Anna Maria von Schürmann

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Anne Marie de Schurman, Gemälde von Jan Lievens von 1649, National Gallery London.
Selbstporträt mit 33 Jahren

Anna Maria von Schürmann, auch van Schu(u)rman (* 5. November 1607 in Köln; † 4. Mai 1678 in Wieuwerd, Westfriesland) war eine niederländische Universalgelehrte, die zu ihrer Zeit als „der Stern Utrechts“ für ihre Talente weithin bewundert wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geboren wurde sie in Köln als Kind reformierter Eltern. Ihr Vater Friedrich van Schurmann († 1623) stammte aus Antwerpen in den Niederlanden, ihre Mutter Eva von Harff zu Dreiborn aus einer Jülich-Eifeler Adelsfamilie. Seit 1623 lebte Anna Maria von Schürmann in Utrecht und blieb unverheiratet. Sie sprach und schrieb zehn Sprachen: Niederländisch, Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Lateinisch, Griechisch, Hebräisch, Syrisch / Aramäisch und Äthiopisch. Zudem war sie erfahren in der Stickerei, der Glasmalerei, der Holzschneiderei und Kupferstechkunst, arbeitete als Malerin besonders als Porträtistin, war eine Virtuosin in der Musik, Dichterin, Geographin, Astronomin, Theologin, Pädagogin, Historikerin, Linguistin und Philosophin. Theologisch wurde sie beeinflusst von Gisbert Voetius und korrespondierte mit vielen Gelehrten, u. a. Gerardus Johannes Vossius und Christiaan Huygens.

1666 lernte sie Jean de Labadie kennen. Mit 62 Jahren schloss sie sich dann 1669 der Gemeinde der Labadisten an und widerrief ihre früheren Schriften, in denen sie angeblich intellektuell eitel und gottesfern argumentiert und gelebt habe. Anstatt sich weiterhin spitzfindig philologisch mit der Gotteserkenntnis zu beschäftigen und nutzlos Wissen anzuhäufen, wolle sie sich nun der Aufklärung und Gemeindearbeit widmen. Der ungewöhnliche Schritt und die Abkehr von der Bürgerlichkeit sorgte unter ihren Bekannten für großes Aufsehen.[1] Sie ging mit den Labadisten von Middelburg nach Amsterdam und 1670 weiter nach Herford in Westfalen, wo die Fürstäbtissin Elisabeth von der Pfalz, die hochgelehrte Tochter der „Winterkönigin“, der Gemeinde eine Zeitlang Zuflucht gewähren konnte. 1673 gab sie den ersten Teil der Autobiographie Eukleria (Ευκληρία) heraus, in dem sie ihren Schritt hin zur labadistischen Sekte erklärte und verteidigte. Im damals dänischen Altona bei Hamburg, der nächsten Station der Verfolgten, starb Labadie 1674, und Anna Maria von Schürmann, die bereits zuvor als geistige Führerin aufgefallen war, wurde zum Haupt der bedrängten Gruppe. Schürmann führte sie ins westfriesische Wieuwerd, wo sie auf Schloss Walta-State Zuflucht fanden.

Von hier aus begann sie einen intensiven Briefwechsel mit Eleonora von Merlau und Johann Jakob Schütz, dem Anreger des Frankfurter Collegium pietatis (der Zusammenkunft zu gemeinsamer Andacht) und einem der bedeutendsten Vertreter des frühen lutherischen Pietismus, der unmittelbar zur Entstehung des deutschen Pietismus beitrug.

Anna Maria Schürmann starb 1678, wenige Tage nach Vollendung des zweiten Teils ihrer Autobiografie Eukleria, in welchem sie ihre religiöse Gruppe als Keimzelle einer künftigen Weltgemeinschaft bezeichnete. Mit diesem Werk trat sie viel verbreiteten Gerüchten und der Auffassung unter Nicht-Labadisten entgegen, dass es sich bei der Sekte um „verzückte Weiber“ und Schwärmer handele.[1]

Zehn Jahre nach ihrem Tod wurde Schloss Walta-State auch für Maria Sibylla Merian, ihrer Mutter und ihren beiden Töchtern zum Zufluchtsort und Ruhepunkt.

Die labadianische Gemeinschaft existierte noch etwa 70 Jahre bis um 1750.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Amica dissertatio inter Annam Mariam Schurmanniam et Andr. Rivetum de capacitate ingenii muliebris ad scientias, Paris 1638, deutsch unter dem Titel Darf eine christliche Frau studieren? von Adele Osterloh
  • Opuscula hebraica, graeca, latina, gallica, prosaica et metrica, Leiden 1648 Text mit ausführlicher Einleitung
  • Pensées sur la Réformation nécessaire à présent à l’Eglise de Christ, Amsterdam 1669
  • Ευκληρία seu melioris partis electio, Altona 1673

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die feministische Künstlerin Judy Chicago widmete ihr in ihrer Arbeit The Dinner Party (1974-1979) eines der 39 Gedecke am Tisch.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anna Maria von Schürmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ute Brandes: Studierstube, Dichterklub, Hofgesellschaft. Kreativität und kultureller Rahmen weiblicher Erzählkunst im Barock. In: Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.), Deutsche Literatur von Frauen, Band 1, Darmstadt/München 1988. ISBN 3406331181. S. 223–229
  2. Seite des Brooklyn Museums zum Kunstwerk, abgerufen am 15. April 2014.