Anne Imhof

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Anne Imhof (* 1978 in Gießen) ist eine deutsche Künstlerin. Ihr Werk umfasst Zeichnung, Malerei, Musik sowie installative und performative Arbeiten. 2017 erhielt sie für die Gestaltung des deutschen Pavillons auf der Biennale von Venedig den Goldenen Löwen.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Imhof wuchs in Petersberg bei Fulda auf. Sie besuchte die Johannes-Hack-Schule in Petersberg und als weiterführende Schulen die katholische Marienschule in Fulda und das Marianum in Fulda, ein katholisches Privatgymnasium, das in der Tradition der Marianisten geführt wird.[1] Dort legte sie 1997 auch ihr Abitur ab. Künstlerische Impulse erhielt Imhof während eines ursprünglich einjährigen Austauschaufenthalts im Prior Park College in Bath, wo ein Lehrer sie täglich im Zeichnen unterrichtete.[2]

Von 2000 bis 2003 studierte sie Visuelle Kommunikation bei Heiner Blum an der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG). Mit Private Butterflies stellte sie 2003 eine erste Videoarbeit beim Festival junger Talente vor, einer Veranstaltung in den Hallen der Offenbacher Messe. Der Film entstand in Zusammenarbeit mit der Mitschülerin und Fotografin Nadine Fraczkowski, mit der Imhof seither zusammenarbeitet.[3]

2008 schrieb sie sich an der Städelschule in Frankfurt am Main ein. Als Meisterschülerin bei Judith Hopf beendete sie 2012 ihr Studium und wurde für ihre Abschlussarbeit mit dem Absolventenpreis ausgezeichnet. Dieser wird jährlich im Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main verliehen. Ihre School of the Seven Bells – 1st of at least four war eine 40-minütige Performance, die von einem Musikstück mit Gesang eingeleitet wurde und die sie mit 14 Freunden verwirklichte. In choreografierten und improvisierten Bewegungen reichten sich die Darsteller im Raum kleine Staffelstäbe weiter. Das Stück „… lässt sich als Allegorie des ständigen Gebens und Nehmens lesen, das dieses spezifische soziale Universum auszeichnet. Denn der Stab muss, auch in einer Kunstakademie, unausgesetzt weitergereicht werden, wenn auch auf ausgesprochen verdeckte und klandestine Art.“[4]

Im Jahr 2013 hatte Imhof im Portikus in Frankfurt ihre erste Einzelausstellung. Dort zeigte sie drei Performances: School of the Seven Bells, Ähjeii und Aqua Leo. Bei den Performances wirkten neben neun Darstellerinnen auch zwei lebende Esel mit. Die Inszenierung wurde von Videos auf zwei Leinwänden, einer Wand mit Probenfotos sowie einer von der Decke hängenden, übergroßen Zeichnung gerahmt.[5] 2013/2014 erhielt sie ein Atelierstipendium der Hessischen Kulturstiftung. In dem Pariser Atelier der Stiftung führte sie die bereits früher begonnene Arbeit SOTSB (School of the Seven Bells) fort.

2015 erhielt Imhof den Preis der Nationalgalerie für junge Kunst für ihre Installation Rage, die 2014 in Paris entstand und Teile ihrer Arbeiten Deal (2015) und Rage (2014) zu For Ever Rage verband. Die Arbeit wurde im Hamburger Bahnhof in Berlin zusammen mit den Arbeiten weiterer Preisträger von September 2015 bis Januar 2016 gezeigt. Zwischenmenschliche Spannungen und die Kommunikation zwischen einem Kollektiv und den Individuen grundierten den Aufbau und die Handlung. Große Boxsäcke, die mit Ketten von den Decken hingen, an den Wänden Aluminiumplatten die Imhof minimalistisch bearbeitete, sowie Pissoirs aus Metall und mit Buttermilch gefüllte Betonwannen bildeten die räumliche Situation für Imhofs Choreografie. Die Darsteller bewegten sich in Zeitlupentempo durch die Menagerien, reichten Buttermilch weiter und deklamierten einen mehrstimmigen, auf- und abschwellenden Sound.[6] Die Arbeit Deal wurde zuvor 2015 im MoMA PS1 gezeigt. Als Bassistin hatte sie seit 2012 auch mit ihrer Band Beautiful Balance zahlreiche öffentliche Auftritte.[7]

2016 schuf Imhof den Werkzyklus Angst, der sich zeitlich und räumlich über drei Stationen erstreckt: Angst I wurde im Juni 2016 in der Kunsthalle Basel gezeigt, Angst II im September 2016 im Hamburger Bahnhof in Berlin. Die Performance Angst III wurde am 19. Oktober 2016 im Rahmen der La Biennale de Montréal 2016 gezeigt. Bis Januar 2017 war die damit verbundene Installation im Musée d’art contemporain de Montréal zu sehen. Der Zyklus, den sie als Oper in drei Akten bezeichnet, bildet eine malerische Komposition, die sich aus Musik, Texten, skulpturalen Elementen sowie Akteuren, lebenden Falken und ferngesteuerten Quadrokopter-Drohnen zu einem Gesamtbild zusammenfügt.[8] Als Ouverture zum Werkzyklus Angst fand im Frühjahr 2016 eine mehrtägige Performance sowie eine Ausstellung in der Galerie Buchholz in Köln statt.[9][10]

Auf Einladung der Kuratorin Susanne Pfeffer gestaltete Imhof 2017 den deutschen Pavillon auf der 57. Internationalen Kunstausstellung – La Biennale di Venezia[11][12] – und führt unter dem Titel Faust eine fünfstündige Performance auf. Sie erhielt dafür den Goldenen Löwen als bester nationaler Beitrag.[13]

Imhof lebt und arbeitet in einem Atelierhaus im Frankfurter Bahnhofsviertel.

Werke in Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus der Pranke des Löwen, 2012, Installation. Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Inv. Nr. 2013/71
  • Der innere Kreis wurde der äußere Kreis, 2012. Aludibond, Radierung, Acryl. Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main, Inv. Nr. 2013/73

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungsbeteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Preis der Nationalgalerie, Hamburger Bahnhof, Berlin
  • 2015: New Frankfurt Internationals, Frankfurter Kunstverein, Frankfurt am Main
  • 2014: Boom She Boom, Werke aus der Sammlung des MMK, MMK, Frankfurt am Main
  • 2012: Zauderberg. Absolventen der Städelschule 2012, Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main – Zollamt

Tonaufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brand New Gods, 2016, Vinyl, 12”, Galerie Buchholz, Köln

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2017: Absolut Art Award, Stockholm
  • 2017: Goldener Löwe für den besten nationalen Beitrag auf der Biennale di Venezia
  • 2015: Preis der Nationalgalerie
  • 2013: Hessische Kulturstiftung Atelierstipendium Paris[16]
  • 2012: Absolventenpreis der Städelschule Portikus e. V.[17]
  • 2012: ZAC (zonta art contemporary)[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schulprofil des Marianums. Veröffentlichung der Schule.
  2. Dorothee Baer-Bogenschütz: Angst vor der Unendlichkeit. In: Gießener Allgemeine vom 6. Januar 2017
  3. Private Butterflies: Nadine Fraczkowski, Anne Imhof Festival junger Talente, Messehalle Offenbach, 2003
  4. Anne Imhof erhält Absolventenpreis der Städelschule Portikus e.V. 2012
  5. Victoria Camblin: Openings – Anne Imhof. In: Artforum, Ausgabe Oktober 2013
  6. Nicola Kuhn: Preis für Anne Imhof: Auf dem Sprung. In: Der Tagesspiegel vom 19. September 2015
  7. Free Listening on SoundCloud
  8. Website Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, abgerufen am 26. September 2016
  9. Anne Imhof: „Ich will, dass es eine Feier ist“ Internetseite Frankfurter Allgegemeine Zeitung
  10. http://www.sueddeutsche.de/kultur/grossformat-kuenstlerische-performance-1.2973255
  11. Anne Imhof gestaltet deutschen Pavillon. In: art-magazin.de, vom 27. Oktober 2016
  12. Alles ist so gegenwartshaltig in FAZ vom 12. Mai 2017, Seite 13
  13. Sandra Trauner: Biennale in Venedig: Goldene Löwen für deutsche Künstler. In: Spiegel Online. 13. Mai 2017, abgerufen am 15. Mai 2017.
  14. Website Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, abgerufen am 26. September 2016
  15. Internetseite Portikus
  16. Internetseite Hessische Kulturstiftung
  17. Internetseite Feuilletonfrankfurt.de
  18. Internetseite Feuilletonfrankfurt.de