Anthony Scaramucci

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Anthony Scaramucci (2016)

Anthony Scaramucci (* 6. Januar 1964 in Port Washington,[1] Long Island, New York) ist ein US-amerikanischer Hedgefonds-Manager und Buchautor. Am 21. Juli 2017 ernannte ihn US-Präsident Donald Trump zum designierten Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses.[2] Er hatte das Amt inoffiziell für nur zehn Tage bis zum 31. Juli 2017 inne und wurde noch vor der offiziellen Ernennung von Trump abgesetzt.[3][4][5] Offiziell hätte er sein Amt am 15. August 2017 angetreten.[2] Scaramucci war direkt dem Präsidenten[2] unterstellt, nicht dem Stabschef des Weißen Hauses.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scaramucci wurde als Sohn eines Bauarbeiters geboren. Er studierte an der Tufts University und erlangte an der Harvard Law School einen Abschluss in Rechtswissenschaften (Juris Doctor).[6]

Scaramucci arbeitete unter anderem für Lehman Brothers und Goldman Sachs.[7] 2005 gründete er das New Yorker Investmentunternehmen SkyBridge Capital.[8] Im Januar 2017 verkaufte er seinen 45-prozentigen Anteil an dem Unternehmen an eine Käufergruppe, zu der auch die chinesische HNA Group und die Firma RON Transatlantic gehörten.[9]

2008 war Scaramucci als Fundraiser für den späteren US-Präsidenten Barack Obama tätig. Unzufrieden mit Obamas Politik gegenüber der Finanzindustrie, wechselte er 2010 in das Lager der Republikaner.[10] Bei der Präsidentschaftswahl 2012 unterstützte Scaramucci den republikanischen Kandidaten Mitt Romney. Bei den Vorwahlen zur Präsidentschaftswahl 2016 sammelte er zunächst Spenden für den Republikaner Jeb Bush, wechselte aber nach dessen parteiinterner Niederlage in das Lager von Trump.[11] Bei Trumps Amtsantritt bekam er keinen Posten in dessen Regierung.[12]

Im US-amerikanischen Fernsehen moderierte er zeitweise die vom Fox News Channel produzierte Sendung Wall Street Week.[13] Nach der Nominierung für Trumps Übergangsteam im November 2016 gab er diese Tätigkeit auf.[14]

Als Reaktion auf die Ernennung Scaramuccis als Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses gab Sean Spicer, der Pressesprecher des Weißen Hauses, am 21. Juli 2017 seinen Rücktritt zum 1. August 2017 bekannt.[15] Scaramucci teilte daraufhin mit, dass Sarah Huckabee Sanders – bisher Spicers Stellvertreterin – Spicers Nachfolgerin wird.[16] Scaramucci war als Kommunikationsdirektor für die gesamte Kommunikationsstrategie des Weißen Hauses verantwortlich. In den Monaten vor seiner Ernennung fiel Scaramucci vor allem durch seine aggressive Verteidigung von Trumps Politik auf.[15]

Im August 2015 hatte er Donald Trump bei Fox News einen „politischen Nichtsnutz“ (im Original hack politician) genannt und ihm „anti-amerikanische Rhetorik“ bescheinigt.[17][18] Als Reporter ihn nach seiner Ernennung zum Kommunikationsdirektor auf diese Äußerungen ansprachen, bezeichnete Scaramucci sie als „einen seiner größten Fehler“. Er habe zu dieser Zeit einen anderen Präsidentschaftskandidaten unterstützt. „Ich hätte das niemals sagen dürfen.“[17] In diesem Zusammenhang löschte er am 22. Juli 2017 mit der Begründung „[…] Frühere Ansichten haben sich entwickelt und sollten keine Ablenkung sein. Ich diene der Agenda des Präsidenten und das ist alles, worauf es ankommt.“ (Past views evolved & shouldn’t be a distraction. I serve @POTUS agenda & that’s all that matters) seine alten Tweets. In diesen Kurznachrichten hatte er den von Trump geplanten Mauerbau an der Grenze zu Mexiko kritisiert, für einen freien Welthandel geworben und sich gegen den Brexit ausgesprochen. Außerdem hatte er schärfere Waffengesetze gefordert und Klimaskeptiker kritisiert.[19]

Am 27. Juli 2017 machte ein Journalist des New Yorker publik,[20] dass Scaramucci ihn telefonisch bedrängt habe, um zu erfahren, von wem aus dem Weißen Haus er eine Information erhalten hatte. Als der Journalist die Preisgabe des Informanten verweigerte, beschimpfte Scaramucci demnach den Stabschef des Weißen Hauses, Reince Priebus (Reince is a fucking paranoid schizophrenic, a paranoiac, „ein verdammter paranoider Schizophrener“) und Trumps Chefstrategen Steve Bannon (I’m not Steve Bannon, I’m not trying to suck my own cock, „Ich bin nicht Steve Bannon. Ich versuche nicht, meinen eigenen Schwanz zu lutschen. Ich versuche nicht, meine eigene Marke auf der verdammten ('fucking') Stärke des Präsidenten aufzubauen. Ich bin hier, um dem Land zu dienen."“).[21][22][23] Nach der Veröffentlichung der Zitate entschuldigte sich Scaramucci auf Twitter für seine „farbenfrohe Wortwahl“ (I sometimes use colorful language.).[23][24][25][26]

Das Amt des Kommunikationschefs im Weißen Haus bekleidete er bis zum 31. Juli 2017. Seine Entlassung sei von John F. Kelly in dessen Eigenschaft als neuer Stabschef im Weißen Haus durchgesetzt worden.[27][28]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scaramucci ist in zweiter Ehe verheiratet.[29] Im Juli 2017 reichte seine Frau, mit der er zwei Söhne hat,[30] nach drei Jahren Ehe die Scheidung ein.[31] Aus seiner ersten Ehe hat er eine Tochter und zwei Söhne.[29]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Scaramucci hat den Spitznamen The Mooch (dt. „Der Bettler/Schnorrer“).[32][33][34][35]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anthony Scaramucci – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jessica Mc Bride: Anthony Scaramucci’s Family: 5 Fast Facts You Need to Know. In: heavy.com. 22. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  2. a b c President Donald J. Trump Appoints Anthony Scaramucci to be White House Communications Director. In: whitehouse.gov. 24. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017 (englisch).
  3. Nach nur zehn Tagen – Trump entfernt Kommunikationschef Anthony Scaramucci aus Amt, 31. Juli 2017, Focus
  4. Scaramucci räumt Posten als Trumps Kommunikationschef. In: Zeit Online. 31. Juli 2017, abgerufen am 31. Juli 2017.
  5. whitehouse.gov: Statement from the Press Secretary
  6. Tobias Ochsenbein, Michael Schilliger: Neuer US-Kommunikationsdirektor: Wer ist Anthony Scaramucci? In: nzz.ch. 22. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  7. Stefan Schultz: Wall-Street-Proteste: Die Rache der Bonus-Rapper. In: Spiegel Online. 27. September 2010, abgerufen am 22. Juli 2017.
  8. The Mooch Is His Own Aflac Duck. In: nymag.com. 14. Mai 2012, abgerufen am 22. Juli 2017.
  9. mg: Der neue starke Mann im Weißen Haus. In: FAZ.net. 21. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  10. Daniel S. Levine: WATCH: Anthony Scaramucci Tells Obama to Stop Hitting ‘Wall Street Pinata’. In: heavy.com. 21. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  11. Axel Postinett: Donald Trumps Pitbull wirft hin. In: handelsblatt.com. 21. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  12. Verbindung nach China: Trump-Berater Scaramucci geht offenbar leer aus. In: Spiegel Online. 3. Februar 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  13. FOX Business Network Welcomes Iconic 'Wall Street Week' Program. In: foxbusiness.com. 14. März 2016, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  14. Joe Concha: Fox Business host steps down after being tapped for Trump transition team. In: thehill.com. 11. November 2016, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  15. a b Clemens Wergin: Sean Spicers Rücktritt: Die neueste Demütigung war Trumps Sprecher dann zu viel. In: welt.de. 22. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  16. dop/AP/dpa/AFP: Trump-Sprecher: Sean Spicer tritt zurück. In: Spiegel Online. 21. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  17. a b dpa: „Großer Fehler“: Spicer soll Trump vor Scaramucci gewarnt haben – Politik. In: merkur.de. 22. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017.
  18. Catherine Trautwein: Trump’s New Communications Director Called Him a 'Hack'. In: time.com. 21. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  19. ZEIT ONLINE, dpa, AP, spo: Weißes Haus: Trumps neuer Kommunikationschef löscht kritische Tweets. In: zeit.de. 23. Juli 2017, abgerufen am 24. Juli 2017.
  20. Ryan Lizza: Anthony Scaramucci Called Me to Unload About White House Leakers, Reince Priebus, and Steve Bannon. In: newyorker.com. 27. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  21. spo./dpa: Kommunikationschef beschimpft Trumps Führungsteam. In: FAZ.net. 28. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  22. Beate Wild: Machtkampf im Weißen Haus: Unverschämt gewinnt. In: sueddeutsche.de. 28. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  23. a b mho/dpa/Reuters: Vulgärer Machtkampf im Weißen Haus: Scaramucci beleidigt Chefstrategen Stephen Bannon. In: Spiegel Online. 28. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  24. dpa/rct: US-Präsident Donald Trumps Kommunikationschef: Scaramucci irritiert mit abstoßenden Beschimpfungen. In: welt.de. 27. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  25. Klaus-Dieter Frankenberger: Im Weißen Haus regiert das Chaos. In: FAZ.net. 28. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017.
  26. Mark Landler: You Talkin’ to Me? Trump’s White House Gets Some New York Attitude. In: nytimes.com. 28. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017 (englisch).
  27. Maggie Habeman, Michael D. Shear, Glenn Thrush: Trump Removes Anthony Scaramucci From Communications Director Role. In: The New York Times. 31. Juli 2017, abgerufen am 31. Juli 2017.
  28. Trump entlässt neuen Kommunikationschef Scaramucci. In: sueddeutsche.de. 31. Juli 2017, abgerufen am 31. Juli 2017.
  29. a b Paul Farrell: Deidre Ball, Anthony Scaramucci’s Wife: 5 Fast Facts You Need to Know. In: heavy.com. 22. Juli 2017, abgerufen am 22. Juli 2017 (englisch).
  30. Anthony Scaramucci congratulated his estranged wife on the birth of their child by text message , telegraph.co.uk, 30. Juli 2017, abgerufen am 31. Juli 2017
  31. Judy Kurtz: Scaramucci’s wife files for divorce. In: thehill.com. 28. Juli 2017, abgerufen am 29. Juli 2017 (englisch).
  32. Mooch↔Schnorrer. In: dict.cc. Abgerufen am 31. Juli 2017.
  33. Lauren Gambino: Anthony Scaramucci: who is new White House communications director? In: theguardian.com. 21. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017 (englisch).
  34. Nikolaus Piper: Seele zu verkaufen. In: sueddeutsche.de. 28. Juli 2017, abgerufen am 28. Juli 2017.
  35. Bernd Pickert: Kolumne Liebeserklärung: „The Mooch“ im Weißen Haus. In: taz.de. 28. Juli 2017, abgerufen am 31. Juli 2017.