Antanztrick

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Mit Antanztrick wird eine Form des Trickdiebstahls bezeichnet, bei dem das Opfer durch tänzelnde Bewegungen abgelenkt und von Tätern bestohlen wird. Die Täter geben sich dabei als fröhliche Menschen aus, die ihre Opfer zum Mittanzen auffordern, Körperkontakt herstellen, um dann Geldbörse oder Smartphones aus der Hosentasche zu entwenden.[1]

Geschichte und Tatbegehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Phänomen des Antanztricks soll in London erstmals beobachtet worden sein, seit 2011 auch in deutschen Städten wie Köln, Düsseldorf sowie Großveranstaltungen wie Kölner Karneval und Oktoberfest bekannt.[1][2] Meist werden allein unterwegs befindliche oder alkoholisierte Opfer in Vergnügungsvierteln bevorzugt.[3][4] Der für die Tatausübung benötigte Körperkontakt wird vom „Antänzer“ hergestellt, indem u. a. dem Opfer ein Arm um die Schultern gelegt wird; dann wird das Opfer aus dem Gleichgewicht gebracht, indem ein Bein gestellt oder festgehalten wird. Während dieses Überraschungsmoments findet dann der Diebstahl statt. Ein oder weitere Täter stehen absichernd dabei oder nehmen die entwendeten Gegenstände entgegen.[4]

Fallzahlen und Tatverdächtige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen wertete von 1. November 2014 bis 30. April 2015 die Fallzahlen durch „Antanzen“ aus. Demnach wurden in diesem Zeitraum in Nordrhein-Westfalen 820 Diebstähle nach diesem Modus Operandi registriert, davon konnten 290 Fälle (35,3 %) aufgeklärt werden. Zu den 290 aufgeklärten Delikten wurden 570 Tatverdächtige erfasst, am häufigsten wurden marokkanische (195), algerische (162), rumänische (117), syrische (27) und deutsche (14) Staatsangehörige als Tatverdächtige ermittelt.[5]

Das Innenministerium NRW richtet sich seit 2014 mit seinem Präventionsprojekt „klarkommen!“ gezielt an

„junge nordafrikanische Flüchtlinge, die ohne Familie in Deutschland angekommen sind. Einige von ihnen sind der Polizei durch Taschendiebstähle und Trickbetrügereien aufgefallen. Sie haben in den zurückliegenden Wochen als sogenannte „Antänzer“ für Schlagzeilen gesorgt.“[6]

Vorfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Konzert der Band Slipknot, am 28. Januar 2016 in Leipzig, wurden Dutzende Besucher Opfer des Antanztricks. Eine organisierte Bande von Antänzern hat nach Erkenntnissen der Polizei systematisch Heavy-Metal-Fans bestohlen. Im Zuge der Ermittlungen wurden 50 Mobiltelefone gefunden.[7][8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Antrag der Fraktion der CDU: Neues Kriminalitätsphänomen erfassen und konsequent gegen so genannte „Antänzer“ vorgehen! (PDF; 134 KiB) Drucksache 16/6857. Landtag Nordrhein-Westfalen, 23. September 2014, abgerufen am 26. Februar 2019.
  2. Martin von Mauschwitz, Asli Sevindim: Organisierte Kriminalität: Klaubanden in NRW. In: wdr.de. 6. Januar 2016, archiviert vom Original am 12. Januar 2016; abgerufen am 26. Februar 2019.
  3. Achim Beer: Düsseldorfer Polizei warnt vor jungen Dieben und ihrem „Antanztrick“. In: nrz.de. 14. Januar 2014, abgerufen am 26. Februar 2019.
  4. a b Was sich hinter dem Antanztrick verbirgt. In: stern.de, abgerufen am 12. Januar 2016
  5. Bericht des Ministeriums für Inneres und Kommunales zum Tagesordnungspunkt „Neues Kriminalitätsphänomen erfassen und konsequent gegen sogenannte ‚Antänzer‘ vorgehen“ der Sitzung des Innenausschusses am 11.6.2015. (PDF; 574 KiB) Vorlage 16/2979. Landtag Nordrhein-Westfalen, 8. Juni 2015, abgerufen am 26. Februar 2019.
  6. Präventionsprojekt „klarkommen!“ schafft Sicherheit und fördert Integration – Innenminister Jäger: Gezielte Hilfe für Jugendliche in Köln. Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, 22. September 2014, archiviert vom Original am 12. Januar 2016; abgerufen am 26. Februar 2019.
  7. „Ich wollte mir nicht den Abend vermiesen lassen“. In: Spiegel Online. 4. Februar 2016, abgerufen am 26. Februar 2019 (Ein Interview von Ansgar Siemens).
  8. Massenhafte Diebstähle durch „Antänzer“ in Leipzig. In: welt.de. 3. Februar 2016, abgerufen am 26. Februar 2019.
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