Anton Pohlmann (Unternehmer)

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Anton Pohlmann (* 1939) ist ein deutscher Unternehmer, der bis zu seinem Berufsverbot im Jahr 1996 in Deutschland tätig war und in der Zeit seiner Unternehmertätigkeit in Deutschland als der größte Eierlieferant Europas galt. Der gelernte Bäcker lebte in Neuenkirchen-Vörden im Landkreis Vechta, wo auch der Stammsitz seines 1968 gegründeten Unternehmens war.

Lebensmittelskandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelrecht und ungenehmigter Tierhaltung wurden ihm mehrfach hohe Geldbußen auferlegt. Schließlich wurde er auch strafrechtlich verfolgt, nachdem durch Recherchen des Fernsehmagazins Panorama nachgewiesen werden konnte, dass in den Legebatterien Nikotin zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde. Dadurch sind Millionen Tiere verendet, Eier verseucht und ein Mitarbeiter dabei schwer verletzt worden.[1]

Am 1. Februar 1996 übernahm die „Deutsche Frühstücksei GmbH“ Pohlmanns Unternehmen.[2] Im selben Jahr verurteilte das Landgericht Oldenburg den „Hühnerbaron“ wegen Tierquälerei und Verstoß gegen das Lebensmittelrecht zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie zu einer Geldbuße von insgesamt 3,1 Millionen DM. Außerdem verhängte es ein lebenslanges Verbot gewerblicher Tierhaltung gegen ihn.

Seitdem produziert er nicht mehr in Deutschland. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika musste Pohlmann im Jahr 2003 seine Farmen, die in der Buckeye Egg Company zusammengeschlossen waren, schließen. Die Gründe waren Falschdeklaration von schlechten Eiern, Fischsterben durch Hühnergülle in Flüssen, illegale Entsorgung von Hühnerkadavern, Grundwasser-Gefährdung durch Impfstoffe und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter. Mit dem Beitritt mehrerer ostmitteleuropäischer Staaten zur Europäischen Union im Jahr 2004 scheiterte Pohlmanns Versuch endgültig, den deutschen Eiermarkt von Tschechien oder Ungarn aus zu beliefern.

Bereits in dem Film Und ewig stinken die Felder, Beobachtungen im Südoldenburgischen der ARD aus dem Jahre 1984 wurden die Praktiken Pohlmanns kritisiert. So wurden ihm enge, persönliche Beziehungen zur damals CDU-geführten Landespolitik nachgesagt, die ihn vor empfindlicheren Strafen schützten. Der Niederländische Justizombudsmann führt die Firma „Anton Pohlmann GmbH“ in einer Liste deutscher Firmen auf, die im Zeitraum von 1986 bis 1996 wegen Korruption auffällig wurden.[3]

Weiteres unternehmerisches Handeln nach dem Lebensmittelskandal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn Stefan Pohlmann wurde 2015 wegen des Bayern-Ei-Skandals verhaftet.[4] Wegen einer Salmonellenvergiftung im Jahr 2014, bei der in fünf europäischen Ländern hunderte von Menschen erkrankten und zwei Männer starben, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Regensburg.[5][6] Stefan Pohlmann drohen bis zu 15 Jahre Haft.[7]

Im Zuge der Veröffentlichung der Panama Papers im April 2016 wurde auch sein Name genannt. Der Bayerische Rundfunk berichtete von Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung in diesem Zusammenhang.[8]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.br.de/nachrichten/eier-salmonellen-pohlmann-100.html
  2. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: BUND präsentiert Studie zu Verflechtungen von Eier-Fabrikanten. 3. Dezember 1998
  3. Netherlands Justice Ombudsman: Corruption German Companies
  4. Jan Grossarth: Die Rückkehr der Salmonellen-Paten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Mai 2015, S. 24.
  5. Philipp Grüll und Ernst Eisenbichler: Salmonellenausbruch in Europa Die Spur führt nach Niederbayern. In: br.de. 21. Mai 2015. Abgerufen am 21. Mai 2015.
  6. Vergifteten Eier aus Bayern Menschen in ganz Europa?. In: merkur.de. 21. Mai 2015. Abgerufen am 21. Mai 2015.
  7. sueddeutsche.de: Bayern-Ei-Skandal: Behörden schlampten offenbar bei Aufklärung
  8. Uli Scherr, Bayerischer Rundfunk: Panama Papers: Auch Eier-Produzent Pohlmann nutzte Offshore-Dienste – BR.de. In: br.de. 5. April 2016, abgerufen am 5. April 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]