Antoni Aleksander Iliński

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Antoni Aleksander Ilinski

Graf Antoni Aleksander Iliński (auch: Zelensky[1] und Zelinski[2]), Graf Peliaski[3] bzw. Mehmet İskender Paşa (* 1814; † 1861) war ein polnisch-osmanischer Offizier und General. Als Unabhängigkeitsaktivist und Aufständischer beteiligte er sich an mehreren Erhebungen der Polen und Ungarn im Österreich des 19. Jahrhunderts. Zum Islam konvertiert, diente er alsdann in mehreren Funktionen in der osmanischen Armee unter der Herrschaft des Sultans Abdülmecid I. in Bosnien und Herzegowina, im Krimkrieg und in den osmanisch dominierten Regionen Transkaukasiens und Mesopotamiens.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Geburtsjahr Ilińskis gibt es mehrere Angaben: Neben dem von Łątka genannten und verbreiteten Jahr 1814[4] werden in zeitgenössischen Quellen zudem die Jahre 1810,[5] 1812,[6][7] und 1815[8] genannt. Auch in der Herkunft Ilińskis widersprechen sich die Angaben:

Nach einer Ansicht soll er tatarischer Herkunft gewesen sein, aus Bender in Bessarabien gestammt haben und damit bereits von Geburt an Anhänger des Islam gewesen sein. Iliński sei eine Form seines Namens Illahi gewesen und der Grafentitel aus seinem Beinamen Bey entstanden. Sein Großvater und sein Vater sollen Besitzungen in Litauen und Wolynien gehabt haben. Sein Vater soll eine selbstfinanzierte Schwadron tatarischer Husaren im polnischen Novemberaufstand 1830 gegen Russland geführt haben. Iliński soll dort im Alter von 13 Jahren als Kadett gedient haben. Nach dem gescheiterten Aufstand wurden die Güter seines Großvaters konfisziert und sein Vater zur Bergwerksarbeit nach Sibirien deportiert, wo er fünf Jahre verblieb.[9][10]

Andere Quellen attestieren Iliński eine polnische Abstammung und sehen die Gegend um Isjaslaw in Wolynien als seinen Geburtsort an. Sein Bruder soll danach Wirtschaftspächter auf einem Gut Sanguskos gewesen sein. [11][5] In Romaniw, das ebenfalls zu Wolynien gehört, wurde zudem Józef August Iliński (1766–1844) geboren, dem Ende des 18. Jahrhunderts der Grafentitel verliehen worden war.[12]

Frühe Kämpfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig vom Geburtsort berichten beide Quellen in jungen Jahren von einer Beteiligung Ilińskis am Novemberaufstand 1830, nach dem nach Paris, wo sich um Adam Jerzy Czartoryski im Hôtel Lambert das politische Zentrum der polnischen Emigration herausgebildet hatte. Dort versuchte sein späterer ungarischer Kampfgefährte Józef Bem eine Polnische Legion für die Armee des portugiesischen Königs Peter I. auszuheben. Obwohl er er damit gescheitert war, traten er und mehrere polnische Offiziere auf der Seite Portugals in den Miguelistenkrieg ein.[13]

Auch Iliński kämpfte auf Don Pedros Seite. Den Namen Graf Peliaski trug er im spanischen Ersten Carlistenkrieg, wo er unter Königin Isabella Anführer eines Freicorps, der Legion provisoire, wurde und sieben Jahre kämpfte.[14] Spanien und Portugal verliehen ihm zusammen elf Orden.[15] Einer russischen Belagerung des persischen Herat wohnte er 1836 ebenso bei, wie dem Ersten Opiumkrieg in Kanton. Er trat danach in französische Dienste und war an mehreren Schlachten gegen Abd el-Kader in Algerien beteiligt, nahm an der Expedition nach Constantine teil und erhielt den Orden der Ehrenlegion.[16]

Im Ungarischen Unabhängigkeitskrieg der Jahre 1848/1849 war Iliński erneut als Unterstützer Bems in Ungarn aktiv, dem er mehrmals das Leben gerettet haben soll. In der Schlacht bei Temesvár am 9. August 1849 soll Iliński laut einer Legende zudem drei Mal das Pferd getötet worden sein und er soll der letzte gewesen sein, der das Schlachtfeld weitere hat. Nach der verlorenen Schlacht und der Kapitulation von Világos flüchteten er mit Bem und Resten der Ungarischen Armee in die Türkei.[17][18][5] Spätestens jetzt trat er zum Islam über und nannte sich Mehmet İskender Bey.[3] Nach anderen Quellen soll er bereits vor 1848 im Dienst der Pforte gestanden haben.[19]

Karriere in der osmanischen Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mohamed Iskender Illahi Bey, Lithographie von Eduard Kaiser, 1854

Wie Bem wurde Mehmet Iskender nach Aleppo verwiesen und durfte erst nach dessen Tod 1850 Europa wieder betreten.[19] In Rumelien diente Mehmet Iskender unter Omar Pascha. Er nahm am Feldzug gegen aufständische Bosnier teil, im Zuge dessen der bosnische Vizier Ali-paša Rizvanbegović 1851 abgesetzt und später getötet wurde.[2] Iskender soll seine Heeresabteilung gegen eine bosnische Übermacht ins Feld geführt und dabei gesiegt und eine „bedeutende Anzahl Kanonen“ erbeutet haben. Hiervon sollen sich die Bosnier im Verlaufe des Feldzuges nicht wieder erholt haben. Für seine Verdienste wurde er von der osmanischen Regierung mit der Paschawürde ausgezeichnet. Als Österreich und Russland dagegen protestierten, gab er den Titel jedoch zurück.[8][16]

Im Oktober 1853 reiste er mit Aufträgen an die französische und britische Regierung nach Paris, vermutlich um Offiziere für den kurz zuvor ausgebrochenen Krimkrieg anzuwerben.[19] Zu dieser Zeit führte ein Avangardecorps, das aus Başı Bozuks und Albanern bestand.[3] In der Schlacht von Cetate zum Jahreswechsel 1853/54 befehligte Iskender die Vorposten und brach sich beim Sturz vom Pferd zwei Rippen. Noch im März 1954 hütete er daraufhin in Widin das Krankenbett.[8]

Am 22. Mai war er als Oberst[16] in einem Gefecht in Turnu verwickelt und sandte daraufhin Gefangene nach Calafat.[20] Im Juli 1854 befand er sich zusammen mit Ismael Pascha und 15.000 Reitern in Giurgevo auf dem Weg nach Bukarest.[21] Dort marschierte er im August 1854 ein.[22]

Anfang 1855 kommandierte er in der Garnison von Eupatoria auf der Krim ein Kavallerieregiment aus drei regulären Eskadronen sowie 200 freiwilligen tartarischen Reitern bestand. Er kämpfte in der Schlacht von Jewpatorija, in der der ägyptische General Selim Pascha starb. Bei einem Entsetzungsversuch am 5. März soll er mit drei Wunden und einem verlorenen Finger durch Oberstleutnant Winner so stark verwundet worden sein, dass Berichte über seinen Tod in den Zeitungen kursierten.[11][23][24][25] Nach seiner Genesung wurde ihm die Paschawürde verliehen.[3][26]

Zusammen mit Omar Pascha wurde er nach Batumi eingeschifft, um gegen die Belagerung von Kars vorzugehen, jedoch ohne Erfolg. Er nahm an der Schlacht am Ingur am 6. November 1855 teil.[3]

Im Oktober 1957 wurde Omar Pascha zum Gouverneur von Bagdad ernannt. Iskender Pascha war ebenso Teil seiner Karawane, die über Aleppo in die Wüste zog.[27] Im Dezember 1857 gab es Meldungen vom Tod Iskender Paschas auf dieser Reise.[28][6] Dass dem nicht so war, ist aus einer Meldung vom September 1860 zu entnehmen, die von der Rückkehr Iskender Paschas berichtet.[29]

Er starb im folgenden Jahr, am 8. Juni 1861, in Konstantinopel.[30]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • R.L.V.ffrench Blake: The Crimean War Sphere Books, London 1971, S. 137 (englisch)
  • Mirgül Eren-Griffe: Osmanlı'nın hizmetkârı: Galip Ali Paşa Rızvanbegovic-Stocevic Babil Yayıncılık, Istanbul 2005, S. 125-129, ISBN 975-267-077-6 (türkisch)
  • Jerzy Latka: Adampol, Polska Wies Nad Bosforem, Wydaw. Literackie, Krakau 1981, ISBN 83-08-00603-5 (polnisch)
  • Jerzy Latka: Lew Nasz, Lew Polski: Pasza Iskender (Antoni Ilinski), Społeczny Instytut Historii i Kultury Turcji, Krakau-Danzig 1996, ISBN 83-901448-3-2 (polnisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Antoni Aleksander Iliński – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Austria. In: The Times. London 10. März 1851.
  2. a b S. 225, Volltext in der Google-Buchsuche
  3. a b c d e Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  5. a b c Constantin von Wurzbach: Iliński, Anton Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 10. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1863, S. 191 (Digitalisat).
  6. a b Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  8. a b c Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  9. "Interview" Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  10. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  11. a b Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  12. Constantin von Wurzbach: Iliński, August Graf. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 10. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1863, S. 190 (Digitalisat).
  13. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  14. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  15. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  16. a b c Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  17. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  18. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  19. a b c Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  20. Latest Intelligence In: The Times, London 2. Juni 1854, Ausgabe 21757, S. 7
  21. Vienna. In: The Times, London 20. Juli 1854, Ausgabe 21798, S. 9
  22. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  23. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  24. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  25. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
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  27. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  28. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  29. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche
  30. Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche