Anthroposophie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das Goetheanum in Dornach/Schweiz (erbaut 1925 bis 1928) wurde von Rudolf Steiner konzipiert und ist heute der Sitz der Anthroposophischen Gesellschaft

Als Anthroposophie (von altgriechisch ἄνθρωπος ánthrōpos „Mensch“ und σοφία sophίa „Weisheit“) werden eine von Rudolf Steiner (1861–1925) begründete, weltweit vertretene spirituelle und esoterische Weltanschauung sowie der zugehörige Ausbildungs- und Erkenntnisweg bezeichnet. Die Anthroposophie versucht, Elemente des deutschen Idealismus, der Weltanschauung Goethes, der Gnosis[1], fernöstlicher Lehren sowie der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse zu Steiners Zeit miteinander zu verbinden.

Ein zentraler Aspekt war und ist eine Anwendung des Evolutionsgedankens auf die spirituelle Entwicklung. Dabei nahm Steiner evolutionäre Ansätze sowohl des Darwinisten Ernst Haeckel als auch aus der modernen Theosophie blavatskyscher Prägung auf. Die Anthroposophie sucht im Gegensatz zu Vertretern eines rein säkular naturwissenschaftlich orientierten Fortschrittsgedankens die Menschheit und ihre Entwicklung spirituell und übersinnlich zu verstehen[2], setzt sich dabei aber von der Theosophie und ihrer Orientierung an der östlichen Religiosität ab. Die Einbeziehung und Neuinterpretation der Evolution führte ebenso wie bei Haeckel und anderen Zeitgenossen Steiners zu Kontroversen um mögliche sozialdarwinistische und rassistische Aspekte.

Die geistigen und institutionellen Impulse, die von der Anthroposophie und der zugehörigen Bewegung ausgingen, wirken bis in die Gegenwart auf unterschiedliche Lebensbereiche, in Kunst, Architektur, Pädagogik/Heilpädagogik (Waldorfpädagogik, Camphill), Medizin (anthroposophische Medizin), Landwirtschaft (biologisch-dynamische Landwirtschaft), Soziales (Dreigliederung des sozialen Organismus), Bewegungskunst (Eurythmie), Religion (Die Christengemeinschaft) und Finanzwesen (GLS Gemeinschaftsbank, Freie Gemeinschaftsbank) und haben weltweit Verbreitung und Beachtung gefunden.

Begriff und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiners Baustil war Vorbild für die Organische Architektur. Das Bild zeigt das Heizhaus des Goetheanums

Rudolf Steiner verstand unter Anthroposophie einerseits eine umfassende („kosmologische“) Anschauung des Menschen und der Welt, die er als Lehre vertrat und verbreitete, andererseits einen Erkenntnisweg als eine wissenschaftliche Methode zur Erforschung des Übersinnlichen („Geistigen“). Die Bezeichnung „Anthroposophie“ wählte er im Kontrast zum Begriff der „Anthropologie“. Letztere behandele dasjenige, was für den Menschen durch seine Sinne und den sich an die Sinnesbeobachtung haltenden Verstand über die Welt erfahrbar sei; erstere dagegen beinhalte das „Wissen des Geistesmenschen“ und erstrecke sich auf alles, was dieser in der „geistigen Welt“, d. h. im Übersinnlichen, wahrnehmen könne.

Rudolf Steiner um 1905

Synonym zu der Bezeichnung „Anthroposophie“ verwendete Steiner auch andere Begriffe wie „Theosophie“, „Geheimwissenschaft“ oder „Geisteswissenschaft“, um seine Lehre und seine „Forschungsmethode“ zu kennzeichnen. Von „Theosophie“ sprach er jedoch nur während seiner Tätigkeit im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft (1902–1913). „Geisteswissenschaft“ war dagegen auch später noch eine von ihm gebrauchte synonyme Bezeichnung für seine Weltauffassung.[3] Dabei knüpfte Steiner augenscheinlich an Wilhelm Dilthey, den Begründer der Lebensphilosophie, an, auf dessen „Einleitung in die Geisteswissenschaften“ er sich an verschiedenen Stellen zustimmend bezog.[4] Steiner betrachtete Dilthey sogar als eine Art Vorläufer der Anthroposophie.[5]

Im engeren Sinne wurde der Begriff „Anthroposophie“ von Steiner als Titel einer Fragment gebliebenen Schrift aus dem Jahre 1910 verwendet (Gesamtausgabe [GA] 45). Anthroposophie ist für Steiner dabei die Schaffung eines Bewusstseins des Menschentums. Es geht ihm um die Formulierung einer umfassenden Erkenntnistheorie zur menschlichen Bewusstwerdung. Da nach Steiner die dualistische Trennung von „Ich“ und „Welt“ im Erkenntnisakt überwunden wird[6], will seine Anthroposophie Anleitung zur „Selbst- und Welterkenntnis des Menschen“ zugleich bieten. Dies ist das monistische Programm des anthroposophischen Erkenntnisweges, das – mit Friedrich Nietzsche und Max Stirner – einen freien, individualistisch geprägten Menschen voraussetzt. Diese Spielart des Monismus vereinigt Naturerkenntnis und anthroposophische Geisterkenntnis, indem die Natur und die geistige Welt als Teilbereiche einer Welt betrachtet werden.

Die Anthroposophie hatte und hat bedeutende Anhänger überwiegend aus dem Bereich des Kulturlebens, namentlich der Kunst, darunter die bildenden Künstler Joseph Beuys, Wassily Kandinsky, Oscar Lüthy und Franz Marc, den Komponisten Viktor Ullmann, den Komponisten und Musikwissenschaftler Peter Michael Riehm und den Dirigenten Bruno Walter, die Schriftsteller Saul Bellow, Andrej Bely, Michael Ende und Christian Morgenstern. Sympathisanten waren etwa Albert Schweitzer, Alexej (von) Jawlensky, Jorge Luis Borges, Piet Mondrian, Richard Neutra, Le Corbusier, Henry van de Velde, Frank Lloyd Wright, Eero Saarinen, Erich Mendelsohn und Hans Scharoun (siehe auch Organische Architektur). Von den heute lebenden Architekten bezeichnet vor allem Frank Gehry Steiner als Inspirationsquelle.

Über den Kreis der direkten Anhänger hinaus ist ein Einfluss Steiners feststellbar. Hermann Hesse, der ein distanziertes Verhältnis zu Steiners Lehre hatte, veröffentlichte etwa 1926/1927 verschiedene Gedichte in der Zeitschrift Individualität, die von dem anthroposophischen Gründungsmitglied und zeitweiligem Steiner-Sekretär Willy Storrer herausgegeben wurde. Auch Paul Klee rezipierte Steiner mit kritischer Distanz. Ein Teil dieses enormen und vielschichtigen Einflusses Rudolf Steiners auf verschiedene Kunstrichtungen wird erst allmählich aufgearbeitet.[7]

Begriffsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ignaz Paul Vitalis Troxler war der Begründer einer Anthroposophie, die er aus der Biosophie ableitete

Die Bezeichnung „Anthroposophie“ wurde bereits in der frühen Neuzeit verwendet. In einem anonymen Buch mit dem Titel Arbatel de magia veterum, summum sapientiae studium (1575), das dem Philosophen und Theologen Agrippa von Nettesheim zugeschrieben wird, wird Anthroposophie (ebenso wie Theosophie) der „Wissenschaft des Guten“ zugerechnet und mit „Kenntnis der natürlichen Dinge“ bzw. „Klugheit in menschlichen Angelegenheiten“ übersetzt. 1648 erschien die Anthroposophia Theomagica des walisischen Philosophen Thomas Vaughan.[8]

Anfang des 19. Jahrhunderts prägte der Schweizer Arzt und Philosoph Ignaz Troxler (1780–1866) den Begriff „Anthroposophie“ in Anlehnung an seine Biosophie (Elemente der Biosophie, 1806). Im Sinne der Vorläufer der Lebensphilosophie, vor allem des Naturphilosophen Schelling, bei dem Troxler studiert hatte, sollte Biosophie „Naturerkenntnis durch Selbsterkenntnis“ bedeuten. Die Erkenntnis der menschlichen Natur nannte Troxler Anthroposophie. Die Philosophie – und alle Philosophie sei Naturerkenntnis – muss ihm zufolge zur Anthroposophie werden. Diese wird als eine „objektivierte Anthropologie“ vorgestellt, die vom „ursprünglichen Menschen“ ausgehen soll. In der menschlichen Natur vereinen sich demzufolge in einem mystischen Vorgang Gott und Welt.

Auch Immanuel Hermann Fichte verwendete das Wort Anthroposophie 1856 in Anthropologie – Die Lehre der menschlichen Seele und bezeichnete damit eine „gründliche Selbsterkenntnis des Menschen“, die „nur in der erschöpfenden Anerkenntnis des Geistes“ liege. Wahrhaft gründlich oder ergründend könne sich der „Menschengeist“ aber nicht erkennen, ohne damit der „Gegenwart oder Bewährung des göttlichen Geistes an ihm inne zu werden“.

Der Religionsphilosoph Gideon Spicker, der eine „Religion in philosophischer Form auf naturwissenschaftlicher Grundlage“ anstrebte und den Konflikt zwischen Glauben und Wissen, zwischen Religion und Naturwissenschaft als das Grundproblem seines Lebens und Denkens ansah, formulierte das Programm einer Anthroposophie, ebenfalls im Sinne „höchster Selbsterkenntnis“. Spickers Ideal umfasste in der Religion die Einheit von Gott und Welt als selbstverantwortete Erkenntnis unter Anwendung von Vernunft und Erfahrung.

„Handelt es sich aber in der Wissenschaft um die Erkenntnis der Dinge, in der Philosophie dagegen in letzter Instanz um die Erkenntnis dieser Erkenntnis, so ist das eigentliche Studium des Menschen der Mensch selbst, und der Philosophie höchstes Ziel ist Selbsterkenntnis oder Anthroposophie.“

Die Philosophie des Grafen von Shaftesbury, 1872

Der österreichische Philosoph und Herbartianer Robert Zimmermann (1824–1898), Schöpfer der „Philosophischen Propädeutik“, wählte die Bezeichnung „Anthroposophie“ 1882 als Titel einer Programmschrift, die ein System idealer Weltsicht auf realistischer Grundlage zu beschreiben suchte (Anthroposophie im Umriß. Entwurf eines Systems idealer Weltsicht auf realistischer Grundlage, 1882). Zimmermann, bei dem Steiner Philosophie-Vorlesungen hörte, wollte in seinem System über die „Schranken und Widersprüche, die der gemeine Erfahrungsstandpunkt in sich trägt“, hinausgehen und eine „Philosophie des Menschenwissens“ errichten, die als Wissenschaft von der Erfahrung ausgeht, aber über sie hinausreicht, wo es das logische Denken erfordert.

Rudolf Steiner verwendete den Namen „Anthroposophie“ zunächst in sehr freier Weise. So hielt er 1902 in dem von ihm geleiteten Berliner Literatenkreis Die Kommenden eine Vortragsserie mit dem Titel: Von Zarathustra bis Nietzsche. Entwicklungsgeschichte der Menschheit anhand der Weltanschauungen von den ältesten orientalischen Zeiten bis zur Gegenwart, oder Anthroposophie. Über den Inhalt dieser Vorträge ist nichts Näheres überliefert. Parallel dazu sprach er erstmals öffentlich (im Rahmen des Giordano Bruno-Bunds) über die von da an durch ihn vertretene Theosophie (Titel: Monismus und Theosophie), wobei er inhaltlich an Immanuel Hermann Fichte anknüpfte. Im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft benutzte Steiner die Bezeichnung „Anthroposophie“ erstmals 1909, und zwar für eine erweiterte Sinneslehre. Die er neben die schon existierende Theosophie stellte, „ähnlich wie im Mittelalter neben die Theologie die Anthropologie“ gestellt wurde (Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie, GA 115). Nachdem er 1902 eine historische Betrachtung von Weltanschauungen „Anthroposophie“ genannt hatte, entwickelte er jetzt unter demselben Namen also eine Sinneslehre, welche die bekannten fünf Sinne durch fünf weitere Sinne ergänzte und so eine Brücke zwischen Theosophie und Anthropologie bilden sollte. Zur Wortgeschichte merkte er dabei an: „Das Wort ist schon einmal gebraucht worden. Robert Zimmermann hat eine Anthroposophie geschrieben, aber er unternahm sie mit höchst unzulänglichen Mitteln […]. Er hat sie herausgesponnen mit den ausgesogensten, abstraktesten Begriffen, und dieses Gespinst war dann seine Anthroposophie.“ Eine schriftliche Fassung seiner „anthroposophischen“ Sinneslehre brachte Steiner nicht zu Ende; sie wurde posthum als Fragment publiziert (Anthroposophie – ein Fragment, GA 45).

Als es 1913 zum Bruch mit der Theosophischen Gesellschaft kam und Steiner eine neue Bezeichnung für das wählen musste, was er bisher als „Theosophie“ vertreten hatte, entschied er sich für „Anthroposophie“. 1916 schrieb er darüber:

„Als es sich vor einer Anzahl von Jahren darum handelte, unserer Sache einen Namen zu geben, da verfiel ich auf einen solchen, der mir lieb geworden war, deshalb, weil ein Philosophie-Professor, dessen Vorträge ich in meiner Jugendzeit gehört habe, Robert Zimmermann, sein Hauptwerk ‚Anthroposophie‘ genannt hat.“

Gesammelte Aufsätze, GA 35, S. 176

Anthroposophie bei Rudolf Steiner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Anthroposophie“ bezeichnet bei Steiner zum einen seine Lehren, zum anderen die von ihm dafür in Anspruch genommene Forschungsmethode.

„Unter Anthroposophie verstehe ich eine wissenschaftliche Erforschung der geistigen Welt, welche die Einseitigkeiten einer bloßen Natur-Erkenntnis ebenso wie diejenigen der gewöhnlichen Mystik durchschaut und die, bevor sie den Versuch macht, in die übersinnliche Welt einzudringen, in der erkennenden Seele erst die im gewöhnlichen Bewusstsein und in der gewöhnlichen Wissenschaft noch nicht tätigen Kräfte entwickelt, welche ein solches Eindringen ermöglichen.“

Philosophie und Anthroposophie, GA 35

Steiners anthroposophische Lehre knüpft vor allem an die christliche Mystik, an das Rosenkreuzertum und an die idealistische Philosophie an[9], übernahm aber insbesondere in den ersten Jahren auch wesentliche Elemente der stark von indischer Philosophie geprägten modernen oder anglo-indischen Theosophie. Aufgrund dieser Verbindung sehr unterschiedlicher Ströme wurde sie von Kritikern schon zu Steiners Lebzeiten etwa als synkretistische Weltanschauung, eklektischer Mystizismus oder Obskurantismus eingeordnet. Sie beinhaltet einen umfassenden („kosmischen“) Evolutionsbegriff sowie ein vielschichtiges Bild der Wiederverkörperung (Reinkarnation) und des Schicksals.

Steiners Erkenntnisse entstammten nach seinen Angaben einer ihm seit seiner Kindheit bewussten und von ihm methodisch vertieften geistig-übersinnlichen Schau. In seinem philosophischen Frühwerk hatte er einen erkenntnistheoretischen Monismus entwickelt, der wesentlich auf einer Auseinandersetzung mit Kant (Kritik der reinen Vernunft) und dem Neokantianismus beruhte. Steiner plädierte für einen „ethischen Individualismus“, der in Max Stirners Schriften sowie dem individualistischen Anarchismus von Benjamin Tucker und John Henry Mackay Verwandtes findet. Weitere Einflüsse sind Goethe, Hegel (Phänomenologie), J. G. Fichte (deutscher Idealismus), Nietzsche und Haeckel (Evolutionstheorie). Deren Lehren wurden von Steiner allerdings sehr selektiv, individuell und eklektizistisch herangezogen und ausgelegt (Wahrheit und Wissenschaft, 1892, und Die Philosophie der Freiheit, 1894).

Ab 1902 trat Steiner im Rahmen der Theosophischen Gesellschaft eindeutig esoterisch und christlich auf. Die Frage, inwieweit dies einer Wandlung in seinem Leben (er selbst spricht von einem „Erweckungserlebnis“) zuzuschreiben ist, ist – auch unter Anthroposophen – nicht entschieden. Auch wie sich die Wende philosophisch auf Steiners Gesamtwerk ausgewirkt hat, konnte nicht abschließend geklärt werden. Steiner selbst bezeichnete seine Anthroposophie als konsequente Weiterentwicklung seines Frühwerks, nahm aber auch offen Bezug auf die christliche Mystik und das Rosenkreuzertum. Auch Elemente der blavatskyschen Theosophie fanden zumindest vorübergehend Eingang in Steiners Darstellungen, wobei er jedoch von Anfang an betonte, seine Lehre unabhängig von der Blavatskys entwickelt zu haben.

Nach Steiner befindet sich der Mensch (und die gesamte, also auch die geistige Welt) in beständiger Entwicklung (Evolution). Das Ziel des anthroposophischen Schulungsweges sei es, durch Meditation, Selbsterziehung und Beobachtung auf einer lebenslangen „Suche“, höhere Bewusstseinsebenen zu erreichen. Dieser Schulungsweg sei individuell auszugestalten und könne von jedem Menschen beschritten werden.

Die anthroposophische Bewegung ist soziologisch, weltanschaulich-religiös und politisch sehr heterogen. Die Interpretation von Steiners Werk ist auch aufgrund der verschiedenen Themengebiete und des großen Umfangs (28 Schriften und ca. 5.900 Vorträge) innerhalb der Anthroposophie nicht einheitlich.

Lehre und Erkenntnisweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiners Anthroposophie stellt den Menschen in das Zentrum ihrer Betrachtungen. So beschreibt er in seinen beiden grundlegenden Werken Theosophie (1904) und Die Geheimwissenschaft im Umriss (1910) erst ausführlich das „Wesen des Menschen“, bevor er zur sonstigen Welt übergeht.

Wesensglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Theosophie Helena Petrovna Blavatskys war eine wesentliche Grundlage von Rudolf Steiners Anthroposophie

Ähnlich wie Helena Petrovna Blavatsky, an deren Lehren er vor allem zu Beginn seiner Tätigkeit in der Theosophischen Gesellschaft häufig anknüpfte, unterschied Steiner verschiedene „Wesensglieder“ des Menschen. Dabei vermied er jedoch eine Festlegung auf ein bestimmtes Gliederungsschema, wie es bis dahin in der Theosophie üblich war, sondern führte ganz im Kontrast dazu oft verschiedene Schemata ineinander über, die Freiheit der Perspektive gegenüber starren Schemata betonend. Außerdem übernahm er die Inhalte seiner „Menschenkunde“ nicht wie Blavatsky aus der indischen Philosophie, sondern entwickelte sie aus Ansätzen im deutschsprachigen Geistesleben mehr oder weniger neu.

Die erste umfassende schriftliche Darstellung des anthroposophischen Menschenbilds erschien 1904 noch unter dem Titel Theosophie. Darin wählte Steiner als Ausgangspunkt Goethes erkenntnistheoretischen Essay Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt (1793) – und erhob damit implizit den Anspruch, seine „Theosophie“ inhaltlich an seine frühere Tätigkeit als Goethe-Herausgeber und als Autor einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung (1886) anzuschließen. Mit Goethe stellte er fest, dass der Mensch „in einer dreifachen Art mit der Welt verwoben ist. – Die erste Art ist etwas, was er vorfindet, was er als eine gegebene Tatsache hinnimmt. Durch die zweite Art macht er die Welt zu seiner eigenen Angelegenheit, zu etwas, was eine Bedeutung für ihn hat. Die dritte Art betrachtet er als ein Ziel, zu dem er unaufhörlich hinstreben soll“. Ein „gleichsam göttliches Wesen“ (Goethe) mit der Möglichkeit die Wahrheit zu erkennen und entsprechend handeln zu können. Diese drei Arten des Verhältnisses des Menschen zur Welt nannte Steiner nun „Leib“, „Seele“ und „Geist“. Dabei distanzierte er sich ausdrücklich von jeder bisherigen Belegung dieser Worte: „Wer irgendwelche vorgefassten Meinungen oder gar Hypothesen mit diesen drei Worten verbindet, wird die folgenden Auseinandersetzungen notwendig missverstehen müssen.“[10]

Diese drei Grundbegriffe der anthroposophischen „Menschenkunde“ differenzierte Steiner weiter, indem er jeweils drei leibliche, seelische und geistige Komponenten unterschied, die er Wesensglieder nannte. Als Abwandlung der daraus resultierenden neunfachen Gliederung leitete er auch ein siebengliedriges Schema ab, das mit dem bis dahin unter Theosophen gebräuchlichen, auf Blavatsky zurückgehenden Schema zu vergleichen, aber nicht mit diesem identisch ist. In der einfachsten Variante unterschied Steiner nur die drei leiblichen Wesensglieder und subsumierte alles andere unter der Bezeichnung „Ich“. Dieses viergliedrige Schema, das an die medizinische Lehre des Paracelsus erinnert und sich mit der Seelenlehre des Aristoteles vergleichen lässt,[11] basiert auf der zu Steiners Zeit gültigen Klassifikation der drei Naturreiche der Mineralien, Pflanzen und Tiere und fügt als viertes „Reich“ den Menschen hinzu, der mit seinen drei Leibesgliedern an allen Naturreichen beteiligt ist, aber mit seinem Ich aus der Natur herausragt

Physischer Leib – Ätherleib oder Lebensleib – Astralleib oder Seelenleib – Ich

Nur der physische Leib sei mit den gewöhnlichen Sinnen wahrnehmbar. Die höheren Wesensglieder, die diesen physischen Leib durchziehen, seien aber für eine übersinnliche Anschauung als eigenständige Komponenten der menschlichen Wesenheit erforschbar. So erscheine der Ätherleib als eine „lebenerfüllte Geistgestalt“, in der „alles in lebendigem Ineinanderfließen“ sei. Steiners Begriff des Ätherleibs entspricht etwa dem der vegetativen Seele bei Aristoteles.[12] Das Vorhandensein eines Ätherleibs äußert sich nach Steiner in Lebendigkeit und Wachstum, und er sei auch der Träger der Vererbung. Einen Ätherleib habe jedes Lebewesen. Ein Astralleib, manchmal bei Steiner auch einfach „Seele“ genannt, sei dagegen nur bei „beseelten“ Wesen vorhanden: bei Tieren und Menschen. Er verleihe ihnen ein bewusstes Innenleben, Gefühle, Begierden, aber auch unbewusste Impulse. Das entspricht ungefähr der sensitiven Seele bei Aristoteles.[12] Das 'Ich' schließlich bezeichnet in der anthroposophischen Terminologie den ewigen, unvergänglichen und nur dem Menschen zukommenden „Wesenskern“, der nach dem Tod fortbesteht und sich erneut in einem anderen Körper inkarniert und der der Träger des Karma ist. Das Ich durchdringt und verändert jedoch auch die niederen Wesensglieder; in diesem Zusammenhang spricht Steiner auch von einer gesonderten leiblichen „Ich-Organisation“. Nach Leijenhorst ist in Steiners Ich-Begriff der unbewusste Wille im Sinne Schopenhauers und Nietzsches mit Descartes' cogito vereinigt.[12]

Änderungen in der Wechselwirkung der Wesensglieder äußern sich in verschiedenen Bewusstseinszuständen.[13] Im Wachbewusstsein sind alle vier Wesensglieder eng miteinander verbunden. Beim Einschlafen lösen sich Astralleib und Ich vom physischen und ätherischen Leib. Es tritt ein Zustand ein, der bei Pflanzen permanent vorliegt: der traumlose Schlaf. Dabei wirken Astralleib und Ich „von außen“ auf den schlafenden Körper ein, und dieser kann sich regenerieren. Im Zwischenzustand des Traumbewusstseins verbindet sich der Astralleib in gewisser Weise mit dem Ätherleib, nicht aber mit dem physischen Leib. Ohne Verbindung mit den physischen Sinnesorganen kann er die physische Welt nicht wahrnehmen, und auch ein volles Ich-Bewusstsein ist im gewöhnlichen Traum nicht vorhanden.

Ein vierter Zustand ist der Tod, bei dem sich die höheren Wesensglieder einschließlich des Ätherleibs vom physischen Leib trennen. Dieser ist nun allein den physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen und zerfällt. Der Zusammenhang der höheren Wesensglieder bleibt aber zunächst erhalten. Erst später löst sich auch der Ätherleib und danach der Astralleib auf, und das Ich geht in eine geistige Welt ein, in der es sich auf seine Wiedergeburt (Reinkarnation) vorbereitet.

Von Inkarnation zu Inkarnation, aber auch innerhalb eines „Erdenlebens“, entwickelt sich der Mensch als seelisches und geistiges Wesen (im anthroposophischen Sinn, vgl. oben). Als Stufen dieser Entwicklung, die aber auch nebeneinander existieren, werden die seelischen und geistigen Wesensglieder unterschieden. Das niederste Seelenglied ist die „Empfindungsseele“, benannt nach einem zu Steiners Zeit gebräuchlichen Synonym für die Sinneswahrnehmung. In diesem Seelenteil leben die bewussten Eindrücke der Sinne, aber auch Triebe, Begierden und Leidenschaften. Im Unterschied zum Astralleib, für den das ebenfalls gilt, handelt es sich auf dieser „seelischen“ Ebene um Regungen, welche über das Naturhafte und Gattungsmäßige hinausgehen, wodurch sich also der Mensch als Individualität vom Tier unterscheidet. Insofern ist die Empfindungsseele eine „individualisierte“ Metamorphose des Astralleibes, aus dem sie im Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung hervorgeht.

Das zweite Seelenglied ist die „Verstandesseele“, in der sich das Denken entfaltet. Wie die Empfindungsseele eine Metamorphose des Astralleibes ist, so ist die Verstandesseele eine Metamorphose des Ätherleibes. Die Wachstums- und Gestaltungskräfte, die zunächst den physischen Leib aufbauen und gestalten, werden später zum Teil als Denkkraft frei. Deshalb soll nach Steiner bei Kindern das eigenständige Denken erst gefördert werden, wenn alle physischen Organe vollständig angelegt sind („Zahnwechsel“). Das dritte Seelenglied schließlich wird „Bewusstseinsseele“ genannt. In ihr erhebt sich das Individuum aus der Subjektivität zum Wahren und Guten, das über die Eigenpersönlichkeit hinaus Gültigkeit hat.

Im Unterschied zu diesen Stufen der seelischen Entwicklung, die unter dem Einfluss der Erziehung und der sonstigen Sozialisation erfolgen, beschrieb Steiner die geistigen Wesensglieder als Stufen einer voll bewusst vom Ich aus betriebenen Entwicklung. Diese stecke heute aber noch in den Anfängen.

Dreigliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von diesen Gliederungs-Schemata in relativ frühen theosophisch-anthroposophischen Darstellungen Steiners ist die Idee der „Dreigliederung“ zu unterscheiden, die er erstmals 1917 in seinem Buch Von Seelenrätseln publizierte[14] und die in seinem Spätwerk und den daraus hervorgegangenen Anregungen für die Waldorfpädagogik, die Anthroposophische Medizin und für die soziale Gestaltung („Soziale Dreigliederung“) eine große Bedeutung erlangen sollte. Diese Idee basiert auf der Unterscheidung der Seelentätigkeiten Denken, Fühlen und Wollen und ordnet diesen als leibliche Grundlagen drei Organsysteme zu: dem Denken (und der sinnlichen Wahrnehmung) das „Nerven-Sinnes-System“, dem Wollen das „Stoffwechsel-Gliedmaßen-System“ und dem Fühlen das „rhythmische System“.[15]

Reinkarnation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ich, der unvergängliche „Wesenskern“ des Menschen, unterliegt nach Steiner der Reinkarnation, die als „Instrument zur Vollendung des Menschen“ dienen soll.[16] Mit dem Tod hört seiner Darstellung zufolge das Bewusstsein nicht auf, sondern es folgt eine Rückschau auf das vergangene Leben und danach eine dem Fegefeuer vergleichbare Reinigung („Kamaloka“), wobei sich erst der Ätherleib und dann der Astralleib „auflösen“. Auch die alte (neuplatonische) Vorstellung des Aufstiegs der Seele durch die Planetensphären griff Steiner in diesem Zusammenhang auf. Nach einer zeitweilig rein geistigen Existenz fasst demnach das Ich den Entschluss zu einer neuen Inkarnation. Beim Herabstieg durch die Sphären gliedert sich ihm erst ein neuer Astralleib und dann ein neuer Ätherleib an, je nach den Taten und Erlebnissen während der vorangegangenen Inkarnationen oder „Erdenleben“. Hier tritt die Idee des Karmas auf, jedoch so gewendet, dass das Ich selbst anstrebt, was sich ihm als Konsequenz des in früheren Inkarnationen Getanen und Erlebten ergibt. Schließlich wählt die herabsteigende Seele ihre künftigen leiblichen Eltern aus und wirkt schon über Generationen im Voraus auf deren Erbanlagen ein. Zwischen zwei Inkarnationen vergehen dabei gewöhnlich Jahrhunderte, im Allgemeinen ist ein Wechsel des Geschlechts damit verbunden, und auch die ethnische Zugehörigkeit wechselt von Inkarnation zu Inkarnation, so dass im Laufe vieler Verkörperungen alle Aspekte des Menschseins durchlebt werden können.[17]

Steiners Reinkarnationslehre weist Übereinstimmungen mit entsprechenden theosophischen und platonischen Vorstellungen auf, zeichnet sich jedoch durch ein besonders hohes Maß an Systematisierung und durch den Versuch aus, Reinkarnation und Karma in einen christlichen Kontext zu integrieren.[18] Trotz ihrer Komplexität und auch mancher enthaltenen Widersprüche avancierte sie laut dem Historiker Helmut Zander „zum vermutlich wirkungsmächtigsten Reinkarnationsmodell im deutschen Sprachraum“.[19] Von vergleichbaren hinduistischen und buddhistischen Lehren unterscheidet sie sich nach Willmann[16] wie folgt:

  • Sie betrachtet das irdische Leben als Möglichkeit, sich zu immer höheren Bewusstseins-Stufen zu entwickeln.
  • Sie bejaht die Kontinuität des Ich-Bewusstseins und versucht diese – innerhalb einer Inkarnation, aber auch von Inkarnation zu Inkarnation – zu bewahren statt zu überwinden.

Christologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein zentrales Thema der Anthroposophie sind Steiners Darstellungen über Jesus und Christus, mit denen er sich energisch gegen die damalige protestantische Leben-Jesu-Forschung von Adolf von Harnack, David Friedrich Strauß und anderen wendete, die Jesus nur als historische Person betrachtete, ihm einen göttlichen Status absprach und lediglich einen Propheten in ihm sah. Steiner unterschied zwischen dem Menschen Jesus und einem als „Christus“ bezeichneten hohen geistigen Wesen, das sich bei der Taufe am Jordan in diesem Menschen inkarniert habe. Christus wird in diesem Zusammenhang als der göttliche Logos oder auch als der Geist der Sonne bezeichnet. Beim Kreuzestod auf Golgatha habe sich dieser Christus-Geist mit der gesamten Erde verbunden, und seither sei er von jedem Menschen – unabhängig von äußerlichen Konfessionen – in einer inneren, mystischen Schau erfahrbar. Dieses „Mysterium von Golgatha“ bezeichnete Steiner als das zentrale Ereignis der Menschheitsgeschichte. Die Menschheit sei den Mächten des Bösen unterworfen worden, wodurch der Mensch erst zu einem sterblichen Wesen geworden sei. Übereinstimmend mit anderen christlichen Lehren betont auch Steiner, dass Christus sich selbst geopfert habe, indem er am Kreuz starb, um die Menschheit zu erlösen.

Als zentrales Ereignis der Menschheitsgeschichte hat das Mysterium von Golgatha laut Steiner eine komplexe und weit zurückreichende Vorgeschichte. So habe es zwei verschiedene „Jesusknaben“ mit verschiedener Herkunft gegeben, die in den Evangelien des Lukas und des Matthäus beschrieben seien. Steiner bezeichnete sie als den nathanischen und den salomonischen Jesus, nach den beiden Söhnen Davids, von denen sie abstammen sollen. Der nathanische Jesus (des Lukas-Evangeliums) sei die Wiederverkörperung des Adam Kadmon, einer Individualität, die den Sündenfall nicht mitgemacht habe und daher in völliger Unschuld verblieben sei. Der salomonische Jesus (des Matthäus-Evangeliums) dagegen sei eine Reinkarnation des Zarathustra. Dem unschuldigen nathanischen Jesus brachten die Schäfer ihre Opfer dar. Zum salomonischen seien die drei Weisen aus dem Morgenland gekommen, die als ehemalige Schüler Zarathustras bezeichnet werden. Als beide Knaben zwölf Jahre alt waren, sei das Ich des Zarathustra auf den nathanischen Jesus übergegangen, wodurch der unschuldige Junge plötzlich einer der weisesten Menschen war (Tempelszene des Lukasevangeliums) und von seinen Eltern nicht mehr erkannt wurde.[20]

Auch das Böse tritt bei Steiner in zwei Erscheinungsweisen auf, die er als Luzifer und Ahriman bezeichnet. Luzifer versucht, die Menschheit durch eine Beschleunigung ihrer Entwicklung von der Erde zu lösen. Er wirkt durch die Macht der Fantasie, der Imagination, der Begeisterung und der Sympathie. Er ist der Teufel, der für den Sündenfall verantwortlich war, wodurch der Mensch sterblich und egoistisch wurde, aber auch die Freiheit erhielt, unabhängig von Gott Entscheidungen zu treffen. Ahriman hingegen will die Menschheit durch eine Verzögerung ihrer Entwicklung an die Erde fesseln. Er wirkt durch die Macht des kalten, materialistischen Intellekts, durch das Streben nach Herrschaft und durch Antipathie. Während Luzifer die Menschen zu Vogel- oder Engel-artigen Wesen ohne eine wirkliche Beziehung zur Erde machen will, versucht Ahriman, die Erde in eine tote Maschine zu verwandeln. Christus strebt danach, dieses zweifache Böse nicht auszulöschen, sondern zu verwandeln und zu erlösen, indem er als Welten-Ich die Gegensätze ausgleicht und in Harmonie bringt. Dieses manichäische Motiv ist auch in Steiners Holzplastik Menschheitsrepräsentant enthalten, die sich im Goetheanum in Dornach befindet. Dies impliziert, dass auch das Böse eine positive Rolle in der Entwicklung der Menschheit hat. So brachte Luzifer dem Menschen die Freiheit, aber Christus eröffnet ihm die Möglichkeit, diese Freiheit zu nutzen, um willentlich Gutes zu tun. In diesem Zusammenhang unterschied Steiner auch zwischen einem höheren und einem niederen „Ich“ des Menschen. Das niedere Ich ist die Gabe Luzifers und verleiht uns das Ego-zentrierte Alltagsbewusstsein. Im höheren Ich lebt Christus als das universelle Ich, das die Menschheit wieder vereint und mit dessen Hilfe wir das Himmlische Jerusalem der Apokalypse erschaffen können. Hiermit steht Steiner dem Pelagianismus der frühmodernen spirituellen Alchemie und dem Rosenkreuzertum nahe.[21]

In ähnlicher Weise wie Jakob Böhme übernahm Steiner auch den Begriff der göttlichen Trinität (Vater, Sohn und Heiliger Geist), wobei er diese einerseits zu der Dreiheit der Seelentätigkeiten (Wollen, Fühlen und Denken) und damit zu seiner Dreigliederungs-Lehre (siehe oben) in Beziehung brachte und andererseits eine Verbindung zu den von Dionysios Areopagita übernommenen himmlischen Hierarchien herstellte. Die erste und höchste Hierarchie, bestehend aus den Thronen, den Cherubim und den Seraphim, entspricht demnach dem göttlichen Vater und dem menschlichen Willen, die zweite oder mittlere Hierarchie (Kyriotetes, Dynameis und Exusiai) entspricht dem Sohn und dem menschlichen Fühlen, die dritte und niedrigste (Archai, Erzengel und Engel) dem Heiligen Geist und dem menschlichen Denken. Besondere Aufmerksamkeit widmete Steiner der dritten Hierarchie, die dem Menschen am nächsten steht. Nach seiner Darstellung hat jeder Mensch einen persönlichen Engel, der ihn im Einklang mit seinem Schicksal führt, während die Erzengel sich um ganze Völker oder historische Zeiträume kümmern und die Archai die Entwicklung der Menschheit insgesamt lenken. Unter den Erzengeln wiederum nimmt Michael als Träger der kosmischen Intelligenz eine Sonderstellung ein. Dieser kosmische Intellekt wurde in antiker Zeit den Menschen verliehen, wodurch sie in die Lage kamen, Wissenschaft zu betreiben. Ahriman, symbolisiert als der Drache, den Michael aus dem Paradies verbannte, versucht die Menschen dazu zu verleiten, diese Intelligenz nur für seine materialistischen und menschenfeindlichen Zwecke einzusetzen. Demgegenüber fordert Michael uns auf, die Intelligenz zu „christianisieren“, indem wir in Freiheit das klare Denken für die Gestaltung einer harmonischen und gerechten Welt nutzen. Im Besonderen ist Michael der führende Erzengel in der gegenwärtigen Epoche der Menschheitsentwicklung (Michael-Zeitalter), die 1879 begann und das „Finstere Zeitalter“ (Kali-Yuga) ablöste, in dem es nach Steiner nur unter großen Schwierigkeiten möglich war, Zugang zur geistigen Welt zu bekommen. In diesem Zusammenhang nannte Steiner auch die Anthroposophie insgesamt „michaelisch“.[22]

Gerhard Wehr sieht in Steiners Christusanschauung den Ausgangspunkt der gesamten Anthroposophie und rechnet diese daher als Ganzes zur christlichen Esoterik. Im Besonderen sei sie vergleichbar mit dem „Logos-Christentum“ des Evangelisten Johannes, der kosmischen Christologie des Apostels Paulus, der Mystik Jakob Böhmes und des Rosenkreuzertums, in neuerer Zeit vor allem mit der Mystik und Weltdeutung Pierre Teilhard de Chardins.[23]

Kosmische Evolution, Menschheitsentwicklung und Kulturepochen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiners Geschichtsbild war stark essentialistisch geprägt. Nach seiner Auffassung ist Geschichte nicht nur in klar begrenzte Abschnitte unterteilt, sondern er schrieb ihr auch einen Sinn und einen Zweck zu.[22] Die Entwicklung der Menschheit stellte er in den Kontext einer kosmischen Evolution, in deren Verlauf unser gesamtes Planetensystem und mit ihm die Menschheit eine Reihe von „Wiederverkörperungen“ durchmacht. Dabei orientierte sich Steiner eng an entsprechenden Darstellungen theosophischer Autoren und insbesondere Blavatskys, von der er die Terminologie weitgehend übernahm. Die früheren Verkörperungen des Planetensystems nannte er „Alter Saturn“, „Alte Sonne“ und „Alter Mond“, die künftigen „Jupiter“, „Venus“ und „Vulkan“. Die Entwicklung der Menschheit beginnt nach seiner Darstellung bereits in der Zeit des Alten Saturn, auf dem der physische Leib des Menschen erschaffen wurde, und setzte sich auf der Alten Sonne und dem Alten Mond mit der Erschaffung des Ätherleibes und des Astralleibes fort. Zwischen diesen kosmischen Entwicklungsstufen ging die Menschheit und das ganze Planetensystem jeweils durch Phasen rein geistiger Existenz (Pralaya) hindurch.[22]

Auch Steiners Beschreibung der bisherigen Menschheitsentwicklung auf der Erde lehnte sich eng an theosophische Vorbilder an.[22] Zunächst habe die Menschheit und das ganze Planetensystem die vorangegangenen Verkörperungen in gewisser Weise rekapituliert. Diese Wiederholungen nannte Steiner die polarische, die hyperboräische und die lemurische Epoche, auf welche die atlantische Epoche folgte.[22] Gnostischen Vorstellungen folgend, wird die Menschheitsentwicklung als Abstieg des Geistes in die Materie beschrieben, dem ein künftiger Wiederaufstieg ins Geistige folgen werde:[24] Unsere gegenwärtige Epoche bezeichnete er als die erste nachatlantische Epoche; dieser sollen zwei weitere Epochen folgen, bevor alles wieder in ein Pralaya übergeht. In der lemurischen Epoche habe der Sündenfall, die Verführung durch Luzifer, stattgefunden. Auch die Trennung von Erde und Mond legt Steiner in diese Zeit. In der atlantischen Zeit habe entsprechend Ahriman einen Teil der Menschheit verführt. Beide Epochen endeten daher mit einer großen Katastrophe, deren letztere Steiner mit der biblischen Sintflut gleichsetzte. Diese datierte er auf etwa 10.000 Jahre v. Chr. (was aus geologischer Sicht ungefähr dem Ende der letzten Eiszeit entspricht).

Unsere gegenwärtige erste nachatlantische Epoche untergliederte Steiner wiederum in sieben Abschnitte, welche er „Kulturepochen“ nannte.[25] Die vier bereits vergangenen Kulturepochen bezeichnete er als die uralt-indische, die altpersische, die ägyptische und die griechisch-römische Epoche, wobei die uralt-indische und die altpersische weit vor den ältesten historischen Überlieferungen in jenen Ländern gelegen haben sollen. In der altpersischen Epoche sei die Landwirtschaft entwickelt und mit dem Bau von Städten begonnen worden. Die drei darauffolgenden Epochen parallelisierte Steiner mit der Ausbildung der drei oben beschriebenen Seelenglieder. Demnach sei in der ägyptischen Epoche die Empfindungsseele ausgebildet worden, in der griechisch-römischen Zeit die Verstandesseele, und unsere gegenwärtige Epoche, die im 15. Jahrhundert begonnen habe, bezeichnete er entsprechend als das Zeitalter der Bewusstseinsseele.[26] Die verschiedenen Kulturepochen oder Wurzelrassen werden dabei hierarchisiert, das heißt, sie werden nicht als gleichwertig gedacht. Repräsentant der gegenwärtigen Epoche sei die „weiße Menschheit“, von der es heißt, sie stehe an der Spitze der Menschheitsentwicklung und garantiere deren Fortgang.[27]

Die ursprünglich angeblich rein geistige Menschheit wird dabei als älter gedacht als die gesamte Tierwelt, die sich in degenerativen Prozessen aus ihr entwickelt habe. In Umkehrung der darwinschen Evolutionstheorie behauptet Steiner: „Die ganze Summe der irdischen Lebewesen stammt also in Wahrheit vom Menschen ab“.[28]

Schulungsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiner verstand unter Anthroposophie in erster Linie einen „Erkenntnisweg“, nicht eine zu verbreitende Lehre. Diesen Weg der höheren, „geistigen“ Erkenntnis könne jeder „normal organisierte“ Mensch beschreiten, die Anlage dazu – Steiner sprach in seiner 1904 und 1905 verfassten Aufsatzserie Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? von „Hellseherorganen“ – sei potenziell in jedermann vorhanden.[29] Dies erfordere im Allgemeinen eine gründliche und systematische Schulung der notwendigen Fähigkeiten sowie die Erfüllung gewisser Voraussetzungen: Diese Fähigkeit lasse sich durch geistige Übungen und Meditationen[30] trainieren wie ein Muskel, sodass der Geheimschüler nach und nach die geistige Welt, Vergangenes und Zukünftiges, in intuitiver Schau erfasse. Dazu bedürfe es aber der Anleitung eines erfahrenen Geistesforschers, mit dessen Hilfe und auf der Grundlage von dessen bisherigen Forschungen sich wahre Erkenntnisse über die höheren Welten von bloßen Einbildungen unterscheiden ließen. Die Ergebnisse dieser Schau seien für jedermann nachvollziehbar, nachprüfbar seien sie aber nur für Menschen, die ebenfalls ihre hellseherischen Fähigkeit ausgebildet hätten.[31]

Steiner erhob für diese anthroposophische „Geistesforschung“ in der übersinnlichen Welt den Anspruch der Wissenschaftlichkeit, da sie in methodischer Weise durchgeführt würden und überprüfbar seien. Daher bezeichnete er seine Lehre als „Geisteswissenschaft“ oder „Geheimwissenschaft“.[32]

Bekannte Anthroposophen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anspruch der Wissenschaftlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steiners Anspruch, seine „Geisteswissenschaft“ sei eine exakte Wissenschaft mit empirisch überprüfbaren Ergebnissen wie auch die Naturwissenschaften, wird von verschiedener Seite kritisiert. Der schwedische Philosoph Sven Ove Hansson schreibt 1991, dass Steiner als intersubjektives Kriterium zur Überprüfung der auf übersinnlichem Wege erlangten Erkenntnisse die Übereinstimmung mit den Erkenntnissen eines Lehrers definiert habe, das heißt, mit seinen eigenen. Dieses Autoritätskriterium werfe aber die Frage auf, woran denn der erste, der Geisteswissenschaft in diesem übersinnlichen Sinne betrieben habe, seine Erkenntnisse gemessen habe; auch ließe sich dadurch nicht entscheiden, welche von zwei sich gegebenenfalls widersprechenden übersinnlichen Erkenntnissen älterer Lehrer die richtige sei. Zudem habe nach Steiners Tod 1925 kein Anthroposoph Steiners Grad an Hellsichtigkeit erreicht, und anscheinend habe z. B. keiner wie er in der Akasha-Chronik lesen können, einer Art ätherischem Weltgedächtnis, in dem alles Wissen über Vergangenheit und Zukunft gespeichert sein soll. Hansson schrieb weiter, dass Steiner behauptet habe, die konventionelle Wissenschaft werde mit der Zeit die „Wahrheiten“ seiner Geisteswissenschaft etwa zur Atomphysik, zur Speziellen Relativitätstheorie und zur Syphilistherapie, bestätigen. Das sei jedoch nicht eingetreten. Insgesamt kommt Hansson zu dem Ergebnis, dass die Anthroposophie so gut wie nichts mit Wissenschaft zu tun habe.[33]

Der deutsche Erziehungswissenschaftler Heiner Ullrich bemerkt, dass Steiners (von Goethe übernommenes) „essentiales“ Wissenschaftsverständnis, das den Anspruch erhebe, das „Wesen“ einer Sache ganzheitlich und abschließend zu erfassen, mit der Forschungspraxis und dem epistemologischen Selbstverständnis der modernen Wissenschaft unvereinbar sei. Wissenschaft sei heute „ein sich ständig weiter ausdifferenzierender und sich revidierender Diskurs“, das „Konzept der Einheitswissenschaft und die Möglichkeit eines abschließenden, einheitlichen Weltbildes“, wie es Steiner vorgeschwebt habe, sei damit nicht mehr vereinbar.[34]

„Menschenrassen“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Steiners weitausgreifendem Werk finden sich an etlichen Stellen Aussagen über Menschenrassen. Dabei handelt es sich einerseits um anthropologische Untergliederungen der heutigen Menschheit in drei, vier oder fünf Rassen und andererseits um die theosophische Lehre von den „Wurzelrassen“, welche aufeinanderfolgende Stadien der Entwicklung der ganzen Menschheit darstellen sollen. Bei den anthropologischen Untergliederungen der Menschheit griff Steiner rassentheoretische Ansätze von Carl von Linné, Immanuel Kant, Johann Friedrich Blumenbach, Carl Gustav Carus und Ernst Haeckel auf.[35] Die Wurzelrassen-Lehre übernahm er vor allem von dem Theosophen William Scott-Elliot[36], wobei er die Bezeichnung „Wurzelrasse“ aber bald aufgab und durch „Epoche“, „Hauptzeitraum“ oder „Zeitalter“ ersetzte.

Nachdem in den 1980er Jahren verschiedene Publikationen die Rezeption der Wurzelrassenlehre in der völkischen Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts und damit in der Vorgeschichte des Nationalsozialismus untersucht hatten[37], ordnete die deutsche ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth in ihrer 1992 erschienenen Kampfschrift Feuer in die Herzen unter Bezugnahme auf die Wurzelrassen die Anthroposophie (neben dem New Age und anderen esoterischen Strömungen) als extrem rassistisch ein.[38] Daran knüpften seither zahlreiche Autoren an.[39]

In den Niederlanden kam es 1996 zu einem Eklat, als ein Vorstandsmitglied der dortigen Anthroposophischen Gesellschaft in einer Radiosendung versuchte, einschlägige problematische Äußerungen Steiners zu verteidigen.[40] Die Anthroposophische Gesellschaft reagierte auf die dadurch ausgelöste Empörung, indem sie eine Fachkommission unter Leitung des international tätigen Menschenrechtsanwaltes Ted A. van Baarda damit beauftragte, das gesamte, etwa 300 Bände umfassende Œuvre mit 89.000 Textseiten systematisch auf entsprechende Aussagen hin zu überprüfen.[41] Die Kommission kam zu dem Ergebnis, zwölf Textstellen seien nach Inhalt und Formulierung derart diskriminierend, dass sie nach der heutigen Rechtslage in den Niederlanden wahrscheinlich strafbar wären. Weitere 50 Stellen seien aufgrund ihrer zeitgebundenen Wortwahl aus heutiger Sicht rassistisch interpretierbar oder bei mangelnder Kenntnis des werkimmanenten (anthroposophischen) Kontextes so missverständlich. Dennoch wurde in Bezug auf Steiners Menschenbild abschließend festgehalten:

„Das anthroposophische Menschenbild Rudolf Steiners steht auf der Grundlage der Gleichwertigkeit aller menschlichen Individualitäten und nicht auf einer vermeintlichen Überlegenheit der einen Rasse gegenüber einer anderen.“

aus dem Urteil der Kommission

Es befänden sich zwar eine Reihe sehr problematischer Äußerungen in Steiners Werk, die allerdings für die Anthroposophie nicht konstitutiv seien. Den Vorwurf des Antisemitismus wies die Kommission zurück. Sie erklärte, dass sich Steiner stets gegen Antisemitismus eingesetzt habe, wenngleich er dessen Verbreitung anfangs schwer unterschätzt und erst um 1900 sein Urteil revidiert habe. Anfang des Jahrhunderts war Steiner Mitglied im Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus. Steiner bezog in den Mitteilungen des Vereins, unter anderem in einer Artikelserie unter dem Titel Verschämter Antisemitismus wiederholt Stellung. Den Antisemitismus bezeichnete er als „Gefahr sowohl für Juden als für Nichtjuden“ und als „Kulturkrankheit“, die aus einer Gesinnung hervorging, „gegen die nicht deutlich genug Stellung bezogen werden kann“.[42] Insgesamt herrschen über die Tragweite der entsprechenden Textstellen geteilte Ansichten: Während einige darin dennoch den Beweis einer antisemitischen Gesinnung Steiners sehen, argumentieren andere, dass allein die quantitative Auflistung (unter ein Promille) zeige, dass die Äußerungen nicht zentral für Steiners Werk gewesen sein könnten, zudem habe er sich in seinem Werk an anderen Textstellen deutlich gegen antisemitische Gesinnungen ausgesprochen.

Mit Blick auf „Rasse“ als Strukturkategorie der gegenwärtigen Menschheit ging Steiner vom zukünftigen Verschwinden der „Vererbungs- und Blutzusammenhänge“ aus. So bezeichnete er 1909 die Wurzelrassenlehre als eine „Kinderkrankheit“ der theosophischen Bewegung und fügte hinzu:

„Aber man muß über die Kinderkrankheiten hinauskommen und sich klar sein darüber, daß der Rassenbegriff aufhört eine jegliche Bedeutung zu haben gerade in unserer Zeit.“[43]

Daraus ergebe sich aber, so die Kulturwissenschaftlerin Jana Husmann-Kastein, zugleich die Aktualität des Rassebegriffs für die Gegenwart:

„Diese perspektivische Vergänglichkeit von ‚Rasse‘ bezieht sich auf eine Entwicklung in einigen tausend Jahren, in der der Mensch in andere Formen physischer und seelischer Verfasstheit im Prozess der Vergeistigung übergehe. In Steiners These der zukünftigen Auflösung von heutigen ‚Rassen‘ liegt so zugleich die These ihrer Bedeutsamkeit bis dahin begründet. Insgesamt korrespondieren Steiners Rassenkonstruktionen zur gegenwärtigen Menschheit mit seinem übergeordneten Entwicklungsmodell der Wurzelrassen, d.h. die Grundstruktur seines Evolutionsmodells, die mit der neognostischen Vorstellung einer Materialisierung bzw. Verstofflichung des Geistes hin zu einer erneuten Vergeistigung verbunden ist, wird auf sein Entwicklungsschema der heutigen ‚Rassen‘ angewandt. Konkret meint das: Außereuropäer werden durch die dunkle Materie, durch ‚Verhärtung‘, ‚Verknöcherung‘ und den Begriff der Degeneration gekennzeichnet, die als weiß beschriebenen Europäer stehen für geistige Potenz und die Entwicklung hin zu einer zukünftigen lichten Vergeistigung. In diesem Sinne lässt sich auch Steiners viel zitierte Aussage verstehen: ‚Die weiße Rasse ist die zukünftige, ist die am Geiste schaffende Rasse.‘“[44]

Aufgrund der rassentheoretischen Passagen in seinem Werk wird Steiner teilweise der Völkischen Bewegung zugerechnet. So schreibt etwa der Historiker Helmut Zander, Steiner habe eine Reihe seiner Begriffe dem völkischen Diskurs entnommen:

„Ein Unterschied Steiners zu Blavatsky und der englischsprachigen Theosophie besteht […] in der Finalisierung der Rassen- und Völkergeschichte, die der deutschnational großgewordene Steiner in die ‚weiße Rasse‘, näherhin ins ‚Deutschtum‘ (GA 64, 36) verlegt. Zu einem entscheidenden Terminus wird dabei der Begriff des Volkes, die nächstkleinere Kategorie unterhalb der Rasse, dem eine Schlüsselposition zuwächst […]: ‚Volksgeister‘ (GA 121, 24), ‚Volksgemüt‘, ‚Volksmerkmale‘ (GA 121, 75), ‚Volksseelencharakter‘, ‚Volksseelenwesen‘, ‚Volkstum‘ (GA 121, 85), ‚Völkerindividualität‘ (GA 121, 30), oder ‚Gruppen-Volks-Ich‘ (GA 103, 58) sind nur eine Auswahl aus Steiners ‚völkischem‘ Vokabular, das teilweise aus dem völkischen Diskurs entnommen ist, teilweise aber wohl auch auf Neubildungen Steiners zurückgeht (z. B. ‚Völkerindividualität‘). […] Zu den möglicherweise typisch deutschen Elementen von Steiners völkischen Ansichten gehört auch seine Integration der ‚germanisch-nordischen Mythologie‘ (GA 121). Dabei handelt es sich – um ein kurzes Beispiel zu geben – um die synkretistische Amalgamierung von Topoi der germanischen Literaturen innerhalb seines synkretistischen Evolutionsmodells: So werden mit der Begründung, die nordische Mythologie vermittle das ‚klarste Bild der Weltenevolution‘ (GA 121, 136), Baldur und Loki zu Repräsentanten von Fortschritt und Vergangenheit. In ähnlicher Manier integriert Steiner weitere, im völkischem Milieu beliebte Figuren aus der germanischen Mythologie.“

Zwar relativiert Zander die Zugehörigkeit zum völkischen Diskurs selbst wieder, sieht bei Steiner aber eine unaufgelöste Ambivalenz:

„Allerdings finden sich bei näherem Hinsehen auch vermittelnde, teilweise sogar gegenläufige Töne. Steiners Vorstellungen etwa von der Entwicklung des Individuums und vor allem von dessen Reinkarnationsgeschichte marginalisieren gesellschaftliche und biologische Faktoren massiv, weil sie mit jeder Inkarnation neu zusammengestellt werden. [...] Allerdings wäre es auch nicht schwierig, zu all diesen moderierenden Äußerungen wieder Gegenbelege zu finden, etwa diejenigen aus dem Umfeld einer vulgärmaterialistischen Blutmythologie: ‚Wir verstehen die Rassenfrage aber nur, wenn wir das geheimnisvolle Wirken des Blutes und der Blutmischung unter den Völkern verstehen.‘ (GA 55, 42) Steiners Lehre ist letztlich von einer nicht systematisierten oder hermeneutisch integrierten Ambivalenz gekennzeichnet, in der Unvereinbares und Widersprechendes stehengeblieben ist. Es hängt dabei von den Interessen der Leser ab, ob die Anthroposophie rassistisch interpretiert wird oder nicht. Die Rezeptionsgeschichte bietet Belege für beides.“

Der Historiker resümiert: „Neben und in den humanistischen Vorstellungen unter Anthroposophen findet sich weiterhin die völkische Tradition.“[45]

Der Historiker Clemens Esser dagegen bestreitet, dass Steiner überzeugter Rassentheoretiker und Antisemit gewesen sei. Zwar gebe es namentlich aus den Jahren bis 1918 verschiedene entsprechende Äußerungen von ihm, doch habe der Eklektiker Steiner immer Anleihen bei anderen Publizisten gemacht, etwa bei Ernst Haeckel, der Darwins Abstammungslehre in Deutschland popularisierte. Wenn man ihm diese Übernahmen nicht anrechne, verliere „auch der oft traktierte Antisemitismusvorwurf an die Adresse Steiners einiges von seiner Dramatik“.[46]

Christologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Lehre von Reinkarnation und Karma ist die anthroposophische Christologie Gegenstand der konfessionellen Kritik. Sie wird von den großen Kirchen als nicht mit der Botschaft des Neuen Testaments vereinbar angesehen und mit der antiken Gnosis, die ebenfalls als häretisch eingestuft wurde, verglichen.[47] Oft wird in diesem Zusammenhang schon die Mitgliedschaft in der Anthroposophischen Gesellschaft als nicht mit dem Christsein vereinbar bezeichnet. Auch von anderen Seiten werden die religiösen Bestandteile der Anthroposophie oft kritisiert, so die vielfach als eklektisch interpretierte Verknüpfung von Christentum und Reinkarnationslehre oder die Verknüpfung des Anspruchs der Wissenschaftlichkeit mit religiösen Elementen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein
  • Jan Badewien: Die Anthroposophie Rudolf Steiners. Evangelischer Presseverband für Bayern, München 1994, ISBN 3-583-50662-6.
  • Heiner Barz: Anthroposophie im Spiegel von Wissenschaftstheorie und Lebensweltforschung. Zwischen lebendigem Goetheanismus und latenter Militanz. Deutscher Studien-Verlag, Weinheim 1994, ISBN 3-89271-458-4.
  • Kurt E. Becker: Anthroposophie – Revolution von innen. Leitlinien im Denken Rudolf Steiners. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-596-23336-4.
  • Jens Heisterkamp: Was ist Anthroposophie? Eine Einladung zur Entdeckung des Menschen. Verlag am Goetheanum, Dornach 2000, ISBN 3-7235-1089-2.
  • Thomas Marti: Anthroposophie – heute noch modern? Ideen – praktische Arbeitsfelder – Perspektiven. Eine kritische Würdigung. Lit, Münster 2008, ISBN 978-3-8258-0724-5.
  • Sergej O. Prokofieff: Was ist Anthroposophie? Verlag am Goetheanum, Dornach 2004, ISBN 3-7235-1219-4.
  • Karen Swassjan: Was ist Anthroposophie? Verlag am Goetheanum, Dornach 2001, ISBN 3-7235-1115-5 (Auszug im Internet) (PDF; 103 kB).
  • Rahel Uhlenhoff (Hrsg.): Anthroposophie in Geschichte und Gegenwart. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-8305-1930-0.
  • Gerhard Wehr: Anthroposophie. Diederichs, Kreuzlingen 2004, ISBN 3-7205-2529-5.
  • Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-55452-4 (Rezension auf H-Soz-u-Kult).
Spezialthemen
  • Andreas Binder: Wie christlich ist die Anthroposophie? Standortbestimmungen aus der Sicht eines evangelischen Theologen. Urachhaus, Stuttgart 1989, ISBN 3-87838-611-7.
  • Reinhold Johann Fäth: Rudolf Steiner Design. Spiritueller Funktionalismus Kunst. Diss. Konstanz 2004 (Elektronische Dissertation).
  • Stefan Okruch: Wirtschaft und Anthroposophie. Darstellung und Kritik des Konzepts Rudolf Steiners. PCO, Bayreuth 1993, ISBN 3-925710-50-7.
  • Lorenzo Ravagli: Unter Hammer und Hakenkreuz. Der völkisch-nationalsozialistische Kampf gegen die Anthroposophie. Freies Geistesleben, Stuttgart 2004, ISBN 3-7725-1915-6.
  • Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus (1933–1945). Oldenbourg, München 1999, ISBN 3-486-56362-9 (bei Google Books).
  • Helmut Zander: Anthroposophische Rassentheorie. Der Geist auf dem Weg durch die Geschichte. In: Stefanie von Schnurbein, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Völkische Religion und Krisen der Moderne. Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende. Königshausen & Neumann, Würzburg 2001, ISBN 3-8260-2160-6, S. 292–341.
  • Peter Staudenmaier: Between Occultism and Fascism: Anthroposophy and the Politics of Race and Nation in Germany and Italy, 1900–1945. Diss., Cornell University, 2010 (online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein
 Wiktionary: Anthroposophie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Anthroposophie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Anthroposophie in der Diskussion

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. So etwa Richard Geisen, der auf Grundlage eines detaillierten Vergleichs mit der antiken Gnosis von einem „anthroposophischem Gnostizismus“ bzw. von „Steiners gnostischem Gesamtsystem“ spricht. Siehe Richard Geisen: Anthroposophie und Gnostizismus. Darstellung, Vergleich und theologische Kritik. 1992, S. 522. Helmut Zander weist darauf hin, dass Steiner Eugen Heinrich Schmitts: Die Gnosis: Grundlagen der Weltanschauung einer edleren Kultur, 2 Bd., 1903/1907 überaus positiv besprochen hatte und es auch für seine Theoriebildung nutzte. Siehe Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland, Band 1, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 736, FN 698.
  2. Johannes Hemleben: Rudolf Steiner und Ernst Haeckel. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1965.
  3. Siehe etwa Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung. GA 199, Dornach 1967, Vortrag vom 10. September 1920, S. 247.
  4. Wilhelm Dilthey war für eine klare Abgrenzung von Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft eingetreten. Naturwissenschaftliche Forschung konnte für ihn schon aufgrund ihrer Methodik und Zielsetzung keine Erklärung für das Verständnis des Geistes liefern. Die gesellschaftlichen und schöpferischen Leistungen des Menschen betrachtete er daher als Ausdruck innerer Vorgänge des „Seelenlebens“. Nur durch „Hineinversetzen“ in die Ganzheit seelischen Lebens ließen sich diese Vorgänge erfassen.
  5. So schrieb er etwa 1918 in Von Seelenrätseln: „Würde dies mehr berücksichtigt, so würde man erkennen, dass die Anthroposophie nicht nur die eine Seite hat, welche man gewöhnlich als eine mystische bezeichnet, sondern auch die andere, durch die sie nicht zu einer weniger wissenschaftlichen Forschung führt als die Naturwissenschaft, sondern zu einer mehr wissenschaftlichen, die eine feinere, methodischere Ausarbeitung des Vorstellenslebens nötig macht als selbst die gewöhnliche Philosophie. Ich glaube, dass Wilhelm Dilthey mit seinen philosophischen Forschungen auf dem Wege war zu derjenigen Sinnes-Lehre, die ich hier skizziert habe, dass er aber nicht zu einem Ziele kommen konnte, weil er nicht durchdrang bis zu einer völligen Ausarbeitung der in Frage kommenden Vorstellungen. Vergleiche auch, was ich darüber im zweiten Bande meiner «Rätsel der Philosophie» gesagt habe (7. Auflage, Seiten 567–572).“ Rudolf Steiner: Von Seelenrätseln, 1918, Online-Fassung (Memento vom 21. Februar 2007 im Internet Archive) In den 1914 erschienenen „Rätseln der Philosophie“, die eine erweiterte Fassung der 1900 und 1901 erschienenen Bände von „Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert“ waren, hatte sich Steiner vor allem auf die Auffassung Diltheys bezogen, es gebe eine „selbständige Geisteswelt, in welchen die Menschenseele eingebettet ist“Rudolf Steiner: Welt- und Lebensanschauungen im neunzehnten Jahrhundert. Band 1, 1900; Band 2, 1901; überarbeitet und erweitert 1914 unter dem Titel Die Rätsel der Philosophie in ihrer Geschichte als Umriß dargestellt. Rudolf Steiner: Die Rätsel der Philosophie (GA 18)
  6. Philosophie der Freiheit. 1894
  7. zum Einfluss auch auf Künstler, die keine expliziten Anhänger waren, siehe Reinhold Johann Fäth: Rudolf Steiner Design – Spiritueller Funktionalismus Kunst. Dissertation, Universität Konstanz 2004. online.
  8. Thomas Vaughan (Eugenius Philalethes): Anthroposophia Theomagica, or a discourse of the nature of man and his state after death. Oxford 1648
  9. Gerhard Wehr: Rudolf Steiner. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2005, S. 23.
  10. Rudolf Steiner: Theosophie. 1904, Kapitel Das Wesen des Menschen, Zitate nach der Taschenbuchausgabe, 1962, S. 22
  11. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 82–89, hier S. 82 f.
  12. a b c Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 83.
  13. Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriss. 1910, Kap. Schlaf und Tod
  14. siehe Von Seelenrätseln den 6. Anhang
  15. Eine elementare Einführung gibt Gerhard Wehr: Anthroposophie. S. 29–31
  16. a b Carlo Willmann: Waldorfpädagogik: Theologische und religionspädagogische Befunde. Böhlau, Wien/Köln 2001, S. 28f
  17. Zusammenfassende Darstellung bei Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999, S. 490–494.
  18. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 87.
  19. Helmut Zander: Geschichte der Seelenwanderung in Europa. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1999 S. 490
  20. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 84.
  21. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 84 f.
  22. a b c d e Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 85.
  23. Gerhard Wehr: Gnosis, Gral und Rosenkreuz. Esoterisches Christentum von der Antike bis heute. Anaconda Verlag, Köln 2007, S. 387 f.
  24. Jana Husmann: Schwarz-Weiß-Symbolik. Dualistische Denktraditionen und die Imagination von „Rasse“. Religion – Wissenschaft – Anthroposophie. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8394-1349-4 S. 268 ff. (abgerufen über De Gruyter Online).
  25. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 85f.
  26. Cees Leijenhorst: Anthroposophy. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden/Boston 2005, S. 86.
  27. Jana Husmann: Schwarz-Weiß-Symbolik. Dualistische Denktraditionen und die Imagination von „Rasse“. Religion – Wissenschaft – Anthroposophie. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8394-1349-4 S. 272. (abgerufen über De Gruyter Online).
  28. Jana Husmann: Schwarz-Weiß-Symbolik. Dualistische Denktraditionen und die Imagination von „Rasse“. Religion – Wissenschaft – Anthroposophie. transcript, Bielefeld 2010, ISBN 978-3-8394-1349-4 S. 269. (abgerufen über De Gruyter Online).
  29. Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (online, Zugriff am 19. Juni 2016), das Zitat S. 25.
  30. Asiatische Elemente seines Erkenntnisweges übernahm Steiner nach Helmut Zander wahrscheinlich aus der zeitgenössischen Theosophie und deren Umfeld, siehe derselbe: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 601–607.
  31. Helmer Ringgren: Anthroposophie. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 3, De Gruyter, Berlin 1978, S. 12 (abgerufen über De Gruyter Online); Gerhard Wehr: Anthroposophie. Diederichs, Kreuzlingen 2004, S. 39–42.
  32. Helmer Ringgren: Anthroposophie. In: Theologische Realenzyklopädie, Bd. 3, De Gruyter, Berlin 1978, S. 12 (abgerufen über De Gruyter Online); Sven Ove Hansson: Is Anthroposophy Science?. In: Conceptus 25 (1991), Heft 64, S. 37 f. (online, Zugriff am 17. Juni 2016); Jan Badewien: Faszination Akasha-Chronik. Eine kritische Einführung in die Geisteswelt der Anthroposophie. Vortragsmanuskript (PDF; 211 kB). Tagung: Anthroposophie – kritische Reflexionen. Veranstaltet vom Kulturwissenschaftlichen Seminar, in Kooperation mit dem Graduiertenkolleg „Geschlecht als Wissenskategorie“, Humboldt-Universität zu Berlin, 21. Juli 2006.
  33. Sven Ove Hansson: Is Anthroposophy Science?. In: Conceptus 25 (1991), Heft 64, S. 40–47 (online, Zugriff am 17. Juni 2016).
  34. Heiner Ullrich: Rudolf Steiner. Leben und Lehre. C.H. Beck, München 2011, S. 109 f.
  35. Jana Husmann-Kastein: Schwarz-Weiß-Konstruktionen im Rassebild Rudolf Steiners. Berliner Dialog 29 (2006), S. 22-29, Online, auch in einer kürzeren Fassung als Vortragsmanuskript der Tagung Anthroposophie – kritische Reflexionen, Humboldt-Universität zu Berlin, 21. Juli 2006, verfügbar PDF.
  36. Helmut Zander: Anthroposophie in Deutschland. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, S. 629 f.
  37. Nicholas Goodrick-Clarke: The Occult Roots of National Socialism. Aquarian Press, Wellingborough 1985; deutsch: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Leopold Stocker Verlag, Graz 1997; Eduard Gugenberger, Roman Schweidlenka: Mutter Erde – Magie und Politik zwischen Faschismus und Politik. Packpapier, Wien 1987, insbesondere S. 138–142.
  38. „Grundlage des anthroposophischen Weltbildes ist die ‚Wurzelrassenlehre‘, wie sie rassistischer und menschenverachtender kaum sein kann.“ Ditfurth, Feuer in die Herzen, 1. Aufl. 1992, S. 219
  39. Buchautoren wie Ditfurth selbst, Entspannt in die Barbarei, Hamburg 1996, Guido und Michael Grandt, Schwarzbuch Anthroposophie, Wien 1997, Peter Bierl, Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister – Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik, Hamburg 1999, Claudia Barth, Über Alles in der Welt – Esoterik und Leitkultur, Aschaffenburg 2003, und viele Journalisten.
  40. Petrus van der Let: Bedenkliche Ansichten Rudolf Steiners über Rassen. In: Petrus van der Let, Christoph Lindenberg: Diskriminierende Äusserungen von Rudolf Steiner und ihr Einfluss auf die Anthroposophie (Memento vom 15. Januar 2008 im Internet Archive). In: infosekta.ch, 1999 (Archivversion des Internet Archive; gedruckt erschienen in: Tangram. Bulletin der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus, Nr. 6, März 1999, S. 50–56).
  41. Anthroposophie und die Frage der Rassen. Autorisierte deutsche Ausgabe, Frankfurt/Main 1998.
  42. Detlef Hardorp: Steiner und das Judentum. In: taz.de vom 13. Mai 2000, abgerufen am 18. Juli 2009
  43. Rudolf Steiner: Die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens im Lichte der Evangelien. (GA 117), 4. Dezember 1909, S. 151–152. Siehe dazu auch die Zitatensammlung von Lorenzo Ravagli: Die Überwindung des Rassismus durch die Anthroposophie. Originaltexte aus der Rudolf Steiner-Gesamtausgabe (Memento vom 29. Februar 2008 im Internet Archive) 7/2004. Zum Streit in der Sache auch: Rudolf Steiner und der Rassismus: Arier, Atlantis und Akasha, Süddeutsche Zeitung vom 25. Juli 2006 und: Vom theosophischen Vokabular früh distanziert (Leserbrief), Süddeutsche Zeitung vom 2. August 2006.
  44. Jana Husmann-Kastein, Schwarz-Weiß-Konstruktionen im Rassebild Rudolf Steiners, Vortragsmanuskript. Tagung: Anthroposophie – kritische Reflexionen, Humboldt-Universität zu Berlin, 21. Juli 2006 (PDF), S. 8ff.
  45. Helmut Zander, Sozialdarwinistische Rassentheorien aus dem okkulten Untergrund des Kaiserreichs. In: Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. Hg. v. Uwe Puschner, Walter Schmitz und Justus H. Ulbricht, München 1996 (vorgehalten bei akdh.ch); siehe auch: Helmut Zander, Anthroposophische Rassentheorie. Der Weltgeist auf dem Weg durch die Rassengeschichte, in: Schnurbein / Ulbricht (Hgg.), Völkische Religion und Krisen der Moderne. Entwürfe „arteigener“ Glaubenssysteme seit der Jahrhundertwende, Würzburg 2001, S. 292–341. Zur Auseinandersetzung mit Zanders Thesen siehe auch Ralf Sonnenberg, Judentum, Zionismus und Antisemitismus aus der Sicht Rudolf Steiners, hagalil.com 07–07–2004 (Internet). Der Anthroposoph Lorenzo Ravagli untersuchte im Gegenzug die Kritik völkischer Gruppen an der Anthroposophie in Unter Hammer und Hakenkreuz. Der völkisch-nationalsozialistische Kampf gegen die Anthroposophie, 2004 (vgl. dazu auch die Rezension Zanders bei H-Soz-u-Kult).
  46. Clemens Escher: Steiner, Rudolf. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Bd. 2: Personen. De Gruyter Saur, Berlin 2009, ISBN 978-3-598-44159-2, S. 796. (abgerufen über De Gruyter Online).
  47. Richard Geisen: Anthroposophie und Gnostizismus. Darstellung, Vergleich und theologische Kritik. Schöningh, Paderborn 1992, ISBN 978-3-506-76272-6