Annalista Saxo

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Nachruf auf den verstorbenen Kaiser Lothar III. Die zweite Spalte behandelt den Übergang zur Königsherrschaft Konrads III. im Jahr 1138. Annalista Saxo, Paris, Bibliothèque nationale de France, Ms. lat. 11851, fol. 237r.

Als Annalista Saxo (Sächsischer Annalist) wird der anonyme Verfasser einer bedeutenden Reichschronik bezeichnet, die im Kloster Nienburg in Anhalt entstand. Er wurde häufig fälschlich mit Arnold, Abt der Klöster Berge und Nienburg identifiziert. Die Identität des Chronisten ist bis heute ungeklärt.

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chronik des Annalista Saxo ist eine Sammlung von Daten und Fakten über die mittelalterlichen deutschen Könige und ihre karolingischen Vorgänger sowie zeitgenössische Ereignisse, beginnend mit dem Jahr 741 und fortgeführt bis 1139. Durch die Arbeit von Bernhard Schmeidler wurde der Verfasser lange Zeit mit dem Abt Arnold vom Kloster Berge und Nienburg identifiziert. Schmeidler schrieb ihm auch die Nienburger Annalen und die Gesta archiepiscoporum Magdeburgensium zu.[1] Diese Ergebnisse wurden von Klaus Naß in einer einschlägigen Untersuchung aus dem Jahr 1996 bestritten.[2] Das Werk wurde als eine „Reichschronik in annalistischer Darstellungsform“ von Klaus Naß charakterisiert.[3] Magdeburg gilt auch nach der Untersuchung von Naß als wahrscheinlicher Entstehungsort der Chronik. Das Buch entstand nach neuer Forschung in den Jahren 1148 bis 1152 in lateinischer Sprache wohl durch einen unbekannten Geistlichen.[4] Der Verfasser nutzte für seine Chronik mindestens 52 historiographische oder hagiographische Werke.[5] Die Eintragungen sind chronologisch nach Jahren geordnet.

Die einzige mittelalterliche Handschrift des Werkes stammt aus Sachsen. Der Band umfasst 237 Pergamentseiten. Der Einband stammt aus dem 16. Jahrhundert. Der Buchdeckel besteht aus braunem Rindsleder, der Buchrücken ist in Schafsleder gebunden. Sechzehn Schmuckbuchstaben verzieren das Innere des Buches. Das Original der Chronik des Annalista Saxo befindet sich heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris. Es ist hochempfindlich und wird daher unter Verschluss gehalten. Wie das Buch nach Frankreich gelangte, ist bisher noch unbekannt. Im Jahr 1993 wurde das Buch restauriert.

Editionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Naß: Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert (= MGH Schriften. Bd. 41). Hahn, Hannover 1996, ISBN 3-7752-5441-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Annalista Saxo im Repertorium „Geschichtsquellen des deutschen Mittelalters“

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Schmeidler: Abt Arnold von Kloster Berge und Reichskloster Nienburg (1119–1166) und die Nienburg-Magdeburgische Geschichtsschreibung des 12. Jahrhunderts. In: Sachsen und Anhalt 15, 1939, S. 88–167.
  2. Klaus Naß: Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert. Hannover 1996, S. 371–375. Vgl. zu der Arbeit von Naß die Besprechung von Manfred Groten in: Historische Zeitschrift 267, 1998, S. 467–468.
  3. Klaus Naß: Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert. Hannover 1996, S. 340.
  4. Lutz Partenheimer: Albrecht der Bär und seine Vorfahren. Ursprung und Aufstieg der Askanier. In: Eckardt Opitz (Hrsg.): Kolloquium XVI Askanier-Studien der Lauenburgischen Akademie. Bochum 2010, S. 21–48, hier: S. 26.
  5. Klaus Naß: Die Reichschronik des Annalista Saxo und die sächsische Geschichtsschreibung im 12. Jahrhundert. Hannover 1996, S. 344.