Anthony Eden

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Anthony Eden als Außenminister im Kriegskabinett Churchill (1942)
Anthony Eden bei einem Besuch in Kanada 1954

Robert Anthony Eden, 1. Earl of Avon, KG (* 12. Juni 1897 in Windlestone; † 14. Januar 1977 in Salisbury, Wiltshire) war ein britischer Politiker (Conservative Party).

Von 1935 bis 1938, 1940 bis 1945 und 1951 bis 1955 war er britischer Außenminister und von April 1955 bis Januar 1957 Premierminister. Infolge der Sueskrise trat er von diesem Amt zurück; Harold Macmillan wurde sein Nachfolger.

Früher Werdegang[Bearbeiten]

Eden wurde in Durham geboren, wo seine Familie seit vielen Generationen als Grundbesitzer lebte. Seine Mutter, Sybil Grey, war Mitglied der berühmten Grey-Familie aus Northumberland. Er studierte in Eton und Oxford, wo er seinen Abschluss in orientalischen Sprachen machte. Nach seiner Dienstzeit als Offizier im Ersten Weltkrieg, in der er u.a. das Military Cross erhielt, ging Eden 1923 in die Politik. Er wurde als Abgeordneter der Konservativen Partei ins Parlament gewählt. In diesem Jahr heiratete er auch Beatrice Beckett. Sie hatten zwei Söhne, aber die Ehe war nicht glücklich und zerbrach unter den Belastungen, die Edens politische Karriere mit sich brachte.

1926 wurde Eden 'Parliamentary Private Secretary' im Außenministerium und 1931 Staatssekretär. 1934 wurde er zum Lordsiegelbewahrer ernannt und in Stanley Baldwins Regierung Minister für den Völkerbund.

Wie viele Menschen seiner Generation, die den Ersten Weltkrieg erlebt hatten, war Eden sehr gegen Krieg und bemühte sich, mit Hilfe des Völkerbundes den europäischen Frieden zu bewahren. Er gehörte gleichwohl zu den ersten, die erkannten, dass der Frieden nicht durch eine Appeasement-Politik gegenüber dem Dritten Reich aufrechterhalten werden konnte. Privat war er gegen die Politik des Außenministers Sir Samuel Hoare, Italien während der Invasion Abessiniens 1935 zu besänftigen. Als Hoare nach dem Scheitern des Hoare-Laval-Pakts zurücktrat, wurde Eden sein Nachfolger als Außenminister.

Außenminister[Bearbeiten]

Potsdamer Konferenz, die Außenminister der drei Großmächte: Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow, James F. Byrnes und Anthony Eden in einer Tagungspause, Juli 1945.

Eden übernahm das Amt zu einer Zeit, in der Großbritannien seine Außenpolitik an den Aufstieg der faschistischen Mächte anpassen musste. Er unterstützte die Politik der Nichteinmischung in den Spanischen Bürgerkrieg und unterstützte Arthur Neville Chamberlain in seinen Bemühungen, den Frieden durch vertretbare Zugeständnisse an Hitler-Deutschland zu bewahren. Er protestierte nicht, als Großbritannien und Frankreich 1936 die Wiederbesetzung des Rheinlandes hinnahmen, aber im Februar 1938 trat er zurück, als Chamberlain Verhandlungen mit Italien aufnahm.

Während seiner Amtszeit als britischer Außenminister war Eden auch ein aktiver Mitarbeiter am Völkerbund. Unterstützt wurde er in dieser Tätigkeit von seinem niederländischen Amtskollegen Andries Cornelis Dirk de Graeff, welcher sein Land zum Eintritt in den Völkerbund bewegen konnte.

Das machte ihn zu einem Verbündeten Winston Churchills, der damals ein rebellischer Hinterbänkler der Konservativen und führender Kritiker der Appeasement-Politik war. Viele glaubten, dass Eden zum Sammelpunkt all der verschiedenen Gegner Chamberlains werden würde, aber er hielt sich bedeckt. Obwohl er gegen das Münchener Abkommen war, vermied er die Konfrontation. Daher nahm sein Ansehen unter Politikern stark ab, während er im Land allgemein populär blieb.

Bei Ausbruch des Krieges im September 1939 kehrte Eden in Chamberlains Regierung als Minister für die Dominions (ehemalige Kolonien) zurück, war aber nicht Mitglied des Kriegskabinetts. Deshalb galt er nicht als Kandidat für den Posten des Premierministers, als Chamberlain im Mai 1940 nach der deutschen Invasion Frankreichs zurücktrat, und Churchill wurde Premierminister. Er machte Eden zum Kriegsminister. Später im Jahr 1940 kehrte er ins Außenministerium zurück und wurde in dieser Eigenschaft 1941 Mitglied der Political Warfare Executive, einer geheimen Propaganda-Behörde. Obwohl er einer von Churchills engsten Vertrauten war, war sein Einfluss während des Krieges begrenzt, weil Churchill die wichtigsten Verhandlungen mit Roosevelt und Stalin selbst führte. Hitler diffamierte den britischen Außenminister Eden ("der geldhungrige und eitle Geck Eden") und behauptete, Eden habe als einer der Hintermänner Churchills den britischen Kriegseintritt "mitverschuldet" (Werner Jochmann: Monologe im Führerhauptquartier, München 1980, S. 93). 1942 wurde ihm auch die Aufgabe als Führer des Unterhauses übertragen.

Im Jahr 1943 traf Eden zweimal den polnischen Widerstandskämpfer Jan Karski, der ihn unter anderem über die verzweifelte Lage der Juden in Polen unterrichtete.[1]

Als die Labour Party die Wahlen am 5. Juli 1945 gewann (Clement Attlee wurde PM und blieb es bis zum Oktober 1951), ging Eden als stellvertretender Führer der Konservativen in die Opposition. Viele Leute waren der Meinung, dass Churchill sich zurückziehen und Eden das Feld überlassen sollte. Churchill lehnte das jedoch ab und Eden war zu loyal, um Druck auf ihn auszuüben. Er war zu dieser Zeit deprimiert wegen des Scheiterns seiner ersten Ehe und wegen des Todes seines älteren Sohnes, Simon Eden, der im Juli 1945 als 'RAF Sergeant' in Burma kämpfte und dort seit 8. Juli als 'missing in action' galt.[2]

1951 kamen die Konservativen wieder an die Regierung und Eden wurde zum dritten Mal Außenminister. Churchill war in dieser Regierung eigentlich nur noch Aushängeschild, und Eden hatte zum ersten Mal wirksame Kontrolle über die Außenpolitik zu einer Zeit, als der Kalte Krieg an Intensität zunahm. Er bewältigte die verschiedenen Krisen dieser Periode, wenn auch Großbritannien nicht mehr die Weltmacht war wie vor dem Krieg. 1950 wurde seine Ehe mit Beatrice Eden geschieden. 1952 heiratete er Churchills Nichte, Clarissa Spencer-Churchill. Diese Ehe war wesentlich glücklicher als seine erste. 1954 wurde er zum Ritter des Hosenbandordens geschlagen.

Premierminister[Bearbeiten]

Im April 1955 trat Churchill schließlich zurück und Eden wurde sein Nachfolger. Aufgrund seiner langen Regierungstätigkeit und auch wegen seines berühmten guten Aussehens und seines Charmes war Eden sehr populär. Nach seinem Amtsantritt setzte er unverzüglich Neuwahlen an, die am 26. Mai 1955 stattfanden. Aus ihnen gingen die Konservativen mit einer gestärkten Mehrheit - 54 statt vorher 17 Sitze Mehrheit - hervor. Sir Anthony hatte nie einen innenpolitischen Bereich geleitet und wenig Erfahrung in Wirtschaftsfragen; so überließ er diese Bereiche seinen Mitarbeitern, wie Rab Butler. Er selbst konzentrierte sich auf die Außenpolitik und formte eine enge Allianz mit dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower.

Diese Allianz erwies sich jedoch als illusorisch, als Sir Anthony 1956 zusammen mit Frankreich versuchte, den ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser von der Nationalisierung des Sueskanals abzuhalten. Der Kanal war seit dem 19. Jahrhundert Eigentum von britischen und französischen Aktionären der Suez Canal Company. Entsprechend seinen Erfahrungen in den 1930ern sah Sir Anthony in Nasser einen neuen Mussolini. Er hielt beide Männer für aggressive nationale Sozialisten, entschlossen, in andere Länder einzufallen, während andere glaubten, dass Nasser aus legitimen patriotischen Motiven handele.

Nach monatelangen Verhandlungen und Schlichtungsversuchen fielen im Oktober 1956 Briten und Franzosen zusammen mit Israel in Ägypten ein und besetzten die Sueskanalzone (siehe Sueskrise). Der amerikanische Präsident Eisenhower protestierte unverzüglich und scharf gegen die Invasion, und zwar aus mehreren Gründen:

  • Eisenhower war ein Verfechter der Entkolonialisierung, weil dadurch neue Staaten entstehen und amerikanische Interessen gestärkt würden.
  • Man erhoffte sich in Washington das Wohlwollen der arabischen und afrikanischen Führer (siehe auch Containment-Politik).
  • am 23. Oktober 1956 begann in Ungarn der ungarische Volksaufstand. Am 4. November fiel die Sowjetunion in Ungarn ein, um ihn blutig niederzuschlagen. Mit der Invasion der Briten und Franzosen entstand in vielen Teilen der Welt der Eindruck "der Westen ist auch nicht besser".

Eden hatte ignoriert, dass Großbritannien als Folge des Zweiten Weltkriegs von den USA finanziell abhängig war. So musste er sich dem amerikanischen Druck zum Rückzug beugen. Die Sueskrise wird heute gemeinhin als das Ereignis angesehen, welches Britanniens und Frankreichs Ende als Weltmächte markiert.

Ebenfalls in dieses Jahr - auf den 10. September 1956 - fällt ein Angebot des französischen Premiers Guy Mollet Frankreich unter Königin Elisabeth als Staatsoberhaupt mit dem Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland zusammenzuschließen. Der britische Premier lehnte diesen Wunsch ebenso wie Mollets Antrag zum Beitritt Frankreichs zum Commonwealth ab.

Das Sues-Fiasko ruinierte Sir Anthonys Ruf als Staatsmann und führte bei ihm zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch. Sein Außenminister Harold Macmillan, einer der Architekten der Invasion, drängte Eden zum Rücktritt und wurde im Januar 1957 sein Nachfolger.

Ruhestand[Bearbeiten]

Edens persönliche Popularität blieb bestehen, und 1961 wurde er zum Earl of Avon ernannt. Er führte dann in Wiltshire ein ruhiges Leben mit seiner zweiten Frau, verfasste seine viel gelobten persönlichen Memoiren, „Another World“, und auch etliche Bände mit politischen Memoiren. Von 1945 bis 1973 war er Kanzler der Universität von Birmingham. 1977 starb der Earl of Avon in Salisbury.

Edens überlebender Sohn, Nicholas Eden (1930–1985), war auch Politiker und Minister in der Regierung Thatcher, bis er frühzeitig an AIDS verstarb.

Siehe auch: Geschichte der Britischen Inseln

Quellen/Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. E. Thomas Wood, Stanislaw M. Jankowski: Jan Karski – Einer gegen den Holocaust, 2. Auflage 1997, Bleicher Verlag, ISBN 3-88350-042-9
  2. Zeitstrahl zur Kriegshistorie

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anthony Eden – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Titel neu geschaffen Earl of Avon
1961–1977
Nicholas Eden