Antifaschistisches Infoblatt

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Antifaschistisches Infoblatt
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Beschreibung bundesweit erscheinendes Magazin der Antifa-Bewegung
Fachgebiet Antifaschismus
Verlag Eigenverlag (Deutschland)
Hauptsitz Berlin
Erstausgabe 1987
Erscheinungsweise viermal jährlich
Herausgeber Redaktionskollektiv
Weblink www.antifainfoblatt.de
ZDB 1219282-x

Das Antifaschistische Infoblatt (AIB) ist ein bundesweit erscheinendes Print-Magazin einer unabhängigen ehrenamtlich tätigen Redaktionsgruppe mit Sitz in Berlin.[1] Es berichtet seit 1987 über völkisch-nationalistische Ideologien am rechten Rand des politischen Spektrums, über Akteure, Organisationen und Infrastruktur in diesem Bereich sowie über aktuelle Entwicklungen aus antifaschistischer Sicht.

Selbstverständnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift versteht sich als „Gegenöffentlichkeit“ und „antifaschistische Gegenwehr“. Die Redaktion geht davon aus, dass – so etwa während der bundesweiten Pogromwelle gegen Flüchtlinge in der ersten Hälfte der 1990er Jahre – in den Mainstreammedien politische Hintergründe ausgeblendet, autoritäre, nationalistische und rassistische Stimmungen in der Gesellschaft geleugnet und rechte Aktivitäten bagatellisiert werden. Diese Lücke möchte man schließen helfen. Zugleich sieht man sich als Vermittler und Plattform von Informationen, Konzepten, Kampagnen und inhaltlichen Debatten antifaschistischer Gruppen und Initiativen.[2]

Sie enthält Berichte über die deutsche und europäische Geschichte, insbesondere der Zeit des Nationalsozialismus, über nationale und internationale Verbindungen und ideologische Gemeinsamkeiten von Nationalkonservativen, Rechtspopulisten und Neonazis sowie kontinuierliche Analysen dieses Gesamtspektrums. Neben den aktuellen Erscheinungsformen beschäftigt es sich auch mit dessen geistesgeschichtlichen Quellen und Bezügen. Umfangreiche Hintergrundartikel sollen gründlich recherchierte Informationen bieten, die „in kommerziell ausgerichteten Medien in dieser Ausführlichkeit“[2] nicht geboten würden.

Die Redaktionsgruppe gliedert sich in verschiedene Ressorts: „Braunzone“, „Geschichte“, „Gesellschaft“, „Rassismus“, „Repression“, „Diskussion“. Zu den Autoren gehören etwa Markus End,[3] Sebastian Friedrich, Frances Henry,[4] Stefan Jacoby,[5] Andreas Kemper, Franz Josef Krafeld, Dirk Laabs, Rudolf Leiprecht, Sebastian Lipp,[6] Michael Plöse,[7] Pro Asyl, Harry Waibel oder Volker Weiß.

Die Zeitschrift erscheint viermal jährlich und hat einen Umfang von um die 60 Seiten. Sie wird von einem ehrenamtlichen Redaktionskollektiv im Eigenverlag herausgegeben.

Kooperationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als bundesweite Publikation arbeitet das AIB mit verschiedenen gleichgerichteten Medienprojekten und Archiven, mit Journalisten, Historikern und Aktivisten in Deutschland zusammen. Seit 1988 arbeitet es mit antifaschistischen Initiativen in Europa und Nordamerika zusammen und ist seit 2003 Mitglied im internationalen Netzwerk Antifa-Net, über das es mit antifaschistischen Initiativen in Europa, Asien und den USA verbunden ist.

Das Blatt kooperiert mit der Internetplattform Linksnet. Seine Informationsangebote werden innerhalb eines Meinungsspektrums rezipiert, das Repräsentanten dezidiert linker Positionen, journalistische Rechercheure und Autoren,[8] die Gewerkschaft ver.di,[9] den Studenten- und Nachwuchswissenschaftlerzusammenschluss „Engagierte Wissenschaft“ (EnWi e. V.) der Universität Leipzig,[10] etablierte universitäre Fachwissenschaftler oder lokale Bürgerinititiativen wie die Bündnisinitiative „Leipzig – Stadt für alle“[11] umfasst. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sieht im AIB neben den Antifaschistischen Nachrichten eine von zwei nennenswerten deutschen Publikationen innerhalb eines internationalen Netzwerks von antifaschistischen und antirassistischen NGOs.[12]

Es ist gemeinsam mit searchlight (Großbritannien) und enough is enough Herausgeber zweier Buchpublikationen, die sich mit speziellen Aspekten des Rechtspopulismus und der radikalen Rechten beschäftigen: Rechtspopulismus kann tödlich sein![13] und White Noise. Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour.[14] Die zweite Publikation wurde weit über die engere Leserschaft des AIB hinaus bis hin zur Neuen Zürcher Zeitung positiv aufgenommen.[15]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von vielen politikwissenschaftlichen Autoren des Themenbereichs Extremismus der Mitte, Rechtspopulismus und Neonazismus wird die Expertise des AIB für ihre Studien verwendet.[16] Niederschlag finden die Rechercheergebnisse des AIB auch im Qualitätsjournalismus.[17] Es wird als "Alternativmedium" zum Mainstream wahrgenommen.[18]

Armin Pfahl-Traughber, vormaliger Mitarbeiter des Nachrichtendienstes Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und Politikwissenschaftler auf dem Feld der Extremismustheorie, dagegen wertet das AIB als „einschlägiges Publikationsorgan“ des „Linksextremismus“ innerhalb des Handlungsfelds „Antifaschismus“.[19] Innerhalb der Politikwissenschaften haben dieses Konzept („eindeutig politisch motiviert“[20]) und seine Thesen eine Sonderrolle (weder „empirisch tragfähig“ noch „theoriefähig“[21]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachweis in der Zeitschriftendatenbank.
  2. a b Über uns. Antifaschistisches Infoblatt, abgerufen am 3. März 2017.
  3. [1].
  4. Universität York: [2].
  5. Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, Autorinnen und Autoren, in: [3].
  6. Streit um Auskunftsrecht Neonazi-Watchblog [= "Störungsmelder"] ist ein Organ der Presse, in: Der Tagesspiegel, 15.2.2017, siehe: [4].
  7. Regelmäßiger Autor der vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, siehe: [5].
  8. Siehe etwa: Andrea Röpke/Andreas Speit (Hrsg.), Blut und Ehre. Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt in Deutschland, Berlin 2013, hier: Danksagung, S. 232.
  9. Siehe etwa: Florian Osuch, Antifaschistisches Infoblatt, in: Menschen machen Medien, 11.9.2009.
  10. Weblink auf engagiertewissenschaft.de zur Seite des Antifaschistischen Infoblatts
  11. Pegida vertraulich, 9. Dezember 2016.
  12. Bertelsmann Stiftung (Hrsg.), Strategies for Combating Right-Wing Extremism in Europe, Bielefeld 2010.
  13. Tobias Alm/Cordelia Heß/Farhiya Khalid/Jaakko Koskinen (Hrsg.), Rechtspopulismus kann tödlich sein! Entwicklung und Folgen des Rechtsrucks in Skandinavien, Münster 2013.
  14. White Noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour – Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene (Reihe antifaschistische Texte), Münster 2004.
  15. Zur Rezension von Stephan Hentz (NZZ) siehe Perlentaucher, 24.8.2000, [6].
  16. Siehe etwa: Christoph Butterwegge/Janine Cremer/Alexander Häusler/Gudrun Hentges/Thomas Pfeiffer/Carolin Reißlandt/Samuel Salzkorn, Themen der Rechten — Themen der Mitte. Zuwanderung, demografischer Wandel und Nationalbewußtsein, Wiesbaden 2002; Thomas Grumke/Bernd Wagner (Hrsg.), Handbuch Rechtsradikalismus. Personen — Organisationen — Netzwerke vom Neonazismus bis in die Mitte der Gesellschaft, Opladen 2002; Ralph Gabriel/Ingo Grastof/Tanja Lakeit, Futur Exakt. Jugendkultur in Oranienburg zwischen rechtsextremer Gewalt und demokratischem Engagement, Berlin 2004; Ute Döring, Angstzonen. Rechtsdominierte Orte aus medialer und lokaler Perspektive, Wiesbaden 2008; Jan Schedler/Alexander Häusler (Hrsg.), Autonome Nationalisten. Neonazismus in Bewegung, Wiesbaden 2011; Uwe Wenzel/Beate Rosenzweig/Ulrich Eith (Hrsg.), Rechter Terror und Rechtsextremismus. Aktuelle Erscheinungsformen und Ansätze der politischen Bildungspraxis, Schwalbach/Ts. 2015; Martin Langebach/Michael Sturm (Hrsg.), Erinnerungsorte der extremen Rechten, Wiesbaden 2015.
  17. Andrea Röpke/Andreas Speit (Hrsg.), Braune Kameradschaften. Die militanten Neonazis im Schatten der NPD, Berlin 2005; Stefan Aust/Dirk Laabs, Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU, München 2014
  18. Bernd Hüttner/Christiane Leidinger/Gottfried Oy (Hrsg.), Handbuch Alternativmedien 2011/2012. Printmedien, Freie Radios, Archive und Verlage in der BRD, Österreich und der Schweiz, Neu-Ulm 2011.
  19. Armin Pfahl-Traughber: Linksextremismus in Deutschland. Eine kritische Bestandsaufnahme, Wiesbaden 2014, S. 183.
  20. Christoph Butterwegge/Alexander Häusler, Rechtsextremismus, Rassismus und Nationalismus, in: Christoph Butterwegge/Janine Cremer/Alexander Häusler/Gudrun Hentges/Thomas Pfeiffer/Carolin Reißlandt/Samuel Salzborn, Themen der Rechten – Themen der Mitte. Zuwanderung, demografischer Wandel und Nationalbewusstsein, Wiesbaden 2002, S. 217–266, hier: S. 231.
  21. Holger Oppenhäuser, Das Extremismus-Konzept und die Produktion von politischer Normalität, in: Elena Buck/Anne Dölemeyer/Paul Erxleben/Stefan Kausch/Anne Mehrer/Mathias Rodatz/Frank Schubert/Gregor Wiedemann (Hrsg.), Ordnung. Macht. Extremismus: Effekte und Alternativen des Extremismus-Modells, Wiesbaden 2011, S. 35–58, hier: S. 46.