Ann Cotten

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Ann Cotten (* 1982 in Ames, Iowa, USA) ist eine deutschsprachige Schriftstellerin und Übersetzerin.

Ann Cotten auf der Leipziger Buchmesse 2014

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cotten kam mit fünf Jahren mit ihrer Familie nach Wien.[1] Sie studierte Neuere deutsche Literatur an der Universität Wien und am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Sie schloss ihr Studium 2006 mit einer Arbeit bei Wendelin Schmidt-Dengler über Listen in der Konkreten Poesie[2][3] ab, in der sie u. a. die „Eigendynamik der Liste als [...] Machtinstrument eines Systems“[3] nachzuweisen versuchte. Nachdem sie auf Poetry Slams als Dichterin in Erscheinung getreten war und Gedichte sowie Prosa in Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht hatte, erschien 2007 ihr erster Gedichtband Fremdwörterbuchsonette.

Cotten war Mitglied im Forum der 13 und trat auch als Literaturtheoretikerin[4] in Erscheinung. Ihr Erzählungsband Der schaudernde Fächer (2013) sei „ein Schlag ins Gesicht all derer, die finden, man müsse Literatur auch verstehen können“, urteilte Ijoma Mangold. Mangold erinnerten Cottens Erzählungen an Friedrich Schlegels Lucinde.[5] Literarische und literaturjournalistische Beiträge verfasste Ann Cotten für die Tageszeitungen junge Welt und taz.

Von Oktober 2020 bis Juni 2021 war sie Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften in Wien und arbeitet dort an einem Promotionsprojekt mit dem Titel Vorarbeiten zu einer empirischen Ästhetik, die auch für Maschinen funktioniert: Ein Evaluationskit für die Recyclingfähigkeit existierender Theorien.[6] Seit 2021 forscht sie an der University of Hawaiʻi at Mānoa.[7]

Cotten lebt in Wien und Berlin.

„Polnisches Gendering“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cotten verwendet in ihren Texten experimentelle Formen gegenderter Sprache, die sie „polnisches Gendering“ nennt. Bei diesem Verfahren kommen „alle für alle Geschlechter nötigen Buchstaben in beliebiger Reihenfolge ans Wortende“.[8] Die Formulierung „polnisches Gendering“ wurde als Anspielung auf den Ausdruck „polnischer Abgang“ interpretiert.[9] 2019 verwendete sie das Verfahren in ihrem Roman Lyophilia und verweist darauf, auch die Lyrikerin Monika Rinck verwende polnisches Gendering.[10] Im Roman treten unter anderem „Greisenni“, „Teilnehmernnnie“, „Betrachterni“ und „Oberunterösterreichernnnie“ auf.[11][12] In ihrer 2020 erschienenen Übersetzung von Mary MacLanes Ich erwarte die Ankunft des Teufels verwendet Cotten das Verfahren vereinzelt. Der Literaturkritiker Magnus Klaue kritisierte das Verfahren in seiner Kolumne Lahme Literaten.[13] Auch in schriftlichen Interviews verwendet Cotten Formen des polnischen Genderings.[14] Der Historiker Valentin Groebner verwendet es in seinem Buch Retroland (2018).[15]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christian Metz: Poetisch denken: Die Lyrik der Gegenwart. Fischer, 2018, ISBN 978-3-10-403562-8.
  • Katrin Gunkel: Poesie und Poetik translingualer Vielfalt: zum Englischen in der deutschen Gegenwartslyrik. Praesens Verlag, 2020, ISBN 978-3-7069-1104-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ann Cotten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Porträts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeit Online: Tanzen mit dem Fettknick, 27. Februar 2008
  2. Cotten, Ann. Die ganze Welt : Listen in der Konkreten Poesie und danach. Diplomarbeit. Wien 2007.[1]
  3. a b Die Folgenlosigkeit der Erkenntnis, Titel-Kulturmagazin, 26. Januar 2009, abgerufen am 25. Juli 2018.
  4. lyrikkritik.de: Etwas mehr: Über die Prämissen und den Sinn von dem, was wir mit Wörtern anzustellen imstande sind
  5. Zeit Literatur Nr. 41, September 2013, S. 12.
  6. Fellow – Ann Cotten – IFK. Abgerufen am 2. September 2020.
  7. Fellow - Ann Cotten - IFK. Abgerufen am 17. Februar 2022.
  8. Ann Cotten: Drei Wochen in der Normalität. 1. Dezember 2017, abgerufen am 27. April 2020.
  9. Bayerischer Rundfunk Joana Ortmann: Poetisch Gendern!: Erfinden Sie bessere Geschlechtsbezeichnungen. 1. März 2021 (br.de [abgerufen am 26. Mai 2021]).
  10. Monika Rinck: Das Ungesagte meinen. In: MERKUR. Band 73, Nr. 836, 2019, ISSN 0026-0096, S. 29–42 (merkur-zeitschrift.de [abgerufen am 7. Februar 2022]).
  11. Hanna Engelmeier: Erzählband der Dichterin Ann Cotten: Wer das liest, ist doof. In: Die Tageszeitung: taz. 5. Mai 2019, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 27. April 2020]).
  12. Beat Mazenauer: Die Fraktale des Seins: Ann Cotten entwirft in „Lyophilia“ para-dingsische Zustände in einer Parallelwelt, die unserem Kosmos irgendwie gleicht. In: literaturkritik.de. 8. August 2019, abgerufen am 25. April 2020.
  13. Lahme Literaten. Abgerufen am 8. Juni 2020.
  14. Christof Meueler: »Wie sieht es aus, brauchst du Geld?« (neues deutschland). Abgerufen am 25. Mai 2021.
  15. Valentin Groebner: Retroland: Geschichtstourismus und die Sehnsucht nach dem Authentischen. FISCHER E-Books, 2018, ISBN 978-3-10-490693-5 (google.de [abgerufen am 5. Januar 2022]).
  16. Vier Autorinnen aufgenommen, boersenblatt.net, 7. Juli 2017, abgerufen am 7. Juli 2017.
  17. Villa Aurora-StipendiatInnen 2018, Villa Aurora, 14. Juli 2017, abgerufen am 15. Juli 2017.
  18. Gert-Jonke-Preis für Ann Cotten. In: ORF.at. 18. April 2021, abgerufen am 18. April 2021.