Annenkapelle (Görlitz)

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Annenkapelle
Annenkapelle am Marienplatz

Annenkapelle am Marienplatz

Daten
Ort Görlitz
Baumeister Albrecht Stieglitzer
Baujahr 1508–1512
Koordinaten 51° 9′ 13,9″ N, 14° 59′ 11,8″ OKoordinaten: 51° 9′ 13,9″ N, 14° 59′ 11,8″ O

Die Annenkapelle am Görlitzer Marienplatz wurde zwischen 1508 und 1512 vom Ratsbaumeister Albrecht Stieglitzer als Memorialkapelle für den Görlitzer Großkaufmann Hans Frenzel den Reichen (1463–1526)[1][2] erbaut. Sie wurde der heiligen Anna – der Schutzpatronin Frenzels – gewidmet. Später wurde sie als Waisen- und Zuchthauskirche genutzt. Heute wird die einstige Kapelle als Turnhalle und Aula der angrenzenden Annenschule genutzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annenschule

Im Jahr 1505 bat Hans Frenzel bei der Stadt um einen Bauplatz für eine Kapelle, die er aus eigenem Vermögen bauen lassen wollte. Die Stadt wies dem Bauherrn einen Bauplatz an der südwestlichen Stadtmauer am Frauentor gegenüber dem Frauenturm zu. Am 26. Juni 1508 begann man mit den Bauarbeiten, die sich jedoch als schwierig erwiesen. Man stieß auf einen alten, zugeschütteten Wassergraben, der zum alten Schloss gehörte, dass auf Befehl Kaiser Karls IV. dort angelegt und 1474 abgerissen worden war. Die Bauarbeiten wurden durch den Ratsbaumeister Albrecht Stieglitzer geleitet.[3]

Der Bau kostete 8550 Gulden und wurde auch im Innern prunkvoll ausgestattet. Der kunstvoll gestaltete Altar, der die Heilige Anna und ihre Familie darstellte, wurde bereits 1503 vom Bildschnitzer Hans Olmützer geliefert. Außen an der Kapelle befinden sich sieben Sandsteinfiguren, darunter die Schutzpatronin des Bauherrn Anna selbdritt und ihr Mann Joachim, Maria mit dem Kind und Joseph, Johannes der Täufer, der segnende Christus und Laurentius.[4][5]

Am 28. Mai 1512, dem Freitag vor Pfingsten, wurde die Kapelle geweiht. Frenzel setzte sechs Priester ein und nutzte die Kapelle bis zu seinem Tod am 16. September 1526 für private Gottesdienste. Er hinterließ seinen unmündigen Sohn Joachim (1515–1565), der bereits 1531 das Stiftungsvermögen und die Kapelle dem städtischen Rat abtrat. Die Kapelle blieb bis zum heutigen Tag im Besitz der Stadt, wurde jedoch von ihr stets etwas stiefmütterlich behandelt. Im Jahr 1539 ließ die Stadt die Glocken aus dem Türmchen nehmen und auf der Nikolaikirche und dem Reichenbacher Turm aufhängen. Zwanzig Jahre später wurde der prunkvolle Altar in die Peterskirche versetzt, wo er bei einem Brand 1691 vernichtet wurde. Auch das Türmchen an der Ostseite der Kapelle, das bei einem heftigen Sturm 1562 einstürzte, wurde nicht wieder aufgebaut. Erst nach einer Beschwerde der Nachkommen Frenzels bekam die verfallene Kapelle 1584 neue Fenster und 1597 ein neues Schindeldach. Anfang des 17. Jahrhunderts fanden weitere Erneuerungen an der Kapelle statt, so dass 1620 Markgraf Johann Georg von Brandenburg, der damals in Görlitz sein Hauptquartier hatte, in ihr reformierte Gottesdienste feiern ließ.[6]

Durch die Belagerung der Stadt durch kursächsisch-kaiserliche Truppen während der schwedischen Besatzung der Stadt 1641 wurde auch die Annenkapelle schwer beschädigt, so dass die Stadt nach erneuten Drängen von Frenzels Nachkommen die Kapelle ausbesserte. Im Jahr 1692 zog für 40 Jahre das Priesterkollegium in den Bau ein. Seit 1730 stieß im Westen das Waisenhaus, später Zuchthaus, an die Kapelle an, die sie als Waisen- bzw. Zuchthauskirche nutzten. Ab 1845 hielt auch die katholische Gemeinde in der Kirche ihre Gottesdienste ab, da ihre Kirche weit außerhalb lag.[7]

1871 erfolgte eine grundlegende Veränderung der Kapelle. In Höhe des Gurtgesimses wurde eine Zwischendecke eingezogen und somit zu ebener Erde ein Raum, der später als Turnhalle genutzt wurde, eingerichtet. Die dem gotischen Stil nachempfundenen Fensterpaare im Erdgeschoss entstanden während des Umbaus. Der obere Raum diente seit 1875 als Aula.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Annenkapelle (Görlitz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Speer: "Vita mercatoris". Die Autobiographie des Fernhändlers Hans Frenzel (1463–1526) aus Görlitz. Edition und Kommentar. In: Scholze, Dietrich (Hrsg.): Stätten und Stationen religiösen Wirkens. Studien zur Kirchengeschichte der zweisprachigen Oberlausitz (= Schriften des Sorbischen Instituts. Band 48). Bautzen 2009, S. 150–179.
  2. Christian Speer: Frömmigkeit und Politik. Städtische Eliten in Görlitz zwischen 1300 und 1550 (Hallische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit 8). Berlin 2011, S. 106–127.
  3. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz, Band 1, Halbband 2. 1. Auflage. Verlag des Magistrates der Stadt Görlitz, 1934, S. 771 f.
  4. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz, Band 1, Halbband 2. 1. Auflage. Verlag des Magistrates der Stadt Görlitz, 1934, S. 772.
  5. goerlitz.de: Annenkapelle. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 5. Januar 2012; abgerufen am 13. Januar 2012.
  6. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz, Band 1, Halbband 2. 1. Auflage. Verlag des Magistrates der Stadt Görlitz, 1934, S. 772 ff.
  7. Richard Jecht: Geschichte der Stadt Görlitz, Band 1, Halbband 2. 1. Auflage. Verlag des Magistrates der Stadt Görlitz, 1934, S. 774.
  8. anne-augustum.de: Allgemeines - Geschichte - Vom Kirchengebäude zum schulischen Mehrzweckbau. Abgerufen am 27. Januar 2012.