Anton Joachimsthaler

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Anton Joachimsthaler (* 1930 in Hohenelbe[1]) ist ein deutscher Historiker. Er wurde vor allem bekannt durch seine Forschungen zur Jugend und den Anfängen des deutschen Diktators Adolf Hitler („Korrektur einer Biografie“).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachimsthaler wurde im Sudetenland geboren. Er studierte am Oskar-von-Miller-Polytechnikum, einer Vorgängerinstitution der Fachhochschule München Elektrotechnik. Danach war er seit 1956[2] bei der Deutschen Bundesbahn im maschinentechnischen und elektrotechnischen Dienst an verschiedenen Stellen tätig, zuletzt als Abteilungsleiter im Ausbesserungswerk München-Freimann. Seit 1969 beschäftigte er sich nebenberuflich mit Zeit- und Eisenbahngeschichte. Seit den 1970er Jahren publizierte er über Technik- und Zeitgeschichte und war als Mitarbeiter und Berater bei zeitgeschichtlichen Fernsehsendungen des ZDF (Hitler als Privatmann) tätig. Viel beachtet wurde insbesondere sein Werk Korrektur einer Biografie, worin er viele zuvor nur wenig bekannte Fakten zu Hitlers Jugendjahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machte.

Beiträge zur Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachimsthaler ist vor allem durch seine Beiträge zur Erforschung des Lebens Adolf Hitlers bekannt geworden. Neben der österreichischen Historikerin Brigitte Hamann gilt er als derjenige Forscher, der in den vergangenen Jahrzehnten die wichtigsten Beiträge zur Aufarbeitung von Hitlers frühen Lebensjahren in Linz, Wien und München geliefert hat. So konnte er mit dazu beitragen, die in der historischen Forschung jahrzehntelang vertretene Auffassung zu erschüttern, dass bereits der junge Hitler in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg ein arrivierter Antisemit gewesen sei, indem er Indizien zutage förderte, die glaubhaft machen konnten, dass Hitler sich erst während des oder unmittelbar nach dem Weltkrieg zu einem ernsthaften Antisemiten entwickelte. In diesem Zusammenhang konnte er etwa durch seine Nachforschungen im Stadtarchiv von Hitlers Heimatstadt Linz feststellen, dass die Linzerin Stefanie Rabatsch, zu der Hitler, wie durch seinen Jugendfreund August Kubizek verbürgt ist, eine schwärmerische Jugendliebe gefasst hatte, mit Geburtsnamen Isak hieß. Die Tatsache, dass Hitler in den Linzer Jahren ein romantisches Interesse an einem Mädchen hatte, das zwar keine Jüdin war, von dem er aber aufgrund ihres jüdisch klingenden Namens glauben musste, dass sie jüdischer Herkunft war, mache – so die in der Forschung weitgehend akzeptierte Argumentation Joachimsthalers – eine ernsthafte antisemitische Einstellung des späteren Diktators bereits zu dieser Zeit höchst unwahrscheinlich.

Ein wesentliches eisenbahnhistorisches Forschungsfeld Joachimsthalers war die von Hitler gewünschte Breitspurbahn mit einer Spurweite von 3000 Millimetern, also mehr als doppelt so breit wie die europäische Normalspur von 1435 Millimetern. Seine erstmals 1981 veröffentlichte Studie stellt hierzu immer noch das Standardwerk dar.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Autor:

  • Entwicklungsgeschichte der elektrischen Lokomotiven. In: 100 Jahre elektrische Eisenbahn. Keller Verlag, Starnberg 1980, ISBN 3-7808-0125-6, Seite 22 ff.
  • Bundesbahn-Ausbesserungswerk München-Freimann. Geschichte, Menschen, Fahrzeuge 1925–1985. Bundesbahn-Ausbesserungswerk München-Freimann, München 1985.
  • Die Breitspurbahn: Das Projekt zur Erschließung des groß-europäischen Raumes 1942–1945. Verlag Herbig, München 1985, ISBN 3-7766-1352-1.
  • Korrektur einer Biografie. Adolf Hitler 1908–1920. München 1989.
  • Hitlers Weg begann in München. 1913–1923. München 2000, ISBN 3-7766-2155-9 (überarbeitete Fassung von „Korrektur einer Biografie“; Geleitwort von Ian Kershaw).
  • Hitlers Liste. Ein Dokument persönlicher Beziehungen. München 2003.
  • Hitlers Ende. München 2004.
  • München – Hauptstadt der Bewegung. München (Katalog des Münchener Stadtmuseums).

Als Herausgeber:

  • Christa Schroeder: Er war mein Chef. München 1985 (Memoiren der Sekretärin Adolf Hitlers).

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ralf Rossberg: Deutsche Eisenbahnfahrzeuge von 1838 Bis Heute. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-95770-3 (google.de [abgerufen am 20. Januar 2017]).
  2. Ralf Rossberg: Deutsche Eisenbahnfahrzeuge von 1838 Bis Heute. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-95770-3 (google.de [abgerufen am 20. Januar 2017]).