Anton Hofreiter

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Anton Hofreiter, 2014

Anton „Toni“ Hofreiter (* 2. Februar 1970 in München) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Biologe. Er ist seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und war dort von 2011 bis 2013 Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Seit Oktober 2013 ist er neben Katrin Göring-Eckardt Vorsitzender der grünen Bundestagsfraktion.

Wissenschaftliche Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Jahr nach dem Abitur im Jahr 1990 am Asam-Gymnasium München begann Hofreiter ein Studium der Biologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), das er im Jahr 1997 als Diplom-Biologe abschloss. Im September 2003 wurde er am Institut für Systematische Botanik der LMU über die südamerikanische Pflanzengattung Bomarea zum Dr. rer. nat.[1] promoviert. Anschließend war er bis 2006 an diesem Institut als Postdoktorand tätig. Sein botanisches Autorenkürzel lautet „Hofreiter“.

Partei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter wurde als Schüler im Jahr 1986 Mitglied der Grünen. Von 1988 bis 1995 war er Sprecher des Ortsverbandes Sauerlach und von 1996 bis 2006 Sprecher des Grünen-Kreisverbandes München-Land. Zwischen 2001 und 2006 war er auch Sprecher des Landesarbeitskreises Ökologie. Neben seiner Tätigkeit an der LMU arbeitete er von 1998 bis 2003 für die bayerische Landtagsabgeordnete der Grünen Susanna Tausendfreund und von 2003 bis 2005 für den Abgeordneten Christian Magerl.

Abgeordneter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter auf dem 1. Kleinen Parteitag Bündnis 90/Die Grünen in München 2016

Von 2002 bis 2005 gehörte Hofreiter dem Gemeinderat seines Wohnortes Sauerlach an. Von 2002 bis 2014 war er Mitglied des Kreistags des Landkreises München.

Seit 2005 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages, in den er stets – zuletzt 2017 – über die Landesliste Bayern gewählt wurde. Sein Wahlkreis ist München-Land. Im 16. Bundestag von 2005 bis 2009 war er Obmann seiner Fraktion im Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. Er ist Gründungsmitglied der parlamentarischen Gruppe Frei fließende Flüsse.

Am 8. Juni 2011 wurde er als Nachfolger von Winfried Hermann einstimmig zum Vorsitzenden des Ausschusses für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Deutschen Bundestag gewählt.[2] Bis zu seiner Wahl zum Ausschussvorsitzenden war er verkehrspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Nach der Bundestagswahl 2013 bewarb er sich um den Vorsitz der Bundestagsfraktion seiner Partei. Am 8. Oktober 2013 wurde er von 49 der 61 Grünen-Bundestagsabgeordneten in dieses Amt gewählt, das er mit der Co-Vorsitzenden Katrin Göring-Eckardt teilt.[3]

Im Mai 2014 wurde durch einen Bericht der Bild-Zeitung bekannt, dass Hofreiter von 2005 bis 2014 seine Berliner Zweitwohnung nicht angemeldet und dafür keine Zweitwohnungsteuer gezahlt habe. Hofreiter gab an, dass er die Anmeldung aus den Augen verloren habe und zahlte Steuern in Höhe von 2475 Euro nach.[4][5]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parteiintern sowie seitens der Medien und der Öffentlichkeit wird Hofreiter dem linken Flügel der Grünen zugeordnet.[6]

Umwelt-, Klima- und Agrarpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter setzt sich für ein Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen ein.[7] Er fordert zudem eine Einschränkung von Antibiotika in der Tiermast sowie eine Reduzierung des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft.[8] Den im Bundestagswahlkampf geforderten Veggie-Day lehnte er ab; vielmehr müssten die Strukturen der Agrarindustrie verändert werden.[9]

Hofreiter setzt sich stark für eine Agrarwende ein.[10] Da in Deutschland mehr Fleisch konsumiert als produziert wird, muss vor allem das Futtermittel in Form von Gen-Soja importiert werden. Diese Sojabohnen stammen zumeist aus Südamerika.[11] Hofreiter kritisiert scharf, dass die dort vorherrschenden kleinbäuerlichen Strukturen durch die europäische Agrar- und Handelspolitik zerstört werden, da diese mit den ausländischen Großunternehmen nicht mehr mithalten können. Hofreiter äußerte sich in einem Interview über „Die Blutspur des Sojas“: „Wir bräuchten eine Agrarwende weg von Quantität, stärker hin zu Qualität.“[12]

Sein wichtigstes politisches Ziel ist dabei der Schutz unserer Umwelt vor Zerstörung unter dem Motto „Packen wir’s an!“. Umweltschutz ist für Anton Hofreiter Politik der Gerechtigkeit zum Schutz der Menschen mit niedrigen Einkommen.[13]

Im Juni 2016 hat Anton Hofreiter sein Buch „Fleischfabrik Deutschland: Wie die Massentierhaltung unsere Lebensgrundlagen zerstört und was wir dagegen tun können“ veröffentlicht.[14] Er fordert eine Reduzierung von Plastikmüll, ist für verbindliche Regelungen für die Industrie und schlägt eine Zwangsabgabe von 20 Cent für Plastiktüten vor.[15] Er warnt zudem vor den Folgen des Klimawandels und fordert weitreichende nationale und internationale Maßnahmen, um die Klimaziele zu erreichen.[16]

Verkehrspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter lehnt die von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vorgeschlagene Pkw-Maut für Ausländer ab. Er hält die geplante Maut für nicht mit dem EU-Recht konform, ungerecht und unökologisch.[17] Er setzt sich für eine Stärkung des Schienenverkehrs und gegen eine Privatisierung des Schienennetzes ein.[18] Für Bundesautobahnen fordert er ein generelles Tempolimit.[19]

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die transatlantischen Handelsabkommen TTIP und CETA lehnt er in ihrer jetzigen Form ab.[20] Er befürchtet eine Absenkung von Verbraucherstandards und die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit durch internationale Schiedsgerichte.[21] Er ist ein Gegner von Öffentlich Privaten Partnerschaften (ÖPP) und kritisiert diese als intransparent und als Methode für versteckte Staatsverschuldung.[22]

Steuerpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter tritt für eine Vermögenssteuer ein.[23] Diese sieht er als richtiges Instrument, um den Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken. Ein gerechtes Steuersystem sei nach Hofreiter ein kleiner Baustein, um auch „das reichste eine Prozent der Gesellschaft“ in die Verantwortung zu nehmen, da auch diese etwas zur Finanzierung dieser Gesellschaft beitragen müssen.[24]

Innenpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Diskussion um das Verhältnis von Sicherheit und Freiheit lehnt er eine anhaltslose Vorratsdatenspeicherung ab. Diese schränke grundlegende Freiheitsrechte ein.[25] Er setzt sich für die Liberalisierung des Cannabis-Konsums ein.[26][27]

Außen-, Europa- und Sicherheitspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Lösung internationaler Konflikte setzt er sich für einen stärkeren Fokus auf Krisenprävention, Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit ein. Waffenlieferungen an die ukrainische Armee lehnt er ab.[28] In Bezug auf die andauernde Krise in Griechenland fordert er sozial gerechte Änderungen des Rettungsprogramms, eine Besteuerung von Vermögenden und die Eindämmung der Korruption.[29][30] Ein Plädoyer Hofreiters für mehr Europa veröffentlichte zeit.de am 26. Juli 2015.[31]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hofreiter ist Mitglied beim ökologischen Verkehrsclub VCD, der Gewerkschaft Ver.di, bei den Naturfreunden, beim BUND, beim Landesbund für Vogelschutz und im Verein zum Schutz der Bergwelt.[32]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anton Hofreiter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die infragenerische Gliederung der Gattung Bomarea Mirb. und die Revision der Untergattungen Sphaerine (Herb.) Baker und Wichuraea (M. Roemer) Baker (Alstroemeriaceae). Dissertation, LMU München: Faculty of Biology. Ludwig-Maximilian-Universität München. 2003. Abgerufen am 14. März 2017.
  2. Anton Hofreiter leitet den Verkehrsausschuss. Deutscher Bundestag. 17. Mai 2010. Abgerufen am 14. März 2017.
  3. Göring-Eckardt gewinnt Kampfabstimmung bei Grünen. Spiegel Online. 8. Oktober 2013. Abgerufen am 14. März 2017.
  4. Hofreiter gesteht Steuerversäumnis ein. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Mai 2014. Abgerufen am 14. März 2017.
  5. Grünen-Fraktionschef Hofreiter räumt Steuerhinterziehung ein. Spiegel Online. 10. Mai 2014. Abgerufen am 14. März 2017.
  6. Göring-Eckardt und Hofreiter führen Grünen-Fraktion. Zeit Online. 8. Oktober 2013. Abgerufen am 14. März 2017.
  7. Europäische Grüne drohen Kommission mit Misstrauensantrag. Zeit Online. 14. Februar 2014. Abgerufen am 14. März 2017.
  8. Hofreiter fordert radikalen Umbau der Agrarindustrie. Spiegel Online. 22. November 2014. Abgerufen am 14. März 2017.
  9. „Als Holzklotz ist man in der Politik falsch“. TheEuropean. 21. Januar 2010. Abgerufen am 14. März 2017.
  10. Die Blutspur des Sojas: Anton Hofreiter erklärt, warum wir an der Flüchtlingskrise Mitschuld tragen. Abgerufen am 14. September 2017.
  11. Dr. Tom Deutschle: Soja – der Fleisch gewordene Wahnsinn. Faszination Regenwald, abgerufen am 14. September 2017.
  12. Philipp Sommer: Die Blutspur des Sojas: Anton Hofreiter erklärt, warum wir an der Flüchtlingskrise Mitschuld tragen. Munchies, abgerufen am 14. September 2017.
  13. Die Erde ist unsere Heimat. Wir müssen sie schützen. – TONI HOFREITER. Abgerufen am 14. September 2017.
  14. "Fleischfabrik Deutschland". Deutsche Welle. 15. Juni 2016. Abgerufen am 14. März 2017.
  15. Grüne fordern Zwangsabgabe für Plastiktüten. Berliner Zeitung. 6. Januar 2015. Abgerufen am 14. März 2017.
  16. Klimakonferenz zu Lima. Bündnis 90/Die Grünen. 19. Dezember 2014. Abgerufen am 14. März 2017.
  17. Aktuelle Stunde „CSU-Pläne zur PKW-Maut“. Bündnis 90/Die Grünen. 13. Juni 2013. Abgerufen am 14. März 2017.
  18. Bahn. Toni Hofreiter. Abgerufen am 14. März 2017.@1@2Vorlage:Toter Link/www.toni-hofreiter.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven)
  19. Die Hassliebe der Deutschen zum Tempolimit. Welt N24. 10. Mai 2013. Abgerufen am 14. März 2017.
  20. [1] TTIP bedroht bäuerliche Existenzen, 24. Juni 2014
  21. TTIP und CETA. Bündnis 90 / Die Grünen. 25. September 2014. Abgerufen am 24. März 2017.
  22. [2] www.toni-hofreiter.de, abgerufen am 6. Februar 2015
  23. Ulrich Schulte: Grüne wollen Vermögensteuer: Vermögen nach links steuern. In: Die Tageszeitung: taz. 20. April 2016, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. September 2017]).
  24. Vermögenssteuer - "Entscheidend ist, dass die Gesellschaft nicht auseinanderfliegt". In: Deutschlandfunk. (deutschlandfunk.de [abgerufen am 14. September 2017]).
  25. "Die Polizei braucht ausreichend Personal". Deutschlandfunk. 17. Januar 2015. Abgerufen am 24. März 2017.
  26. "Schnaps ist gefährlicher als Marihuana" (Englisch) stern. 26. März 2014. Abgerufen am 24. März 2017.
  27. „Als Holzklotz ist man in der Politik falsch“. The European. 21. Januar 2015. Abgerufen am 24. März 2017.
  28. "Mehr Verantwortung? Das war nur ein Trick". Rheinische Post. 6. Februar 2015. Abgerufen am 24. März 2017.
  29. Grünen-Fraktionschef für sozial gerechte Änderung des Rettungsprogramms. Rheinische Post. 25. Januar 2015. Abgerufen am 24. März 2017.
  30. [3] Statement von Anton Hofreiter zu den Themen Griechenland, Ukraine sowie zum Ausbau der Stromtrassen, 5. Februar 2015
  31. Nicht weniger, sondern mehr Europa!. Zeit Online. 26. Juli 2015. Abgerufen am 24. März 2017.
  32. Angaben auf der persönlichen Homepage, abgerufen am 8. Februar 2014