Antoninuswall

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Antoninuswall
Alternativname vallum Antonini,
Grim’s Dyke
Limes Britannien
Datierung (Belegung) 2. Jahrhundert n. Chr.
Typ Sperrwerk mit Kastellen und
Graben
Einheit a) Legionen,
b) Auxilia
Größe Länge: 65 km,
Breite: 5 m,
Höhe: 4 m
Bauweise Holz-Grassodenziegel-Konstruktion
Erhaltungszustand Nordgraben ist noch in weiten Teilen sichtbar
Ort Strathclyde und Central Region
Geographische Lage 55° 58′ 0″ N, 4° 4′ 5″ WKoordinaten: 55° 58′ 0″ N, 4° 4′ 5″ W
Vorhergehend Hadrianswall
Anschließend Gask-Ridge
Die Kastelle am Antoninuswall
Lage des Antoninuswalls und des Hadrianswalls
Büste des Antoninus Pius
Der Antoninuswall beim Barr Hill zwischen Twechar und Croy, von Westen her gesehen
Reste des Walles bei Bar Hill
Reste der Hypokaustanlage der Therme von Bar Hill
Der Wall bei Falkirk
Infrarot-Aufnahme des Kastells bei Kinneil, nahe Bo'ness im Ostsektor des Walls
Überreste der Therme beim Kastell Bearsden

Der Antoninuswall (von lateinisch Vallum Antonini „Wall des Antoninus“) war Bestandteil des britannischen Limes. Er war die zweite große Wallanlage, die von den Römern im Norden Britanniens errichtet wurde. Die Holz-Erde-Anlage ist weniger bekannt als der weiter südlich gelegene, vollständig in Stein ausgeführte Hadrianswall. Er war bis zum Ende des 2. Jahrhunderts und noch einmal für kurze Zeit im frühen 3. Jahrhundert mit römischen Truppen besetzt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sperrwerk wurde an der geographisch schmalsten Stelle (Central Belt) Schottlands, an Clota (Firth of Clyde) und Bodotria (Firth of Forth), quer durch die Central Lowlands errichtet. Es stand etwa 150 km nördlich des Hadrianswalls. Diese strategisch günstige Lage wurde bereits von Agricola erkannt und dient heute noch als Straßentrasse. Er war rund 60 km lang (das entspricht ein wenig mehr als der Hälfte des Hadrianswalls) und erstreckte sich von im Westen gelegenen Kastell Old Kilpatrick, in Dunbartonshire, am nördlichen Ufer des Clyde bis zum östlichsten Kastell Carriden bei Bridgeness am Firth of Forth. Von den südlichen Anhöhen des Forth-,Carron- und Kelvintales beherrscht er das Umland und bietet einen hervorragenden Ausblick nach Norden. Der genaue Verlauf zwischen Bridgeness und Carriden ist ungewiss, dennoch stammen von hier die am sorgfältigsten ausgearbeitenden Bauinschriften. Am Südufer des Carron zieht sich der Wall über die Basaltkuppen von Croy- und Bar Hill zu den Killsyth Hills bis zu den Campsie Fells. Bei den Kastellen Inveravon und Balmuildy quert er die Flüsse Avon und Kelvin. Auch im Westabschnitt wurde der Wall bevorzugt auf Anhöhen errichtet (Kilpatrick Hills).[1]

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach gegenwärtigem Forschungsstand dienten die römischen Limites der Kaiserzeit primär der Regulierung und Überwachung des friedlichen Grenzverkehrs sowie der Erhebung von Zöllen.[2] Dies galt grundsätzlich auch für die Anlagen in Britannien. Vorübergehend sollte er wohl die Funktionen des Hadrianswalls übernehmen. Das fast vollständige Fehlen von Annäherungshindernissen wie z. B. Palisaden oder Ähnliches wirft jedoch ein besonderes Licht auf dieses Bauwerk und letztendlich auf die Gesamtkonzeption der Eroberungspolitik eines Herrschers, der Italien während seiner gesamten Regierungszeit nie verlassen hat. Die genauen Beweggründe des Kaisers für die Errichtung des Walls sind unklar. Offenbar sah er schon kurz nach seinem Herrschaftsantritt die Notwendigkeit, wieder einen größeren Landstrich in das Imperium zu integrieren und durch einen Wall abzusichern. Eventuell sollten damit aufkommende Zweifel an seiner militärischen Kompetenz zerstreut werden. So konnte sich Antoninus Pius, ganz in der Tradition seiner militärisch erfolgreichen Vorgänger, im Jahr 142 als Imperator akklamieren lassen.[3] Ob er deswegen in Rom auch einen Triumphzug abhielt,[4] ist umstritten, da die Quellen nichts dergleichen erwähnen.[5] Damit setzte sich Antoninus in auffälliger Weise von Hadrian ab, der auf derartige Inszenierungen verzichtet hatte.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Römern war das Land nördlich des Walls als Caledonia bekannt. Möglich wäre, dass sich auch der gälische Name für Schottland (Alba) aus dem Lateinischen ableitet. Nach dem Tod Hadrians entschloss sich sein Nachfolger Antoninus Pius, aus strategischen Gründen, taktischer Bequemlichkeit oder aus wirtschaftlichen Interessen wieder jenes Gebiet zu besetzen, das im 1. Jahrhundert n. Chr. unter Agricola die nördliche Reichsgrenze gebildet hatte. Möglicherweise sollten die dort ansässigen Stämme ins Reich eingegliedert werden da die Romanisierung auch bei ihnen zunehmend Wirkung zeigte. In dieser Zeit kam es deswegen in den Lowlands aber auch zu schweren Unruhen, da die traditionellen Hillforts auf Druck der Römer geräumt und die Bevölkerung ihre Wohnsitze in die Ebene verlegen mussten wo sie leichter zu kontrollieren war. Bei solchen Aufständen war es für die Armee weitaus schwieriger vom weit entfernten Hadrianswall aus rasch zu intervenieren.

Der Gewinn für Rom war allerdings (im Vergleich mit dem dafür betriebenen Aufwand) nur gering. Auch wenn die Wiederbesetzung das landwirtschaftlich ertragreiche Gebiet der Votadinii wieder unter die Herrschaft Roms brachte. Dass es dabei zu größeren Kampfhandlungen kam, ist unwahrscheinlich, da die Römer das Gebiet bereits vorher weitgehend unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Da die Armee, anstatt ganz Caledonien zu besetzen, nur bis an die Forth-Clyde-Linie vorrückte und der Wall nicht von Anfang an in Stein hochgezogen wurde, lässt annehmen, dass keine dauerhafte Besetzung dieser Region geplant war. Der Wall stellt dennoch eine beeindruckende Leistung dar, da seine Kernstrukturen innerhalb von zwei Jahren fertiggestellt wurden.[6]

Der Anmarsch der Armee erfolgte über schon seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. bestehenden Straßen in den Central Lowlands. Sie wurden ebenfalls durch Kastellketten gesichert. Für den Feldzug mussten auch die Garnisonen aus den Pennineskastellen herangezogen werden. Dennoch wurde dieses Bergland nicht gänzlich entmilitarisiert. Der Hadrianswall wurde, mit Ausnahme einiger Schlüsselpositionen, aufgegeben und die Wallgräben mit Erddämmen passierbar gemacht. In den Wallkastellen blieben nur kleine Restbesatzungen zurück oder es wurden dort als Ersatz Legionäre stationiert. Die Vorpostenkastelle wie Birrens und High Rochester blieben weiterhin besetzt oder wurden – wie das Kastell Risingham an der Dere Street zwischen 184/185 – neu gegründet. Im Zuge der Errichtung des Walls wurden auch einige Kastelle Agricolars, wie z. B. Glenlochar und Raeburnfoot wieder besetzt oder neue Kleinkastelle errichtet.

Der Bau des Walls dauerte von 142 bis 144 n. Chr., nachdem in den ersten Jahren der Herrschaft des Antoninus Pius der Statthalter Quintus Lollius Urbicus das Gebiet nördlich des Hadrianswalls besetzt hatte.[7] Die Fertigstellung der gesamten Infrastruktur der Grenzanlage nahm vermutlich noch weitere zwölf Jahre in Anspruch. Am Nordufer des Clyde führte eine Straße von Old Kilpatrick zu einem Hafen bei Dumbarton. Er lag außerhalb des von den Römern okkupierten Gebietes, dies zeigt, dass die Armee auch das Land vor dem Wall unter Kontrolle hatte. Am Tay wurden Vorposten errichtet die die Five-Halbinsel sichern sollten und als Frühwarnsystem dienten. Bei Watling Lodge führte eine Straße zu den alten Gask-Ridge-Kastellen Bertha, Strageath und Ardoch die ebenfalls wieder mit römischen Tuppen belegt wurden.[8]

Trotz der von den Römern zusätzlich auch in den Lowlands entlang der Hauptverbindungsstraßen zahlreich errichteten temporären Lager konnten sie die dort ansässigen Pikten- und Kelten-Stämme aber nie auf Dauer unterwerfen. Bereits gegen 160, noch vor dem Tod des Antoninus, wurde ein Großteil der römischen Truppen wieder an den Hadrianswall zurückverlegt. Schließlich wurde der Antoninuswall um 182, nach nur ca. 40 Jahren Besetzung, endgültig aufgegeben. Hauptgrund hiefür dürfte aber nicht der Druck der caledonischen Stämme sondern der massive Einfall von Barbarenvölkern an der Donaugrenze gewesen sein. Danach gelangten römische Soldaten erst im Jahre 208 – unter Kaiser Septimius Severus – wieder in diese Region; möglicherweise wurden dabei auch der Antoninuswall und seine Kastelle im Zuge dieses Feldzuges vorübergehend wieder bemannt. Darauf könnte zumindest die Erwähnung einer „Mauer des Severus“ bei späteren Historikern zurückzuführen sein, mit der wohl in Wirklichkeit der Antoninuswall gemeint war.

Der Wall wird noch in der Spätantike bei den Chronisten Eutropius und Orosius erwähnt, im frühen Mittelalter bei Beda Venerabilis. Im Mittelalter wurden die Reste des Walls und seines Grabens als „Graham’s Dyke“ oder auch „Grim’s Dyke“ bezeichnet. Der größte Teil des Antoninuswalls wurde im Laufe der Zeit entweder zerstört oder durch natürliche Erosion abgetragen, doch einzelne Abschnitte sind bei Bearsden, Kirkintilloch, Twechar, Croy, Falkirk und Polmont nördlich von Glasgow noch gut im Gelände zu erkennen.

Wall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derartige Befestigungsanlagen wurden von den Römern auch murus caespiticus oder vallum genannt. Wie beim Hadrianswall wurde auch die Konstruktion des Antoninuswalls mehrmals abgeändert. Durch seine relativ einfache Konstruktion wurde auch wesentlich weniger Material benötigt. Im Vergleich zu seinem Pendant im Süden war er viel niedriger und weniger massiv befestigt, aber dafür wesentlich kürzer und durch sein dichteres Kastellnetz besser zu überwachen. Im Bereich der Großstädte Glasgow und Edinburgh ist vom Wall heute nichts mehr zu sehen. Laut den Bauinschriften wurden zwei Längenmaßeinheiten verwendet. Westlich von Castlehill setzte man zur Angabe der Distanz (6,5 km) die römische Meile ein. Dieser Abschnitt war vermutlich in zehn Baulose à 1 römische Meile aufgeteilt worden. Die Länge der Baulose von Castlehill bis Bridgeness wurde in römischen Fuß angegeben. Die dort kürzer ausgemessenen Strecken berücksichtigten wohl das schwierige Gelände.[9]

Das Sperrwerk bestand im Wesentlichen aus einem auf einem 4,3 Meter breiten Steinfundament (bestehend aus einem Bruchsteinkern mit beidseitiger Verschalung), einem aus Rasenziegeln errichteten, ca. drei bis vier Meter hohen und fünf Meter breiten Damm mit Wehrgang, gekrönt mit einer hölzernen Brustwehr aus Palisaden oder Flechtwerk. Die Steinfundamente lassen vermuten, dass der Wall nach den ursprünglichen Plänen wie sein südliches Pendant ebenfalls gänzlich in Stein ausgebaut werden sollte, was aber offenbar später wieder verworfen wurde. Bei steil abfallenden Gelände wie in Bearsden wurde es treppenartig gesetzt, bei Caddar stieß man auf bis zu vier Meter hohe Stufen die das Gelände künstlich terrassierten. Durch Entwässerungsgräben wurde das Fundament trocken gehalten. Abschnittsweise unterschiedliche Fundament- und Wallbreiten dürften auf die Ausführung der Bauarbeiten durch zwei Bautrupps zurückzuführen sein.[10]

Militärstraße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf einer Distanz zwischen 37 bis 46 Meter wurde der Wall im Süden von einer befestigten Straße begleitet. Sie war fünf Meter breit, in der Mitte leicht aufgewölbt und an beiden Seiten mit Abzugsgräben zur Entwässerung versehen. Bei vielen Lagern war sie als von Ost nach West verlaufende via principales in die Befestigungen integriert. Die Straße sollte rasche Truppenbewegungen ohne unvorhergesehene Hindernisse auf der Ost-Westachse ermöglichen und war deswegen für Zivilisten gesperrt. Bei Duntocher, Cadder, Bar Hill und Bonnyside scheint sie noch vor dem Wall angelegt worden sein.[11]

Nordgraben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An seiner Nordseite wurde er durch einen breiten Graben als Annäherungshindernis begrenzt, an der Südseite verlief eine gut ausgebaute Straße, die als Patrouillenweg gedient haben dürfte. Der Graben lag ca. sechs bis neun Meter nördlich vor dem Wall. Er war durchschnittlich 12,2 Meter breit und 3,5 Meter tief. Bei Croy Hill wurde er von Basaltfelsen unterbrochen. Sein Aushubmaterial wurde an seiner Nordseite zu einem Damm aufgeschüttet. Um ihn zu passieren, muss es mehrere Erddämme oder Brücken nach Norden gegeben haben. Ein Übergang konnte bei Watling Lodge nachgewiesen werden.[12]

Kastelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie der Hadrianswall war auch der Antoninuswall mit einer Kette größerer und kleinerer Kastelle verstärkt die direkt am Wall lagen. Das am besten erhaltene Kastell liegt bei Rough Castle. Im Abstand von jeweils zwei römischen Meilen (etwa drei Kilometer) wurden insgesamt 27 Holz-Erde (Torf)-Kastelle und Wachtürme in der für die mittlere Kaiserzeit typischen Spielkartenform errichtet. Ausnahmen waren nur die Lager von Castlecary und Balmuldy, die mit Steinmauern umgeben waren. Die Tore verfügten nur über eine Durchfahrt. Die Befestigungen waren, bis auf drei, alle nach Norden orientiert. In Newstead, wo zwei Einheiten stationiert waren, trennte ein Graben die retendura vom vorderen Bereich des Kastells ab. Vielleicht sollten damit die Legionäre von den Auxiliaren abgesondert werden. Der Zugang wurde zusätzlich von zwei Türen flankiert. An einigen von ihnen war ein Annex angebaut worden. In Bearsden wurde sogar ein Badegebäude miteinbezogen. Die meist völlig von Gebäuden freigehaltenen Flächen dienten ansonsten wohl der Aufnahme von Troßwagen, den Zugtieren oder Werkstätten. Die Lager von Bar Hill und Bearsden sprangen etwas nach Norden vor. Die letzten am Wall errichteten Kastelle orientierten sich nach Osten. Einige der Kastelle waren mit mehreren Wehrgräben umgeben worden. 27 Meter vor den Mauern von Rough Castle stieß man auf Gruben, die wohl einst mit zugespitzten Pflöcken gespickt waren und als Annäherungshindernisse dienten.[13]

Primary forts: Die ersten sechs Kastelle, die primary forts (PF), wurden in einem Abstand von etwa 13 km errichtet. Dies entsprach der Distanz die ein Infanterist an einem Tag zurücklegen konnte. Die Abstände differieren aber, bedingt durch das teils unterschiedlich beschaffene Gelände, ein wenig voneinander. Einige Lager im Westabschnitt (Balmuildy, Mumrills, Old Kilpatrick) bestanden schon vor der Errichtung des Walls, wie sich an einigen Details ihrer Mauern erkennen ließ. Mumrills und Castlecary waren sogar schon seit den Tagen des Agricola mit römischen Soldaten belegt. Im Osten mussten hingegen alle Kastelle erst neu errichtet werden.[14]

Secondary forts: Um die Entfernung zwischen den Kastellen auf 3,2 km zu verringern, wurden etwas später eine Reihe weiterer Kastelle gegründet, die secondary forts (SF). Diese Anlagen waren allerdings flächenmäßig viel kleiner als die PF. Sie wurden auch nicht mit einem eigenen Gebäude für die Lagerverwaltung (principia) versehen und wurden wohl, wie die Meilenkastelle am Hadrianswall, von den benachbarten PF aus kommandiert. Wahrscheinlich wurden hierfür nacheinander die Kastelle in Rough Castle, Westerwood, Croy Hill, Ceddar und vermutlich Bearsden errichtet. Diese Abfolge wird u. a. durch Beobachtungen in Dundocher gestützt. Hier wurde ein bereits bestehendes Kleinkastell in das SF miteinbezogen. Im Westabschnitt erforderten die menschenleeren und als Aufmarschgebiet für Invasoren viel gefährlicheren Campsie Fells und das Kilsyth Hügelland eine höhere Anzahl von Truppen. Im Ostabschnitt errichtete man deutlich weniger SF's. Hier erachtete man wohl die Vorfeldsicherung durch die Kastelle auf der Five-Halbinsel als ausreichend. Sie sollten aber vermutlich hauptsächlich die mit den Römern verbündeten Stämme schützen.[15]

Zivilsiedlungen: Laut einer in Carriden entdeckten Inschrift dürften um einige der größeren Kastelle im Laufe der Zeit auch Siedlungen (vicus) entstanden sein die sich allerdings selbst verwalteten und nicht unter dem Kuratel des Militärs standen.[16]

Meilenkastelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lange war man in der Forschung der Meinung, dass – im Gegensatz zum Hadrianswall – am Antoninuswall keine Meilenkastelle angelegt worden waren. Inzwischen sind jedoch die Überreste von sieben römerzeitlichen Befestigungen als solche identifiziert worden. Vermutlich standen ursprünglich 40 von ihnen am Wall. Die Kleinkastelle verkürzten die Distanz zwischen den einzelnen Stützpunkten auf 3,2 km. Ihre Besatzung umfassten wohl nicht mehr als acht bis zwölf Mann. Die Innenbauten waren aus Holz. Das Tor befand sich im Süden und bestand aus einem Turm mit einem Durchgang. Ein nördlicher Durchgang existierte nicht. Genauer untersucht wurden nur die Kastelle von Wilderness Plantation und Duntocher. Wahrscheinlich entstanden sie zeitgleich mit dem Wall und den PF's. Diese Annahme unterstützen die abgerundeten Ecken der Lager von Duntocher und Cheddars, die dieselbe (geplante) Wallanbindung aufweisen wie die Kastelle. Wilderness Plantation, Croy Hill, Seabegs und Kinneil sind hingegen direkt mit dem Wall verbunden worden. Sie entstanden wohl gleichzeitig mit der Antoninusmauer. Das bekannteste Kleinkastell befindet sich bei Kinneil House, am östlichen Ende des Walls, nahe Bo’ness. Westlich von Bishopton überwachten Kleinkastelle in Lurg Moor und Outerwards die Südküste des Mündungstrichters des Clyde. Eine durchgehende Sperre des Clydeufers mit Palisaden, wie am Solway, war dort aber archäologisch nicht nachweisbar.[17]

Wachtürme/Signalstationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wachtürme, die in regelmäßigen Abständen an die Mauer angebaut waren, wurden am Antoninuswall bislang nicht nachgewiesen. Vielleicht verzichtete man, wegen der vielen Meilenkastelle auf ihre Errichtung. Bei drei, nahe Croy Hill und Rough Castle entdeckte, fünf Meter mal fünf Meter im Quadrat messende Steinplattformen könnte es sich allerdings um die Fundamente von Signalstationen handeln.[18]

Garnisonstruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Garnisonen des Walles bestanden aus Legionsvexillationen und Hilfstruppenkohorten (auxilia). Im Vorpostenkastell Bertha sind zwei Einheiten belegt, die gemeinsam dort untergebracht waren. Südlich des Walls lagen meist nur Vexillationen in den Lowlands-Kastellen die die Nachschublinien sichern sollten. Auch für Newstead (Trimontium) sind zwei Vexillationen bekannt, die ebenfalĺs gemeinsam dort stationiert waren. An Kavallerie ist am Antoninuswall nur eine ala und einige teilberittene Auxiliakohorten (cohors eqitata) bekannt. Die westlichen Flanken des Walls wurden von der im Kastell Bishopton stationierten Reitereinheit gesichert. Sie war für den unteren Verlauf des Clyde zuständig.[19]

Bauinschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Ausgrabungen wurden 18 Steintafeln (sog. distance slabs) geborgen, die bei Vollendung eines Wallabschnittes als Bauinschrift zurückgelassen wurden. Sie ermöglichten die Identifizierung eines Großteils der am Bau des Walles beteiligten Einheiten. Aus dieser Analyse geht hervor, dass er zum überwiegenden Teil von Angehörigen der drei Stammlegionen Britanniens erbaut wurde:

Auf den Inschriften der Legio VI und der Legio XX werden nur Vexillationen erwähnt. Bei denen der Legio II fehlen diese Hinweise. Vermutlich wurde sie in kompletter Mannschaftsstärke zum Bau des Walls abkommandiert während die beiden anderen überwiegend zur Sicherheit der britischen Provinzen eingesetzt waren und kleinere Baulose zugewiesen bekamen. Die bislang aufgefundenen Exemplare lassen sich in zwei geographische Gruppen einteilen. Die meisten von ihnen sind noch hervorragend erhalten, was annehmen läßt, dass sie vor dem Abzug der Römischen Armee abgenommen und vergraben wurden. Die unterschiedlich formulierten Texte wurden wohl von den Kommandeuren der jeweiligen Bautrupps vorgegeben und nennen den regierenden Kaiser, die dafür verantwortliche Legion und die Länge des Bauloses. Auf zwei Steinen der Legio VI wird mit der Formulierung "opus valli" ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sie Bauarbeiten am Wall durchführte. Die Namen der amtierenden Statthalter sowie einzelne Kohorten oder Centurien, wie auf den centurial stones des Hadrianswalls, werden nicht angegeben.[20]

Ein besonders sorgfältig und aufwendig gestaltetes Exemplar, gefunden 1868 auf dem Windmill Hill, nahe Bridgeness, am östlichen Ende des Antoninuswalls, befindet sich heute im National Museum of Antiquities, in Edinburgh. Es wurde mit der beschrifteten Seite nach unten liegend vorgefunden, als ob es dort absichtlich versteckt worden war. Wahrscheinlich war die Steintafel entweder auf der Nordseite oder am östlichen Abschluss des Walls angebracht gewesen. Die darauf eingemeißelte Inschrift ist Antoninus Pius gewidmet und berichtet in weiterer Folge von der Vollendung des 4652 passus langen Abschnittes von Bridgeness bis zum östlichen Ende des Walles durch eine Vexillation der Legio II. Das Inschriftenfeld wird von sogenannten peltae, kleinen Infanterieschilden, flankiert. Das Relief an der linken Seite zeigt einen römischen Kavalleristen, der eine Gruppe feindlicher, als nackte Barbaren dargestellte Briten niederreitet. Das Relief an der rechten Seite stellt eine rituelle Opferszene dar, eine sogenannte suovetaurilia, in der auf einem Altar ein Bulle und ein Schaf dem Kriegsgott Mars als Opfergabe dargebracht werden.[21]

Römischer Inschriftenstein aus Bridgeness

Weltkulturerbe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 sind die Überreste als Teil des europäischen Limes in der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO eingetragen. Zu dem Eintrag gehören auch andere Abschnitte der römischen Grenzbefestigung, der Hadrianswall und der obergermanisch-rätische Limes; weitere Abschnitte in Südosteuropa sollen folgen.

Die Kastelle am Wall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufzählung von West nach Ost

  • Kastell Bishopton
  • Kastell Old Killpatrick
  • Kastell Duntocher
  • Kleinkastell Cleddans
  • Kastell Castlehill
  • Kastell Bearsden
  • Kleinkastell Summerston
  • Kastell Balmuildy
  • Kleinkastell Wilderness Plantation
  • Kastell Cadder
  • Kleinkastell Glasgow Bridge
  • Kastell Kirkintilloch
  • Kastell Auchendavy
  • Kastell Bar Hill
  • Kastell Croy Hill
  • Kastell Westerwood
  • Kastell Castlecary
  • Kleinkastell Seabegs
  • Kastell Rough Castle
  • Kleinkastell Watling Lodge
  • Kastell Camelon
  • Kastell Falkirk
  • Kastell Mumrills
  • Kastell Inveravon
  • Kleinkastell Kinneil
  • Kastell Carriden
  • Kastell Cramond (Versorgungslager)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lilia (römische Fallgruben)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David J. Breeze: Edge of Empire. Rome’s Scottish Frontier, the Antonine Wall. Birlinn, Edinburgh 2008, ISBN 978-1-84158-737-0 (Rezension (englisch)).
  • Nic Fields: Romes Northern Frontier, AD 70–235, Beyond Hadrians Wall. Osprey Publishing, 2005, ISBN 1-84176-832-4, S. 38 (Fortress 31).
  • William S. Hanson, Gordon S. Maxwell: Rome’s north west frontier. The Antonine Wall. Edinburgh University Press, Edinburgh 1983, ISBN 0-85224-416-9.
  • Rebecca Jones und David J. Breeze: Der Antoninuswall. Roms Nordwestgrenze. (PDF; 2,7 MB) In: Der Limes. Nachrichtenblatt der Deutschen Limeskommission. 6. Jahrgang 2012, Heft 2, S. 28–31.
  • Lawrence Keppie: Scotland’s Roman remains. Introduction and handbook. Mit einem Vorwort von Edwina V. W. Proudfoot. J. Donald, Edinburgh 1986, ISBN 0-85976-157-6.
  • Wolfgang Moschek: Der Limes, Grenze des Imperium Romanum. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN 978-3-89678-833-7 (Reihe Geschichte erzählt).
  • Anne S. Robertson: The Antonine wall. A handbook to the Roman wall between Forth and Clyde and a guide to its surviving remains. Revised edition. Glasgow Archaeological Society, Glasgow 1973, ISBN 0-902018-01-9,
  • Stephen Johnson: Hadrians Wall. B. T. Batsford, London 2004, ISBN 0-7134-8840-9, S. 60–62.
  • Margot Klee: Grenzen des Imperiums. Leben am römischen Limes. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8062-2015-8, S. 24–31.
  • David Breeze: The Antonine Wall: the North-west frontier of the Roman Empire. Edinburgh 2004.
  • C. Stephens, R. E. Jones, J. Gater: Geophysical survey on the Antonine Wall. In: Frontiers of the Roman Empire. (David Breeze und Sonja Jilek), Edinburgh, 2008, S. 79–93.

Elektronische Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Historic Scotland, English Heritage, The Countryside Agency, University of Glasgow: DVD Roms nördliche Grenzen, Hadrianswall/Antoninuswall, Deutsch und Englisch, Theiss, LZ 45 Min, ISBN 3-8062-2055-7

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Antoninuswall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Margot Klee, 2006, S. 26
  2. Egon Schallmayer: Der Limes. Geschichte einer Grenze. München 2006, S. 11–16.
  3. ILS 340.
  4. Wolfgang Moschek: 2010, S. 86.
  5. Vgl. Dietmar Kienast: Römische Kaisertabelle. Darmstadt 1996, S. 134.
  6. Margot Klee, 2006, S. 24–25
  7. Historia Augusta, Antoninus Pius 5: nam et Britannos per Lollium Urbicum vicit legatum alio muro caespiticio summotis barbaris ducto.
  8. Margot Klee, 2006, S. 24–29
  9. Margot Klee, 2006, S. 26–27.
  10. Margot Klee, 2006, S. 28
  11. Margot Klee, 2006, S. 31
  12. Margot Klee, 2006, S. 25
  13. Margot Klee, 2006, S. 29
  14. Margot Klee, 2006, S. 28
  15. Margot Klee, 2006, S. 28
  16. Eine Inschrift erwähnt vicani constistentes Velumiate.
  17. Margot Klee, 2006, S. 29–30
  18. Margot Klee, 2006, S. 30
  19. Margot Klee, 2006, S. 29
  20. Margot Klee, 2006, S. 27–28
  21. CIL 7, 1088 = Roman Inscriptions in Britain 2139: Imp(eratori) Caes(ari) Tito Aelio / Hadri(ano) Antonino / Aug(usto) Pio p(atri) p(atriae) leg(io) II / Aug(usta) per m(ilia) p(assuum) IIIIDCLII / fec(it) („Für den Imperator Caesar Titus Aelius Hadrianus Antoninus Augustus Pius, Vater des Vaterlandes, die zweite Legion Augusta hat dies auf einer Distanz von 4,652 Schritten erbaut“).