Anschlag in Essen 2016

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Am 16. April 2016 wurde ein Sprengstoffanschlag auf das Gebetshaus der Sikh-Gemeinde Gurdwara Nanaskar in Essen verübt. Als mutmaßliche Täter wurden knapp eine Woche später zwei als salafistisch eingestufte Jugendliche aus dem Ruhrgebiet festgenommen.

Anschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegen 19 Uhr am Samstag, dem 16. April 2016, wurde ein Sprengsatz auf das Gemeindehaus der Sikh-Gemeinde in Essen geworfen. Drei Menschen wurden durch die Detonation verletzt. Zwei Männer wurden mit leichten Verletzungen behandelt, der Priester trug schwere Verletzungen davon. Zum Zeitpunkt des Anschlages fand eine Hochzeit in dem Gemeindehaus statt.[1] Mehr als 100 Mitglieder der Festgesellschaft waren zum Zeitpunkt des Anschlages noch im Gebäude, die meisten in anderen Räumen und die übrigen Teilnehmer schon in einem nahegelegenen Festsaal. Durch diesen Umstand gab es verhältnismäßig wenige Verletzte.[2] Der Angriff wurde von der Polizei als versuchtes Tötungsdelikt gewertet.

Täter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ermittlungskommission der Polizei wurde auf mehr als 20 Mitarbeiter aufgestockt. Die Polizei bezeichnete den Anschlag als „Terrorakt“.

Die Ermittlungen konzentrierten sich ab dem 20. April 2016 auf zwei Jugendliche aus der salafistischen Szene Nordrhein-Westfalens. Der Hauptverdächtige Yussuf T. aus Gelsenkirchen hatte sich am späten Abend des 20. April der Polizei gestellt. Er nannte den Namen seines mutmaßlichen Mittäters. Ein Spezialeinsatzkommando nahm den zweiten verdächtigen Jugendlichen Mohammed B. am 21. April 2016 in seinem Essener Elternhaus fest.[3][4]

Bei der Auswertung von Daten soll die Polizei Hinweise gefunden haben, wonach Yusuf T. mit dem „Islamischen Staat“ sympathisierte. Er soll enge Verbindungen zur islamistischen Lohberger Brigade aus Dinslaken gehabt haben. An Ständen der Koranverteilungskampagne in Deutschland („Lies!“) soll er Koranverteilungen organisiert haben.

Kurzzeitig wurde ein dritter Jugendlicher in Gewahrsam genommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Jugendlichen die Tat nicht allein geplant haben.[5]

Beide Personen waren dem Verfassungsschutz NRW bekannt und in der Vergangenheit als Extremisten aufgefallen.

Nachwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz des Anschlages hat die Gemeinde an ihrer bereits seit Langem geplanten Nagar-Kirtan-Prozession durch die Innenstadt Essens am 23. April 2016 festgehalten. Jedoch hat die Sikh-Gemeinde mit der Polizei und der Stadt abgesprochen, den Zielort der Prozession zu ändern.[6]

Rund tausend Teilnehmer nahmen an der Prozession teil.[7] Bei der Prozession wurde die Heilige Schrift der Sikhs "Guru Granth Sahib Ji" mitgeführt.[6]

Bewertungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die tageszeitung kritisierte, dass sich die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit nach dem Attentat sehr im Rahmen hielt. „Der Anschlag von Essen zeigt eins: Es gibt in Deutschland gewachsenen islamistischen Terror, der sich auch durch Taten im Inland äußert. Er hat nicht immer große Ziele im Visier wie den Bundestag, einen Hauptbahnhof oder eine deutsche Einkaufsstraße. Der islamistische Terror kann sich auch gegen Minderheiten richten. Es gibt 13.000 Sikhs in Deutschland. Sie sind ein Teil der Gesellschaft und exponieren sich nicht durch radikale Ansichten.“[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Kintscher: Anschlag auf Sikh-Tempel – Polizei fahndet nach Maskiertem. In: WAZ. Abgerufen am 21. April 2016.
  2. Kölnische Rundschau: Attacke in Essen: Explosion bei indischer Hochzeit in Sikh-Gebetshaus. In: Kölnische Rundschau. Abgerufen am 22. April 2016 (de-de).
  3. Tatverdächtige könnten Sikhs mit Hindus verwechselt haben. In: www.tagesspiegel.de. Abgerufen am 21. April 2016.
  4. Bombenanschlag auf Sikh-Gebetshaus war „Terrorakt“. In: http://www.tz.de. Abgerufen am 21. April 2016.
  5. Anschlag auf Sikh-Tempel: Dritter Verdächtiger in Gewahrsam. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 22. April 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 22. April 2016]).
  6. a b Nach Terroranschlag: Sikh-Prozession in Essen gestartet. WDR, 23. April 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.
  7. Helge Toben: Friedens-Prozession in Essen - Sikh trotzen dem Terror mit Farbe. n-tv, 23. April 2016, abgerufen am 13. Juli 2016.
  8. Sebastian Weiermann: Kommentar Anschlag auf Sikhs in Essen: Der Anschlag, der keinen interessierte. In: die tageszeitung. (taz.de [abgerufen am 22. April 2016]).