Aonio Paleario

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Aonio Paleario, eigentlich Aonio della Paglia (* 1503 in Veroli; † 3. Juli 1570 in Rom) war ein italienischer Humanist, Rhetoriker und Reformator, der von der Inquisition als Ketzer angeklagt, verurteilt und erhängt wurde.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aonio, früh verwaist, wurde unter Aufsicht Ennio Filonardi, des Bischofs seiner Heimatstadt, erzogen und ging 1520 zum Studium antiker Sprachen und Philosophie nach Rom. Während dem Sacco di Roma, der Plünderung Roms durch die Söldnerheere, ging er 1527 nach Siena, wo er auch die Schriften von Homer und Vergil lesen konnte. 1529 war er kurz in Perugia und ab 1531 in Padova. Hier lernte er die reformorientierten kirchlichen Kreise um Pietro Bembo, Gasparo Contarini und Reginald Pole kennen. In dieser Zeit las er auch viel in der Bibel und nahm die wiederentdeckte evangelische Einsicht der Rechtfertigung aus Glauben an.

1536 erschien sein religiöses Gedicht in lateinischer Sprache De immortalitate animorum in Lyon. Er heiratete und hatte zwei Söhne und zwei Töchter, mit denen er ab 1537 in Cecignano, in Colle Val d'Elsa, in der Nähe von Siena lebte und als Privatlehrer arbeitete.[1]

Im Rahmen der Gegenreformation wurde er 1542 beschuldigt, eine ketzerische Abhandlung mit dem Titel Libellus de morte Christi geschrieben zu haben. Die Anklage verhinderte aber nicht seine Berufung als Rhetoriker an die Oberschule von Lucca von 1546 bis 1555. Dort schrieb er wahrscheinlich seinen ätzenden Angriff auf das Papsttum, Actio in pontifices romanos et eorum asseclas. Das Werk erschien aber erstmals 1606 in Leipzig und 1696 in Amsterdam.

Er war gezwungen, nach Mailand zu gehen. Dort war er als Hochschullehrer für griechische und lateinische Sprache tätig. 1559 wurde er von der Inquisition angeklagt, aber wieder freigesprochen. In Mailand pflegte er weiter briefliche Kontakte mit den Reformatoren Martin Luther, Philipp Melanchton, Martin Bucer und Johannes Calvin. Er wollte ein allgemeines Konzil ins Leben rufen und so der Reformation in Norditalien zum Durchbruch verhelfen.

Nach dem Amtsantritt von Papst Pius V. (1567) wurde er vom Mailänder Inquisitor Fra Angelo von Cremona unter erneute Ketzeranklage gestellt, und im Jahr danach schickte man ihn nach Rom, um den Prozess weiterzuführen. Dort befand er sich in zweijähriger Haft, bis er als reueloser Ketzer erhängt und verbrannt wurde.[2]

Gedenktag und Erinnerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De immortalitate animorum, Sébastien Gryphe, Lyon 1536 und 1552.
  • Libellus de morte Christi, 1542.
    • Le Bienfait de Jésus-Christ Crucifié, übersetzt von Louis Bonnet 1856; Nachdruck ThéoTeX, Independently, 2017, ISBN 978-1-52206-445-9.
    • Die hochnützliche Schrift von der Wohlthat Jesu Christi des Gekreuzigten gegen die Christen, Dörffling & Franke, Leipzig 1857; Nachdruck Nabu Press, 2012, ISBN 978-1-27275-407-5.
    • The Benefit of Christ's Death, Nachdruck Franklin Classics, 2018, ISBN 978-0-34348-582-5.
  • Praefatio De ratione studiorum, Francesco e Simone Moscheni, Mailand 1555.
  • Dialogo intitolato il Grammatico overo delle false essercitationi delle scuole, Francesco Franceschini, Venedig 1567.
  • Actio in pontifices romanos et eorum asseclas, Heidelberg 1600, Leipzig 1606 und Amsterdam 1696
  • Dell'Economia o vero del Governo della Casa, Olschki, 1983, ISBN 978-8-82223-160-4

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aonio Paleario auf Website reformingtoscripture.com (englisch)
  2. [1]