Aostatal

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Aostatal
Wappen der Region Aostatal Flagge der Region Aostatal
Basisdaten
Hauptstadt Aosta
Amtssprachen Italienisch, Französisch
Provinzen keine
Fläche 3.263,22 km² (20.)
Einwohner 127.329 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte 39 Einwohner/km²
Website www.regione.vda.it
ISO 3166-2 IT-23
Präsident Augusto Rollandin
Karte
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Das Aostatal (italienisch Valle d’Aosta, französisch Vallée d’Aoste; frankoprovenzalisch Val d’Oûta; deutsch veraltet Augsttal) ist eine autonome Region mit Sonderstatut in Italien. Die Region hat eine Fläche von 3262 km² und 127.329 Einwohner (Stand 31. Dezember 2015). Sie ist somit die kleinste Region Italiens, sowohl flächen- als auch bevölkerungsmäßig. Die Hauptstadt ist Aosta (französisch Aoste).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Aostatals
Landschaft beim Goversee, Gressoney-Saint-Jean

Das Aostatal grenzt nördlich an die Schweiz (Kanton Wallis), westlich an Frankreich (Rhône-Alpes), südlich und östlich an die Region Piemont (Metropolitanstadt Turin, Provinzen Biella und Vercelli).

Die Region besteht aus dem Tal der Dora Baltea (frz. Doire Baltée) mit einigen Nebentälern in den Alpen. An der Westgrenze liegt der Mont Blanc (it. Monte Bianco), der höchste Gipfel der Alpen, an der Nordgrenze der Monte Rosa (frz. Mont Rose). Das Gebiet umfasst den nördlichen Teil des Nationalparks Gran Paradiso, einen Regionalpark (Parco Naturale del Monte Avic) und mehrere kleinere Naturschutzgebiete sowie Skigebiete.

Unionen Aostataler Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Walsergemeinschaft Oberlystal, bei Issime

Als einzige Region Italiens ist das Aostatal in keine Provinzen unterteilt. Alle provinzialen Kompetenzen sind an die Region übergegangen. Allerdings sind die 74 Gemeinden – mit der Ausnahme Aostas – in acht Unionen Aostataler Gemeinden (französisch Unités des Communes Valdôtaines, selten italienisch Unioni dei Comuni valdostani) organisiert, welche die früheren Berggemeinschaften (italienisch Comunità montane, französisch Communautés de montagne) abgelöst haben.[2]

Union Aostataler Gemeinden Hauptort Einwohner[3] Anzahl Gemeinden
Unité des Communes valdôtaines Évançon Verrès 11.651 9
Unité des Communes valdôtaines Grand-Paradis Villeneuve 15.8192 132
Unité des Communes valdôtaines Grand-Combin Gignod 5.774 11
Unité des Communes valdôtaines Mont-Émilius Quart 22.648 10
Unité des Communes valdôtaines Mont-Cervin Châtillon 16.982 12
Unité des Communes valdôtaines Mont-Rose Pont-Saint-Martin 9.858 9
Unité des Communes valdôtaines Valdigne-Mont-Blanc La Salle 8.939 5
Unité des Communes valdôtaines Walser/
Union der Aostataler Walsergemeinden/
Unione dei comuni valdostani Walser
Issime 2.019 4
93.6901 731
1 Ohne die Hauptstadt Aosta, die keiner Union zugeordnet ist
2 Zuordnung von Sarre nachträglich erfolgt[4]

Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindenamen wurden während des Faschismus italianisiert, nach dem Zweiten Weltkrieg aber in ihrer französischen Fassung wiederhergestellt. Die italienischen Übersetzungen sind, anders als in Südtirol, abgeschafft worden. Nur die Hauptstadt trägt neben einem französischen zusätzlich einen italienischen Ortsnamen.

In der Folge sind die größten Gemeinden (> 2000 Einwohner) aufgelistet (Stand: 31. Dezember 2007).

Gemeinde Einwohner
Aosta/Aoste 34.672
Saint-Vincent 4.846
Châtillon 4.831
Sarre 4.622
Pont-Saint-Martin 3.945
Quart 3.456
Saint-Christophe 3.209
Gressan 3.135
Courmayeur 2.969
Saint-Pierre 2.835
Nus 2.755
Donnas 2.683
Verrès 2.658
Charvensod 2.368
Valtournenche 2.211
La Salle 2.018

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Augustusbogen in Aosta
Burg von Fénis

Ursprünglich von den Kelten bewohnt, wurde die Region im Jahr 25 vor Christus von den Römern erobert. Diese gründeten unter anderem Augusta Praetoria, das heutige Aosta. Burgunder, Ostgoten, Langobarden und Franken ergriffen sukzessive von dem Gebiet Besitz. Seit dem 11. Jahrhundert und bis 1946 gehörte das Aostatal zum Herrschaftsgebiet des Hauses Savoyen. Nur für kurze Zeit fiel es unter französische Herrschaft (1691; 1704–1706, während des spanischen Erbfolgekrieges; 1798–1814 Anschluss durch Napoleon). Als Teil der Region Savoyen war es aber französisch- und frankoprovenzalischsprachig.

1861 wurde das Aostatal Teil des Italienischen Königreiches und der Provinz Turin zugeschlagen. Das restliche Savoyen trat Italien an Frankreich ab. Seit dem zweitgeborenen Sohn des ersten italienischen Königs Viktor Emanuel II., Amedeo, 1870–1873 König von Spanien, der Titel eines Duca di Aosta (Herzog von Aosta) verliehen wurde, führte diese Linie des Königshauses (bis 1946) den Titel fort.

Während des Faschismus wurde die Italienisierung massiv vorangetrieben. Französisch wurde verboten und eine massive Immigration von Italienern gefördert. 1927 wurde das Aostatal von Turin getrennt und zur Provinz erklärt.

Während des Krieges war das Aostatal eines der wichtigsten Zentren des italienischen Widerstandes (it. Resistenza) und wurde dafür mit der goldenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die kleine Region mit einem Sonderstatut versehen, um den annexionistischen Bestrebungen Frankreichs entgegenzusteuern und dem Wunsch der Valdostaner nach Autonomie zu entsprechen. Erster Präsident wurde der Historiker Federico Chabod.

Bevölkerung und Sprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweisprachiger Ausweis

Das Aostatal ist offiziell eine mehrsprachige Region.

Amtssprachen sind Italienisch und Französisch, die offiziell gleichgestellt sind. Sogar in der italienischen Verfassung ist die doppelsprachige Version Valle d’Aosta/Vallée d’Aoste verankert. Alle öffentlichen Ämter richten sich nach der Zweisprachigkeit. In der Schule haben Italienisch und Französisch denselben Stellenwert. So müssen Abiturienten aus dem Aostatal sowohl eine Italienisch- als auch eine Französischprüfung ablegen.

Aus einer Umfrage der Stiftung Émile Chanoux[5] ergab sich jedoch, dass Italienisch für die weitaus meisten Valdostaner Muttersprache ist und nur noch ein Teil der Bevölkerung die traditionelle Volkssprache, einen frankoprovenzalischen Dialekt (Patois), als erste Sprache betrachtet.[6]

Muttersprache Bevölkerungsanteil
Italienisch 71,5 %
Frankoprovenzalisch 16,2 %
Französisch 0,99 %
andere Sprachen und
italienische Dialekte
11,31 %

Immerhin haben beinahe 80 % der Einwohner des Aostatals aufgrund der Schulbildung Kenntnisse im Französischen, Frankoprovenzalisch beherrschen annähernd 70 % der Bürger.

Sprachkenntnisse Bevölkerungsanteil
Italienisch 96,02 %
Französisch 78,35 %
Frankoprovenzalisch 68,46 %
Kindergarten und Volksschule, Gressoney-Saint-Jean

In den Ortschaften Gressoney-la-Trinité, Gressoney-Saint-Jean und Issime wird eine deutsche Mundart gesprochen. Das regionale Statut sieht den Schutz der kulturellen und sprachlichen Minderheit ausdrücklich vor und gewährleistet den muttersprachlichen Unterricht. Das Walserdeutsche wird auch in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola und in der Provinz Vercelli gesprochen. Die Anzahl der Sprecher wird auf 1.000 geschätzt.

Autonomie und Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melodie und Text der Aostatal-Hymne

Aufgrund des Sonderstatuts von 1948 ist das Aostatal eine autonome Region. Der Regionalrat übt die beträchtlichen Gesetzgebungsbefugnisse aus. Er besteht aus 35 Regionalräten. Darüber hinaus gibt es einen Regionalausschuss, dem der Präsident der Region vorsteht.

Sitz der Regionalregierung in Aosta

In Sachen Finanzen stehen dem Aostatal 90 % der eingetriebenen Steuern zu. Das heißt, die Region hat pro Jahr und Einwohner ca. 12.000 € zur Verfügung.[7]

Im römischen Parlament ist das Aostatal durch einen Senator und einen Abgeordneten vertreten, die gemäß dem Mehrheitswahlrecht gewählt werden.

Die politische Bühne wird von der autonomistischen Bewegung Union Valdôtaine dominiert. Bei den Parlamentswahlen 2013 konnte sie ihren Kandidaten Albert Lanièce an der Spitze der Liste Vallée d'Aoste für den italienischen Senat durchsetzen. In der Abgeordnetenkammer wird die Region vom Kandidaten der Stella Alpina Rudi Marguerettaz vertreten. In der Region regiert die Union Valdôtaine, die auch den Regionalpräsidenten stellt, zusammen mit der Stella Alpina.

Durch das Regionalgesetz 6/2006 vom 16. März 2006 wurde das Lied Montagnes valdôtaines zur Hymne des Aostatals erkoren. Die Melodie stammt von Alfred Roland und hatte ursprünglich den Titel „Tyrolienne des Pyrénées“.

Präsidenten der autonomen Region Aostatal
Präsident Partei Amtsdauer
Federico Chabod UV 1946
Severino Caveri UV 1946–1954
Vittorino Bondaz DC 1954–1959
Oreste Marcoz UV 1959–1963
Severino Caveri UV 1963–1966
Cesare Bionaz DC 1966–1969
Mauro Bordon DC 1969–1970
Cesare Dujany DP 1970–1978
Mario Andrione UV 1978–1984
Augusto Rollandin UV 1984–1990
Gianni Bondaz DC 1990–1992
Ilario Lanivi AI 1992–1993
Dino Viérin UV 1993–2002
Roberto Louvin UV 2002–2003
Carlo Perrin UV 2003–2004
Luciano Caveri UV 2004–2008
Augusto Rollandin UV 2008–

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landwirtschaft spielt eine wichtige Rolle. Aus dem Aostatal stammt der als geschützte Marke eingetragene Käse Fontina. Zusätzlich ist die Region ein wichtiges italienisches Weinbaugebiet.

Der bedeutendste Wirtschaftszweig ist der Tourismus. Bekannt sind die Wintersportorte Courmayeur und Breuil-Cervinia, das eine Skischaukel mit dem schweizerischen Zermatt verbindet.

Traditionell gehört das Aostatal zu den wohlhabendsten Regionen Italiens. Die Gemeinde Ayas ist die reichste im gesamten Staat, das Durchschnittseinkommen pro Steuerzahler liegt hier bei 66.408 Euro.[8] Im Vergleich mit dem Bruttoinlandsprodukt der EU ausgedrückt in Kaufkraftstandards erreicht die Region einen Index von 136,1 (EU-25:100) (2003).[9] Die Arbeitslosenquote lag 2005 bei 3,2 %.[10]

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweisprachige Verkehrbeschilderung, Villefranche de Quart

Die von Turin kommende italienische Autobahn A5 durchläuft das gesamte Aostatal und ist über den Mont-Blanc-Tunnel an das französische Autobahnnetz (A40) angebunden. Über den Alpenpass Kleiner Sankt Bernhard besteht eine Verbindung zum französischen Ort Bourg-Saint-Maurice. Der Alpenpass Grosser Sankt Bernhard verbindet den Ort Martigny (Wallis, Schweiz) mit der Stadt Aosta. Außerdem wird das Aostatal durch eine Eisenbahnstrecke von Chivasso über Aosta nach Pré-Saint-Didier erschlossen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Il Consiglio permanente degli enti Locali = Rat der Gebietskörperschaften Aostatals: http://www.celva.it/datapagec.asp?id=818&l=1
  3. Zum 31. Dezember 2013, siehe auch Beschluss des Regionalausschusses vom 28. November 2014, Nr. 1741: http://www.celva.it/download.asp?file=/elementi/www2012/2014/cpel/iterdeipareri/fase4/dgr_2014_1741.pdf
  4. Dekret des Präsidenten der Region vom 3. Dezember 2014, Nr. 481: http://www.celva.it/download.asp?file=/elementi/www2015/cpel/eell_associati/decreto_istituzione_presidente_regione.pdf
  5. Émile Chanoux (* 9. Januar 1906, Rovenaud bei Valsavarenche; † 18. Mai 1944, Aosta), Notar und antifaschistischer Politiker, Mitglied der Resistenza, verstarb in nazifaschistischer Kerkerhaft.
  6. Fondation Emile Chanoux, Sondage Linguistique, Résultats Vallée d'Aoste: Die Zahlen basieren auf der Auswertung von 7500 Fragebögen. Die Erhebung fand im September 2001 statt.
  7. Das reiche Aosta, kleines Kuba des Tourismus, La Repubblica, 12. März 2007
  8. Il Sole 24 Ore, 18. August 2008
  9. Eurostat Pressemitteilung 63/2006 – Regionales BIP je Einwohner in der EU25 (PDF-Datei; 580 kB)
  10. http://www.eds-destatis.de/en/downloads/sif/dn_06_01.pdf (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Aostatal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Aostatal – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Koordinaten: 46° N, 7° O