Ann Kirkpatrick

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Ann Kirkpatrick

Ann Kirkpatrick (* 14. März 1950 in McNary, Arizona) ist eine amerikanische Politikerin der Demokratischen Partei. Sie war von 2009 bis 2011 und von 2013 bis 2017 Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses für den 1. Kongresswahlbezirk Arizonas. Sie unterlag als Kandidatin der Demokraten bei der Wahl zum US-Senat 2016 dem Amtsinhaber John McCain und schied am 3. Januar 2017 aus dem Repräsentantenhaus aus. Für die Wahl 2018 kandidiert sie im 2. Kongresswahlbezirk Arizonas.

Familie, Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ann Kirkpatrick wuchs in der kleinen Gemeinde Whiteriver im nordöstlichen Arizona auf dem Gebiet eines Indianerreservats der Apachen auf. Dort arbeiteten ihre Eltern, die Lehrerin Nancy Cox und der Einzelhändler Elliot Kirkpatrick, deren Vorfahren aus Europa stammen. Ann Kirkpatrick und ihre beiden jüngeren Geschwister wuchsen in einfachen, ländlichen Bedingungen auf. Die Familie zog während ihrer Schulzeit nach Pinetop-Lakeside im selben County, wo sie die Blue Ridge High School besuchte und durch die Lektüre eines Buches über den Bürgerrechtsanwalt Clarence Darrow bewegt wurde, Anwältin zu werden. Bis 1972 studierte sie in Tucson an der University of Arizona. Als Undergraduate belegte sie Asienstudien und lernte Mandarin.[1] Nach einem Jurastudium an der Law School dieser Universität und ihrer im Jahr 1979 erfolgten Zulassung als Rechtsanwältin begann sie als solche zu arbeiten.

Im Jahr 1980 wurde Kirkpatrick stellvertretende Bezirksstaatsanwältin im Coconino County und arbeitete von 1981 bis 1985 auf demselben Posten des Pima County.[2] Ihr Schwerpunkt dabei waren die Bekämpfung häuslicher Gewalt und von Sexualdelikten. 1985 wechselte sie zum Zivilrecht und vertrat die Stadt Sedona bis 1991 juristisch. Anschließend gründete sie mit einem Partner eine eigene Kanzlei in Flagstaff (Coconino County).[3] Im Jahr 2004 lehrte sie Handelsrecht und Ethik am Coconino Community College.

Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder aus einer früheren Ehe.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sie zur ersten Kandidatur für ein politisches Mandat wegen ihrer guten Beziehungen zu Indianern gedrängt worden war, kandidierte sie im Jahr 2004 erfolgreich für das Repräsentantenhaus von Arizona, in dem sie 2005 bis 2007 einen Wahlkreis von Flagstaff vertrat. Vor der Kongresswahl 2008 wurde sie in der Vorwahl ihrer Partei für das Abgeordnetenmandat im 1. Kongresswahlbezirk Arizonas nominiert. Der bisherige Inhaber dieses Mandats, Rick Renzi von der Republikanischen Partei, war wegen gegen ihn erhobener Korruptionsvorwürfe nicht mehr angetreten. Die Republikaner nominierten Sydney Ann Hay, die von US-Senator John McCain unterstützt wurde, der sich gleichzeitig um die amerikanische Präsidentschaft bewarb und gegen Barack Obama unterlag. Trotz dieser prominenten Unterstützung für ihre Gegnerin erreichte Kirkpatrick das Abgeordnetenmandat mit 56 Prozent der Wählerstimmen. Sie war Mitglied der Ausschüsse für Heimatschutz, für Kleinunternehmen und für Veteranenangelegenheiten.

In generell schwierigen Bedingungen für die in der Wirtschaftskrise regierenden Demokraten unterlag Kirkpatrick bei der Wahl 2010 ihrem republikanischen Herausforderer Paul Gosar und schied am 3. Januar 2011 aus dem Kongress aus. Bei der Wahl im November 2012 trat sie wieder für ihren früheren Sitz an und besiegte den Republikaner Jonathan Patton mit 49 zu 45 Prozent der Stimmen in einem durch die zeitgleich von Barack Obama gewonnene Präsidentschaftswahl und die hohe Wahlbeteiligung für sie günstigen politischen Klima. Deshalb galt die Wiedergewinnung von Kirkpatricks Kongressmandat als eines der wichtigsten Ziele der Republikaner bei der Kongresswahl im November 2014, die als Midterm-Wahl wiederum die Republikaner begünstigte. Obwohl die Washington Post ihre Chancen auf Verbleib im Repräsentantenhaus vor der Wahl auf gerade einmal 12 Prozent taxierte, gelang es ihr bei der Wahl, ihren republikanischen Herausforderer Andy Tobin mit 5 Prozent Vorsprung – und damit sogar einer Steigerung gegenüber 2012 – zu besiegen.[4]

Ende Mai 2015 erklärte Kirkpatrick, sich um die demokratische Nominierung für die Wahl zum Senat der Vereinigten Staaten 2016 in Arizona zu bewerben. Sie galt als erste ernstzunehmende Herausforderin des republikanischen Amtsinhabers John McCain, der ebenfalls zur Wiederwahl antrat.[5] Die Umfragen vor der Wahl am 8. November 2016 hatten etwa gleich hohe Werte für beide Kandidaten gezeigt, weshalb die Arizona Daily Sun diesen Senatswahlkampf als den härtesten bezeichnete, den McCain jemals zu bestreiten hatte.[6] Bei für die Demokraten generell schwachen Ergebnissen unterlag Kirkpatrick in der Wahl deutlich.[7] Da sie nicht wieder für ihr bisheriges Mandat im Repräsentantenhaus angetreten war, schied sie am 3. Januar 2017 aus dem Kongress aus.

Im Juli 2017 wurde bekannt, dass sich Kirkpatrick für die Nominierung als demokratische Kandidatin im 2. Kongresswahlbezirk Arizonas bei der Kongresswahl 2018 bewirbt. Zu diesem Zweck zog sie von Flagstaff im Gebiet des 1. Bezirks nach Tucson im 2. Bezirk um. Kirkpatrick trifft dabei auf eine Reihe weiterer demokratischer Interessenten für diesen kompetitiven Kongressbezirk, dessen Sitz bis 2015 der Demokrat Ron Barber innegehabt hatte und der seitdem von der Republikanerin Martha McSally repräsentiert wird.[8] Der Cook Political Report bezeichnete das Rennen mit der republikanischen Mandatsinhaberin im Oktober 2017 als völlig offen („Toss up“) und bezeichnete einen Sieg der Demokraten gerade bei diesem Sitz als notwendig, wenn sie eine Chance auf Gewinn der Mehrheit haben wollen.[9]

Positionen und Stil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirkpatrick gilt als zentristische Demokratin. Unter anderem weicht sie in Fragen des Umweltschutzes deutlich von der generell restriktiveren Parteilinie ab; die Schaffung von Arbeitsplätzen hat für sie Priorität. Sie stimmte gegen die Pipeline Keystone XL und für die dauerhafte Schließung einer Uranmine in der Nähe des Grand Canyon, aber zugleich setzte sie sich mit ihrem republikanischen Kongresskollegen Paul Gosar (der sie 2010 geschlagen hatte) dafür ein, eines der größten Kupfervorkommen der Vereinigten Staaten, das wegen der Heiligkeit des Gebiets für Indianer gesperrt war, auszubeuten (siehe das Resolution-Copper-Projekt in Superior). So erhielt sie von der League of Conservation Voters, einer Interessengruppe für Umweltschutz, 2016 eine mäßige Beurteilung von 63 Prozent Übereinstimmung (John McCain: 4 Prozent, Ruben Gallego: 97 Prozent, Kyrsten Sinema: 60 Prozent).

Auch wenn sie später viele Details kritisiert hat, hat sie für die Gesundheitsreform Barack Obamas gestimmt. Als praktizierende Katholikin setzt sich Kirkpatrick für die Entscheidungsfreiheit von Frauen beim Schwangerschaftsabbruch (Pro-Choice) ein. Hatte sie sich anfangs stark für das Recht auf Waffenbesitz starkgemacht, änderte sie nach dem Amoklauf an der Sandy Hook Elementary School ihre Position und trat für die Zulassung einiger Waffenkontrollen ein. Insbesondere in ihrer Anfangszeit im Kongress leitete Kirkpatrick große Summen an Bundesmitteln in Infrastrukturprojekte ihres Wahlkreises, was sie bei fiskalpolitisch Konservativen in Verruf brachte. Die Interessengruppe Citizens Against Government Waste sah die Übereinstimmung mit ihr bei 13 Prozent (John McCain: 94, Ruben Gallego: 1 Prozent). Sie setzt sich stark für die Rechte von Indianern ein.

Ihr politischer Stil wird als unprätentiös und volksnah beschrieben. Sie spielt verschiedene Instrumente bei Jam-Sessions und spricht neben fließendem Mandarin auch Spanisch, Französisch, Navajo und Neugriechisch.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Miriam Wasser: Ann Kirkpatrick Is on the Hunt For John McCain — Well, His U.S. Senate Seat, At Least. In: Phoenix News Times, 22. Juni 2016 (englisch).
  2. Joe Ferguson: Ann Kirkpatrick to announce run for Congress in District 2. In: Arizona Daily Star, 20. Juli 2017 (englisch).
  3. Miriam Wasser: Ann Kirkpatrick Is on the Hunt For John McCain — Well, His U.S. Senate Seat, At Least. In: Phoenix News Times, 22. Juni 2016 (englisch).
  4. Ann Livingston: The Survivor: How Democrat Ann Kirkpatrick Held On. in: Roll Call, 18. November 2014 (englisch).
  5. Emily Cahn: Kirkpatrick to Challenge McCain in Arizona. In: Roll Call, 26. Mai 2015 (englisch).
  6. Joe Ferguson: Kirkpatrick, Trump giving McCain his toughest race. In: Arizona Daily Sun, 2. Oktober 2016 (englisch).
  7. Another six years: John McCain wins Senate race over Ann Kirkpatrick. In: KTAR.com, 8. November 2016 (englisch).
  8. Joe Ferguson: Ann Kirkpatrick to announce run for Congress in District 2. In: Arizona Daily Star, 20. Juli 2017 (englisch).
  9. David Wasserman: House: Ratings Changes in 12 Districts as Democrats Gain Momentum. In: The Cook Political Report, 13. Oktober 2017 (englisch).
  10. Miriam Wasser: Ann Kirkpatrick Is on the Hunt For John McCain — Well, His U.S. Senate Seat, At Least. In: Phoenix News Times, 22. Juni 2016 (englisch).