Antimon(III)-oxid

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Strukturformel
Strukturformel von Antimontrioxid
Allgemeines
Name Antimon(III)-oxid
Andere Namen
  • Antimontrioxid
  • Diantimontrioxid
  • Antimonweiß
  • Antimonblüte
  • Antimonigsäureanhydrid
  • Senarmontit
  • Valentinit
  • Weißspießglanz
Summenformel Sb2O3
Kurzbeschreibung

weißer, geruchloser Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 1309-64-4
EG-Nummer 215-175-0
ECHA-InfoCard 100.013.796
PubChem 14794
Wikidata Q409035
Eigenschaften
Molare Masse 291,50 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte
  • 5,7 g·cm−3[2]
  • 5,19 g·cm−3 (kubische Form)[3]
Schmelzpunkt

655 °C[2]

Siedepunkt

1425 °C[2]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (2,7 mg·l−1 bei 20 °C)[4]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[5] ggf. erweitert[4]
08 – Gesundheitsgefährdend

Achtung

H- und P-Sätze H: 351
P: 281 [4]
MAK

Schweiz: 0,1 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub, gerechnet als Antimon)[6]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Antimon(III)-oxid (auch Antimontrioxid genannt) ist eine Antimonverbindung mit der Summenformel Sb2O3. Es gehört zur Stoffklasse der Oxide.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(III)-oxid kommt als natürliche Verbindung in Form der Minerale Senarmontit und Valentinit vor.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimontrioxid wird technisch durch Erhitzen von Antimontrisulfid (Grauspießglanz, Stibnit) an der Luft (Rösten) gewonnen oder durch Verbrennen von Antimon.

Bei der Hydrolyse von Antimon(III)-chlorid entsteht der bei Raumtemperatur metastabile Valentinit, der beim Behandeln mit Alkalien allmählich in Senarmontit übergeht.[3]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(III)-oxid

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimon(III)-oxid zeigt thermochrome Eigenschaften. Beim Erhitzen auf Temperaturen deutlich über 600 °C färbt sich die Verbindung gelb. Reversibel wird die Verbindung beim Abkühlen wieder weiß. Ursache der Farbänderung ist eine polymorphe, enantiotrope Umwandlung von der weißen kubischen Kristallform (Senarmontit) zu einer gelben orthorhombischen Kristallform (Valentinit) bei 606 °C. Die Bildungsenthalpie der kubischen Form beträgt ΔfH = −720,5 kJ·mol−1, die der orthorhombischen Form ΔfH = −708,5 kJ·mol−1, so dass sich für die polymorphe Umwandlung eine Umwandlungsenthalpie von ΔtH = 12 kJ·mol−1 ergibt.[7]

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimontrioxid ist ein weißes kristallines Pulver, das in Wasser unlöslich ist, sich aber in konzentrierten Säuren und Laugen löst. Es entspricht in seiner Struktur dem Phosphortrioxid. Erhitzt man es auf über 800 °C, nimmt es weiteren Sauerstoff auf unter Bindung von Antimontetroxid. Dieses stellt ein Mischoxid aus Antimontri- und Antimonpentaoxid dar. Wie die Löslichkeit in konzentrierten Säuren – wobei je nach Säurekonzentration neutrale Salze oder Oxidsalze entstehen – und in Laugen – wobei sich Antimonite bilden – zeigt, handelt es sich bei Antimontrioxid um ein amphoteres Oxid.

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antimontrioxid wird teils als Pigment und in der Emailleproduktion verwendet. In der Galvanik dient es zum Antimonieren anderer Metalle. Es wird auch als Katalysator für die Herstellung von PET verwendet. Zusammen mit einer Dotierung aus Zinn als ATO (Antimon-Tin-Oxide) für transparent-leitfähige Beschichtungen von Gläsern, beispielsweise für die Displaytechnik und Pigmenten für helle und transparente Antistatik-Beschichtungen. Bei Flammschutzmitteln wie Decabromdiphenylether wird Antimontrioxid als Synergist eingesetzt.[8]

Sicherheitshinweise/Toxikologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stufte Antimontrioxid als möglicherweise krebserzeugende Substanz ein.[9][10] Die Auswirkungen von Antimontrioxid auf menschliche Gesundheit werden unter REACH im Jahr 2018 im Rahmen der Stoffbewertung von Deutschland geprüft.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Datenblatt Antimon(III)-oxid (PDF) bei Merck, abgerufen am 24. April 2010.
  2. a b c David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Properties of the Elements and Inorganic Compounds, S. 4-48.
  3. a b Georg Brauer: Handbuch der Präparativen Anorganischen Chemie. 3., umgearb. Auflage. Band I. Enke, Stuttgart 1975, ISBN 3-432-02328-6, S. 593.
  4. a b c Eintrag zu Antimon(III)-oxid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 1. Februar 2016 (JavaScript erforderlich).
  5. Eintrag zu Diantimony trioxide im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  6. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (SUVA): Grenzwerte am Arbeitsplatz 2015 – MAK-Werte, BAT-Werte, Grenzwerte für physikalische Einwirkungen, abgerufen am 2. November 2015.
  7. A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 91.–100., verbesserte und stark erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-007511-3, S. 687.
  8. Umweltbundesamt: Bromierte Flammschutzmittel in Elektro- und Elektronikgeräten: Das Flammschutzmittel Decabromdiphenylether (DecaBDE) ist durch umweltverträglichere Alternativen ersetzbar (Memento vom 26. Juni 2013 im Internet Archive) (PDF-Datei; 54 kB), Februar 2007.
  9. Bundesamt für Gesundheit Schweiz (BAG): Risikoanalyse: Antimon in Lebensmitteln und Fertiggerichten, die direkt in PET-Schalen zubereitet werden. (PDF) 23. August 2007.
  10. Antimontrioxid-Monographie IARC-Band 47, 1989
  11. Community rolling action plan (CoRAP) der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA): Diantimony trioxide, abgerufen am 8. Oktober 2017.Vorlage:CoRAP-Status/2018