Anti-Terror-Kampf (Kampfkunst)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Anti-Terror-Kampf, häufig mit ATK abgekürzt, ist eine 1963 von Horst Weiland entwickelte, auf die Selbstverteidigung ausgelegte Kampfkunst. Das ATK wird in der Budo Akademie Europa und in anderen Verbänden vertreten und gelehrt. Sie ist jedoch nicht mit dem Anti-Terror-System eines weltweit tätigen Sicherheitsunternehmens zu verwechseln.

Die Goldene Kralle, Symbol des ATK, symbolisiert das Fassen, Schlagen und Reißen.

Prinzip und Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ATK basiert auf Techniken aus dem Jiu Jitsu, Kung Fu, Karate und Judo. Im Unterschied zu den ostasiatischen Kampftechniken besteht kein Bezug zu philosophischen oder weltanschaulichen Grundlagen. ATK beruht auf Schlag-, Reiß- und Wurftechniken mit gleichzeitigem Druck auf empfindliche Nervenpunkte und Körperteile. Das Abzeichen der Anti-Terror-Kämpfer ist die Goldene Kralle. Sie symbolisiert das Schlagen, Fassen und Reißen.

Die natürlichen Bewegungsabläufe sind leicht erlernbar und werden am Partner direkt und intensiv geübt. ATK erfordert keine besonderen körperlichen Voraussetzungen, die über einen durchschnittlichen Fitnessgrad hinausgehen, befähigt aber zu einer wirkungsvollen Verteidigung gegen körperlich überlegene Angreifer.

Zusätzlich vermittelt ATK situationsspezifische, taktische Verhaltensregeln, die den Umgang mit körperlichen Bedrohungen und Stresssituationen erleichtern sollen.

Weiterhin werden die Grundelemente der Ersten Hilfe und ein elementarer Einblick in die Rechtslage rund um das Thema Selbstverteidigung und Notwehr vermittelt.

Kleidung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ATK-Gi

Für das ATK-Training wird in der Regel ein schwarzer Keikogi mit aufgenähten Insignien der Anti-Terror-Kampf-Akademie Europa (innerhalb der Budo-Akademie-Europa, kurz BAE) rechts unten, der eigenen Schule und des Nationalitätsabzeichen links auf Brusthöhe, der Goldenen Kralle auf dem Rücken und weiterer Qualifikationen an der linken Schulter getragen (Ausnahme: Assistent-, Trainer-, Lehrer-Abzeichen an der rechten Schulter). Die einheitliche Trainingskleidung beim ATK besteht aus folgenden Elementen:

  • Keikogi: Der Trainingsanzug, bestehend aus
    • Zubon: eine an der Hüfte geschnürte Hose mit Schnür- oder Elastikbund
    • Uwagi: eine robuste Jacke, oft mit leichter Schnürung innen, jedoch ohne Knöpfe oder Reißverschlüsse
  • Obi: Ein farbiger (für die Bedeutung der Gurtfarbe siehe → Graduierungen beim ATK), auf bestimmte Weise gebundener Gürtel hält die Jacke zusammen.
  • schwarze Lederhandschuhe zum Schutz vor Verletzungen des Trainingspartners bei den vielen Würge- und Reißtechniken.
  • schwarze Mattenschuhe, meist aus Leder mit einer festen Leinensohle. Sie dienen der Hygiene und der Schonung der Matten.

Graduierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gürtelfarben der Schülergrade beim ATK

Es wird in Schüler- (Kyū) und Meistergrade (Dan) unterschieden, wobei jedem Grad eine bestimmte Gürtelfarbe zugeordnet ist. Um zum nächsthöheren Gürtelgrad zu gelangen, unterzieht man sich einer Gürtelprüfung.

In Abhängigkeit vom angestrebten Kyu- oder Dan-Grad werden das Prüfungsprogramm und die Wartezeit von der BAE festgelegt. In der Prüfung selbst wird auf viele Teilaspekte geachtet. Dabei wird neben der dynamischen und korrekten Technikausführung auch auf Haltung, Aufmerksamkeit, Kampfgeist, Konzentration und Willen des Prüflings Wert gelegt. Für ein Bestehen werden auch weitere Werte, wie die Einstellung, das regelmäßige Erscheinen beim Training, die Pünktlichkeit etc. beachtet, so dass der Gesamteindruck entscheidet.

Zusätzlich wird mit aufsteigendem Grad der Theorieanteil an der Prüfung größer. Außerdem wird ab einem gewissen Schülergrad eine bestimmte Stundenzahl („N“-Std.) in der Disziplin Survival/Close-Combat der BAE als Voraussetzung für das Erreichen des nächsthöheren Grades gefordert.

Schülergrade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Budo-Akademie-Europa gilt eine sechsstufige Unterteilung der Schülergrade:

Kyu-Grad 6. Kyu 5. Kyu 4. Kyu 3. Kyu 2. Kyu 1. Kyu
Gürtelfarbe weiß gelb orange grün blau braun

Meistergrade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gürtelfarben der Meistergrade beim ATK

Die Aufteilung in zehn Meistergrade wurde von den traditionellen japanischen Kampfkünsten übernommen. Für die Meistergrad-Prüfungen gibt es festgelegte Kriterien und Prüfungsprogramme. Die Danträger müssen stets das Programm der vorangegangenen Graduierungstufen zusätzlich zu den aktuellen Techniken beherrschen. Die Prüfung zum fünften Dan ist die letzte technische Prüfung, die abgelegt werden kann; weitere Graduierungen werden für außergewöhnliche Leistungen im bzw. für den Verband verliehen.

Dem ersten bis fünften Dan entsprechend werden schwarze Gürtel getragen, wobei zur Unterscheidung goldene Streifen − deren Anzahl dem jeweiligen Dan-Grad entspricht – auf den Gurt genäht werden. Der sechste bis achte Dan werden durch einen rot-weißen Gurt angezeigt und der neunte und zehnte Dan durch einen goldenen Gurt.

Dan-Grad 1. Dan 2. Dan 3. Dan 4. Dan 5. Dan 6. Dan 7. Dan 8. Dan 9. Dan 10. Dan
Gürtelfarbe schwarz schwarz schwarz schwarz schwarz rot- rot- rot- gold gold
weiß weiß weiß

ATK und Survival/Close-Combat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Survival/Close-Combat der BAE

Das Survival/Close-Combat-System wurde 1965 von Horst Weiland (5000 „N“-Std., Erklärung siehe unten) entwickelt und seitdem erfolgreich in Europa verbreitet. Es zählt heute zu den beliebtesten Systemen innerhalb der BAE und erfreut sich auch über die Organisationsgrenzen hinweg immer größerer Popularität. Da für Horst Weiland, den Begründer beider Systeme, diese Systeme unweigerlich zusammengehörten und er das Survival als Teil des ATK integrierte, ist das Survival/Close-Combat noch heute Bestandteil des Werdegangs eines jeden Dan-Anwärters. Das Survival der BAE ist ein umfassendes System, das vor allem auf zwei Komponenten aufgebaut ist: einer erweiterten Form des „Überlebenstrainings“ und der Schulung in realistischer Selbstverteidigung. Survival bedeutet hierbei das konkrete Überleben in freier Natur und die spezielle Verteidigungsmethodik, die sich auf Budo-Stile und moderne Selbstverteidigungssysteme stützt. Die Ausbildung im Survival/Close-Combat stellt hohe Anforderungen an den Ausübenden und fordert seine Kondition, Kraft, Geschicklichkeit, sein Durchhaltevermögen und seinen Verstand. Zu den Herausforderungen gehören dabei Selbstverteidigungstechniken, Sprung- und Kletterübungen, Fallschule, Märsche und Langstreckenläufe ebenso wie Gelände-, Karten- und Kompasskunde, Erste Hilfe und Verletztentransport. Zu dieser umfassenden praktischen wie theoretischen Ausbildung gehört auch die spezielle Psycho-Situationsschulung der BAE, die ergänzend zu den Selbstverteidigungsübungen beiträgt.

Das Abzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jeder Teil, jedes Symbol auf dem Survival/Close-Combat-Abzeichen hat eine festgelegte Bedeutung.

  • So steht der grüne Untergrund für die Natur und das Leben.
  • Das rote „N“ steht einerseits für „Natur“, andererseits symbolisiert die rote Farbe das Feuer, welches der Ausübende benötigt und beherrschen können muss, um Nahrung zuzubereiten, Werkzeuge herzustellen, die Signalwirkung zu nutzen oder sich schlicht daran zu wärmen.
  • Der „BAE“-Schriftzug hat, abgesehen von seiner offensichtlichen Bedeutung, durch die gelbe Farbe Symbolcharakter für die Sonne, welche als Licht- und Energiequelle dient, welche das Leben ermöglicht und somit wesentlicher Bestandteil der Natur ist.
  • Das Eichenlaub steht für die Pflanzen, die dem Ausübenden von der Natur gegeben sind und welche vielfältig als Nahrung, Heil- und Linderungsmittel und Arbeitsmaterial dienen.
  • Die Sterne letztlich stehen für die Navigation anhand der Himmelskörper.

„N“-Stunden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das rote „N“ findet sich im Abzeichen des Survival/Close-Combat wieder. Das „N“ steht hier ganz schlicht für „Natur“, mit welcher der Ausübende einerseits sich arrangieren und auf der anderen Seite sich erwehren muss. Die „N“-Stunden sind ein Maßsystem, welches angibt, wie viele Stunden ein Ausübender im Survival verbracht hat. Für jedes offizielle Zeltlager werden dem Ausübenden abhängig von Länge und dem zu behandelnden Thema des Lagers eine bestimmte Zahl „N“-Stunden gutgeschrieben, welche in seinem Sportpass, der als „N“-Stunden-Konto dient, verzeichnet werden. Ehemaligen Wehrdienstleistenden werden 25 „N“-Stunden für gewisse Kenntnisse von Überlebensstrategien und -techniken gutgeschrieben. Außerdem stellen die „N“-Stunden das Graduierungssystem des Survival/Close-Combat dar.

Die Prüfungsordnung sieht folgende Prüfungen vor:

Schülergrade
25 „N“-Stunden mit Prüfung „N“-Abzeichen
50 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und ein roter Balken darunter
100 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und zwei rote Balken darunter
250 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und ein Silberbalken darunter
500 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und zwei Silberbalken darunter
Meistergrade
1000 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und drei Silberbalken darunter
2000 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und ein breiter goldener Balken darunter
3000 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und zwei breite goldene Balken darunter
5000 „N“-Stunden mit Prüfung „N“ und drei schmale goldene Balken darunter

Die jeweils benötigten „N“-Stunden werden dem Ausübenden von seinem Stundenkonto abgezogen.

Rechenbeispiel:

  • Ein Ausübender hat durch einen Lehrgang 40 „N“-Stunden erlangt.
  • Er absolviert am Ende des Lehrgangs die 25-„N“-Std.-Prüfung.
  • Er hat somit noch 15 „N“-Stunden auf seinem Stunden-Konto übrig.
  • Er muss somit während der vorgeschriebenen Wartezeit zur nächsten Prüfung (50 „N“-Std.) mindestens weitere 35 „N“-Stunden erlangen, um zur Prüfung antreten zu können.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Weiland, Claude Weiland: Vom Schüler zum Meister – Offizielles Lehrbuch der Budo Akademie Europa. 7. Auflage. 2006.
  • Guido Schwedek: ATK - Anti-Terror-Kampf. 4. Auflage. 2010, ISBN 978-3-8391-5286-7.