Annus mirabilis

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Annus mirabilis (Latein für Wunderjahr) wird verwendet, um Jahre besonderer Erfindungen und Entdeckungen zu kennzeichnen, insbesondere wenn mehrere bedeutende Ereignisse in ein und dasselbe Jahr fallen. Es folgen einige Beispiele für anni mirabiles:

1665/1666 (Isaac Newton)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert bezeichnete man die Zeit um das Jahr 1666, als Isaac Newton vor der Pest zurück in seinen Heimatort Woolsthorpe-by-Colsterworth geflüchtet war, retrospektiv als annus mirabilis, da er in der Zeit die klassische Mechanik entwickelte und revolutionäre Entdeckungen in der Analysis, Bewegungslehre, Optik und Gravitation machte. Er selbst schrieb dazu:

“All this was in the two plague years 1665 and 1666, for in those days I was in the prime of my age of invention, and minded mathematics and philosophy more than at any time since.”

„All dies war in den beiden Pestjahren 1665 und 1666, denn in diesen Tagen war ich in der Blüte meines erfindungsreichen Lebensalters, und sann über Mathematik und Philosophie mehr als zu irgendeiner Zeit seitdem“

Isaac Newton[1]

1666 (John Dryden)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Dryden wurde durch die wundersame Eindämmung des Großen Brands von London zum Gedicht „annus mirabilis“ inspiriert, das ihn schlagartig berühmt machte und dem Jahr 1666 zeitgenössisch die Bezeichnung annus mirabilis einbrachte.

1905 (Albert Einstein)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jahr 1905 wird häufig auch als annus mirabilis der Physik bezeichnet. In diesem Jahr veröffentlicht Albert Einstein neben seiner Dissertationsschrift vier bahnbrechende Arbeiten in der Fachzeitschrift Annalen der Physik.

  1. In einem am 9. Juni veröffentlichten Artikel zur Deutung des Photoeffekts wird erstmals der Begriff des Lichtquants eingeführt. (Über einen die Erzeugung und Verwandlung des Lichtes betreffenden heuristischen Gesichtspunkt, Annalen der Physik 17 (6), 132-148)
  2. Die Erklärung der Brownschen Bewegung, publiziert am 18. Juli, gilt als wichtiger Schritt für den wissenschaftlichen Nachweis von Molekülen und schließlich von Atomen. (Über die von der molekularkinetischen Theorie der Wärme geforderte Bewegung von in ruhenden Flüssigkeiten suspendierten Teilchen, Annalen der Physik 17 (8), 549-560)
  3. Am 26. September erscheint die grundlegende Arbeit zur Speziellen Relativitätstheorie. (Zur Elektrodynamik bewegter Körper, Annalen der Physik 17 (10), 891-921)
  4. In einem Nachtrag vom 21. November leitet er die Äquivalenz von Masse und Energie ab. (Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?, Annalen der Physik 18 (13), 639–641)
  5. Am 30. April legt Einstein der Universität Zürich seine Dissertation Eine neue Bestimmung der Moleküldimensionen vor, für welche er am 15. Januar 1906 den Doktorgrad in Physik erhält.

In Würdigung der Arbeiten jenes Jahres wurde 2005 in Deutschland das Einsteinjahr unter anderem mit der Einstein-Meile begangen, zum ersten Mal stand ein Mensch im Mittelpunkt eines Jahres der Wissenschaft. Auch international, insbesondere in der Schweizer Bundesstadt Bern, in der Einstein während des Annus mirabilis lebte und arbeitete, wurde Einstein im Rahmen des Jahres der Physik 2005 geehrt.

1963 (Philip Larkin)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1963 war für den englischen Dichter Philip Larkin laut seinem gleichnamigen Gedicht sein Annus Mirabilis:

“…
Between the end of the "Chatterley" ban
And the Beatles' first LP.”
[2]

Wende von 1989[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff wird auch im politischen Sinne für „das Jahr 1989 verwendet, in dem die Demokratisierungswelle im Osten Europas ihren Höhepunkt erreichte“[3].

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joel Levy: Newton's Notebook. The Life, Times and Discoveries of Sir Isaac Newton. The History Press Ltd, Stroud 2009, ISBN 978-0-7524-5493-1.
  2. Philip Larkin: (1922-1985) Annus Mirabilis. Abgerufen am 8. Juli 2012.
  3. Kraus/ Merkel 1998, S. 37, in: Bernecker, Walther et al. Spanien heute. Vervuert Verlag, Frankfurt am Main.