Antoine de Rivarol

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Antoine de Rivarol

Antoine de Rivarol (* 26. Juni 1753 in Bagnols-sur-Cèze; † 13. April 1801 in Berlin) war ein französischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der einst europaweit bekannte Literat entstammte einer italienischstämmigen, eher kleinbürgerlichen Familie, erhielt aber eine passable Schulbildung, weil er Geistlicher werden sollte. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Hauslehrer in Lyon ging er 1777 mit 24 Jahren nach Paris, wo er sich als adeliger Chevalier de Parcieux ausgab.

Er zeigte sich rasch als talentierter Satiriker, dem sich einige Zeitschriften öffneten, z. B. der renommierte Mercure de France. Vor allem aber erwies er sich als begnadeter Salon-Animateur, dem sich kaum eine Tür in der Hauptstadt verschloss. Hatte er anfangs Schwierigkeiten mit seinem falschen Chevalier-Titel gehabt und ihn sogar aufgeben müssen, regte sich wenige Jahre später kaum Protest, als er sich selbstbewusst sogar als Comte (Graf) betitelte.

In ganz Europa berühmt wurde Rivarol 1784, gerade 30-jährig, als er den Preis der Berliner Akademie errang mit seinem Discours sur l’universalité de la langue française, worin er mit diesen oder jenen rationalen, vor allem aber vielen pseudorationalen Argumenten den damals in Europa allgemein akzeptierten Vorrang des Französischen als Literatur-, Wissenschafts-, Hof- und Diplomatensprache zu erklären und zu legitimieren suchte:[1]

„Europa hat eine Macht erlangt, die in der Geschichte unvergleichlich ist: die vielen Hauptstädte, die Vielzahl und die Schnelligkeit seiner Expeditionen, der öffentliche und der private Verkehr haben es zu einer großen Republik werden lassen, die sich für eine Sprache entscheiden muss.“

Rivarol, 1783

Während der Revolutionsjahre betätigte sich Rivarol – wie viele Literaten – als Journalist, und zwar als Monarchist und Verteidiger der Verhältnisse des Ancien Régime. 1792 wich er dem Druck der revolutionären Kräfte und floh, zuerst ins damals österreichische Brüssel, dann 1794 weiter nach London und 1795 nach Hamburg, einer Hochburg der französischen Emigration. 1800 besuchte er Berlin und ließ sich dort noch einmal feiern.

In Frankreich war inzwischen Napoleon Bonaparte an die Macht gekommen und baute den Emigranten goldene Brücken, weil er Offiziere und Verwaltungsbeamte für die von französischen Truppen okkupierten Gebiete brauchte. Rivarol starb kurz vor seiner geplanten Rückkehr nach Frankreich. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin begraben, doch seine Grabstätte geriet bald in Vergessenheit.[2]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Memoires de Rivarol. 1824
  • Vom Menschen. Gedanken und Maximen. Porträts und Bonmots. Anthologie. Hg., Übers. Ulrich Kunzmann. Matthes & Seitz, Berlin 2012 ISBN 978-3-88221-740-7
  • Übers. Beate Thill: Über die Universalität der französischen Sprache. Vorw. Dany Laferrière. Wunderhorn, Heidelberg 2017 (frz. 1783)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Jünger: Rivarol, Klett-Cotta
  • Jürgen Storost: 300 Jahre romanische Sprachen und Literaturen an der Berliner Akademie der Wissenschaften. Peter Lang, Frankfurt 2008, Teil 1, S. 138–146

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Antoine de Rivarol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. in Deutsch: 2017
  2. Ernst Jünger, Rivarol, 1956 (books.google.de); Tödliche Pointen flirren durch die Pariser Salons, Wolf Lepenies, Die Welt, 4. August 2012