Anton Kratky-Baschik

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Anton Kratky-Baschik

Anton Kratky-Baschik (* 1821[1][2] in Prag; † 28. August 1889 in Wien) war ein Zauberkünstler und Schausteller sowie ein Erfinder von Musikinstrumenten.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anton Kratky-Baschik begann als Musiker und trat bereits mit 16 Jahren als Mundharmonikaspieler in Prag auf. In Berlin traf er auf einen der populärsten und bekanntesten deutschen Zauberkünstler des 19. Jahrhunderts Bellachini, welcher ihn für sein Abendprogramm verpflichtete. Er entwickelte eigene Musikinstrumente, wie das „Hornmelodion“, bei dem er Mundharmonikas mit Schalltrichtern kombinierte.[3]

Darauf begann sich Kratky-Baschik mit physikalischen Experimenten zu beschäftigen. Er beschloss, selbst Zauberkünstler zu werden und beschäftigte sich ab 1850 mit Zauberkunststücken. Er reiste mit dem ältesten Sohn seines Bruders als Gehilfen durch Deutschland. Ab 1852 hatte er ein eigenes Programm, in das auch magische Auftritte integriert waren.[3] Für zwei Jahre trat er ab 1854 mit dem amerikanischen Zirkuspionier Phineas Taylor Barnum auch in England und Amerika auf, wobei er sich ursprünglich auf Gespenstervorführungen spezialisierte.

Schließlich ließ er sich 1862/1863 in Wien nieder und eröffnete 1864 auf der Feuerwerksallee, der späteren Ausstellungsstraße[3] im Wiener Wurstelprater sein erstes festes Zaubertheater, das sich jedoch nur ein Jahr hielt, da Kratky-Baschik eine Tournee durch Böhmen, Ungarn und die weitere Donaumonarchie sowie durch Serbien unternahm. 1868 kehrte er nach Wien zurück und erbaute zur Wiener Weltausstellung 1873 im Wiener Prater sein zweites Zaubertheater („Theater für Zauberei“), wobei er als einer der ersten Geißler’sche Röhren benutzte. Es hatte nahezu 1000 Sitzplätze und galt damals als eines der größten Zaubertheater der Welt. 1874 hatte Kratky-Baschik ein ehemaliges Affentheater gekauft, das nach der Weltausstellung in Konkurs gegangen war und in dem er sein Unternehmen führte. Einer seiner Mitarbeiter, Georg Julius Proks, der vor dem Lokal um Zuschauer warb, wurde ebenfalls zur Praterlegende. Er war als „Teufel vom Kratky-Baschik“ eine populäre Figur, die mit kleinem, buckligem Körperbau und mit roten Hörnern und einer zerzausten Figur bekannt wurde.[3]

1882 hatte der Niedergang des Zaubertheaters bereits begonnen. Das Gebäude begann Baumängel aufzuweisen, die nur zögernd behoben wurden, sein Besitzer war dem Alkohol nicht abgeneigt.[3] Sein Nachlass umfasste 1889 rund 70.000 Gulden.[3]

Vermächtnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut dem Austria-Forum wurde das zweite Theater Kratky-Baschiks, welches er 1873 im Wiener Prater errichtete, von seinem Neffen Mathias Kratky und 1898 bis 1911 vom Zauberkünstler Ottokar Fischer (1873–1940, Präsident des Magischen Klubs Wien) weitergeführt.[4]

Im Andenken an Anton Kratky-Baschik wurde 1963 im zweiten Wiener Gemeindebezirk Leopoldstadt im Wurstelprater der Kratky-Baschik-Weg benannt. Er ist auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben, die Grabinschrift nennt ihn als „Meister seiner Kunst“.[3]

In Heimito von Doderers 1956 entstandener Erzählung Ein anderer Kratki-Baschik wird auf ihn Bezug genommen. Doderer erwähnt, dass der erste Teil des aus dem Tschechischen kommenden Familiennamens im Versuch, den Namen „zu arabisieren oder turkisieren“ als Kratki geschrieben wurde und der zweite Namensteil Baschik ein türkisch klingendes, aber im Türkischen[5] nicht in gleicher Form vorkommendes Wort sei.[6] Der Name wird damit, unabhängig von der Schreibweise, als Künstlername dargestellt. Er scheint aber auch auf dem Grabstein auf. Das ist nur Beleg für die allgemeine Anerkennung, nicht aber Beweis für eine amtliche Namensänderung.

Belege zu Kratky-Baschik sind im Circus- und Clownmuseum in Wien zu sehen.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Anton Kratky-Baschik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hinsichtlich seines Geburtsdatums und seines Geburtsortes gibt es widersprüchliche Angaben. Das Austria-Forum gibt den 11. Jänner 1810 in Kozlány an, das Artisten-Lexikon den 6. November 1820 in Prag, das Österreichische Biographische Lexikon 1821 in Prag. Die Inschrift auf der Tafel der Gruft "Kratky-Baschik" auf dem Wiener Zentralfriedhof gibt 1822 an. Und das Gräberverzeichnis der Verwaltung des Wiener Zentralfriedhofes aus dem Jahre 1889 gibt sein Gesamtalter mit 69 Jahren an.
  2. Die Hall of Fame der Society of American Magicians gibt für Anton Kratky-Baschik den 11. Januar 1821 an.
  3. a b c d e f g h Clemens Marschall: Kratky-Baschik und sein Teufel. In: Wiener Zeitung. 22. August 2017, S. 12.
  4. Eintrag zu Anton Kratky-Baschik im Austria-Forum (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  5. die Möglichkeit eines arabischen Wortes wird nicht erwähnt, arabisch „Baschik“ ist ein Wort für den Sperber: Hammer-Purgstall, Falknerklee bestehend in drey ungedruckten Werken über die Falknerey, Pesth 1840, Seite 8 in der Google-Buchsuche.
  6. Heimito von Doderer: Ein anderer Kratki-Baschik. In: Die Peinigung der Lederbeutelchen und andere Erzählungen. (Auszug aus: Doderer: Die Erzählungen, Biederstein Verlag München 1972. ISBN 3-7642-0149-5). Deutscher Taschenbuch Verlag dtv. Juli 1984. ISBN 3-423-10287-X, S. 24–37, hier: S. 27.