Antoniberg (Rennertshofen)

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Koordinaten: 48° 44′ 19″ N, 11° 4′ 32″ O

Antoniberg
Höhe: 417 m
Eingemeindung: 1. Januar 1978
Postleitzahl: 86643
Vorwahl: 08434
Lindenallee zum Antoniberg
Annakapelle und Antoniuskapelle
Gruftkapelle
Blick in die Gruftkapelle

Antoniberg ist ein Ortsteil des Marktes Rennertshofen (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, Bayern) und gleichzeitig ein Kalkstein-Berg mit einem Steilhang zur Donau hin.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil liegt südöstlich vom Rennertshofener Ortsteil Stepperg, zu dessen Gemarkung er gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Fuße des Antoniberges sind im Flussbett der Donau Reste einer hölzernen Brücke nachgewiesen, die um 150 n. Chr. von den Römern errichtet wurde und seit 1992 mehrmals von der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie untersucht wurde.[1]

Im Alten Reich gehörte der Antoniberg, dessen alte Bezeichnung auf „Iarnberg“ lautete, mit seiner Kapelle als Filiale der Pfarrei Stepperg (vor der Reformationszeit im Besitz des Klosters Niederschönenfeld) zur Grafschaft Lechsgemünd-Graisbach und schließlich zur Hofmark Stepperg.[2]

Im neuen Königreich Bayern (1806) wurde Stepperg mit der Einöde Antoniberg und anderen Orten und Mühlen dem Steuerdistrikt Riedensheim zugeteilt.[3] 1840 hatte Antoniberg nur zwei Einwohner.[4] Bei der Bildung der Gemeinden wurde Stepperg mit Antoniberg eine eigenständige Gemeinde, die als solche bis Ende 1977 existierte. Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde Stepperg und damit auch Antoniberg am 1. Januar 1978 in den Markt Rennertshofen eingegliedert.[5]

Naturdenkmal „Antoniberg mit Strudelloch“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Antoniberg ist – mit Ausnahme der beiden Kapellengrundstücke – ein flächenhaftes Naturdenkmal von 3,2 ha, zu dessen Schutz der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen am 25. August 1982 eine Verordnung erlassen hat. Der Berg ist überwiegend mit Laubmischwald bestockt, vornehmlich aus alten Linden bestehend, während am südlichen Hangteil zum Fluss vor allem wärmeliebende Sträucher und Halbtrockenrasen gedeihen. Um ein Zuwachsen des Halbtrockenrasens zu verhindern, und somit seine Artenvielfalt zu sichern, ist eine Hüteschäferei erforderlich. Im Westen des Berges befindet sich an dessen Fuß die Antoniberg-Höhle (Strudelloch), eine Ausspülung der Donau im Kalksteinfelsen.[6]

Antoniuskapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingebettet in die Landschaft liegt auf der ausgedehnten Plattform des Berges die Antonius-Kapelle, welche 1676 vom Bauherr Freiherr Johann Dominik von Servi erbaut wurde. Zur Antoniuskapelle gehörte auch eine Einsiedelei, von der heute nur noch Reste der Grundmauern zu sehen sind.

Die Antoniuskapelle als ehemaliger Wallfahrtsort zum Hl. Antonius, war früher der erste Ort nördlich der Alpen, wo per päpstlichem Dekret der Portiuncula-Ablass erlangt werden konnte. Zu dieser Zeit pilgerten am 13. Juni und am 1. Sonntag im August bis zu 15.000 Gläubige an diesen Ort, wo 10 bis 15 Geistliche unter freiem Himmel die Beichte abnahmen. Für viele Auswanderer nach Siebenbürgen oder Ungarn, die damals ihre Heimat mit dem Floß auf der Donau verließen (vgl. Donauschwaben), war dies oftmals die letzte Gelegenheit für den Empfang der Sakramente.[7]

Die Anna-Kapelle wurde 1790/92 durch Freiherr Josef Sebastian von Staader im rechten Winkel links an den Chor der Antoniuskapelle angebaut. So entstand eine Doppelkapelle. Seit Jahren hängt an der Eingangstür der Anna-Kirche ein Schild mit der Aufschrift: „Einbruch sinnlos – Kirche total ausgeraubt“; der Raub kirchlicher Kunstgegenstände aus den beiden Kapellen fand im März 1979 statt.[8]

Bis heute hat die Wallfahrtskirche St. Antonius – St. Anna ihre Anziehungskraft nicht verloren, und zum jährlichen Antoniusfest pilgern viele Gläubige auf den Antoniberg.[9]

Gruftkapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Berg befindet sich die unter der Leitung von Professor von Ludwig Foltz aus München 1852/55 erbaute Gruftkapelle der adeligen Familien von Arco und Moy. Am 28. März 1855 wurde die am 23. Juni 1848 tödlich verunglückte bayerische Kurfürstin Maria Leopoldine, Erzherzogin von Österreich-Este und Gräfin von Arco, von der Pfarrkirche St. Michael in eine der 30 Gruftzellen der neugotischen Kapelle mit Fialentürmchen umgebettet; auch ihr zweiter Ehemann, Graf Ludwig von Arco, wurde hier bestattet.[10] Weil der Antoniberg der Lieblingsplatz von Maria Leopoldine war, hatte der aus zweiter Ehe mit Graf Ludwig von Arco stammende Sohn Aloys für die Bestattung seiner Mutter die Gruftkapelle errichten lassen.[11]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Nadler: Historischer Atlas von Bayern. Neuburg an der Donau. Das Landgericht Neuburg und die Pfleggerichte Burgheim und Reichertshofen. München 2004.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die römische Donaubrücke von Stepperg "Das Finale". Bayerische Gesellschaft für Unterwasserarchäologie e. V., abgerufen am 25. Februar 2017.
  2. Nadler, S. 80, 243, 303
  3. Intelligenzblatt des Königlich-Baierischen Oberdonau-Kreis. Nr. 13, 30. Juni 1818, Spalte 506
  4. Joseph Anton Eisenmann und Karl Friedrich Hohn: Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern. 1. Band, Erlangen 1840, S. 61.
  5. Nadler, S. 410
  6. Verordnung des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen über den Schutz des „Antoniberges mit Strudelloch“ als flächenhaftes Naturdenkmal vom 17.8.1982 (PDF) – (Amtsblatt Nr. 34 für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, den 25.8.1982)
    Antoniberg mit Strudelloch bei Stepperg – (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, abgerufen am 18. September 2014)
  7. Pfarrkirche Stepperg und Antoniusberg – (Bistum Augsburg, abgerufen am 30. April 2014)
  8. Die Weltkunst, Bd. 49, 1979, S. 1841
  9. Wallfahrt: Der „Schlampertoni“ hilft auch den Alten – (Neuburger Rundschau vom 15. Juni 2011)
    Hochwasser weckt Nächstenliebe – Patrozinium auf dem Antoniberg in Stepperg – (Neuburger Rundschau vom 18. Juni 2013)
  10. Anton Steichele: Das Bisthum Augsburg, historisch und statistisch beschrieben. 2. Band, Augsburg 1864, S. 725.
  11. Mystische Momente – Tag des offenen Denkmals – (Neuburger Rundschau vom 12. September 2010)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]