Anorthoklas

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Anorthoklas
Anorthoclase-tn23a.jpg
Anorthoklas aus Kinki, Japan
Allgemeines und Klassifikation
Chemische Formel (Na, K)AlSi3O8
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silicate und Germanate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.FA.30 (8. Auflage: VIII/J.07)
76.01.01.06
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol 1
Raumgruppe C1 (Nr. 2, Stellung 3)[1]Vorlage:Raumgruppe/2.3
Gitterparameter a = 8,287 Å; b = 12,972 Å; c = 7,156 Å
α = 91,05°; β = 116,26°; γ = 90,15°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 6
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,57 bis 2,60; berechnet: 2,57
Spaltbarkeit perfekt an {001}, teilweise an {010}, partiell an {100}, {110}, {110} und {201}
Bruch; Tenazität uneben
Farbe farblos, teilweise weiß, leichtes cremegelb, rot, grün
Strichfarbe weiß
Transparenz transparent
Glanz Glasglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,524 bis 1,526
nβ = 1,529 bis 1,532
nγ = 1,530 bis 1,534
Optischer Charakter zweiachsig negativ[2]
Achsenwinkel 2V = 42° bis 52°[2]

Anorthoklas gilt heutzutage nicht mehr als eigenständiges Mineral, sondern ist ein Alkalifeldspat, eine Mischung aus Albit und Orthoklas. Er wird – wenn er klassifiziert wird – in die Mineralklasse der Silicate und Germanate eingeordnet. Er kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Na, K)AlSi3O8.[2] Die Zusammensetzung aus Albit und Orthoklas wird zwischen Ab20Or80 und Ab30Or70 angegeben.[3]

Anorthoklas bildet kurze, prismatische Kristalle, teilweise auch taflig, rhombisch oder flach an [010]. Die Kristalle werden bis zu 5 cm groß.[2]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anorthoklas wurde 1885 von Karl Harry Ferdinand Rosenbusch nach dem griechischen für „schief“ und „Bruch“ bezeichnet,[2] bezugnehmend darauf, dass Anorthoklas keine Spaltbarkeit besitzt.[4]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anorthoklas wird als nicht eigenständiges Mineral meist nicht eigenständig klassifiziert, sondern entsprechend seiner Bestandteile Albit und Orthoklas.

Kristallstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anorthoklas kristallisiert triklin in der Raumgruppe C1 (Raumgruppen-Nr. 2, Stellung 3)[1]Vorlage:Raumgruppe/2.3 mit den Gitterparametern a = 8,287 Å, b = 12,972 Å, c = 7,156 Å, α = 91,05°, β = 116,26° und γ = 90,15° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Bei hohen Temperaturen verändert sich die Kristallstruktur von Anorthoklas. Die Grenztemperatur liegt zwischen 388 und 400 °C. Anorthoklas kristallisiert nun im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12)Vorlage:Raumgruppe/12. Die Gitterparameter werden mit steigender Temperatur leicht größer, bei 750 °C sind sie a = 8,321 Å, b = 12,969 Å, c = 7,148 Å und β = 116,05°. Aufgrund der Symmetrie im monoklinen Kristallsystem sind die Winkel α und γ 90°.[5]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anorthoklas ist sehr gut löslich in Flusssäure (HF), allerdings weniger löslich in Salzsäure (HCl).[6]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Feldspat

Anorthoklas entsteht vor allem bei hohen Temperaturen in Vulkan- und Magmagesteinen.[2]

Von Anorthoklas sind 184 Fundorte bekannt.[4]

Die Typlokalität des Minerals liegt auf der Insel Pantelleria in der Provinz Trapani in Italien.[4]

In Deutschland wurden neun Fundstellen ausgemacht. In Nordrhein-Westfalen gibt es eine Fundstelle im Siebengebirge bei Königswinter. In Rheinland-Pfalz sind die meisten Fundstellen, alle liegen sie in der Eifel. Dort gibt es eine Fundstelle bei Gerolstein und sechs Fundstellen am Laacher See (bei Kruft, Mendig und Niederzissen). Schlussendlich gibt es eine Fundstelle in Schleswig-Holstein in Lübeck, Ortsteil Travemünde.[4]

In Österreich gibt es drei Fundstellen. Die erste liegt im Burgenland bei Oberpullendorf in Kobersdorf am Vulkan Pauliberg. Eine weitere Fundstelle liegt im Bundesland Kärnten im Gebirgszug Koralpe im Dorfteil Waldenstein von Wolfsberg. Die letzte Österreichische Fundstelle ist im Land Steiermark, ebenfalls im Gebirgszug Koralpe und dort im Dorf Schwanberg.[4]

Weitere Fundstellen liegen in Algerien, Angola, der Antarktis, Argentinien, Äthiopien, Australien, Brasilien, China, Eritrea, Frankreich, Griechenland, Honduras, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Libyen, Mexiko, Neuseeland, Nordkorea, Norwegen, Peru, Portugal, Russland, Ruanda, Schweden, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tansania, Tschechien, der Türkei, Ungarn, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.[4]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • E. D. Mountain: Potash-oligoclase from Mt. Erebus, Antarctica and anorthoclase from Mt. Kenya, East Africa., In: Mineralogical Magazin, Band 29, 1925, S. 331–345
  • Eugene L. Bonduette, Arthur B. Ford: Physical properties of anorthoclase from antarctica. In: American Mineralogist, Band 51, 1966, S. 1374–1387 (PDF)
  • R. de Pieri, S. Quareni: The crystal structure of an anorthoclase: an intermadiate feldspare. In: Acta Crystallographica, Band 29, 1973, S. 1483–1487

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anorthoclase – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Nummerierung dieser Achsenstellung entspricht nicht der Reihenfolge der International Tables for Crystallography, da diese dort nicht aufgeführt wird.
  2. a b c d e f g Anorthoclase, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 59,7 kB)
  3. I. S. E. Carmichael, W. S. MacKenzie: The lattice parameters of high-temperature triclinic sodic feldspars. In: Mineralogical Magazine, Bd. 33, 1964, S. 949–962 (PDF)
  4. a b c d e f Anorthoclase bei Mindat (englisch)
  5. George E. Harlow: The anorthoclase structure: the effects of temperature and composition. In: American Mineralogist, Band 67, 1982, S. 975–996 (PDF)
  6. Mineralienatlas:Anorthoklas