Anthelminthikum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Anthelminthikum (Wurmmittel, Vermizid, Vermicidum oder Vermifugum) ist ein Medikament gegen Wurminfektionen, das bei dem Krankheitsbild der Helminthiasis, der durch Eingeweidewürmer (Enthelminthen) hervorgerufenen Wurmkrankheit, eingesetzt wird. In der Regel handelt es sich um Stoffe, die als spezifisches Gift in den Stoffwechsel von Würmern (Helminthen bzw. Helminthes, von griech. ἕλμινς, Genitiv ἕλμινθος – Wurm) eingreifen. Die Verabreichung eines Anthelminthikums wird auch als Entwurmung bezeichnet.

Wirkungsmechanismen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Humanpathogenen Würmer lassen sich einteilen in Bandwürmer (Zestoden), Fadenwürmer (Nematoden) und Saugwürmer (Trematoden).[1]

Anthelminthika wirken, indem sie entweder hemmend in den Energiestoffwechsel der Würmer eingreifen oder über das Stilllegen neuronaler Übertragungsmechanismen zur Lähmung der Würmer führen. Unterschieden werden Mittel, die oral bioverfügbar sind und bei systemischen Wurmerkrankungen einsetzbar sind und solche, die nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert werden und bei intestinalem Wurmbefall angezeigt sind.

Benzimidazole wie Mebendazol und Albendazol wirken in erster Linie gegen Fadenwürmer. Die Wirkung entsteht durch Anlagerung an die Mikrotubuli der Wurmzelle, wodurch intrazelluläre Transportvorgänge wie etwa die Glukose-Aufnahme gestört werden. In der Folge degeneriert der Verdauungstrakt der Würmer und sie sterben ab. Praziquantel wirkt gegen Bandwürmer und Saugwürmer (z. B. Pärchenegel). Es öffnet die Calcium-Kanäle in der Zellmembran der Wurmzelle. Calcium vermittelt in kontraktilen Zellen die Muskelkontraktion. Damit führt Praziquantel zu einer Dauerkontraktion des Muskelschlauchs (spastische Lähmung) des Wurmkörpers.

Wirkstoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersichtstabelle für einige als Anthelminthika verwendete Wirkstoffe:

Wirkstoff Einsatzbereich Wirkart Anthelm. Wirkspektrum Chemische Stoffgruppe
Albendazol human, veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole
Diethylcarbamazin human, veterinär systemisch Fadenwürmer (Spulwurm, Augenwurm, Onchocerca volvulus) Piperazine
Epsiprantel veterinär lokal Bandwürmer Chinoline und verwandte Substanzen
Febantel veterinär systemisch Fadenwürmer, Bandwürmer Benzimidazole
Fenbendazol veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole
Flubendazol veterinär systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole
Ivermectin human, veterinär systemisch Fadenwürmer Makrolide
Levamisol veterinär systemisch Fadenwürmer Imidazothiazole
Mebendazol human systemisch Fadenwürmer, manche Bandwürmer Benzimidazole
Metrifonat human systemisch Saugwürmer (Pärchenegel) Organophosphate
Niclosamid human, veterinär lokal Bandwürmer Salicylanilid
Oxamniquin human systemisch Saugwürmer (Darmpärchenegel) Chinoline und verwandte Substanzen
Oxantel human lokal Fadenwürmer (Peitschenwurm) Tetrahydropyrimidine
Piperazin human, veterinär systemisch Spulwurm, Madenwurm Piperazine
Praziquantel human systemisch Bandwürmer Chinoline und verwandte Substanzen
Pyrantel human lokal Fadenwürmer (Madenwurm, Spulwurm, Hakenwurm) Tetrahydropyrimidine
Pyrvinium human lokal Madenwurm Chinoliniumsalze
Tiabendazol human, veterinär systemisch Fadenwürmer Benzimidazole

An natürlichen Mitteln sind verschiedene Pflanzen als Wurmkräuter bekannt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G. Geisslinger, S. Menzel, T. Gudermann, B. Hinz, P. Ruth: Mutschler Arzneimittelwirkungen. Pharmakologie – Klinische Pharmakologie – Toxikologie. Begründet von Ernst Mutschler, 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8047-3663-4. S. 1117 ff.