Anne Will (Fernsehsendung)

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Fernsehsendung
OriginaltitelAnne Will
Anne Will logo 2016.svg
ProduktionslandDeutschland
Jahr(e)seit 2007
Produktions-
unternehmen
Will Media GmbH
Länge60 Minuten
Ausstrahlungs-
turnus
wöchentlich
(sonntags 21:45 Uhr)
Genrepolitische Talkshow
ModerationAnne Will
Erstausstrahlung16. September 2007 auf Das Erste
Moderatorin Anne Will (2018)

Anne Will ist eine Talkshow mit politischem Schwerpunkt unter dem Motto „Politisch denken, persönlich fragen“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen (Das Erste). Namensgeberin ist die Moderatorin der Sendung Anne Will.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Talkshow Anne Will übernahm den Sendeplatz im Ersten von Sabine Christiansen. Der für Christiansens Nachfolge ursprünglich vorgesehene Günther Jauch sagte nach mehrmonatigen Verhandlungen ab, da er die Forderung der ARD nach journalistischer Exklusivität nicht erfüllen konnte. Daraufhin einigten sich die Intendanten der Landesrundfunkanstalten, den Sendeplatz Anne Will zur Verfügung zu stellen. Die erste Sendung mit ihr wurde am 16. September 2007 ausgestrahlt.

Am 31. August 2011 wechselte Will mit ihrer Sendung auf einen Sendeplatz am Mittwochabend, da nun Günther Jauch doch für den Polittalk am Sonntagabend gewonnen worden war. Nach Brancheninformationen zahlte ihm die ARD im Rahmen eines Ende 2013 auslaufenden Zwei-Jahres-Vertrages sechs Millionen Euro pro Jahr.[1]

Am 17. Januar 2016 übernahm wieder Anne Will den Sendeplatz am Sonntagabend, da der Vertrag mit Jauch nicht verlängert wurde. Eine dauerhafte Steigerung der Zuschauerquote hatte sich mit ihm nicht realisieren lassen.[2] Der Rundfunkrat des NDR verlängerte Ende September 2015 den Vertrag mit der Produktionsfirma Wills bis Ende 2017.[3] Im September 2017 wurden drei weitere Jahre mit 90 Sendungen beauftragt.[4]

Format[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sendung orientiert sich im Aufbau an den üblichen politischen Talkshow-Formaten (wie Maybrit Illner oder Sabine Christiansen). Im Unterschied dazu nehmen jedoch Betroffene direkt vor der Diskussionsrunde Platz.

Im Gegensatz zur Sendung Christiansens wird Anne Will nicht vom Berliner Breitscheidplatz sondern vom Studio Berlin Adlershof ausgestrahlt. Die Sendung wird von Wills eigener Produktionsfirma Will Media GmbH produziert.

Einschaltquoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2016 ist Anne Will die meistgesehene Talksendung im deutschen Fernsehen.[5] Während 2015 jede Sendung im Durchschnitt von 1,5 Millionen Zuschauer gesehen wurde,[6] erreichte sie nach einem Sendeplatzwechsel 2016 durchschnittlich 4,0 Millionen Zuschauer.[5] 2017 und 2018 wurden durchschnittlich 4,1 und 3,4 Millionen Zuschauer gemessen.[7][8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept der Sendung und ihre Moderatorin wurden 2008 vom ARD-Programmbeirat kritisiert, weil es gegenüber der Sendung Sabine Christiansen nicht wesentlich geändert wurde. Anne Will gelinge es nicht, „auf Diskussionsverläufe flexibel zu reagieren“. Darüber hinaus werden Probleme bei der Faktensicherheit moniert. Das „Timing der Sendung“ sei schlecht, da diese „oft abrupt“ ende. Bei Anne Will führten die Beiträge „häufig zu Brüchen in der Diskussion.“[9]

In einer Kritik der ersten Sendung in der FAZ wurde bemängelt, die Moderation von Will sei ungeschickt gewesen und die Stimmung der Sendung habe sich vom Weltuntergangsszenario bei Sabine Christiansen nicht unterschieden.[10] Friedbert Pflüger, CDU-Politiker und Mitglied des Rundfunkrates des RBB Berlin, forderte nach einer Ausstrahlung mit Klaus Wowereit von der ARD, die Talkshow abzusetzen: „Die Sendung Anne Will zeichnet sich immer mehr durch Un- und Halbwahrheiten und bewusste Verzerrung von Sachverhalten aus.“[11] Nachdem sich Will und Pflüger auf eine Richtigstellung geeinigt hatten, nahm Pflüger seine Forderung zurück.[12]

Eine einstündige Sondersendung von Anne Will zur Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 mit Bundeskanzlerin Angela Merkel als einzigem Gast kommentierte Michael Hanfeld in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „So nah kann ein öffentlich-rechtlicher Sender der Politik sein […] Beschwörungsformeln werden rund eine Stunde lang variiert, ohne dass die offen zu Tage tretenden Probleme, um die es bei der – fast hätten wir es vergessen – Flüchtlingskrise eigentlich geht, jemals konkret benannt würden […] Die Widersprüche, in die sich Angela Merkel im Laufe der Therapiesitzung bei Anne Will verwickelt, sind sonder Zahl. […] Die Journalistin fragt das alles brav heraus und hakt es ordentlich und freundlich lächelnd ab.“[13]

Gendersprache

Im Mai 2020 merkte ein Spiegel-Kommentar positiv an, dass in der Sendung deutlich hörbar mit einem stimmlosen Glottisschlag bei der Aussprache von Personenbezeichnungen gegendert werde („Aktionär:innen“; siehe auch Gender-Doppelpunkt).[14][15] Will twitterte dazu, dass sie schon lange gendere, es aber erst aufzufallen scheine, seitdem auch in den Filmeinspielungen „Ärzt_innen“ gesprochen werde (vergleiche Gendersprache in den Medien).[16] Anfang 2018 hatte ein Fehler von Will beim Gendern von „Mitgliederinnen“ Aufsehen erregt,[17] aber auch aktuell findet sich dieser falsche Ausdruck in zahlreichen Dokumenten und Artikeln.[18][19] Ein früher Gebrauch der Wortbildung ist bereits für 2011 nachgewiesen,[20] als selbst der Deutsche Germanistenverband die Wortbildung benutzte.[21] Allerdings wird die weibliche Wortendung -in niemals an eine vom Singular abweichende Pluralform angehängt, und zu einer grammatisch neutralen Personenbezeichnung wie „das Mitglied“ kann keine weibliche Form gebildet werden.

Auszeichnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans-Peter Siebenhaar: Verdienen TV-Moderatoren zu viel? In: Handelsblatt. Nr. 169, 4. September 2013, S. 24.
  2. ndr.de
  3. NDR-Rundfunkrat genehmigt neuen Vertrag für Anne Will. In: epd medien. Nr. 40, 2015, S. 12.
  4. "Anne Will", "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte", Olympische Spiele: NDR Rundfunkrat stimmt Verträgen zu; Kritik an BDZV. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  5. a b TV-Hits: Die meistgesehenen Sendungen 2016. In: DWDL.de, 27. Dezember 2016
  6. TV-Hits: Die meistgesehenen Sendungen 2015. In: DWDL.de, 23. Dezember 2015
  7. TV-Hits 2017: Die meistgesehenen Sendungen des Jahres. In: DWDL.de, 28. Dezember 2017
  8. TV-Hits 2018: Die meistgesehenen Sendungen des Jahres. In: DWDL.de, 27. Dezember 2018
  9. jok: Anne Will: Watschn aus den eigenen Reihen. In: Focus Online. 19. März 2008, abgerufen am 20. Mai 2020 (zur Kritik des ARD-Programmbeirates).
  10. Michael Hanfeld: Fernsehkritik „Anne Will“: „Ich komme dann noch einmal“. In: FAZ.net. 17. September 2007, abgerufen am 20. Mai 2020 (Kritik der ersten Sendung).
  11. Meldung: Talkshow-Krach: CDU-Politiker will „Anne Will“ absetzen. In: Der Spiegel. 2. Juni 2008, abgerufen am 20. Mai 2020.
  12. Meldung (dpa): Anne Will: Moderatorin will Fakten richtigstellen. In: Focus Online. 7. Juni 2008, abgerufen am 20. Mai 2020.
  13. Michael Hanfeld: Angela Merkel bei Anne Will: So spricht die Kanzlerin der Herzen. In: FAZ.net. 8. Oktober 2015, abgerufen am 20. Mai 2020.
  14. Anne Haeming: Corona-Streit bei „Anne Will“: „Die Bundesländer tröten alle durcheinander“. In: Der Spiegel. 4. Mai 2020, abgerufen am 20. Mai 2020; Zitat: „Ja, Anne Will spricht den Gendergap mit: Sie sagte ‚Aktionär:innen‘ – und demonstrierte zur besten Sonntagabendsendezeit im Öffentlich-Rechtlichen, wie unkompliziert ein Wort klingt, mit dem sich alle gemeint fühlen können.“
  15. Sabine Rennefanz: Kolumne: Gendern ändert nichts an der Benachteiligung von Frauen. In: Berliner-Zeitung.de. 16. Mai 2020, abgerufen am 20. Mai 2020, Zitat: „Überall wird inzwischen gegendert, in der Tagesschau, beim Spiegel, bei Anne Will.“
  16. Anne Will: @fraeulein_tessa: Wir gendern schon lange… In: Twitter. 10. Mai 2020, abgerufen am 20. Mai 2020, Zitat: „Wir gendern schon lange, fällt komischerweise aber jetzt erst auf seit ich, seit wir auch in den Filmen Ärzt_innen sagen. Post gibt’s keine, aber Tweets mit Herzchen.“ Siehe darunter auch ihren Folgepost vom 11. Mai zu „Mitgliederinnen“.
  17. Paul-Josef Raue: Anne Will in der Gender-Falle: Mitgliederinnen und Mitglieder. In: Journalismus-Handbuch.de. 22. Januar 2018, abgerufen am 20. Mai 2020.
  18. Beispielsweise bei Katharina Hamberger: Kandidatur um CDU-Parteivorsitz: So wollen sich Röttgen, Laschet und Merz präsentieren. In: Deutschlandfunk. 3. März 2020, abgerufen am 20. Mai 2020; Zitat: „Die Kandidaten werden sich demnach nicht vor Ort, sondern digital bei den Mitgliederinnen und Mitgliedern präsentieren […]“.
  19. Meldung (dpa): Nach Klinsmann-Attacke in SPORT BILD: Hertha-Boss Gegenbauer schreibt Email an alle Mitglieder. In: BZ-Berlin.de. 26. Februar 2020, abgerufen am 20. Mai 2020; Zitat: „Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder von Hertha BSC“.
  20. Hermann Unterstöger: Sprachlabor (109): Liebe Mitgliederinnen! In: Süddeutsche Zeitung. 20. Juni 2011, abgerufen am 20. Mai 2020.
  21. Ralf Neukirch: Gleichberechtigung: Sein Name ist Sie. In: Der Spiegel. 22. April 2013, abgerufen am 23. Mai 2020.
  22. Preisverleihung Goldene Kartoffel 2019. Neue Deutsche Medienmacher, 2. November 2019, abgerufen am 23. April 2020.