Aperschnalzen

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Passe beim Rupertigau-Preisschnalzen 2005 in Loig bei Salzburg

Das Aperschnalzen (süddeutsch: aper ‚schneefrei‘) bezeichnet einen bayerisch-salzburgischen Brauch und ist eine Form des Goaßlschnalzens, die zwischen Weihnachts- und Faschingszeit gepflegt wird. Es handelt sich um ein rhythmisches Schnalzen und Knallen mit einer Peitsche, der Goaßl, in kleinen Gruppen, den Passen.

Das Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel wurde 2013 von der UNESCO als Immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Technik des Aperschnalzens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goaßl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Peitsche für das Aperschnalzen wird „Goaßl“ genannt, mit beiden Händen geführt und ist kurzstielig. Der Handgriff ist rund, aus Holz gefertigt, der Durchmesser ist ca. 3 cm und die Länge etwa 50 cm. Die Peitschenschnur ist ein aus mehreren Hanfschnüren gedrehtes Hanfseil mit einer Länge bis zu 4 m, dessen Durchmesser sich von ca. 4 cm beim Holzstiel zum Ende hin verjüngt und an dessen Ende die Treibschnur, Bast genannt (wurde früher aus Bast gedreht) oder auch Poschn (‚Klatschen‘, vergleiche Paschen in der Musik) genannt, befestigt ist. Das Hanfseil ist am oberen Ende des Holzstiels in einer Nut so angebracht, dass es sich um diesen drehen kann. Der Bast wird aus Kunststoffschnüren gefertigt.

Der schnalzende Knall entsteht durch das Schwingen der Goaßl und dem gekonnten Herbeiführen einer plötzlichen Richtungsänderung der Treibschnur am Ende der Goaßl. Der laute Knall der Goaßln soll symbolisch den Winter vertreiben und die Frühlingsgeister wecken. Es gibt Gegenden, in denen mit den Goaßln der Knall am Boden erzeugt wird, um so die Fruchtbarkeitsgeister wachzurufen.

Passen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pass[1] besteht aus je 7 oder 9 Personen. Die besondere Kunst des Aperschnalzens besteht darin, dass nicht nur jeder einzelne einen guten Schlag hat, sondern insbesondere die ganze Gruppe, in rhythmischer Abfolge oder auch „auf Schlag“ gemeinsam. Die Choreographien der Knallmuster ähneln denen beim Prangerschießen (Böllern).

Geschichte und Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Aperschnalzen wird traditionell vom Stephanitag (26. Dezember) bis zum Faschingsdienstag betrieben und findet heute üblicherweise öffentlich Ende Januar/Anfang Februar statt. Ausgeübt wird der Brauch nur im bayerischen Rupertiwinkel und im angrenzenden Salzburger Flachgau, dabei meist in Form von Wettkampfveranstaltungen mit großer Beteiligung. Da diese Zeit in den Fasching fällt, wird dieses Brauchtum oft auch als Faschingschnalzen bezeichnet.

Die größte Veranstaltung ist seit 1954 das Rupertigau-Preisschnalzen, an dem mittlerweile jährlich weit über 100 Passen (in den Klassen Jugend und Allgemeine) teilnehmen. Es wird traditionell jedes dritte Jahr in einem Ort auf der salzburgischen, ansonsten auf der bayerischen Seite ausgetragen. So waren beim Rupertigau-Schnalzen 2012 in Teisendorf 68 Jugendpassen und 124 Allgemeine mit mehr als 1.800 Beteiligten vertreten.[2]

Der bayerische Ort Saaldorf ist der Sitz der bayerisch-salzburgischen Schnalzervereinigung Rupertiwinkel, die 1957 hier gegründet wurde und Schnalz-Veranstaltungen durchführt. Deshalb findet das große Preisschnalzen seit 1954 regelmäßig alle zehn Jahre in Saaldorf statt.

In vielen Gemeinden finden vor dem großen Preisschnalzen einzelne kleine Preisschnalzen statt, bei dem die Gemeindemeister ermittelt werden.

Im März 2013 nahm die Österreichische UNESCO-Kommission diese Kultur als Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel in das Verzeichnis des nationalen immateriellen Kulturerbes in Österreich auf, in der Sparte Gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste.[3] Zweck dieser Ausweisung ist ein verbindlicher Schutz als lebendige Kulturtradition.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 50 Jahre Rupertigau-Preisschnalzen 1954-2004 Festschrift (PDF 3,5 MB, auf schnalzen.de)
  • Das Aperschnalzen. Seminararbeit (PDF 3,5 MB, auf schnalzen.de)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Wort findet sich analog bei den Perchten, Krampus-Gruppen und anderen Bräuchen.
  2. Bericht in der Bergheimer Gemeindezeitung vom März 2012 (unter PDF 3,8 MB, bergheim.riskommunal.net, abgerufen am 9. März 2012).
  3. Aperschnalzen im historischen Rupertiwinkel. Österreichische UNESCO-Kommission: Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich. immaterielleskulturerbe.unesco.at (abgerufen 4. April 2016).