurzeit mit einer Spannung von nur 20 kV (Mittelspannung) betrieben.

Talüberspannungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Leitungsverlauf befinden sich zwei markante Kreuzungen von Flusstälern. Dies sind

Bei letzterer handelt es sich um die längste Spannweite einer Freileitung in Deutschland. Die Abspannmasten an beiden Enden des jeweiligen Spannfeldes wurden infolge der großen Spannweite als so genannte Weitabspannmasten ausgebildet und als freistehende Stahlfachwerktürme ausgeführt. Im Unterschied zur Elbekreuzung 1 und Elbekreuzung 2 konnten die Spannmasten der beiden Talüberspannungen verhältnismäßig niedrig angeordnet werden, was durch Ausnutzung der gebirgigen Topographie des Schwarzwaldes ermöglicht wurde. Bei der Eyachtal-Überspannung, dem größten deutschen Spannfeld, beträgt deren Höhe 70 Meter.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]