Annalena Baerbock

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Annalena Baerbock, 2018

Annalena Charlotte Alma Baerbock (* 15. Dezember 1980 in Hannover) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Seit dem 27. Januar 2018 ist sie neben Robert Habeck Bundesvorsitzende der Grünen.

Baerbock ist seit 2013 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 2012 bis 2015 war sie Mitglied des Parteirats von Bündnis 90/Die Grünen und von 2009 bis 2013 Vorsitzende des Landesverbands Brandenburg. Politisch wird sie dem „Realo“-Flügel ihrer Partei zugeordnet.[1]

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baerbock wuchs zusammen mit zwei Schwestern und zwei Cousinen auf einem alten Bauernhof im Dorf Schulenburg nahe Hannover auf.[2] Sie besuchte die Humboldtschule Hannover.[3][4] In ihrer Jugend betrieb sie Trampolinspringen als Leistungssport.[5] Im Alter von 16 war sie ein Jahr lang auf einer Schule im US-Bundesstaat Florida.[6]

Nach dem Abitur studierte sie von 2000 bis 2004 Politikwissenschaft und öffentliches Recht an der Universität Hamburg und 2004 bis 2005 Völkerrecht an der London School of Economics. Sie schloss mit einem Master in Public International Law (LL.M.) ab.[7]

Von 2005 bis 2008 war sie Mitarbeiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter und von 2008 bis 2009 Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.

2009 begann sie an der FU Berlin ein Promotionsvorhaben mit dem Titel „Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe“ in Völkerrecht[8], das seit 2013 ruht.

Baerbock kam durch ein Praktikum nach Brandenburg, wo sie auch ihren späteren Ehemann kennenlernte.[2] Sie ist mit Daniel Holefleisch verheiratet, hat zwei Töchter (* 2011, * 2015)[9] und lebt in Potsdam.[10][11]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Baerbock ist seit 2005 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Von 2008 bis 2013 war sie Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa, ab Oktober 2008 gehörte sie dem Brandenburger Landesvorstand der Partei an. Am 14. November 2009 wurde Baerbock neben Benjamin Raschke zu einer von zwei gleichberechtigten Vorsitzenden des Landesverbands Brandenburg gewählt.

Sie war von 2009 bis November 2012 Vorstandsmitglied der Europäischen Grünen Partei und gehörte von November 2012 bis November 2015 dem 16-köpfigen Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen an.[12] Nach ihrem Einzug in den Bundestag kandidierte sie auf der Landesdelegiertenkonferenz im November 2013 nicht erneut für das Amt der Landesvorsitzenden.

Nach der Bundestagswahl 2017 war Baerbock Mitglied des Sondierungsteams von Bündnis 90/Die Grünen für eine mögliche Jamaika-Koalition mit der CDU/CSU und der FDP und hier Mitglied der Sondierungsgruppen für die Politikfelder Europa, Klima/Energie/Umwelt sowie Landwirtschaft/Verbraucherschutz.[13]

Baerbock wurde am 27. Januar 2018 auf der Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover neben Robert Habeck zur Parteivorsitzenden gewählt. Sie setzte sich gegen Anja Piel vom linken Parteiflügel mit 64 % der Stimmen durch und gilt ebenso wie Habeck als „Realo“, was nach Jahrzehnten ein Novum für den bisher zwischen den zwei Lagern aufgeteilten Parteivorsitz darstellte. Beide streben jedoch eine pragmatische Positionierung unabhängig von dieser Flügellogik an.

Abgeordnetentätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Baerbock vergeblich als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree sowie auf Listenplatz 3 der Brandenburger Landesliste der Grünen.

Am 26. Januar 2013 wurde Baerbock zur Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II zur Bundestagswahl 2013 gewählt. Mit 87,9 % wurde sie zudem bei der grünen Landesdelegiertenkonferenz am 2. März in Potsdam zur Spitzenkandidatin ihrer Partei gewählt.[14] Mit 7,2 % der Erststimmen in ihrem Bundestagswahlkreis[15] zog sie über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen in den Bundestag ein.

In ihrer ersten Legislatur im Bundestag (2013–2017) war Baerbock klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie und des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss. In der Legislaturperiode 2013–2017 war Baerbock zudem Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe, stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Berlin–Taipeh und stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates.

Am 26. November 2016 wurde Baerbock mit 99 % auf der grünen Delegiertenkonferenz in Potsdam zur Spitzenkandidatin ihrer Partei zur Bundestagswahl 2017 gewählt.[16] Am 23. Januar 2017 wurde sie außerdem zur Direktkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg im Bundestagswahlkreis 61 gewählt.[17] Bei der Bundestagswahl 2017 erzielte Baerbock 8 % der Erststimmen in ihrem Wahlkreis[18] und zog erneut über die Landesliste in den Bundestag ein.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2016 übernahm Baerbock eine zu diesem Zeitpunkt noch unbefristete Bürgschaft für die legale Einreise eines syrischen Kriegsflüchtlings im Rahmen der Initiative der Flüchtlingspaten Syrien.[19] Sie ist Vorsitzende des Vereins Hand in Hand Potsdam e.V., in dem sich Menschen in der Migrantenhilfe engagieren. Baerbock ist außerdem Mitglied in der überparteilichen Europa-Union Deutschland.[20]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Annalena Baerbock – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mariam Lau: Grüne Realo-Doppelspitze: Es hat irgendwas mit Liebe zu tun. In: zeit.de. 27. Januar 2018, abgerufen am 12. September 2019.
  2. a b Interview mit Annalena Baerbock, Jung & Naiv, Folge 371.
  3. Annalena Baerbock
  4. Frisches Grün aus Brandenburg: Annalena Baerbock startet durch
  5. „Ich bin leidenschaftliche Europäerin“
  6. "Ankommen ist das eine, Heimischwerden das andere"
  7. Deutscher Bundestag - Annalena Baerbock. Abgerufen am 18. Juni 2019.
  8. BZ: Frisches Grün aus Brandenburg vom 28. Januar 2018
  9. tagesspiegel: Für ihre Töchter vom 12. Dezember 2017
  10. Das Machtsystem der Grünen-Doppelspitze. Abgerufen am 5. Februar 2019.
  11. Thorsten Metzner: Annalena Baerbock, Grüne. Der Tagesspiegel, 20. Oktober 2013, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  12. Parteirat. Website von „Bündnis 90/Die Grünen“, 8. Mai 2011, archiviert vom Original am 11. Februar 2013; abgerufen am 17. Dezember 2017.
    Parteigremien neu gewählt. (Memento des Originals vom 20. Juni 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruene.de Website von „Bündnis 90/Die Grünen“, 19. Oktober 2013, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  13. Sondierungsgespräche: Termine, Themen, Ergebnisse. (Memento des Originals vom 13. Dezember 2018 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.gruene.de Website von „Bündnis 90/Die Grünen“, 5. Oktober 2017, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  14. Landesverband Brandenburg: LDK in Potsdam 2013. Grüne Brandenburg, 2. März 2017, archiviert vom Original am 12. April 2013; abgerufen am 17. Dezember 2017.
  15. Bundestagswahl 2013: Wahlkreis 61: Ergebnisse Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II. Bundeswahlleiter, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  16. Märkische Allgemeine, 26. November 2016, S. 10.
  17. Annalena Baerbock als grüne Direktkandidatin gewählt. Die Grünen: Kreisverband Potsdam, 23. Januar 2017, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  18. Bundestagswahl 2017: Wahlkreis 61: Ergebnisse Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II. Bundeswahlleiter, abgerufen am 17. Dezember 2017.
  19. Verpflichtungsgeber: Namen und Gesichter. Website von „Flüchtlingspaten Syrien e.V.“, abgerufen am 17. Dezember 2017 (Statement von Baerbock).
  20. Annalena Baerbock auf der Website der Europa-Union