Anton Hansen Tammsaare

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Porträt von Anton Hansen Tammsaare. 1927, Nikolai Triik
Geburtsort von Anton Hansen Tammsaare.

Anton Hansen Tammsaare (richtiger Name Anton Hansen, * 18. Januarjul./ 30. Januar 1878greg.[1] auf dem Hof Tammsaare in der Gemeinde Albu; † 1. März 1940 in Tallinn), war ein estnischer Schriftsteller, dessen fünfteiliger Romanzyklus Tõde ja õigus (Wahrheit und Recht; 1926–1933) als eines der wesentlichen Werke der estnischen Literatur gilt.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tammsaare wurde in der Region Järvamaa, in der Gemeinde Albu als Bauernsohn geboren. Er kam aus armen Verhältnissen, vermochte aber genügend Geld für seine Ausbildung zusammenzubringen. Er ging in Väike-Maarja und im Gymnasium von Hugo Treffner in Dorpat (Tartu) zur Schule und studierte danach Recht an der Universität Tartu. Sein Studium wurde von einer Tuberkulose-Erkrankung unterbrochen. Über ein Jahr verbrachte er in einem Sanatorium bei Sotschi am Kaukasus und danach sechs weitere Jahre auf dem Bauernhof seines Bruders in Koitjärve. In dieser Zeit las er Werke von Cervantes, Shakespeare und Homer.

1919, unmittelbar nachdem Estland unabhängig geworden war, heiratete Tammsaare Käthe-Amalie Weltman und zog nach Tallinn. Hier verfasste er die Werke, die ihm einen dauerhaften Platz in der estnischen Literatur einbringen sollten. Obwohl Tammsaare seine Themen aus der Geschichte und dem Leben des estnischen Volkes bezog, haben seine Romane einen engen Bezug zu den Ideen von Henri Bergson, Carl Gustav Jung und Sigmund Freud und Schriftstellern wie Knut Hamsun und André Gide. Tammsaare war Mitglied der Künstlergruppe Noor-Eesti (Jung-Estland), die sich gegen die kulturelle Dominanz Russlands richtete.

Bibliografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tammsaares frühe Werke sind geprägt von naturalistisch und ländlich orientiertem Realismus. Einige seiner Geschichten spiegeln die Atmosphäre des Revolutionsjahres 1905 wider. Als seine zweite Schaffensperiode gelten die Jahre zwischen 1908 und 1919, in denen er verschiedene Stadtromane und Kurzgeschichten schrieb. In „Poiss ja liblik“ (Der Junge und der Schmetterling, 1915) zeigt Tammsaare Einflüsse Oscar Wildes. Später wandte er sich dem Neorealismus und Existenzialismus zu.

Wahrheit und Recht umfasst fünf Bände:

  • 1: Wargamäe
  • 2: Indrek
  • 3: Wenn der Sturm schweigt
  • 4: Karins Liebe
  • 5: Rückkehr nach Wargamäe

Für die deutsche und lettische Übersetzung hatte Tammsaare den dritten Band gekürzt, so dass er mit Band 2 kombiniert erschien. In Estland ist der zweite Band mit seinen Unterrichtsszenen aus einer Bildungsanstalt (dem verschlüsselten Treffner-Gymnasium) in Tartu am beliebtesten. Internationalen Literaturkritikern gilt der erste Band als stärkster; es ist ein klassischer Bauernroman, der, an Hamsun erinnernd, am meisten über den estnischen Charakter erzählt, besonders verkörpert in der Gegenüberstellung der beiden Bauern Andres und Pearu. Tammsaare selbst sagte später, dass die verschiedenen Bände die Beziehung des Menschen (resp. des Handelnden) 1. zum Land, 2. zu Gott, 3. zu Staat und Gesellschaft, 4. zu sich selbst sowie 5. die Resignation behandelten. Von Wahrheit und Gerechtigkeit gibt es zwei deutsche Gesamtausgaben (s. Bibliographie unten), von denen die erste ebenfalls die Bände 2 und 3 kombiniert.

Sein Roman „Põrgupõhja uus Vanapagan“ (Satan mit gefälschtem Pass, 1939) erfuhr international neben „Wahrheit und Recht“ die weiteste Verbreitung.

Werke in Auswahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kaks paari ja üksainus, 1902 - Zwei Paare und ein einzelner
  • Vanad ja noored, 1903 - Alte und Junge
  • Raha-auk, 1907 - Die Geldgrube
  • Uurimisel, 1907 - In Erwartung
  • Pikad sammud, 1908 - Grosse Schritte
  • Üle piiri, 1910 - Über die Grenze
  • Noored hinged, 1909 - Junge Geister
  • Poiss ja liblik, 1915 - Der Knabe und der Schmetterling
  • Keelest ja luulest, 1915 - Über die Sprache und das Dichten
  • Kärbes, 1917 - Die Fliege
  • Varjundid, 1917 - Die Umrisse der Schatten
  • Sõjamõtted, 1919 - Kriegsgedanken
  • Juudit, 1921 - Judith
  • Kõrboja peremees, 1922 - Der Bauer von Kõrboja
  • Pöialpoiss, 1923 - Der Däumling
  • Sic Transit, 1924
  • Tõde ja õigus I-V, 1926-33 - Wahrheit und Gerechtigkeit, Band 1–5
  • Meie rebane, 1932 - Unser Fuchs
  • Elu ja armastus, 1934 - Das Leben und die Liebe
  • Ma armastasin sakslast, 1935 - Ich liebte eine Deutsche
  • Kuningal on külm, 1936 - Der König friert
  • Hiina ja hiinlane, 1938 - China und ein Chinese
  • Põrgupõhja uus Vanapagan, 1939 - Satan mit gefälschtem Pass
  • Miniatures, 1977
  • Kogutud teosed, 1977–1993 (18 Bände) - Gesammelte Werke

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister der Gemeinde Sankt Matthäi (estnisch: Järva-Madise kogudus)