Anxiolytikum

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Anxiolytikum (Plural: Anxiolytika) bedeutet wörtlich Angst(auf)löser. Der Begriff bezeichnet Medikamente, die zur Anxiolyse eingesetzt werden, d.h. zur Verminderung übermäßiger oder krankhafter Ängste. Synonym verwendet werden oft auch die Begriffe Ataraktikum („Beruhigungsmittel“) oder minor tranquilizer (engl. für „schwaches Beruhigungsmittel“).[1]

Die Hauptgruppe der wirksamsten Anxiolytika stellen die Benzodiazepine dar. Ihre wesentlichen Risiken und Nebenwirkungen liegen in gezieltem Missbrauch und einer unter Umständen schnellen und starken Suchtentwicklung. In Deutschland werden daher ersatzweise eher Anxiolytika anderer Wirkstoffklassen verordnet.

Wirkstoffgruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzodiazepine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benzodiazepine sind effektive Arzneimittel mit schnellem Wirkungseintritt. Obwohl ihr Nebenwirkungsprofil in der Regel eher unkritisch ist, besteht bei ihnen stets die Gefahr einer schnellen und teilweise sehr starken Suchtentwicklung.[2] Benzodiazepine werden daher in der Regel nur kurzfristig eingesetzt, etwa zur Behandlung von Panikattacken oder als Bedarfsmedikation bei schweren psychischen Grunderkrankungen. Ein weiteres Problem beim Einsatz von Benzodiazepinen sind Rebound-Phänomene beim Absetzen nach längerer Einnahme.[3]

Zu den Benzodiazepinen gehören unter anderem:

Thienodiazepine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Derivate der Benzodiazepine sind die Thienodiazepine entstanden; diese sind Heterocyclen, die einen Diazepin-Ring[4] und einen anellierten Thiophen-Ring[5] statt einem Benzolring enthalten.

Zu den Thienodiazepinen gehören unter anderem:

H1-Antihistaminika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige ältere Antihistaminika der ersten Generation (Histamin H1-Rezeptor Antagonisten) haben auch sedierende oder angstlösende Wirkungen und werden für diese Zwecke eingesetzt. Sie zeichnen sich, wie auch die Benzodiazepine, durch einen schnellen Wirkungseintritt aus, jedoch ohne die Gefahr einer körperlichen Suchtentwicklung. Allerdings zeigen sedierende Antihistaminika gegenüber den Benzodiazepinen ein etwas schlechteres Nebenwirkungsprofil aufgrund ihrer ausgeprägt anticholinergen Wirkungen.[6] Daher wird der Einsatz dieser Wirkstoffklasse bei Senioren über 65 Jahre von einigen Autoren kritisch bewertet. Bekanntester Wirkstoff dieser Gruppe ist Hydroxyzin.[7]

Antidepressiva[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Häufig werden zur langfristigen Behandlung bei Angststörungen Antidepressiva eingesetzt. Diese benötigen häufig mehrere Wochen der Einnahme, bis sie eine ausreichende Wirksamkeit zeigen. Zur kurzfristigen Behandlung oder zum punktuellen Einsatz bei Panikattacken sind sie daher zum Teil ungeeignet. Man unterscheidet Antidepressiva in die verschiedene Wirkstoffgruppen, die bestimmte Eigenschaften gemein haben, und sich individuell unterschiedlich zur Anxiolyse eignen.

Neuroleptika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

So genannte niederpotente Neuroleptika können auch zur Anxiolyse eingesetzt werden. Diese Wirkstoffe gelten bei Angsterkrankungen aufgrund ihrer potentiellen Nebenwirkungen im Normalfall als Mittel der zweiten Wahl. Jedoch können sie bei ausgeprägten Angstsymptomen im Rahmen schwerer psychischer oder körperlicher Erkrankungen Mittel der ersten Wahl sein. Bekannte angstlösende Substanzen aus dieser Gruppe sind Promethazin, Melperon und Pipamperon.[7]

Sonstige Arzneistoffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Angststörungen kommen des Weiteren zum Einsatz:

  • Buspiron - Wirkungseintritt nach einigen Wochen. Körperliche Sucht in der Literatur nicht beschrieben.[8]
  • Opipramol - Wirkungseintritt nach einigen Tagen. Körperliche Sucht unwahrscheinlich, jedoch Absetzphänomene nach langfristiger und/oder hochdosierter Einnahme möglich.[7]
  • Pregabalin - Schneller Wirkungseintritt nach einigen Tagen.[9] Körperliches Suchtpotential wahrscheinlich, Ausmaß bislang unbekannt.[10]
  • Fabomotizol

Pflanzliche Arzneimittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanzenheilkunde und die Volksmedizin kennen ebenfalls einige angstlösende Substanzen.[11] Zu diesen zählen unter anderem:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Finkel, Michelle Alexia Clark, Luigi X. Cubeddu: Pharmacology.. Lippincott Williams & Wilkins, 2009, ISBN 978-0-7817-7155-9, S. 105.
  2. M. Lader, A. Tylee, J. Donoghue: Withdrawing benzodiazepines in primary care. In: CNS Drugs. 23 (1), 2009, S. 19–34.
  3. M. Gelder, R. Mayou, J. Geddes: Psychiatry. 3. Auflage. Oxford, New York 2005.
  4. Otto-Albrecht Neumüller (Hrsg.): Römpps Chemie Lexikon. 8. Auflage. Frank’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1983, ISBN 3-440-04513-7, S. 930.
  5. Otto-Albrecht Neumüller (Hrsg.): Römpps Chemie Lexikon. 8. Auflage. Frank’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1983, ISBN 3-440-04513-7, S. 4234.
  6. Otto Benkert: Psychopharmaka: Medikamente, Wirkung, Risiken. 5. Auflage. München 2009.
  7. a b c Borwin Bandelow, Stefan Bleich, Stefan Kropp: Handbuch Psychopharmaka. 3., vollständig überarbeitete Auflage. Göttingen 2012.
  8. Gerd Laux, Hans-Jürgen Möller: Memorix Psychiatrie und Psychotherapie. 2., aktualisierte Auflage. Thieme, 2011.
  9. R. T. Owen: Pregabalin: its efficacy, safety and tolerability profile in generalized anxiety. In: Drugs Today. 43 (9), Sep 2007, S. 601–610.
  10. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin (Lyrica®) (Aus der UAW-Datenbank) In: Deutsches Ärzteblatt. Jg. 108, Heft 4, 28. Januar 2011, abgerufen am 16. November 2014.
  11. Dieter Melchart: Naturheilverfahren: Leitfaden für die ärztliche Aus-, Fort- und Weiterbildung. Studienausgabe. 1. Nachdruck. Stuttgart 2008.
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