Anne Helm

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Anne Helm (2014)

Anne Helm (* 6. Juli 1986 in Rostock) ist eine deutsche Synchronsprecherin, Schauspielerin, politische Aktivistin und Politikerin (Die Linke). Sie war von Juli 2009 bis September 2014 Mitglied der Piratenpartei Deutschland. Seit 2011 ist sie Neuköllner Bezirksverordnete. Im Januar 2016 trat sie der Partei Die Linke bei.[1] Sie war im Januar 2016 Mitglied im Bundeskoordinationskreis der Emanzipatorischen Linken.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anne Helm stellt sich für die Bundestagswahl 2013 vor

Anne Helm wurde in Rostock geboren, wuchs in Berlin-Neukölln auf und lebt dort als Sprecherin und Synchronschauspielerin. Anne Helms Schwester Luise Helm und ihr Vater Gunnar Helm sind ebenfalls im Synchron- und Schauspielbereich tätig. Ihre erste Sprechrolle hatte sie mit neun Jahren als Hauptfigur Babe in Ein Schweinchen namens Babe. Seitdem synchronisierte sie mehr als 300 Produktionen. 2007 war Anne Helm für den Deutschen Synchronpreis für herausragende weibliche Synchronarbeit mit ihrer Synchronisation von Yohana Cobo in Volver – Zurückkehren nominiert.[3] Helm ist die Feststimme von Jennette McCurdy und spricht regelmäßig Amber Heard, Anna Kendrick, Dana Davis und Ludivine Sagnier.

Seit Anfang 2013 ist sie die Stimme der Fernsehreihe Elektrischer Reporter auf ZDFinfo.

Helm engagiert sich in der Politik. 2009 wurde sie Mitglied der Piratenpartei Deutschland. Drei Jahre später trat sie bei den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen 2011 im Bezirk Neukölln erfolgreich auf Listenplatz 2 für die Piratenpartei an.[4] Für die Bundestagswahl 2013 wurde sie zur Direktkandidatin der Partei für den Bezirk gekürt.[5] Seit 2013 war sie in ihrer Partei Themenbeauftragte für Asylpolitik.[6] Auf Listenplatz 5 kandidierte sie zur Europawahl 2014.[7] Im September 2014 wurde öffentlich, dass Helm aus der Piratenpartei austrat.[8] Zusammen mit Martin Delius, Oliver Höfinghoff, Julia Schramm und anderen gehörte Helm zu den 36 Partei- beziehungsweise Ex-Parteimitgliedern, die in einem Aufruf erklärten, die Mitarbeit mit ihrer ehemaligen Partei zu beenden und sich stattdessen in „kritischer und solidarischer“ Weise für die Partei Die Linke zu engagieren.[9] In einem Interview mit der Zeitung Neues Deutschland erklärte Helm, der Entschluss basiere auf Prinzipien, die sie zusammen mit anderen bei der Piratenpartei entwickelt habe. Diese wolle sie nunmehr im Sinn einer linken Gesellschaftsperspektive einbringen.[1]

Kontroverse zu der „Thanks Bomber Harris“-Aktion 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Februar 2014 geriet Helm in die Kritik, weil sie ein Foto von zwei Femen-Aktivistinnen über den Kurznachrichtendienst Twitter weiterverbreitete, die mit nackten und mit Parolen bemalten Oberkörpern anlässlich des Jahrestages der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg demonstrierten. Anne Helm trug dabei die Botschaft „Thanks Bomber Harris“. Arthur Harris gilt als Initiator der umstrittenen britischen Direktive zur Flächenbombardierung deutscher Städte, auf den in Agitationen aus dem antideutschen Spektrum häufig positiv Bezug genommen wird. Daraufhin wurde ihr eine Verhöhnung der Bombenopfer vorgeworfen. Helm bestätigte, zur betreffenden Zeit in Dresden gewesen zu sein, bestritt aber zunächst, es handele sich bei der Frau mit der genannten Aufschrift um sie.[10] Anders lautende Medienberichte wurden u. a. von der Pressesprecherin der Piratenpartei zurückgewiesen.[11]

In einem Interview mit der linken Wochenzeitung Jungle World gab Helm allerdings wenig später an, es handle sich bei den auf dem Foto abgebildeten Personen um sie und „Deborah Anderson“ (bürgerlich Mercedes K. Reichstein[12]), eine Sprecherin von Femen Berlin. Sie sei weder Antideutsche, noch habe sie mit der Aktion Opfer verhöhnen wollen, sondern vor allem „gegen die Art und Weise demonstrieren [wollen], wie die Stadt Dresden und die Lokalverwaltung dieses Gedenken begeht“. Sie bekomme „zurzeit Drohungen, die von Suizid-Aufrufen, Morddrohungen bis hin zu Vergewaltigungsandrohungen reichen“. Das Landeskriminalamt Berlin habe ihr zudem mitgeteilt, dass ihre Kontaktdaten auf rechtsextremen Webseiten veröffentlicht wurden. Helm bedauere die Aktion inzwischen, sei aber auch der Meinung, dass man den Alliierten für die Befreiung Deutschlands von den Nazis durchaus danken könne.[13][14]

In einer öffentlichen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln am 26. Februar distanzierten sich die Fraktionen der SPD und der CDU in einer gemeinsamen Erklärung von der Aktion und verurteilten gleichzeitig die Gewaltaufrufe und Drohungen gegen Anne Helm.[15]

Parallel zur Sitzung fand eine von der NPD angemeldete Kundgebung mit etwa zehn Teilnehmern vor dem Rathaus statt. Die Gegendemonstration mobilisierte knapp 300 Menschen.[16]

Sprechrollen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Computerspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele/Hörbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ich und die Kanzlerin von Martin Baltscheit (2009 Hörcompany)
  • als Jolly in Die Wellenläufer von Kai Meyer (2009 Verlagsgruppe Lübbe)
  • Vorsicht, die Herdmanns schon wieder von Barbara Robinson (2010 Oetinger audio)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anne Helm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Martin Kröger: »Ich sehe als einzige Chance die Linksfraktion«. Interview. In: Neues Deutschland. 22. Januar 2016, abgerufen am 22. Juli 2016.
  2. „Ist die LINKE noch zu retten?“ In: N64.cc. 16. Januar 2016, abgerufen am 22. Juli 2016 (Veranstaltungshinweis).
  3. Interessenverband Synchronschauspieler: Newsletter April 2007 (Memento vom 10. August 2014 im Internet Archive).
  4. Berliner Wahlen 2011: Gewählte Bezirksverordnete im Bezirk Neukölln. Die Landeswahlleiterin für Berlin, abgerufen am 22. Juli 2016.
  5. Persönliches Profil im Wiki der Piratenpartei
  6. Von Asylpolitik bis Urheberrecht: Piratenpartei setzt zwölf Themenbeauftragte ein. In: Süddeutsche Zeitung. 5. April 2013, abgerufen am 22. Juli 2016.
  7. Beim Bundesparteitag 2014 festgelegte Reihenfolge der Kandidaten im Wiki der Piratenpartei
  8. Hannes Heine: Nach Rückzug von Christopher Lauer: Anne Helm steigt bei den Piraten aus. In: Der Tagesspiegel. 20. September 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.
  9. Auf zu neuen Ufern: Ex-Piraten entern Die Linke Berlin. In: RT Deutsch. 22. Januar 2016, abgerufen am 22. Juli 2016.
  10. Gerhard Lehrke, Marcus Böttcher: 25 000 Menschen starben – sie dankt dem Bomber: Berliner Femen-Aktivistin verhöhnt die Bomben-Opfer von Dresden. In: Berliner Kurier. 17. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.
  11. Sebastian Heiser: Eine Frage der Identität: Piraten dementieren Bombergate. Artikel über den bei der Zeitung eingegangen „Korrekturhinweis“. In: taz. 23. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.
  12. Personenartikel im „Piratenwiki“
  13. Bernd Beier: Piratin Anne Helm bestätigt Bomber-Harris-Aktion. In: Jungle World. 24. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.
  14. Martin Niewendick: Mit Bomber Harris ins No-Go. In: Jungle World. 27. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.
  15. Bezirksverordnetenversammlung Neukölln: Drucksache – 0864/XIX
  16. Frederik Bombosch: Morddrohungen und Proteste gegen Anne Helm: NPD-Demo gegen Piraten-Abgeordnete. In: Berliner Zeitung. 26. Februar 2014, abgerufen am 22. Juli 2016.