Annette Treibel-Illian

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Annette Treibel spricht auf dem 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie über ihr Buch Integriert Euch!, Bamberg im September 2016

Annette Treibel-Illian (als Autorin Annette Treibel, * 6. August 1957 in Freiburg im Breisgau) ist Professorin für Soziologie im Institut für Transdisziplinäre Sozialwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe.

Biographie und wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Annette Treibel studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Sozialwissenschaften an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und an der Ruhr-Universität Bochum. Dort promovierte sie 1987. 1994 habilitierte sie sich an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 1996 ist sie als Professorin in der Abteilung Soziologie des Instituts für Transdisziplinäre Sozialwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe tätig.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Soziologische Theorien, Migration, Geschlechterforschung, Zivilisationstheorie (bzw. Prozesssoziologie von Norbert Elias) und Öffentliche Soziologie.

Sie war Mitglied des Herausgebergremiums der Gesammelten Schriften von Norbert Elias, dessen Geschäftsführung sie von 2003 bis 2005 innehatte. Einzelne Bände sind von ihr selbst herausgegeben.[1] Zusammen mit Helmut Kuzmics und Reinhard Blomert ist sie Herausgeberin der Reihe Figurationen. Schriften zur Zivilisations- und Prozesstheorie, in der bisher 11 Titel erschienen sind.[2]

Von 2009 bis 2013 war sie Mitglied des Konzils der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Von 2011 bis 2015 war sie Sprecherin der Sektion Migration und ethnische Minderheiten bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)[3]. Seit 2011 ist sie Mitglied des Rats für Migration.[4]

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Treibel tritt seit 2012 für ein stärkeres Engagement der Soziologie in öffentlichen Meinungsbildungsprozessen ein, da diese für „die professionelle Analyse gesellschaftlicher Strukturen und Prozesse“ zuständig sei.[5]

In ihrem populärwissenschaftlichen Buch Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland beschreibt Treibel Integration „als ein Projekt für alle“, d. h. für „neue Deutsche“ mit Migrationshintergrund sowie auch für „alte Deutsche“ ohne Migrationshintergrund. Bislang sei in Deutschland weitgehend eine „stille Integration“ vor sich gegangen, die zahllose „Vorzeigeausländer“ hervorgebracht habe - in Bildung, Beruf, Politik und sogar im Kabarett - und den Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund fast unbemerkt ansteigen ließ (lt. Statistischem Bundesamt 2015 bei 21 %)[6]. Aufgrund der „in großen Teilen unauffällig stattgefundenen Integration von Einwanderern“ plädiert sie dafür mehr Selbstbewusstsein. Als Gegenakzent zu der seit einigen Jahren aufgekommenen integrationskritischen Debatte möchte sie daher den Fokus auf „Integrationsverweigerer ohne Migrationshintergrund“ richten, die dem Integrationsprojekt und den „neuen Deutschen“ aufgrund der „gewandelten Hierarchien im heutigen Deutschland“ kritisch bis ambivalent gegenüber stehen.[7]

Anlässlich einer Tagung[8] zum Thema Integration in Rostock regte sie an, mit dieser Gruppe das Gespräch über die neue „Normalität“ zu suchen und hierzu „Kurse zur Wissensvermittlung“ für alle anzubieten, die „Informationsbedarf verspüren“.[9]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien

  • Engagement und Distanzierung in der westdeutschen Ausländerforschung. Eine Untersuchung ihrer soziologischen Beiträge, Enke, Stuttgart 1988, ISBN 3-432-97591-0.
  • Einführung in soziologische Theorien der Gegenwart [1993], 7. Aufl., Einführungskurs Soziologie, hgg. von Hermann Korte/Bernhard Schäfers, Bd. 3, Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-15177-9.
  • Die Soziologie von Norbert Elias. Eine Einführung in ihre Geschichte, Systematik und Perspektiven, Hagener Studientexte zur Soziologie, VS Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16081-8.
  • Migration in modernen Gesellschaften. Soziale Folgen von Einwanderung, Gastarbeit und Flucht, Beltz-Juventa, Weinheim 1999, 5. Auflage 2011, ISBN 978-3-779-90399-4.
  • Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland, Campus Verlag, Frankfurt/M. 2015, ISBN 978-3-593-50461-2.

Herausgeberschaften

  • Transformationen des Wir-Gefühls. Studien zum nationalen Habitus, gemeinsam mit Reinhard Blomert und Helmut Kuzmics. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-518-28673-0.
  • Skepsis und Engagement. Festschrift für Hermann Korte. Gemeinsam mit Gabriele Klein. LIT-Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4638-5.
  • Zivilisationstheorie in der Bilanz. Beiträge zum 100. Geburtstag von Norbert Elias. Gemeinsam mit Reinhard Blomert u. Helmut Kuzmics. Figurationen. Schriften zur Zivilisations- und Prozesstheorie, Bd. 1. Leske + Budrich, Opladen 2000, ISBN 3-8100-2038-9.
  • Gender medienkompetent. Medienbildung in einer heterogenen Gesellschaft. Gemeinsam mit Maja S. Maier, Sven Kommer u. Manuela Welzel. VS Verlag, Wiesbaden 2006, ISBN 978-3-531-14931-8.
  • Gender interdisziplinär. Forschungsbeiträge der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe. Gemeinsam mit Marianne Soff. Helmesverlag, Karlsruhe 2014, ISBN 978-3-940567-23-9.

Artikel, Kommentare, Interviews

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Elias: Gesammelte Schriften in 19 Bänden, Band 5 und Band 10.
  2. "Schriftenreihe Figurationen"
  3. Sektion Migration und ethnische Minderheiten bei der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS)
  4. https://rat-fuer-migration.de/mitglieder/
  5. Z. B. in Blog-Beiträgen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie oder in den Medien (Auf dem Weg zum Einwanderungsland) SWR-Kulturgespräch vom 15. September 2015.
  6. https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/09/PD16_327_122.html
  7. Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes Einwanderungsland, Campus Verlag, Frankfurt a.M. 2015.
  8. Tagung „Integration – wie geht das?: Arbeit, Bildung, Kultur“ am 07.09.2016
  9. http://www.taz.de/!5335953/ taz-Interview mit Annette Treibel vom 16. September 2016.