Entzündungshemmung

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Entzündungshemmung bezeichnet die körpereigene oder therapeutische Abschwächung von Entzündung. Entzündungshemmend (synonym: antiphlogistisch, antiinflammatorisch) wirkende Arzneimittel heißen Antiphlogistika (griechisch anti „gegen“, phlogosis „Entzündung“) oder Antiinflammatorika. Antiphlogistische Therapien, zu denen außerdem physikalische Verfahren zählen, werden in der Behandlung entzündlicher Erkrankungen eingesetzt, teilweise nur zur Symptomlinderung. Das bedeutendste entzündungshemmende Hormon ist das Cortisol, das als Teil der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse unter anderem bei Stress ausgeschüttet wird.

Antiphlogistika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

COX-Hemmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Enzym Cyclooxygenase (COX) trägt zur Entzündung bei, indem es die Synthese von Entzündungsmediatoren aus der Klasse der Prostaglandine katalysiert. Diese Entzündungsmediatoren sind insbesondere für die erhöhte Schmerzempfindlichkeit im Entzündungsgebiet verantwortlich, woraus sich die Hauptwirkung von COX-Hemmern als Schmerzmittel ergibt. Zu den unspezifischen COX-Hemmern gehören Acetylsalicylsäure (ASS, „Aspirin“), Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac; neuere, selektiv die Isoform COX-2 hemmende Arzneistoffe sind die Coxibe.

Prostaglandine sind auch für andere Vorgänge im Körper notwendig, insbesondere vermitteln sie den Schutz des Magens vor der Magensäure und stellen eine ausreichende Durchblutung der Nieren sicher. Ferner ist die COX zur Synthese von Thromboxan in den Blutplättchen (wirkt gefäßverengend und gerinnungsfördernd) und von Prostacyclin in Gefäßwandzellen (wirkt gefäßerweiternd und gerinnungshemmend) notwendig. Daraus ergeben sich die Nebenwirkungen der unspezifischen COX-Hemmer, die auch als Säureantiphlogistika oder nichtsteroidale Antiphlogistika bezeichnet werden: Ulcera von Magen und Darm, Nierenschädigung und Blutdruckerhöhung, Thrombozytenaggregationshemmung (wobei letztes bei ASS in niedriger Dosierung die erwünschte Hauptwirkung ist). Da für die Entzündungsreaktion die Isoform COX-2 verantwortlich ist, wurden Medikamente entwickelt, die durch selektive Blockade der COX-2 frei von obigen Nebenwirkungen seien sollten. Diese Hoffnungen erfüllten sich allerdings nicht. Zwar sind Ulcera bei Einsatz von Coxiben tatsächlich seltener, dafür treten vermehrt kardiovaskuläre Ereignisse auf, weil die COX-2 auch in der Niere und in den Gefäßwandzellen von großer Bedeutung ist.

Steroide[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Steroide sind körpereigene oder synthetische Stoffe, die sich chemisch vom Cholesterin ableiten. Darunter befindet sich das körpereigene Stresshormon Cortisol und andere Glucocorticoide, die blutzuckererhöhend, aber auch immunsuppressiv wirken. Die Wirkung synthetischer Glucocorticoide wie Hydrocortison, Prednisolon oder Dexamethason beruht auf der Bindung an dieselben Rezeptoren im Zellkern, weshalb Glucocorticoide sehr gut verträglich sind. Bei langfristiger systemischer Anwendung besteht jedoch durch den aufgezwungenen Stressstoffwechsel die Gefahr eines Cushing-Syndroms. Die topische Gabe ist zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen weit verbreitet, wobei abhängig von der Körperregion lokale Nebenwirkungen wie Hautatrophie und Teleangiektasien langfristig relevant werden können.

Calcitriol (aktiviertes Vitamin D) hat in der Therapie entzündlicher Hauterkrankungen ebenfalls seinen Platz, kann jedoch nicht pauschal als immunsuppressiv bezeichnet werden, da es zwar die T-Zell-Reaktion hemmt, andererseits aber auch die Aktivität und das Überleben von Makrophagen fördert.[1]

Immunsuppressiva[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Immunsuppressiva gehören neben den Glucocorticoiden noch eine große Zahl anderer Medikamente mit sehr unterschiedlicher Wirkungsweise, einen Überblick gibt der entsprechende Artikel. Die Bezeichnung Antiphlogistikum ist für diese Medikamente nicht immer üblich. Der Hautarzt findet unter den Immunsuppressiva viele weitere Möglichkeiten zur Lokaltherapie entzündlicher Hauterkrankungen.

Placebo[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Placebos erreichen teils beachtliche Entzündungshemmung. Mit der Erklärung solcher Phänomene beschäftigt sich die Psychoneuroimmunologie.

Physikalische Verfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kälte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kühlung wirkt lokal entzündungshemmend, indem sie den Stoffwechsel verlangsamt, die Erregung sensibilisierter Nozizeptoren mindert und die Durchblutung senkt.[2] Wichtig ist eine andauernde Kühlung anstelle kurzer Intervalle, um die reaktive Hyperthermie zu vermeiden. Für den Patienten ergibt sich ein Rückgang der Entzündungszeichen Schmerz, Rötung und Schwellung; für völlige Schmerzfreiheit muss eine Oberflächentemperatur von 12 °C bis 13 °C erreicht werden. Bei andauernden Schmerzen durch Muskelverspannung (wie beim unspezifischen Rückenschmerz) ist dagegen Wärme besser geeignet.[3]

UV-Licht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

UV-Licht wirkt antiinflammatorisch auf die Haut und bessert so entzündliche Hauterkrankungen wie das atopische Ekzem (Neurodermitis) oder die Psoriasis (Schuppenflechte). Dies liefert einerseits eine Erklärung für die verbreitete Besserung im Sommer und wird (ggf. unter Zuhilfenahme sensibilisierender Substanzen, siehe PUVA) auch in der Phototherapie ausgenutzt.

Pflanzenheilkunde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vielen Pflanzen werden entzündungshemmende Wirkungen nachgesagt. Eingesetzt werden beispielsweise ätherische Öle aus Kamillen- und Arnikablüten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Antiphlogistikum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Franz Schmidt, Florian Lang, Manfred Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen. 31. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-01650-9, S. 686.
  2. Robert Franz Schmidt, Florian Lang, Manfred Heckmann (Hrsg.): Physiologie des Menschen. 31. Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2010, ISBN 978-3-642-01650-9, S. 314.
  3. Deutsche Schmerzgesellschaft e.V. (Hrsg.): Basisbuch Q14 Schmerzmedizin. 2015, ISBN 978-3-00-051025-0, S. 63.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diese Hinweise zu Gesundheitsthemen beachten!