Anleiheversicherer

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Anleiheversicherer sind spezialisierte Versicherungsunternehmen, die Wertpapiere gegen Ausfall versichern. In den Vereinigten Staaten werden diese Unternehmen Monoliner (oder "Monoline Insurer") genannt.

Geschäftsmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anleiheversicherer geben institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds oder Versicherungen eine Ausfallgarantie auf von ihnen gehaltene Anleihen und erhalten dafür eine Risikoprämie.

Der Anleiheversicherer übernimmt damit das Adressrisiko der Anleihe. Wird ihr Nominal bei Fälligkeit nicht vom Emittenten zurückgezahlt, zahlt der Anleiheversicherer.

Basis des Geschäftsmodells ist die Kreditwürdigkeit der Anleiheversicherer. Viele institutionelle Anleger dürfen nur in Anleihen höchster Bonität (Rating "AAA") investieren. Die Anleiheversicherer ermöglichen diesen Anlegern auch Anleihen schlechterer Bonität in die Bücher zu nehmen. Durch die Ausfallgarantie wird die Anleihe nicht mehr mit dem Risiko des Emittenten, sondern dem Rating des Anleiheversicherers bewertet.

Somit sind die Bonitäts-Ratings der Anleiheversicherer von entscheidender Bedeutung - ihr Geschäftsmodell funktioniert einzig und allein mit der Top-Bonitätsbewertungen "AAA".

Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anleiheversicherer versichern weltweit Anleihen im Volumen von rund 2,5 Billionen Dollar (Stand: Ende 2007). 60 Prozent davon stammen von US-Kommunen.

Im Gegensatz zu Gebietskörperschaften in Deutschland, die eine Staatsgarantie haben und daher über die höchste Bonität verfügen, können amerikanische Kommunen und Kreise auch Konkurs gehen. Häufig nutzen daher amerikanische Kommunen mit eigentlich schlechter Bonität die Hilfe von Monolinern, um Anleihen mit niedrigeren Zinsen zu erhalten.

Diese Praxis hat im Zuge der Subprime-Krise 2007 angesichts der Unruhen am Markt für sogenannte Municipal Bonds (Anleihen öffentlich-rechtlicher Schuldner, wie US-Gliedstaaten und Gemeinden) in den USA heftige politische Reaktionen ausgelöst. Während öffentlich-rechtliche Schuldner durch die Ratingagenturen, wie im Falle des Gliedstaats Kalifornien, nur mit einem A-Rating bewertet werden, wurden die beiden größten Anleiheversicherer MBIA und Ambac trotz ihrer finanziellen Schieflage weiterhin mit der Bestnote AAA bewertet. Hierbei wandten die Ratingagenturen für die Bewertung der Gebietskörperschaften und öffentlich-rechtlichen Institutionen ohne triftige Gründe andere Kriterien an als bei Unternehmen. Dieses Absurdum, bei dem sich die Municipals bei den finanziell schwer angeschlagenen Anleiheversicherer auf AAA "hochversichern" müssen, führte zu einem Ultimatum eines Kongressausschusses an die Rating-Agenturen, um die nötigen Korrekturen vorzunehmen. Moody's gab in einer Studie dabei zu, dass bei der Anwendung gleicher Kriterien tatsächlich alle US-Gliedstaaten außer Louisiana die Bestnote AAA erhalten würden.[1]

Diese beiden Anleihenversicherer wurden am 5. Juni 2008 in ihrer Bonität von S&P auf AA heruntergestuft. Hiermit verloren sie einen großen Teil ihres Geschäftsfeldes: Die Versicherung von Municipal Bonds. [2] Professor Roubini an der Stern School in New York schätzt, dass hierdurch bei Gegenparteien Verluste von ca. 150 Mrd. $ anfallen, da die besicherten Wertpapiere nun nicht mehr in der AAA-Kategorie verbleiben können.

Daneben werden aber auch Industrieanleihen und Subprime-Anleihen versichert.

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Anleiheversicherer ist MBIA. Zweitgrößter Anbieter ist Ambac Financial Group, danach folgt Financial Guaranty Insurance (FGIC).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NZZ, 13. März 2008
  2. bloomberg, 5. Juni 2008