Antitussivum

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Hustensaft in Braunglasflasche mit Dosierbecher

Ein Antitussivum (von griech. αντί antí „gegen“ und lat. tussire „husten“; Plural: Antitussiva) ist ein Medikament, welches den Hustenreiz unterdrückt (Hustenblocker). Antitussiva sind oral wirksam und werden als Tropfen, Saft, Kapseln oder Tabletten gegeben. Verwendet werden sie bei trockenem Reizhusten ohne Schleimbildung.

Die meisten hustenstillenden Arzneistoffe sind Abkömmlinge der Opiate. Zu ihnen gehören:

Diese Substanzen wirken über das Zentralnervensystem und haben neben einem dämpfenden Effekt auf das Hustenzentrum im Stammhirn noch einen beruhigenden (sedierenden) Effekt. Bei den Stoffen besteht eine Abhängigkeitsgefahr, weswegen einige durch das Betäubungsmittelgesetz geregelt werden. Ursprünglich wurde auch Heroin als Antitussivum entwickelt und vermarktet.[1]

Kein Suchtpotential bei einer gleichzeitig fehlenden dämpfenden (sedierenden) Nebenwirkung haben jüngere Substanzen wie Clobutinol und das etwas schwächer wirksame Pentoxyverin. Für Clobutinol-haltige Arzneimittel ordnete das Bundesinstitut für Arzneimittel im Juni 2008 den Widerruf der Zulassung an, da durch die Einnahme in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen auftreten können.[2] Viele Hersteller nahmen ihre Produkte kurz darauf vom Markt.

Weitere antitussive Wirkstoffe sind:

Hustenstillende Medikamente sollten nur bei unproduktivem, trockenem Reizhusten oder vor einer Bronchoskopie eingenommen werden. Eine Kombination mit schleimlösenden Mitteln (Expektorantien) ist zu vermeiden, da der dabei entstehende Schleim sonst nicht abgehustet wird.

Auch Heilpflanzen können einen Hustenreiz lindern. Dazu werden Zubereitungen aus Schleimstoffdrogen eingesetzt, beispielsweise als wässriger Auszug (Tee), wobei die enthaltenen Schleimstoffe die entzündeten Schleimhäute der Atemwege schützend überziehen und reizmildernd auf die dort befindlichen Rezeptoren für Hustenreiz wirken sollen. Pharmazeutisch klassisch verwendete Heilpflanzen sind Eibischwurzel, Lindenblüten, Malvenblüten, Spitzwegerichkraut, Wollblumen, Isländisches Moos, Thymian (nur Thymus vulgaris und Thymus zygis) sowie Pei Pa Koa als Loquat-Sirup, einer Kräuterarznei der traditionellen chinesischen Medizin.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael de Ridder: Heroin: vom Arzneimittel zur Droge. Campus-Verl., Frankfurt a. M., New York 2000, ISBN 3-593-36464-6.
  2. Clobutinol-haltige Arzneimittel: BfArM ordnet Widerruf der Zulassung an. BfArM, abgerufen am 26. Juli 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann J. Roth, Helmut Fenner: Arzneistoffe: Struktur, Bioreaktivität, wirkungsbezogene Eigenschaften. 3., überarb. Auflage. Dt. Apotheker-Verl., Stuttgart 2000, ISBN 3-7692-2614-3.
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