Annie Fischer

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Annie Fischer (1963)

Annie Fischer (geboren 5. Juli 1914 in Budapest, Österreich-Ungarn; gestorben 10. April 1995 in Budapest) war eine ungarische Pianistin, die dem Holocaust durch Flucht nach Schweden entging und vor allem für ihre Beethoveninterpretationen berühmt ist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fischer studierte an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest bei Ernő Dohnányi. In der Klavierklasse von Arnold Székely waren auch Georg Solti (seinerzeit noch György Stern), Edith Farnadi und György Fejér.

Weihnachten 1926 spielte sie in einem Konzert von Nachwuchsmusikern, in dem auch der junge Solti dirigieren durfte. Dort hörte sie der 28-jährige Musikkritiker Aladár Tóth[1]. 1927 begann sie als Pianistin das Ausland zu bereisen. 1930 war sie erstmals in Paris und ein Jahr später in Rom. 1933 gewann sie den ersten Preis beim Liszt-Wettbewerb in Budapest („Liszt Ferenc Zongoraverseny“) mit der Klaviersonate h-Moll von Franz Liszt, einer der Juroren war der siebzigjährige Liszt-Schüler Emil von Sauer. Ein weiterer Székely-Schüler Louis Kentner erhielt einen dritten Preis, auch der Exilrusse Anatole Kitain gehörte zu den Preisträgern.

1936 heirateten Fischer und Aladár Tóth, der Musikwissenschaftler war und als Musikkritiker bei der Zeitung Pesti Napló und der Literaturzeitschrift Nyugat arbeitete[2]. Nach dem antisemitischen Auftrittsverbot für Juden in Ungarn im Jahr 1939 spielte sie für die jüdische Kulturorganisation OMIKE in der Goldmark-Halle das 5. Klavierkonzert Beethovens sowie Werke von Johann Sebastian Bach. 1940 konnten sie und ihr Mann nach Schweden fliehen und entgingen so der weiteren Verfolgung und dem Holocaust an den ungarischen Juden durch das Eichmann-Kommando und dessen ungarische Helfer.

In Schweden gab sie eine Zeit lang Klavierunterricht. 1946 kehrten beide nach Budapest zurück, Tóth wurde von 1946 bis 1956 Direktor der Budapester Oper und holte Otto Klemperer von 1947 bis 1950 als musikalischen Leiter. Fischer machte mit Klemperer, der sie, wie Swjatoslaw Richter, sehr bewunderte („you are too chaste“), Aufnahmen in Budapest und später in London, darunter war auch das 1. Klavierkonzert von Liszt.

Fischer ging auch auf Konzertreisen ins westliche Ausland. Sie erhielt 1949, 1955 und 1965 den Kossuth-Preis und wurde Ehrenprofessorin der Musikakademie. 1974 erhielt sie die ungarische Version des Ordens des Roten Banners der Arbeit und 1994 den Verdienstorden der Republik Ungarn.[3]

Ihre Einspielung der 32 Beethoven-Sonaten wurde von ihr nicht freigegeben, da sie damit nicht zufrieden war. Die Aufnahmen wurden erst postum veröffentlicht.

Das ungarische Kultusministerium stiftete ein Annie-Fischer-Stipendium, mit dem jeweils zehn Nachwuchskräfte gefördert werden sollen.

Das Grab von Annie Fischer und Aladár Tóth auf dem Farkasréti temető

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • András Schiff, Tamás Vasary: Annie Fischer. Klassikus és Jazz Kiadó, Budapest 2002, ISBN 963-8615-71-0.
  • Cord Garben: Am Glück vorbei...Kunst und Schicksal legendärer Pianistinnen. Wilhelmshaven 2018, 2. Auflage. S.243–266. ISBN 978-3-7959-1013-6.
  • Tamás Vasary: Memories of Annie Fischer. In: The Hungarian Quarterly, Jg. 36 (1995), ISSN 1217-2545.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. János Breuer, „The Early Years of Sir Georg Solti“ hungarianquarterly (Memento des Originals vom 26. Juni 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.hungarianquarterly.com
  2. Aladár Tóth (4. Februar 1898, Székesfehérvár – 18. Oktober 1968, Budapest)
  3. Vera Héri; Ágnes Makkai: Kereszt, érem, csillag - Kitüntetések a magyar történelemben. Helikon kiadó, 2002, ISBN 9789632087580 (Abgerufen am 9. Mai 2010).