Anna von Sachsen (1544–1577)

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Anna von Sachsen (um 1562). Kreidezeichnung von Jacques Le Boucq. Musée des Beaux-Arts, Arras.

Anna von Sachsen (* 23. Dezember 1544 in Dresden; † 18. Dezember 1577 ebenda) war die Tochter des Kurfürsten Moritz von Sachsen und der Agnes von Hessen.

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annas Eltern Moritz und Agnes
Doppelporträt von Lucas Cranach d. J. (1559)

Anna wuchs nach dem Tod ihres jüngeren Bruders Albrecht (* 28. November 1545; † 12. April 1546) als Einzelkind auf, das besonders von der Mutter geliebt und verwöhnt wurde. Es ist möglich, dass Annas Schulter deformiert war und sie hinkte.

Am 11. Juli 1553 starb ihr Vater; sein jüngerer Bruder August (1526–1586) übernahm das Amt des Kurfürsten. Annas Mutter heiratete zwei Jahre später den Herzog Johann Friedrich den Mittleren von Sachsen (1529–1595). Anna lebte von nun an mit zwei Geschwistern ihrer Mutter in Weimar. Am 4. November 1555, ein halbes Jahr nach ihrer zweiten Hochzeit, starb auch die Mutter. Die 11-jährige Vollwaise wurde nun an den Dresdner Hof zu ihrem Onkel August und dessen Gattin Anna von Dänemark gebracht, deren Ehe als sehr gut und harmonisch galt.

Anna hatte mit 11 Jahren schon eigenes Personal und ein eigenes Zimmer. Dennoch fühlte sie sich sehr unwohl in Dresden und insbesondere das Verhältnis zu ihrer Pflegemutter, die sie später als ihre Todfeindin hinstellte, war sehr angespannt. Das mag daran gelegen haben, dass das Kind „schwer erziehbar“ und „exzentrisch“ war [1] oder auch an der lutherisch strengen Erziehung. Die Bildung umfasste Bibelkunde, Lesen, Schreiben und Rechnen sowie diverse Handarbeiten. Musik und Tanz, mit denen sie später am Hofe von Wilhelm von Oranien konfrontiert war, gehörten nicht dazu.

Vorbereitung der Heirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna war eine reiche Erbin und kam aus einem der mächtigsten Fürstenhäuser im Reich. Aber die sächsische Prinzessin wurde als wenig ansehnlich, stur und launisch beschrieben, wenn sie auch „großen Verstand“ habe [2].

1556 scheiterte ein erstes Heiratsprojekt mit Erik, Sohn des schwedischen Königs Gustav Wasa.

Dann trat Wilhelm von Oranien auf den Plan. Wilhelm hatte mit seiner ersten Frau Anna von Egmont eine außergewöhnlich glückliche Ehe geführt. Heiratsverbindungen im Hochadel wurden prinzipiell aus Gründen der Sicherung und Ausweitung von Macht und Ansehen geschlossen. Wie Briefe beider Ehepartner belegen, hatte sich jedoch zwischen Oranien und Anna von Egmont eine liebe- und respektvolle Beziehung entwickelt (Vetter 1987, S. 26–28). Anna von Egmonts früher Tod am 24. März 1558 war neben dem Ableben seiner Mutter Juliana von Stolberg 22 Jahre später mit das erschütterndste Ereignis im Leben des Wilhelm von Oranien.

Welche Motive hatten die zukünftigen Ehepartner, der Prinz von Oranien und die sächsische Prinzessin?

Die durchaus reichliche Mitgift von Anna von Sachsen spielte nach Ansicht aller Historiker zwar eine nicht unerhebliche Rolle für Wilhelm von Oranien. Entscheidend war jedoch die Aussicht auf eine Verbindung mit den beiden einflussreichen Fürstentümern Sachsen und Hessen[3].

Anna selbst muss nach dem ersten Treffen mit Wilhelm zwar gewisse Zweifel gehabt haben, sich aber gleichfalls so verliebt haben, dass sie schrieb:

„Er ist ein schwarzer Verräter, aber ich habe keine Ader in meinem Leibe, die ihn nicht herzlich lieb hätte.“

Anna von Sachsen über Wilhelm von Oranien[4]

Außerdem war er auch für eine Prinzessin, die sogar „einen König hätte heiraten können“, wie sie sich später bitter beklagte, eine gute Partie. Als Herr von Oranien (der südfranzösischen Grafschaft Orange) war er souveräner Fürst und einer der wohlhabendsten Adeligen der reichen Niederlande.

Als die Pläne bekannt wurden, gab es heftigen und anhaltenden Widerstand von fast allen Seiten. Der Grund: Wilhelm war zwar zunächst lutherisch aufgewachsen, aber nach seiner Übersiedlung in die Niederlande im Alter von 12 Jahren katholisch erzogen worden. So wollten Kurfürst August von Sachsen und Landgraf Philipp von Hessen nicht, dass die damals 16-jährige Prinzessin den „Papisten“ in die Hände fiel. Und auf der anderen Seite erklärten die Berater von Philipp II., Katholiken sei die Ehe mit „Ketzern“ verboten[5].

Ein weiteres Problem stellte die Tatsache dar, dass Wilhelm aus seiner Ehe mit Anna von Egmont bereits einen Sohn hatte, der vor Kindern mit Anna von Sachsen erbberechtigt war.

Dennoch setzte Wilhelm nach langen Verhandlungen, mit großer Zielstrebigkeit und taktischem Geschick sein Ziel durch. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, sowohl der lutherischen als auch der katholischen Seite seine Verbundenheit mit deren jeweiliger Konfession zu erklären[6]. Der Braut sicherte er ungestörte Ausübung ihrer lutherischen Religion zu (was auch eingehalten wurde).

Hierin sehen die Kritiker bis heute „Opportunismus“, während wohlgesonnenere Historiker ein „brillantes diplomatisches Spiel“ [7] erkennen wollen oder Wilhelms oft bewiesene Abneigung gegen konfessionellen Dogmatismus[8].

Am 2. Juni 1561 wurde in Torgau der Ehevertrag geschlossen. Annas Mitgift sollte die hohe Summe von 100.000 Talern betragen.

Anna von Sachsen (um 1566). Kupferstich von Abraham de Bruyn.

Die Hochzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hochzeit zwischen Wilhelm von Oranien und Anna von Sachsen fand am 24. August 1561 in Leipzig statt. Die Festlichkeiten dauerten eine ganze Woche und stellten alles in den Schatten, was man in der Mitte des Reiches gesehen hatte. 5500 Gäste wurden mit Essen und Trinken, Spielen, Theater, Feuerwerk, Musik und Wettkämpfen unterhalten [9]. Alleine Wilhelm selbst war mit einem „über 1000 Pferde starken Geleit eingetroffen“[10].

Noch vor der Trauung hatte Wilhelm in kleinem Kreis erneut versprechen müssen, seiner Gattin die Ausübung der lutherischen Religion zu ermöglichen[11].

Ein überliefertes Gespräch zwischen der Kurfürstin von Sachsen und Wilhelm gibt einen Hinweis auf kommende Probleme. Annas Pflegemutter bat Wilhelm darum, seine Gattin „zu Gottesfurcht und christlichem Lebenswandel“ anzuhalten. Oranien soll entgegnet haben,

„daß er die Prinzessin nicht mit solchen melancholischen Dingen bemühen wolle, sondern daß sie statt der heiligen Schrift den Amadis von Gallien und dergleichen kurzweilige Bücher, die de amore traktierten, wolle lesen, und statt Strickens und Nähens eine Galliarde wolle tanzen lernen lassen und dergleichen Kourtoisie mehr, wie solche etwa des Landes bräuchlich und wohlanständig.“

Wilhelm von Oranien[12]

Am 1. September 1561 trat Wilhelm von Oranien dann mit seiner jungen Gattin über Dillenburg die Reise in die Niederlande an.

Ehe mit Wilhelm von Oranien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anna war zunächst sehr glücklich und ihre Ehe war fruchtbar mit fünf Kindern, von denen drei das Erwachsenenalter erreichten. Eine weitere Tochter Annas, Christine, wurde von Wilhelm nicht anerkannt.

Aber schon bald traten erste Missstimmigkeiten auf, woraufhin Anna immer wieder von ihren Verwandten in Sachsen und Hessen zu Wohlverhalten gegenüber ihrem Gatten ermahnt wurde. Anna lenkte auch zunächst ein. So bedankte sie sich in einem Brief vom 18. Juni 1563 an die Kurfürstin für die Warnung, sich vor dem Zorn und dem Fluchen zu hüten[13]. Ihr „kindlich hertzlieber Herr“ (Wilhelm) habe sie ”auch vil zu lieb”, um ernstlich mit ihr zu sprechen[14]. Im Juni 1565 schrieb sie, sie wolle lieber „tot sein“, als Schande über ihre Verwandten zu bringen[15].

Aus den Briefen Annas ging auch bald hervor, dass sie an Einsamkeit litt. Vom niederländischen Adel fühlte sie sich nicht ihrem Rang entsprechend behandelt[16]. Ihre sächsischen Hofdamen, ohnehin nur für ein halbes Jahr verpflichtet, hatten sie schnell verlassen, teilweise schon nach vier Wochen, weil sie mit „etlichen Sitten des Niederlandes“ nicht klarkamen, „sonderlich sich nicht wollen küssen lassen“ [17]. Häufig bat Anna mit „flehentlichen Bittrufen“ [18] ihre Verwandten aus Sachsen und Hessen, sie zu besuchen. Indessen schickten die nur ihre Räte, die vor allem Ermahnungen an sie hatten.

Bei allem, was auch Wilhelm tat, um die Ehe zu retten, eskalierte der Streit weiter. Schlimmer noch, „das Geschrei“ über „Unwillen und Missverstand“[19] zwischen den Eheleuten geriet an die Öffentlichkeit und war Tagesgespräch an den Höfen des Reiches.

Die Zwistigkeiten gingen soweit, dass Anna ihren Mann sowie „sein Geschlecht“ (Nassau) vor hohen Gästen heftig beschimpfte und verfluchte.[20] Anna ging nun auch gegenüber ihren Verwandten in die Offensive und fing Anfang 1565 an, sich über ihren Mann zu beschweren, der sie schlecht behandele. Wilhelm selbst spielte mit dem Gedanken, „sie wieder nach Hause zu senden“.[21]

Ende 1565 war die Ehe so zerrüttet, dass selbst der Todfeind Wilhelms, Kardinal Granvelle, detailliert davon erfuhr, wie „arg und allgemein bekannt sein häusliches Leid“ sei[22].

Aus einem Briefwechsel zwischen dem hessischen Landgrafen und Anna Anfang 1566 geht hervor, dass Anna anfing, Schulden zu machen, ihren Schmuck zu versetzen und schlechten Umgang hatte. Es zeigten sich auch bereits deutliche Anzeichen von Depressionen. Sie schließe sich schon tagsüber in ihr verdunkeltes Zimmer ein, komme nicht zu den Mahlzeiten und habe „schwere Gedanken“ im Kopf [23], womöglich ein erstes Anzeichen von Suizidgefahr.

Wilhelm geriet wegen seines Eintretens für die Unabhängigkeit der Niederlande und für religiöse Toleranz in akute Lebensgefahr. Am 23. April 1567 floh er mit Anna und einem Gefolge von über 100 Personen aus Breda mit dem Ziel Dillenburg. Seine in Brüssel verbliebenen engen Verbündeten Egmont (über den Goethe sein bekanntes Drama schrieb) und Hoorn entgingen dem berüchtigten Blutgericht des Herzogs Alba nicht und wurden ein dreiviertel Jahr nach ihrer Gefangennahme öffentlich enthauptet.

Dillenburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Mai 1567 erreichte das Paar mit seinem Gefolge Schloss Dillenburg. Nun waren beide Flüchtlinge. Wilhelm war noch schlechter dran, da er sein ganzes Hab und Gut verlor, das von Philipp II. in den Niederlanden konfisziert wurde. Sein ältester Sohn aus erster Ehe wurde von Philipp gefangengenommen und nach Spanien in ein Kloster verbracht.

Wilhelm fing sofort an, den Widerstand in den Niederlanden zu organisieren, während Anna mit ihrer neuen Rolle in Dillenburg nicht zurechtkam. Waren überzogene Ansprüche die Ursache oder eine „unfreundliche Haltung“[24] von Wilhelms Verwandten ihr gegenüber? War es auch eine unerträgliche Langeweile in der Westerwälder Provinz, wie Anna es oft darstellte?

Dillenburg mit dem bekrönenden Schloss in der Ausbaustufe um 1575, hier nach Braun/Hogenbergs Theatri praecipuarum Totius Mundi Urbium Liber Sextus 1617

Schloss Dillenburg war zwar nicht Breda und auch nicht Dresden, aber damals dennoch ein großer Gebäudekomplex, in dem bis zu 300 Menschen lebten. Zudem spielte die Dynastie von Nassau-Dillenburg eine bedeutende Rolle in der Reichspolitik, sowohl in ihrer Stellung zu den Habsburgern, als auch seit der Reformation im Netzwerk der protestantischen Fürsten des Reiches[25][26].

Doch schon nach wenigen Wochen fingen die Zwistigkeiten an, nicht mit Wilhelm, mit dem sie noch einmal eine gute Zeit verlebte und auch zwei weitere Kinder von ihm empfing, sondern insbesondere mit Wilhelms Mutter Juliane von Stolberg und ihrer Schwägerin Elisabeth zu Leuchtenberg, der Frau des regierenden Grafen Johann VI.[27]

In dieser Zeit nahmen auch die Alkoholprobleme zu. „Schon morgens nehme sie ein Glas Wein“, so wurde berichtet, „nachmittags eine größere Menge und abends vor dem Niederlegen einen Schlaftrunk. Am 8. Juni 1567 wurden Wilhelm zwei Maß Wein, Anna aber drei Maß zu Tisch gereicht.“ Anna selbst beschwerte sich, dass sie mit Wein und Bier kurz gehalten werde („verweigerten ihr oft einen Trunk geringen Weines oder Bieres“).[28]

Schon im August 1567 war ihr Unmut auf Dillenburg und den Westerwald so groß, dass sie drohte, „sich aus Zorn und Unwille ein Leid anzutun“.[29]

Den letztendlichen Ausschlag, dass man sie am 20. Oktober 1568, als Wilhelm sich in den Niederlanden aufhielt, mit einem Gefolge von 60–70 Personen nach Köln ziehen ließ, war möglicherweise eine in Dillenburg auftretende, ansteckende Krankheit [30]. Als Reisegeld gab man ihr noch 150 Gulden mit, wohl das letzte Geld, was die hochverschuldete Grafschaft kurzfristig auftreiben konnte „und wollte“[31]. Im darauffolgenden Jahr durfte sie noch ihre Kinder nachholen.

Von der Familie ihres Mannes auf eigene Faust nach Köln wegzuziehen (von ihren Verwandten in Hessen und Sachsen hatte sie „keine Einladung“) war für die erst 23 Jahre junge Frau ein mutiger, aber auch folgenschwerer Entschluss. Sie hoffte auf ein großstädtisches Flair und einen potentiellen Bekanntenkreis von „150 niederländischen Edelfrauen, mit denen sie sich unterhalten könne, denn sie habe keine Lust in Dillenburg als Sechswöchnerin zu liegen.“[32]

Ihr Biograph Hans-Joachim Böttcher begründet die Übersiedlung nach Köln unter Verwendung eines modernen Begriffes damit, Anna habe nun „ein selbstbestimmtes Leben“[33] führen wollen – allerdings wollte sie dies auch auf repräsentative Art und hatte dazu keinerlei finanzielle Mittel.

Der Wegzug von Dillenburg bedeutete auch das vorgezogene Ende ihrer Ehe mit Wilhelm von Oranien.

Köln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Köln lebte Anna im Patrizierhaus Rinkenhof, wo am 10. April 1569 ihre Tochter Emilia zur Welt brachte.[34][35] Die beiden älteren Kinder, Anna und Moritz, waren von ihrer Schwiegermutter wegen Seuchengefahr nach Braunfels gebracht worden, so dass sie sie zunächst zurücklassen musste. Erst im nächsten Jahr, nach einem heftigen Kampf mit Wilhelms Mutter, konnte sie die Kinder zu sich holen.

Am 4. März 1569 traf sich Anna mit ihrem Gatten in Mannheim. Wilhelms Feldzug gegen Herzog Alba war gescheitert, König Philipp II. von Spanien hatte die Acht über ihn verhängt. In dieser Situation zog er es vor, Deutschland zu verlassen und die Hugenotten in Frankreich bei ihren Glaubenskämpfen zu unterstützen. Da ihr Mann in dieser Situation nicht mehr für sie sorgen konnte, erhob Anna nun Anspruch auf ihr Wittum. Sie erwog zwei Möglichkeiten: Entweder gelang es ihr, den Herzog von Alba zu überreden, ihre beschlagnahmten Güter zurückzuerstatten, oder die Brüder Wilhelms räumten ihr die Zahlung des im Ehevertrag festgelegten jährlichen Leibgedinges von 12.000 Gulden bzw. den Besitz der Schlösser Diez oder Hadamar ein. Dies hätte für die Nassauer eine kaum zu tragende finanzielle Belastung bedeutet. Anna wurde so zu einem Risiko für die Familie.

Zur Durchsetzung ihrer Forderungen wandte sie sich gegen Ende des Jahres 1569 an den erfolgreichen Advokaten Jan Rubens, Vater des Malers Peter Paul Rubens, der wegen seines calvinistischen Glaubens Antwerpen im Jahre 1568 verlassen und ebenfalls in Köln Zuflucht gefunden hatte. Dieser erhob im Januar 1570 beim königlichen Fiskal zu Brüssel Klage wegen Annas in den Niederlanden eingezogener Güter.

Die Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annas Wunsch, ihren Gatten wiederzusehen und mit ihm die wichtigsten Angelegenheiten zu besprechen, erfüllte sich erst am 23. Mai 1570, als es zu einem eintägigen Treffen in Butzbach kam. Im Juni 1570 sahen sich Anna und Wilhelm noch einmal für einige Wochen in Siegen, wo sie sich mit ihren drei Kindern niedergelassen hatte. In den Weihnachtstagen vom 24. bis 26. Dezember 1570 besuchte Wilhelm seine Familie dort erneut. Es muss eine harmonische Zeit gewesen sein, denn er konnte Anna überreden, ihn im Januar 1571 in Dillenburg zu besuchen, wo sie sich sogar bereitfand, einstweilen auf Zahlungen aus ihrem Wittum zu verzichten. Sie war wieder schwanger. Der Entschluss, seine Frau zu verlassen, muss für Wilhelm zu diesem Zeitpunkt aber bereits festgestanden haben. An der Anklage wegen Ehebruchs wurde bereits gearbeitet.

Jan Rubens, mit dem Anna häufig zusammen war, da er ihr Ratgeber, Vermögensberater und Anwalt war, wurde des Ehebruches mit Anna verdächtigt und zwischen dem 7. und 10. März 1571 vor den Toren Siegens verhaftet, als er sich wegen einer geschäftlichen Angelegenheit auf dem Weg zu ihr befand. Er wurde gefoltert und ein passendes Geständnis erpresst. Anna wurde unter Druck gesetzt: Entweder sie gestehe selbst oder Rubens werde hingerichtet werden. Daraufhin erklärte Anna sich am 26. März 1571 für schuldig. Am 22. August 1571 brachte Anna ihr letztes Kind, Christine, zur Welt. Auf Grund des Vorwurfs erkannte Wilhelm von Oranien diese Tochter nicht als sein Kind an. Christine erhielt den Namen von Diez. Am 14. Dezember 1571 musste Anna ihre Einwilligung zur endgültigen Trennung von ihrem Gatten unterzeichnen. Außerdem brauchte Wilhelm von Oranien keinen weiteren Unterhalt für sie zu zahlen.

Inhaftierung und Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im September 1572 legte Anna beim Reichskammergericht Widerspruch gegen das ergangene Urteil ein. Zu diesem Zeitpunkt hatten ihre hessischen und sächsischen Verwandten mit den Nassauern bereits geplant, sie im Beilsteiner Schloss als Ehebrecherin gefangen zu setzen. Am 1. Oktober 1572 wurde sie mit ihrer jüngsten Tochter Christine dorthin gebracht, die drei Jahre später an einen anderen Ort gebracht wurde.

Im März dieses Jahres – die Ehe war noch nicht geschieden – tauchten ersten Nachrichten von einer bevorstehenden erneuten Heirat Wilhelm von Oraniens auf. Seine Braut war die ehemalige Äbtissin von Jouarre, Charlotte von Bourbon-Montpensier (1546/47–1582), eine Tochter Ludwigs II. von Bourbon († 1582), Herzog von Montpensier, und seiner ersten Gattin, Jacqueline de Longwy († 1561). Empört wegen des nun offensichtlich versuchten Ehebruchs Wilhelms von Oranien forderten Annas sächsische und hessische Verwandte daraufhin die sofortige Rückgabe des ehemaligen Heiratsgutes ihrer Nichte. Ihr sächsischer Onkel August forderte darüber hinaus von Wilhelm, den er nun „Haupt aller Schelme und Aufrührer“ nannte, eine der nassauischen Grafschaften, Hadamar oder Diez. Außerdem insistierte er darauf, dass die Ehe des Prinzen rechtlich noch nicht geschieden sei. Anna habe ihren Ehebruch nicht vor Gericht eingestanden, und wenn sie es täte, dann könnte sie nachweisen, dass der Prinz seinerseits die Ehe gebrochen habe. Zudem befahl er die sofortige Überführung seiner Nichte aus Nassau nach Sachsen. Letzteres gestand Wilhelm gerne zu, um seine zweite Ehefrau möglichst loszuwerden.

Als Anna im Dezember 1575 von ihrer bevorstehenden Verbringung nach Sachsen erfuhr, verübte sie einen Suizidversuch. Am 19. Dezember 1575 steckte man sie schließlich mit Gewalt in ihren Reisewagen. Nach einem längeren Aufenthalt in Zeitz wurde sie im Dezember 1576 nach Dresden gebracht. Dort wurden die Fenster ihres Gemachs vermauert und zusätzlichen noch mit Eisengittern versehen. An der Tür wurde aus dem oberen Feld ein viereckiges Loch herausgeschnitten und mit einem engen Gitter versehen, das außen verschließbar war. Durch dieses Loch wurden Speisen und Getränke für sie gereicht. Vor der Tür gab es außerdem noch ein weiteres Eisengitter.

Seit Mai 1577 litt Anna unter Dauerblutungen. Anna starb am 18. Dezember 1577 kurz vor ihrem 33. Geburtstag. Namenlos wurde sie im Dom zu Meißen an der Seite ihrer Vorfahren bestattet. Die Lage des Grabes ist seit 2017 gekennzeichnet.[36]

Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • N.N., ein Mädchen (* 31. Oktober 1562; † wenige Tage später)
  • Anna (1563–1588) – 1587 verheiratet mit Graf Wilhelm Ludwig von Nassau-Dillenburg (1560–1620), Sohn von Johann VI. von Nassau-Dillenburg
  • Moritz (* 8. Dezember 1564; † März 1566)
  • Moritz (1567–1625), Statthalter der Niederlande
  • Emilia (1569–1629) – 1597 verheiratet mit Emanuel (I.) von Portugal (1568–1638)
  • Christine, genannt von Diez (* 22. August 1571), von Wilhelm I. von Oranien-Nassau nicht anerkannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Felix Rachfahl: Wilhelm von Oranien und der niederländische Aufstand (3 Bd.e, hier Bd. 2). Halle a. d. Saale 1907. Passim.
  • Carl Dönges: Wilhelm der Schweiger und Nassau-Dillenburg. Verlag von Moritz Weidenbach, Dillenburg 1909, S. 128-144.
  • Hans Kruse: Wilhelm von Oranien und Anna von Sachsen. Eine fürstliche Ehetragödie des 16. Jahrhunderts. In: Nassauische Annalen, 54, 1934, S. 1–134.
  • Hellmut Kretzschmar: Anna. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 302 (Digitalisat).
  • Henriette de Beaufort: Wilhelm von Oranien. C. H. Beck, München 1956. Passim.
  • Otto Rombach: Anna von Oranien. Roman. 1960.
  • Klaus Vetter: Wilhelm von Oranien. Akademie-Verlag, Berlin 1987. Passim.
  • Klaus Vetter: Am Hofe Wilhelms von Oranien. Edition Leipzig 1990. Passim.
  • Martin Spies: Die Bildnisse Annas von Sachsen. In: Nassauische Annalen, 116, 2005, S. 237–248.
  • Olaf Mörke: Wilhelm von Oranien (1533-1584). Fürst und "Vater" der Republik. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 2007, Passim.
  • Hans-Joachim Böttcher: Anna Prinzessin von Sachsen 1544-1577. Dresdner Buchverlag, 2013. ISBN 978-3-941757-39-4.
  • Ingrun Mann: The Scarlet Lady of Orange. Winged Hussar Publishing, Point Pleasant, New Jersey 2016. ISBN 978-0996365727.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anna von Sachsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ingrun Mann: The Scarlet Lady of Orange. Nur passagenweise abrufbar.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kruse, S. 13
  2. Kruse, S. 12-13; Dönges, S. 129; Vetter, S. 51
  3. Vetter 1987, S. 51
  4. Kruse, S. 18
  5. Kruse, 16
  6. Vetter 1987, 51/52; Kruse, 15, 22; Mörke, 74
  7. Beaufort, S. 51
  8. Mörke, 74
  9. Dönges, 130
  10. Vetter 1990, 64
  11. Kruse, 22
  12. Kruse, S. 23
  13. Kruse, S. 29
  14. ebd.
  15. Rachfahl II.1, S. 384
  16. Beaufort, S. 129-130
  17. Kruse, S. 37
  18. Kruse, S. 36
  19. Brief des Landgrafen von Hessen an Anna, zit. n. Kruse, S. 33
  20. Kruse, S. 38; Vetter 1990, S. 69
  21. Kruse, S. 38
  22. Vetter 1990, S. 69
  23. Kruse, S. 39; Vetter 1990, S. 68
  24. Böttcher, 151
  25. Mörke, 21
  26. Reformation – Konfession – Konversion. Adel und Religion zwischen Rheingau und Siegerland im 16. und 17. Jahrhundert. Nassauische Annalen 2017. S. 62, S. 246., S. 91–96.
  27. Kruse, 46; Dönges, 134-35
  28. Dönges, 134
  29. (Dönges, 133)
  30. (Dönges, 134)
  31. Kruse, 46
  32. Dönges, 134
  33. (Böttcher, 153)
  34. Nassauische Annalen, Jahrbuch des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, Band 111, 2000, S. 116
  35. Helmut Signon, Wie war zu Köln es doch vordem, 1972, S. 182
  36. Berühmte Gräber im Dom zu Meißen, Der Sonntag, 10. Februar 2017