Anthrosol

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In die Gruppe der Anthrosole gliedert die World Reference Base for Soil Resources all diejenigen Bodentypen, die unter anthropogener Beeinflussung entstanden sind.

Zu den anthropogenen Beeinflussungen zählen das Einbringung von organischem Material oder Abfällen, Bewässerung oder spezielle Bearbeitung. Das Ausgangsgestein spielt bei den Anthrosolen, anders als bei anderen Bodenklassifikationen, eine sehr untergeordnete Rolle.

Anthrosole und deren Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bodenprofil eines Anthrosol

Je nach bestimmender Nutzung werden verschiedene Anthrosol-Typen unterschieden:

  • Anthrosol mit Plaggenhorizont (plaggic horizon) in Gebieten mit langanhaltender ackerbaulicher Nutzung unter Einsatz schweren Gerätes, so vor allem in Nordwesteuropa
  • Anthrosol mit durch Bewässerung geprägtem Horizont (irragric horizon) in Gebieten mit intensiver Bewässerung, so etwa Mesopotamien, in Teilen Indiens und oft in Oasen.
  • Anthrosol mit durch Ackerbau unter Wasserüberstau entstandenem Unterboden (hydragric horizon) und durch Pflügen unter teilweiser Wasserbedeckung entstandenem Oberboden (anthraquic horizon), in erster Linie in Gebieten des Nassreisanbaus, vor allem China und Südsüdostasien.
  • Anthrosol mit Gartenhorizont (hortic horizon) mit quasi weltweiter Verbreitung, in Gebieten mit längerer Siedlungsgeschichte. Kennzeichnend sind tiefreichendes Pflügen, andauernde Düngung durch Abfälle und andere organische Stoffe aus dem Siedlungsbereich (Küchenabfälle, Kompost oder Jauche)
  • Anthrosol mit mineralischem Acker-/Gartenerde-Horizont (terric horizon) in Gebieten intensiver und langanhaltender Bodenverbesserung durch Zugabe von Mineralen wie Kalk (Kalkmelioration, vor allem England), mineralhaltigen Schlämmen und Küstensanden. Sie zeichnen sich durch starke biologische Aktivität aus, sind neutral bis schwach alkalisch (pH-Wert des Bodenwassers normalerweise > 7) und enthalten oft freies Carbonat. Kennzeichnend ist die durch langdauernde Materialzugabe entstandene Bodenerhöhung und ein merklicher Anteil an kleinstückigen Artefakten wie Ziegel- oder Keramik.

Lokale Bezeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lokale Bezeichnungen für spezielle Anthrosole sind zum Beispiel Terra Preta do Indio für einen Hortic Anthrosol, der sein Hauptverbreitungsgebiet im Amazonasbecken Brasiliens findet. Paddy Soil ist die englische Bezeichnung für den Hydragric Anthrosol. Dieser ist ein unter Nassreisanbau entstandener „anthropogen-hydromorpher Pseudogleye“.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • BGR, FAO: World Reference Base for Soil Resources 2006. Hannover 2007 (online)
  • Fritz Scheffer: Lehrbuch der Bodenkunde / Scheffer/Schachtschabel. neubearb. und erw. von Hans-Peter Blume u.a.,. 15. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg – Berlin 2002, ISBN 3-8274-1324-9, S. 486 ff., 518 ff.