Antiklerikalismus

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Antiklerikalismus bezeichnet innerhalb von Religionsgemeinschaften eine Position antielitärer Motivation, die sich gegen den Klerus richtet. Im Christentum, vor allem in den evangelischen und reformatorischen Kirchen basiert eine solche Position häufig auf Argumentationen, die sich auf das Priestertum aller Gläubigen berufen (vgl. Ex 19,6 LUT; 1 Petr 2,9f LUT).

Außerhalb von Religionsgemeinschaften richtet sich Antiklerikalismus gegen den Einfluss des Klerus auf die Gesellschaft. Vielfach führte diese Kritik zu einer weitgehenden Trennung von Kirche und Staat bzw. einem ausgeprägten Laizismus.

In der französischen Revolution gab es antiklerikale Tendenzen und Aktionen. Mit den Vertretern des Ersten und Zweiten Standes (i.e. Klerus) wurde das Prinzip der gesellschaftlichen Ständeordnung angegriffen.

Der Begriff überschneidet sich mit den Begriffen Kirchenkampf und Kulturkampf.

Kirchenkampf, Kulturkampf[Bearbeiten]

Als Kirchenkampf bezeichnet man im engeren Sinn den Konflikt zwischen evangelischen Christen der Bekennenden Kirche und Deutschen Christen von 1933 etwa bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939. Im weiteren Sinn wird oft die Epoche der deutschen Kirchengeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus insgesamt so bezeichnet. Im zweiten Fall umfasst der Begriff

  • den Kampf des NS-Staates gegen die evangelische, teilweise auch die katholische Kirche und ihre herkömmlichen Organisationsstrukturen, mit dem Ziel der Gleichschaltung
  • den Kampf von Nationalsozialisten in und außerhalb der Kirchen gegen das konfessionelle Christentum, um es durch „Entjudung“ mit der NS-Ideologie kompatibel zu machen und/oder durch eine „arteigene“ Religiosität zu ersetzen
  • den Abwehrkampf von christlichen Gruppen und Teilkirchen gegen diese Bestrebungen.

Dass letzterer als allgemeines Kennzeichen jener Epoche zu gelten hat, wird in kritischer Kirchengeschichtsschreibung bestritten. Die Haltung der Kirchen gegenüber dem Dritten Reich wird vielmehr als ambivalente Haltung „zwischen Anpassung und Widerstand“ rezipiert, wobei Anpassung und Zustimmung zur NS-Politik bei weitem überwogen.[1]

Als ein Synonym für Kirchenkämpfe hat sich in verschiedenen Kontexten der Begriff Kulturkampf durchgesetzt:

Literatur[Bearbeiten]

Hans-Jürgen Goertz: Antiklerikalismus und Reformation. Sozialgeschichtliche Untersuchungen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-33595-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Leonore Siegele-Wenschkewitz: Die Kirchen zwischen Anpassung und Widerstand im Dritten Reich. in: Barmer Theologische Erklärung 1934–1984. Luther Verlag, Bielefeld 1984; ISBN 3-7858-0287-0; S. 11–29